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Confessions of an Economic Hit Man is a book written by John Perkins and published in 2004. It provides Perkins’ account of his career with consulting firm Chas. T. Main in Boston. Before employment with the firm, he interviewed for a job with the National Security Agency (NSA). Perkins claims that this interview effectively constituted an independent screening which led to his subsequent hiring by Einar Greve, a member of the firm (and alleged NSA liaison) to become a self-described “economic hit man”.

http://www.johnperkins.org/

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Angesichts der Risiken einer Reise aus dem Innern Afrikas an die Gestade des gelobten Kontinents scheint es, als hätten die Unglücklichen ihr Schicksal mutwillig herausgefordert. Sie folgten indes nur einem Impuls, den auch unzählige Europäer verspürten in Zeiten, als die Migranten noch den Atlantik überquerten und nicht das Mittelmeer und man sie Auswanderer nannte und nicht Armutsflüchtlinge. Auch sie brachen auf in ein gelobtes Land und waren nicht minder naiv in ihren Erwartungen, als es heute junge Somalier oder Nigerianer sind. Der Unterschied: Die Einwanderer waren willkommen in Amerika, denn die Einwohner hatten in Amerika nichts mehr zu sagen: Die europäischen Kolonialmächte hatten ihnen ihren Kontinent abgenommen, sie vertrieben, getötet, versklavt……. Nach der Unabhängigkeit hatten die Mächtigen Verständnis für die Sorgen der Einwanderer, brauchten mehr Arbeitskräfte und Kampfgenossen, um den Erdteil ganz erobern zu können. Den Weg aus der Armut in Europa haben die Völker Amerikas zahlen müssen!

Abfertigungsanlage für Auswanderer in Bremerhaven, Holzstich von 1871

http://www.deutsche-auswanderer-datenbank.de/index.php?id=11

Die Deutsche Auswanderer-Datenbank (DAD) am Historischen Museum Bremerhaven ist ein Forschungsprojekt über die europäische Auswanderung in die Vereinigten Staaten von Amerika. Die Datenbank erfasst Informationen zu Personen, die im Zeitraum von 1820 bis 1939 Europa über vornehmlich deutsche Häfen in Richtung USA verlassen haben.

Grundlage der Deutschen Auswanderer-Datenbank sind die Passagierlisten der Auswandererschiffe. Diese Passagierlisten mussten den amerikanischen Einwanderungsbehörden vorgelegt werden. Die Listen enthalten Daten zu den auswanderungswilligen Personen sowie zur Reise. Ergänzt werden diese Daten durch Informationen zu den Auswanderern aus weiteren Quellen. Ziel des Forschungsprojekts ist es, diese Daten sozialstatistisch auszuwerten und wissenschaftlich zu beschreiben.

Die Deutsche Auswanderer-Datenbank befindet sich im Aufbau. Sie enthält bereits Daten von 4,4 Millionen Auswanderern. Der aktuelle Datenbestand bezieht sich auf die Jahre 1820-1833, 1840-1891, 1904 und 1907. Besucher des Historischen Museums Bremerhaven können an zwei Terminals selbst nach ausgewanderten Personen recherchieren.

Kommentar Lampedusa und Beppe Grillo

Der Stiefel ist voll

Zwei Senatoren wollen illegale Einwanderung als Straftatbestand abschaffen. Dagegen hetzt auch Beppe Grillo in rechtspopulistischer Manier.

Zeigt, wessen Geistes Kind er ist: Übervater der 5-Sterne-Bewegung, Beppe Grillo. Bild: dpa

Italien steht unter dem Schock der Tragödie von Lampedusa, und die bisherige, auf Abschottung ausgerichtete Ausländerpolitik ist auf dem Prüfstand.

Nur Wenige im Land wunderten sich, dass im Senat das Movimento5Stelle (M5S) die Initiative ergriff. Im Justizausschuss brachten zwei M5S-Senatoren am Mittwoch einen Änderungsantrag ein, sein Inhalt: Abschaffung des Straftatbestandes „illegale Einwanderung“.

Der Antrag kam durch, alle Parteien von links bis zur Mitte stimmten zu. Von rechts dagegen, aus dem Berlusconi-Lager und der fremdenfeindlichen Lega Nord, kam der erwartete Aufschrei.

Alles wie gehabt, alles wie erwartet, wenn nicht noch einer aufgeschrien hätte: ausgerechnet Beppe Grillo, Gründer und Übervater der 5-Sterne-Bewegung.

Grillo rechnet in einem wütenden Post, unterzeichnet von ihm selbst und vom zweiten starken Mann des M5S, dem Web-Guru Gianroberto Casaleggio, mit den allzu fremdenfreundlichen Senatoren aus den eigenen Reihen ab. „Rein persönlich“ sei deren Initiative gewesen, donnert er. In nur wenigen Zeilen folgen dann ein paar Lektionen, die es in sich haben.

Volkes Stimme

Die erste Lektion zielt auf die Entscheidungsmechanismen im M5S. Die Bewegung wolle keine Parlamentarier, die „als Dr. Seltsam ohne Kontrolle“ agieren, „ohne sich mit irgendjemand zu beraten“. Dumm nur, dass jenseits der Fraktionen das M5S gar keine Entscheidungsmechanismen hat – außer den regelmäßigen Machtworten Beppe Grillos.

Das macht am Ende aber gar nichts, wenn man Grillo glauben darf. Schließlich hat, dies die zweite Lektion, M5S ein Programm und eine Methode, an die sich die Parlamentarier gefälligst halten sollen. Die Methode ist recht einfach: M5S wolle der „öffentlichen Meinung“, dem „Volkswillen“  Rechnung tragen und nicht wie die Altparteien „die Bürger ‚erziehen‘“.

Ein charismatischer Anführer, der ziemlich alles allein entscheidet, dazu „Volkes Stimme“, die unverbrüchlich gilt: Das hatten wir schon in der italienischen Politik. Umberto Bossi, Gründer und jahrzehntelanger Chef der Lega Nord, genauso wie Silvio Berlusconi fuhren prächtige Erfolge ein, indem sie den ausländerfeindlichen „Volkswillen“ anstachelten.

Grillo stellt seine Position klar

Und eben dies, so scheint es, hat jetzt auch Grillo vor. Über seinem Post zur illegalen Einwanderung prangt das Foto einer armen, alten, natürlich italienischen Rentnerin; die Frau wühlt am Markt im Müll, um sich ein paar Tomaten aus den Abfällen zu klauben, und Grillo schreibt: „Dieser Änderungsantrag (zur Abschaffung des Straftatbestands illegale Einwanderung, die Red.) ist eine Einladung an die Immigranten aus Afrika und dem Nahen Osten, sich auf den Weg nach Italien zu machen. Lampedusa steht vor dem Kollaps, und Italien geht’s auch nicht besonders gut. Wie viele Klandestine können wir aufnehmen, während jeder achte Italiener nicht genug zu essen hat?“

Immer wieder ist gerätselt worden über die Natur des M5S. „Eigentlich links“ erschien sie vielen, schließlich hatten sich da junge, kritische, informierte Bürger aufgemacht, um die italienische Politik zum Tanzen zu bringen, und viele ihrer Forderungen konnten Linke ohne weiteres unterschreiben: Stopp der Anschaffung von F35-Kampfflugzeugen, Stopp des Baus der Hochgeschwindigkeitsstrecke im Susatal, Grundsicherung für alle Bürger, umweltfreundliche Energie- und Abfallpolitik.

Jetzt aber ist „das Boot voll“, jetzt essen illegale Einwanderer der italienischen Oma die letzte Tomate weg. Grillo ist in bester Gesellschaft, in der Gesellschaft der Le Pens, der Wilders, der Straches – all jener rechtspopulistischen Parteien, die das Immigranten-Gesocks einfach nicht haben wollen. Es ist eine mehr als deutliche Klarstellung: für die Wähler, die Aktivisten, die Parlamentarier des M5S. An ihnen liegt es, ob sie diese offen rechtspopulistische Positionierung in der Ausländerpolitik mitmachen wollen.

http://www.taz.de/!125322/

Geschichte Lateinamerikas im 19. und 20. Jahrhundert
Ein historischer Überblick
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Hauptkapitel

1 Las Americas im Vergleich das “lange” 19. Jahrhundert [PDF-Version]
2 Die “Zweite Conquista” – Lateinamerika und seine Commodities [PDF-Version]
3 Die Weltwirtschaftskrise “1929” in Lateinamerika und die Herausbildung des Populismus [PDF-Version]
4 Soziale Bewegungen in Lateinamerika im 20. Jahrhundert [PDF-Version]
5 Lateinamerika im Weltsystem [PDF-Version]
6 Entwicklungsdiktaturen in Lateinamerika [PDF-Version]
7 Literatur [PDF-Version]
8 Überprüfe dein Wissen!
Lateinamerika im Weltsystem – Zwischen Dependencia und Dissoziation
Die Weltwirtschaftskrise hatte in Lateinamerika tiefgreifende Wirkungen. Lateinamerika, das seit der Zweiten Conquista des 19. Jahrhunderts als Primärgüterlieferant aufgetreten war, wurde aus dem Weltmarkt regelrecht hinausgestoßen – mit einem Wort von außen teilweise dissoziiert. Dies führte zu einer schrittweisen Abkehr vom bis dahin dominanten exportorientierten Wirtschaftsmodell und zur Herausbildung einer neuen, binnen- und industrialisierungsorientierten Wirtschaftspolitik. Getragen wurden dieser Wandel von populistischen Regimen, welche die Herausforderung durch, teils massive, soziale Bewegungen zu beantworten wussten.Nach dem Zweiten Weltkrieg und mit dem beginnenden globalen Wirtschaftsaufschwung kam es zu einer bis dahin im Westen nicht geführten Debatte. Der Begriff Entwicklung machte die Runde. Harry S. Truman erklärte in seiner Inaugural-Rede im Jänner 1949, dass 4/5 der Welt unterentwickelt seien. Alle Länder sollten den Entwicklungsstatus der USA als Zielhorizont betrachten, die westliche Welt sollte Maßnahmen treffen, diesen Prozess zu beschleunigen. Damit war ein neuer Zweig der politischen und wissenschaftlichen Diskussion eröffnet. Die Frage nach dem Wie und Wohin von Entwicklung wird seitdem von unterschiedlichsten Strömungen auf die verschiedene Weise beantwortet.

Die Diskussionen der UN-Wirtschaftskommission für Lateinamerika(Comisión Económica para América Latina [=CEPAL]) und die verschiedenen Strömungen der Dependencia-Schule tragen zu dieser Entwicklungsdiskussion bei. Es handelt sich dabei (abgesehen von den heute vergessenen entwicklungspolitischen Diskussionen in der Sowjetunion der 1920er Jahre) um eine der wenigen nicht-westlichen Theoriebeiträge zu diesem Thema. Darüber hinaus ist die Dependencia der einzige Theorieexport aus Lateinamerika, der weltweit und nachhaltig rezipiert wurde.

Nach dem Stalinisierungsprozess hatte sich die Entwicklungsvorstellung zuerst in der Sowjetunion und folglich in den real-sozialistischen Ländern auf die Erreichung nachholender Industrialisierung und Modernisierung nach westlichem Vorbild reduziert. Waren die Früchte dieser nachholenden Entwicklung auch egalitärer verteilt – Themen wie fortdauernde Entfremdung, demokratische Partizipation, Mensch-Natur-Beziehung, historisch gewachsene strukturelle Deformationen in der Ökonomie, gerechte internationale Austauschverhältnisse etc. waren nicht mehr Teil der offiziellen marxistisch-leninistischen Diskussion.

Während die CEPAL einen reformorientierten und eklektischen Zugang zur Frage “Warum Unterentwicklung und wie sie überwinden?” entwarf, belebte die Mitte der 1960er Jahre entstandenen Dependencia-Theorien das marxistische Erbe neu. Den weitreichendsten Horizont in den inhaltlich heterogenen Dependencia-Theorienbildete die Forderung nach einer sozialen Revolution und der vollständigen Dissoziation (Abkoppelung) vom Weltmarkt.

Dieser Abschnitt versucht sich dem Thema Lateinamerika im Weltsystem vor allem theoriegeschichtlich zu nähern. Die Comisión Económica para América Latina(=CEPAL) und die Dependencia-Schulen stehen dabei im Zentrum.

down 5.1 Die Comisión Económica para América Latina (=CEPAL)
down 5.2 Die Dependencia-Schule
down 5.3 Immanuel Wallerstein und die Weltsystemtheorie – die Erweiterung zum globalen Blick
5.1.1 Die Entstehungsbedingungen der CEPAL
Die unter dem Eindruck der Weltwirtschaftskrise entstandene neue Wirtschaftspolitik in Lateinamerika stand unter folgenden Prämissen: Die Verfolgung einerimportsubstituierenden Industrialisierungsstrategie, die Durchsetzung sozialer Reformen sowie die Ausrichtung auf eine autozentrierte Entwicklung. Lateinamerika war ungewollt durch die Weltwirtschaftskrise teilweise vom Weltmarkt dissoziiert worden. Damit befand sich der Kontinent bis 1945 politisch und ökonomisch im “Auge des Orkans” – die USA und die verschiedenen Mächte Europas waren auf sich selbst konzentriert.Die mit der autozentrierten Ausrichtung einhergehenden populistischen Regime in Lateinamerika (Perón in ArgentinienCárdenas in MexikoVargas in Brasilien etc.) betrachteten sich im Zweiten Weltkrieg jedoch als Teil der Alliierten – 1941 erklärten die meisten Länder Lateinamerikas Deutschland den Krieg. Das Zögern mancher Länder (z. B. Argentinien) spiegelte nicht nur ideologisch-kulturelle Affinitäten wider, sondern auch neu geknüpfte Handelsbeziehungen ab Ende der 1930er Jahre.

Trotz eines binnenorientierteren Wirtschaftsmodells hatten sich in vielen Ländern Lateinamerikas die Handelsexporte wieder stabilisiert (v. a. bei kriegswichtigen Produkten wie Erdöl oder Kautschuk). Die Kombination von binnenorientierter Industrialisierung und der Re-Etablierung der Exporte brachte manche Länder im Jahre 1945 in eine günstige Ausgangssituation: Argentinien z. B. war schuldenfrei geworden, konnte die im britischen Besitz befindlichen Eisenbahnen zurückkaufen, hatte Infrastruktur und Industrie aufgebaut und befand sich auf dem gleichen Entwicklungsniveau wie Kanada. Der Weg schien frei für einen fortgesetzten Modernisierungsschub.

Die Handels- und Wirtschaftspolitik der USA während und nach dem Zweiten Weltkrieg schuf für Lateinamerika jedoch unvorteilhafte Rahmenbedingungen: In den 1930er Jahren und während des Weltkrieges hatten die USA eine Handelsoffensive gegenüber Lateinamerika gestartet, die darauf abzielte, Deutschland und Japan vom lateinamerikanischen Markt fern zu halten. Während die USA immer stärker auf Freihandel und privates Unternehmertum drängten, setzten sich die lateinamerikanischen Staaten vehement für Wirtschaftshilfen aus dem Norden, für Protektionismus und Beibehaltung staatlicher Unternehmen ein.

Die Finanzhilfe an Lateinamerika wurde weitgehend eingestellt, 1946–1950 betrug sie nur noch 2 % der gesamten US-Auslandshilfe.

Der fehlende Zugang zum Kapital erwies sich in den Nachkriegsjahren als zentrales Problem der lateinamerikanischen Länder, die am Nachkriegsaufschwung teilhaben wollten.

Die schwierige wirtschaftliche Lage Lateinamerikas unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg setzte sich aus verschiedenen inneren und äußeren Elementen zusammen: An der Außenseite wirkten der erschwerte Zugang zu Kapital und die nicht erfolgte Wiederanbindung an den europäischen Exportmarkt behindernd. Auf der Innenseite wirkten nicht gelöste Strukturfragen (z. B. die Agrarfrage), der Kapitalmangel und die fehlende Diversifizierung der Produktion einem Modernisierungsschub entgegen. Vor diesem Hintergrund nahm ab 1948 die UN-Wirtschaftskommission für Lateinamerika ihre Arbeit auf.

5.1.2 Geschichte der CEPAL
Sitz der CEPAL in Santiago de ChileDie CEPAL, die Comisión Económica para América Latina, wurde 1948 als UN-Kommission in Santiago de Chile gegründet. Seit Mitte der 1980er Jahre hat sich ihr Zuständigkeitsbereich auf die Karibik erweitert.Ihre Aufgaben sind:

  • wissenschaftliche Analyse und Beobachtung der Entwicklungsprobleme und -prozesse in den lateinamerikanischen Ländern
  • Beratung von Regierungen und Ausbildungsangebote für Regierungsmitarbeiter
  • Förderung der lateinamerikanischen Integration

Die CEPAL avancierte zum Zentrum der entwicklungspolitischen Diskussion in Lateinamerika. Sie vermochte unter ihrem ersten Leiter Raúl Prebisch zu einem Anziehungspunkt für junge Fachleute und Wissenschaftler zu avancieren. Sowohl die Formulierung einer eigenen Entwicklungsvorstellung, des CEPALismo, als auch die Entstehung der Dependencia-Theorie (ab Mitte der 1960er Jahre) nahmen ihren Ausgang in Santiago de Chile.

Die Theoriediskussionen und Arbeiten der CEPAL gingen von Beginn an von einem politischen Selbstverständnis aus. Die Diskussionen stellten einen emanzipatorischen Praxis-Anspruch und sollten zur Überwindung der Unterentwicklung konkrete Beiträge liefern. Wie der Historiker Walter Bernecker feststellt: In Lateinamerika waren nach 1945 Theorien entstanden, “die stets mehr und etwas anderes waren als nur ‚Theorien von Theoretikern für Theoretiker .”

(Bernecker, Walther L.: Der “Cepalismo”: Eine regionale Wirtschaftstheorie und Entwicklungsstrategie. In: http://www.orient.uni-erlangen.de/kultur/papers/berneck.htm(13.01.03))

Die grundlegenden Prämissen der CEPAL können folgendermaßen umrissen werden:

  • Die (strukturalistisch ausgerichteten) Wirtschaftswissenschaftler und technokratischen Modernisierer der CEPAL formulierten eine Reformstrategie. Die Überwindung der Unterentwicklung sollte im Rahmen des bestehenden kapitalistischen Weltsystems vollzogen werden können.
  • Die politische Vision hinter den Arbeiten der CEPAL lautete: Es besteht ein Zusammenhang zwischen wohlfahrtsstaatlicher Entwicklung und Demokratie. Die Reformen sollten soziale Verbesserungen und wirtschaftlichen Aufschwung bringen.
5.1.3 Die inhaltlichen Vorschläge des CEPALismo
Der CEPALismo ist – dem politischen Selbstanspruch entsprechend – Entwicklungstheorie und konkretes wirtschaftliches Entwicklungskonzept zugleich.Der CEPALismo formulierte Reformstrategien, die sich grundsätzlich an einer Emanzipationsvorstellung orientierten. Unterentwicklung sollte jedoch innerhalb des Rahmens des bestehenden kapitalistischen Weltsystems überwunden werden. Sozial-revolutionäre und systemüberwindende Ideen, wie sie späterhin von einigen Vertretern der Dependencia-Schule vorgebracht wurden (z. B. Andre Gunder Frank), waren nicht Bestandteil des CEPALismo.

Die Reformvorschläge der Comisión Económica para América Latina (=CEPAL) zielten ab auf:

  • Beschleunigung und Vertiefung der importsubstituierenden Industrialisierung der 1930er und 1940er Jahre
  • Förderung struktureller Veränderungen im Innern der lateinamerikanischen Volkswirtschaften:
    • Agrarreform
    • Diversifizierung der Produktionsstruktur und der Konsumgüter
    • Exportförderung, vor allem Ausweitung des Marktes

Die Betonung der Agrarreform wies auf die größte strukturelle Erblast der Staaten Lateinamerikas hin: Die Landkonzentration, die Vertreibung kleinbäuerlichen Familien vom Land, der Landhunger verarmter Unterschichten sowie die Herausbildung eines Latifundium-Minifundium-Komplexes mit semi-proletarischen Landarbeitern. Das Ziel der Exportförderung mag angesichts der tendenziell eher autozentrierten Konzepte der CEPAL überraschen. Zu den Entstehungsbedingungen der CEPAL gehörte allerdings auch die Tatsache, dass die Wiederanknüpfung Lateinamerikas an eine Weltmarktanbindung wie vor der Weltwirtschaftskrise nicht gelungen war. Dies war zum Teil auf das neue Welthandelsregime unter der Vorherrschaft der USA zurückzuführen, welches die internationalen Handelsströme um die Achse USA-Europa zu konzentrieren trachtete.

Gesamt besehen stand der CEPALismo jedoch für den Abschied vom liberalen exportorientierten Wirtschaftsmodell (dem desarrollo hacia fuera). Er verlieh der seit den 1930er Jahren verfolgten autozentrierten Entwicklung (desarrollo hacia adentro) ihr theoretisches Fundament.

Das Ziel der CEPAL-Reformen war eine soziale Marktwirtschaft. In diesem Sinne ist der CEPALismo eine lateinamerikanische und eklektische Variante des Keynesianismus.

In Bezug auf die politischen Akteure schloss die CEPAL an die klassenübergreifenden und nationalistisch-konsensualen Vorstellungen der lateinamerikanischen Populismen an. Waren dort die Vorstellungen noch diffus, systematisierte die CEPAL die Idee des gesellschaftlichen Schulterschlusses unter dem Zeichen der Modernisierung. Dabei waren drei Akteure von besonderer Wichtigkeit: die Unternehmer, die Arbeiterklasse und der Staat.

“Das Konzept sollte durch eine Dreierallianz realisiert werden: Einheimische Unternehmer (die vielzitierte ‚nationale Bourgeoisie ), denen man hinter einer protektionistischen Zollmauer angemessene Profitraten in Aussicht stellte, schlossen sich mit der organisierten Arbeiterschaft, der Beschäftigung und steigende Löhne versprochen wurde, unter der Führung eines interventionistischen Staates zusammen, der wiederum die erforderlichen Marktbedingungen und die notwendige Infrastruktur schuf; erforderlichenfalls würde er auch selbst in die Industrie investieren, wenn die Privatinitiative nicht ausreichte. Explizit zurückgewiesen wurde das alte, aus dem ausgehenden 19. Jahrhundert stammende Modell eines Wachstums auf der Grundlage des Exports von Primärgütern (desarrollo hacia afuera – ‚Wachstum nach außen ).

Dies war eine Art sozialdemokratisches Konzept, demzufolge die organisierte Arbeiterschaft und die Linke insgesamt in ein demokratisches System eingebunden sein würden. Und unabhängig von allen fortbestehenden Problemen im Arbeits- und Sozialbereich würde es über das Modell der ‚importsubstituierenden Industrialisierung eine Art Klassenkompromiß geben, der eine kontinuierliche Entwicklung gewährleisten sollte.”

(Bernecker, Walther L.: Der “Cepalismo”: Eine regionale Wirtschaftstheorie und Entwicklungsstrategie. In: http://www.orient.uni-erlangen.de/kultur/papers/berneck.htm(13.01.03))

Während viele der konkreten Reformvorschläge auch aus der europäischen Wirtschaftsdiskussion der Nachkriegszeit bekannt sind, leisteten die Vertreter der CEPAL vor allem bei der Antwort auf die Frage “Woher kommt die Unterentwicklung?” theoretische Pionierarbeit. Säulen dieser theoretischen Arbeit sind das Zentrum-Peripherie-Modell und die ungleichen Austauschverhältnisse zwischen Zentrum und Peripherie. Diese Prioritätensetzung knüpfe an die beiden Ökonomen Raúl Prebisch und Hans Walter Singer an.

5.1.4 Prebisch und Singer – zwei prägende Ökonomen des CEPALismo
Bei der Antwort auf die Frage “Warum Unterentwicklung?” stellten die Vertreter desCEPALismo zwei gängige Paradigmen der klassischen Ökonomie in Frage:1.) Erstens plädierten sie für eine historische Perspektive. Damit stellten sie sich gegen die Vorstellungen der Modernisierungstheorien, die Entwicklung als ahistorischen Prozess betrachteten, der jederzeit nachholbar wäre: Im Gegensatz dazu betonten die Vertreter des CEPALismo die Bedeutung der strukturellen Unterordnung Lateinamerikas seit der Kolonialzeit.

2.) Zweitens stellte Raúl Prebisch die klassisch-liberale Außenhandelstheorie in der Tradition von David Ricardo (1772–1823) in Frage. Dieser Theorie zufolge sei Handel immer dann für beide Länder vorteilhaft, wenn jedes Land sich auf jene Güter spezialisiert, die es relativ am kostengünstigsten produzieren kann (der sog. komparative Kostenvorteil).

Für seine Kritik brachte Prebisch zwei Elemente ein: Das Zentrum-Peripherie-Modell und die sich verschlechternden Austauschverhältnisse (terms of trade) zwischen Zentrum und Peripherie:

“Unter Zugrundelegung des Zentrum-Peripherie-Modells stellte Prebisch die These auf, der Handelsaustausch zwischen Industrie- und Entwicklungsländern verlaufe ungleich mit dem Ergebnis, daß vor allem die Länder des Zentrums davon profitierten. Ausschlaggebend dafür seien die terms of trade, die Austauschbeziehungen, die sich über längere historische Zeiträume hinweg zu Ungunsten der Peripherie entwickelt hätten. Prebisch entwickelte geradezu eine Theorie der ‚säkularen Verschlechterung der terms of trade , derzufolge die Preise der exportierten tropischen Rohstoffe langfristig fallen, während gleichzeitig die Preise für den Import industrieller Fertiggüter steigen, so daß sich die realen Austauschverhältnisse für die Entwicklungsländer ständig verschlechterten.”

(Bernecker, Walther L.: Der “Cepalismo”: Eine regionale Wirtschaftstheorie und Entwicklungsstrategie. In: http://www.orient.uni-erlangen.de/kultur/papers/berneck.htm(13.01.03))

Zeitgleich hatte der Ökonom Hans Werner Singer einen ähnlichen Zusammenhang zwischen dem Preisverfall der in den Entwicklungsländern produzierten Primärgüter und dem Preisanstieg der in den Industrieländern produzierten Fertiggüter beschrieben. Deswegen firmiert das Theorem der “säkularen Verschlechterung der terms of trade” auch unter dem Namen Prebisch-Singer-These (=PST).

Daneben steht die Prebisch-Singer-These auch für eine allgemeine (autozentrierte) entwicklungspolitische Doktrin. Diese Doktrin ist weitgehend von den Vorstellungen des Ökonomen John Maynard Keynes beeinflusst. Für Lateinamerika strebten Prebisch und Singer eine Entwicklung nach westlichem Vorbild an.

Der Faktor Produktivität galt für sie als nahezu ausschließlicher Maßstab für Entwicklung. In der Ursachenerklärung für die Unterentwicklung Lateinamerikas lassen sich jedoch kritische Elemente gegenüber den Industrieländern ausmachen.

down 5.1.4.1 Raúl Prebisch – Biographie
down 5.1.4.2 Hans Werner Singer – Biographie
Mitte der 1960er Jahre war die autozentrierte Entwicklungsstrategie desCEPALismo in eine Krise geraten. Die Importsubstitution hatte zwar in vielen Ländern Früchte gezeitigt – der Import von Fertigwaren konnte verringert werden. Kapitalgüter mussten jedoch nach wie vor importiert werden. Darüber hinaus hatten sich die Einkommensunterschiede vergrößert und die Armut der Unterschichten erhöht. Die auf der politischen Ebene erhoffte Metamorphose der agrarbesitzenden Oligarchien und der industriellen Bourgeoisien in moderne, dynamische Unternehmerklassen hatte sich als Illusion herausgestellt. Im Gegenteil: Der Widerstand der etablierten Oligarchien gegen die Forderungen der Industriearbeiterschaft und der landlosen Bauern sollte sich ab Ende der 1960er Jahre in der Etablierung rechtsgerichteter Militärdiktaturen widerspiegeln. Einer der tragenden Akteure einer nachholenden demokratischen Modernisierung – die besitzenden Klassen – hatte sich damit verweigert.Damit einher ging eine internationale Radikalisierung des politischen Diskurses (an dem die Dependencia-Theorie keinen geringen Anteil hatte). Diese Radikalisierung beschränkte sich nicht nur auf das intellektuelle Milieu. Die Strahlkraft derKubanischen Revolution, die Hoffnungen in die Guerilla, die Entstehung der 68er Bewegung, der Aufschwung sozialer Bewegungen – die Dependencia-Schule entstand als Produkt dieser Entwicklung und wurde schnell zu einem ihrer geistigen Akteure. Durch populär-narrative Darstellungen, wie Eduardo Galeanos “Die offenen Adern Lateinamerikas” (1971), erlangte die Dependenz-Theorie sogar Massenwirkung.

Die Dependenz-Theorie entstand unter einer Gruppe von Wissenschaftlern derComisión Económica para América Latina (=CEPAL). Ihr Leitbegriff, dieAbhängigkeit (dependencia), wurde zum Schlüssel für die Erklärung der Unterentwicklung. Der Historiker Andre Gunder Frank sprach dabei von der Entwicklung der Unterentwicklung. Diese wurde als historisches Produkt jahrhundertelanger Fremdeinwirkung betrachtet, die Lateinamerika in einer untergeordneten Funktion in die internationale Arbeitsteilung eingebunden habe. Ungleiche Handels- und Kapitalbeziehungen hätten die Abhängigkeit bis heute fortgesetzt und zu einem dauernden Mehrwert-Transfer von der Peripherie ins Zentrum geführt.

Wie an den Begriffen Peripherie und Zentrum zu erkennen, ist die Dependenz-Theorie zum Teil eine Weiterführung der Thesen des CEPALismo. Sowohl das Zentrum-Peripherie-Modell als auch die Analyse der sich verschlechternden terms of trade wurden übernommen. Zur Weiterführung dieses strukturalistischen Erbes trat die Wiederentdeckung marxistischer Interpretationen hinzu. Die Diskussionen um den Übergang des Feudalismus zum Kapitalismus (die Ökonomen Paul Sweezy und Maurice Dobb in den 1950er Jahren) und die Neo-Imperialismustheorien des Amerikaners Paul Baran flossen in die Analyse mit ein. Anti-Imperialismus bestimmte auch die politischen Forderungen der Dependencia-Vertreter.

Der Begriff “Dependencia-Schule” ist im Grunde irreführend. Unterschiedliche Autoren mit unterschiedlichen analytischen und politischen Akzenten bildeten dieseheterogene Strömung. Anhand welcher Kriterien die verschiedenen Dependencia-Autoren voneinander zu unterscheiden sind, darüber herrscht Uneinigkeit. Verkürzt gesagt, kamen in den Debatten zwei geistige Traditionen zum Tragen: das marxistische, kapitalismuskritische Element und das eher in der Tradition der CEPAL stehende strukturalistische. Ersteres verbindet sich mit einem expliziten und radikalen politischen Anspruch, Letzteres verbleibt bei der Analyse ökonomischer Strukturen und weiß kein klares politisches Projekt zu benennen.

Für diese (verkürzte) duale Darstellungsweise werden Andre Gunder Frankeinerseits und Fernando Henrique Cardoso andererseits immer wieder stellvertretend genannt.

down 5.2.1 Cardoso und Falleto – die gemäßigt strukturalistische Variante der Dependencia
down 5.2.2 Andre Gunder Frank – die radikal-politische Strömung der Dependencia 
5.2.1 Cardoso und Falleto – die gemäßigt strukturalistische Variante der Dependencia
Fernando Henrique Cardoso wurde als Präsident Brasiliens international bekannt (1994–2002).Seine erste (weniger bekannte) Karriere als Soziologe ist eng mit den entwicklungstheoretischen Debatten der 1960er und 1970er Jahre verbunden. Er verkörperte jenen Teil der Dependencia-Schule, die sich einerseits mit Begriffen wie Abhängigkeit, strukturelle Heterogenität und abhängige Entwicklung gegen die Modernisierungstheorien wandte. Andererseits konzentrierte sich Cardoso auf sektorale und fallspezifische Analysen. Die verschiedenen Kontexte und Dynamiken, in denen sich Entwicklung in Lateinamerika vollzieht, lassen in Cardoso Schriften das Bild eines komplex-interaktiven Prozesses entstehen.

Zusammen mit dem chilenischen Soziologen Enzo Falleto veröffentlichte er 1969 die Schrift “Abhängigkeit und Entwicklung in Lateinamerika”. Diese avancierte zum frühen Referenzwerk der Dependencia-Literatur.

Der partikular-differenzierte Ansatz stand den globalen und universalistischen Synthesen eines Andre Gundar Frank entgegen. Analoges gilt für die politischen Schlussfolgerungen: regionale oder sektorale Alternativen im Gegensatz zu pan-amerikanischer Gesellschaftstransformation.

Dieter Nohlen und Claudia Zilla beurteilen die Arbeit Cardosos und Falletos folgendermaßen:

“Ihre Theorie der Abhängigkeit bzw. abhängiger Entwicklung schrieb einerseits die ‚cepalinische Entwicklungssoziologie von José Medina Echavarría fort, andererseits verstand sie sich als Alternative zu Andre Gunder Franks marxistischer Theorie der Abhängigkeit. Thematisch handelte es sich um eine umfassende Analyse von Entwicklung, welche die Wachstumsprozesse der verschiedenen Länder des Subkontinents mit Struktur und Verhalten der sozialen Klassen sowie mit den Machtstrukturen verband und so den politischen Charakter ökonomischer Transformationsprozesse in den Mittelpunkt stellte.

[…]

Cardoso/Faletto wenden sich nicht nur kritisch gegen Franks These von der ‚Entwicklung der Unterentwicklung , sondern auch gegen die These der ‚strukturellen Aufrechterhaltung der Unterentwicklung von Raúl Prebisch. Vielmehr müssen – neben ‚den perpetuierenden strukturellen Mechanismen – ‚die widersprüchlichen Ergebnisse des Entwicklungsprozesses selbst und die Möglichkeiten der Negation der bestehenden Ordnung berücksichtigt werden.

[…]

Cardosos Entwicklungstheorie wird üblicherweise der Dependencia zugeordnet, also einem der beiden Großparadigmen, die bis in die 80er Jahre das entwicklungstheoretische Spektrum ausfüllten. Doch weist Cardoso mit seinem multidimensionalen, kontextsensiblen und historisch differenzierten Ansatz über die Dependencia und die dem Gegensatz der Entwicklungsparadigmen zugrundeliegenden Annahmen weit hinaus. Besonders augenfällig wird dies im Schlusskapitel von Abhängigkeit und Entwicklung in Lateinamerika , worin Cardoso und Faletto keine allgemeinen Schlussfolgerungen ziehen, sondern Anmerkungen und Überlegungen methodologischer und konzeptioneller Natur bieten. Sie verweigern sich folglich theoretischen Ergüssen in der Form jener Erklärungen und Empfehlungen universalistischen Anspruchs, wie sie für die zwei Großtheorien seinerzeit üblich waren.”

(Nohlen, Dieter/Zilla Claudia: Fernando Henrique Cardoso (*1931) Abhängigkeit und Entwicklung in Lateinamerika. In: http://www.dse.de/zeitschr/ez1000-8.htm (13.01.03))

noneFernando Henrique Cardoso, Quelle: Brazilian Embassy in London (http://www.brazil.org.uk/page.php?cid=1125)

5.2.2 Andre Gunder Frank – die radikal-politische Strömung der Dependencia
Andre Gunder Frank (1929– ) ist einer der radikalsten und prominentesten Vertreter der Dependenz-Theorie. Des öfteren wird er auch als deren eigentlicher Begründer bezeichnet. Seine Analyse greift in hohem Maße auf marxistische Diskussionen zurück. Sein Denken ist einer Philosophie der politischen Praxis verpflichtet.Franks Rolle bewertet Wolfgang Hein folgendermaßen:

“Seine Hauptthesen über Unterentwicklung und Weltsystem spielten eine katalysatorische Rolle in der lateinamerikanischen Diskussion, die prägnante Formulierung seiner Thesen sorgte für rasche Verbreitung. Wichtig waren dabei die Zuspitzung und die illustrative Art seiner Darstellung und die Klarheit seiner politischen Aussagen.”

(Hein, Wolfgang: Andre Gunder Frank (1929– ). Metropolen, Satelliten und das Weltsystem. In: http://www.dse.de/zeitschr/ez300-8.htm (13.01.03))

Im Jahre 1967 legte Frank jene Schrift vor, welche der dependenztheoretischen Debatte als wichtigstes Referenzwerk dienen sollte:

Frank, Andre Gunder (1967, revised ed. 1969): Capitalism and Underdevelopment in Latin America. Monthly Review Press: New York (deutsch: Frank, Andre Gunder (1969): Kapitalismus und Unterentwicklung in Lateinamerika. Europäische Verlagsanstalt: Frankfurt a. Main)

Frank interpretierte die Lage in Lateinamerika als Produkt historisch entstandener Abhängigkeitsstrukturen, als Entwicklung der Unterentwicklung:

“Die jetzt entwickelten Länder waren niemals unterentwickelt, auch wenn sie unentwickelt gewesen sein mögen. […] Die historische Forschung zeigt […], dass die zur Zeit stattfindende Unterentwicklung zum großen Teil das historische Produkt der vergangenen und andauernden wirtschaftlichen und anderen Beziehungen zwischen den unterentwickelten Satelliten und den jetzt entwickelten Metropolen ist.”

(Frank, Andre Gunder: Die Entwicklung der Unterentwicklung, In: Frank, Andre Gunder u. a. (1969): Kritik des bürgerlichen Anti-Imperialismus. Wagenbach: Berlin: 31f)

Indem Frank das Begriffspaar Zentrum-Peripherie durch Metropole-Satellitersetzte, akzentuierte er stärker die funktionale Bedeutung der abhängigen Länder für die Metropolen – von den Satelliten kommt es zu einem surplus-Transferzugunsten der Metropolen, welcher deren Entwicklung ermöglicht. In diesem Sinne gibt es für Frank drei Widersprüche in der kapitalistischen Weltwirtschaft:

“– Die Enteignung/Aneignung von ökonomischem Surplus: Anknüpfend an die Arbeiten des marxistischen Wirtschaftswissenschaftlers Paul Baran betont Frank die Existenz eines ständigen Surplus-Transfers von den letzten Satelliten über die abhängigen Metropolen in die Hauptmetropolen des Weltsystems, vermittelt über die monopolistischen Strukturen des kapitalistischen Weltmarkts.

– Der Widerspruch der Metropolen-Satelliten-Polarisierung: Den Satelliten wird im Rahmen des weltkapitalistischen Systems ständig investierbarer Surplus entzogen, der den Metropolen als Grundlage ihres Wachstums zur Verfügung steht. So sind wirtschaftliche Entwicklung und Unterentwicklung zwei Seiten einer Medaille, wobei die einheimische Wirtschaft des Satelliten mit der gleichen kapitalistischen Struktur und ihren fundamentalen Widersprüchen ‚imprägniert wird: Die Metropolen-Satelliten-Beziehungen bestehen also nicht nur auf internationaler Ebene, sondern ebenso innerhalb von Nationen.

– Kontinuität im Wandel: Auch wenn sich das kapitalistische Weltsystem im Laufe seiner historischen Entwicklung wandelt, reproduzieren sich die Grundstrukturen der Metropolen-Satelliten-Beziehungen immer wieder. Dabei erfahren die Satelliten eine ökonomische Entwicklung, die dem klassischen Kapitalismus dann am nächsten kommt, wenn ihre Bindungen an ihre Metropolen am schwächsten sind. Aber wenn die jeweiligen Metropolen sich von ihren Krisen erholen und durch eine neue Expansion der Handels- und Investitionsbeziehungen die Satelliten wieder völlig in das System integrieren, brechen diese Ansätze wieder in sich zusammen. Frank verweist auf die Krise der wirtschaftlichen und vor allem sozialen Entwicklung gerade der modernen Stadtregionen von Buenos Aires und São Paulo als Folge der seit Kriegsende wieder verstärkten Beziehungen zwischen diesen lokalen Metropolen und den Weltmetropolen.”

(Hein, Wolfgang: Andre Gunder Frank (1929– ). Metropolen, Satelliten und das Weltsystem. In: http://www.dse.de/zeitschr/ez300-8.htm (13.01.03))

down 5.2.2.1 Entwicklungsblockaden im Inneren – die Lumpenbourgeoisie
down 5.2.2.2 Zur Biographie Franks
5.2.2.1 Entwicklungsblockaden im Inneren – die Lumpenbourgeoisie
Von besonderer Bedeutung ist Franks politische Analyse der im 20. Jahrhundert bestehenden Möglichkeiten von Entwicklung. Hier verlagert sich der (für die Dependenz-Theorie typische) Blick von den äußeren Faktoren der Unterentwicklung auf die inneren Hindernisse von Entwicklung. Den Grund für die endogenen Entwicklungsblockaden sieht Frank in den Interessen und Haltungen derlateinamerikanischen Bourgeoisien. Sie sind ökonomisch den Interessen der metropolitanen Bourgeoisien untergeordnet und begehren gegen jede strukturelle Modernisierung (z. B. Landreformen) auf. Mit ihnen ist weder Staat noch Entwicklung zu machen. In Anlehnung an den Begriff des Lumpenproletariats nannte Frank dieses Form des lateinamerikanischen Bürgertums Lumpenbourgeoisie. Deshalb optierte Frank für eine gesellschaftsverändernde (sozialistische) Entwicklungsalternative.Unter Rückgriff auf die Theorie der Permanenten Revolution von Leo Trotzki (1879–1940) wendete sich Frank damit gegen die seit der Stalinisierung von den kommunistischen Parteien vertretene Doktrin der Etappen: Danach sollten die Länder Lateinamerikas in einem Bündnis von Arbeitern, Bauern und “fortschrittlicher Bourgeoisie” bzw. “nationalem Bürgertum” zuerst eine kapitalistische Modernisierungsphase durchlaufen. Eine soziale Revolution könne erst nach Absolvieren dieser Etappe anvisiert werden.

Diesen (in der deutschsprachigen Diskussion wenig beachteten) Aspekt seiner Arbeit präzisierte Frank besonders in seiner Schrift Lumpenbourgeoisie et Lumpendévelopment (englisch: Frank, Andre Gunder (1972): Lumpenbourgeosie: Lumpendevelopment. Monthly Review Press: New York).

Den Zusammenhang von Abhängigkeit und internen Klassenstrukturen fasst er dabei vor dem Hintergrund der historischen Genese folgendermaßen zusammen:

“1) Die Conquista plazierte ganz Lateinamerika in eine Position wachsender Subordination und wirtschaftlicher Abhängigkeit kolonialer und neokolonialer Form gegenüber dem einheitlichen Weltsystem des expandierenden Handelskapitalismus.

2) Diese Beziehung hat die Wirtschafts- und Klassenstrukturen und selbst die Kultur im Herzen der lateinamerikanischen Gesellschaft geformt und transformiert. Diese nationale Struktur transformiert sich somit in Funktion der periodischen Veränderungen der Formen kolonialer Abhängigkeit.

3) Diese Struktur bestimmt sehr direkt die Klasseninteressen des dominanten Teils der Bourgeoisie. Indem sie sich die Regierungsorgane und andere Instrumente des Staates zunutze macht, produziert dieser Teil der Bourgeoisie für die lateinamerikanische ,Nation und das lateinamerikanische Volk Politiken der Unterentwicklung im ökonomischen, sozialen, kulturellen und politischen Bereich” (zit. nach: Hein, Wolfgang: Andre Gunder Frank (1929– ). Metropolen, Satelliten und das Weltsystem. In: http://www.dse.de/zeitschr/ez300-8.htm (13.01.03))

5.2.2.2 Zur Biographie Franks
Andre Gunder FrankFrank wurde 1929 als Sohn des radikal-pazifistischen Schriftstellers Leonhard Frank in Berlin geboren. 1933 emigrierte die Familie und lebte schließlich ab 1940 in den USA. 1968 bis 1973 war er Professor für Soziologie und Ökonomie an der Universidad de Chile in Santiago, 1978 bis 1983 Professor of Development Studies an der University of East Anglia (Norwich, England). In den Jahren 1981 bis 1994 hielt Frank den Lehrstuhl für Entwicklungsökonomie und Sozialwissenschaften an der Universität von Amsterdam. Momentan ist er Senior Fellow am World History Center derNortheastern University in Boston.Seit den 1980er Jahren hat er sich der Weltsystemtheorie zugewandt, wo er mit der These, das gegenwärtige Weltsystem bestehe bereits seit 5000 Jahren, für Aufsehen sorgte. In seiner letzten Monographie ReORIENT. Global Economy in the Asian Ageaus dem Jahre 1998 vertrat er die These, dass der Schwerpunkt des Weltsystems in Vergangenheit und Zukunft in Asien liegt – eine bis zum Ausbruch der Asienkrise 1997 durchaus verbreitete Ansicht.

Internet-Link zu Andre Gunder Frank: http://csf.colorado.edu/agfrank

5.3 Immanuel Wallerstein und die Weltsystemtheorie – die Erweiterung zum globalen Blick
Die Impulse der Dependenztheorie und die Gedanken Andre Gunder Franks flossen auch in die Formulierung der Weltsystemtheorie Immanuel Wallersteins (1930– ) ein. Daneben spielt das Werk des französischen Historikers Fernand Braudel (1902–1985) eine wesentliche Rolle in den Gedanken Wallersteins. Die dritte wichtige Quelle für Wallersteins Weltsystemtheorie ist der Marxismus.Immanuel Wallerstein forschte ursprünglich als Afrikanist und Kolonialhistoriker. Mit den bisher erschienenen drei Bänden des Modern World System legte er anhand einer historischen Darstellung den Referenzrahmen für die Debatte um die Weltsystemtheorie vor.

Immanuel Wallerstein vollzieht in der Diskussion um die Frage “Warum Unterentwicklung?” einen Perspektivenwechsel. Vor dem Hintergrund einer polit-ökonomischen Analyse wählt er einen weltweiten und historisch umfassenden Blick, der die Herausbildung des Kapitalismus als globales Phänomen ins Auge fasst.

Das kapitalistische Weltsystem bildete sich im langen 16. Jahrhundert (1450–1640) in Europa heraus. Ohne die europäische Expansion wäre diese Entwicklung nicht möglich gewesen. Die Expansion des kapitalistischen Weltsystems bedeutet die fortschreitende Aneignung von Natur, Räumen, Ressourcen und Menschen und deren Unterwerfung unter die Logik der Kapitalakkumulation (Kommodifizierung).

Wallersteins Analyse konzentriert sich weniger auf die Produktionsverhältnisse (Arbeitsorganisation, Ausbeutungsformen etc.) als auf den Austausch, d. h. den Welthandel und seine asymmetrischen Strukturen. Diese asymmetrischen Strukturen spiegeln sich in der Hierarchie der Staaten wider, die sich in Zentren,Semiperipherien und Peripherien gruppieren. Die Länder des Zentrums und der Peripherie sind relativ stationär, d. h. sie verharren in ihrer (über- bzw. untergeordneten) Stellung in der internationalen Arbeitsteilung. Die Semiperipherien verkörpern hingegen das bewegliche Element. Der Auf- und Abstieg dieser Länder lässt sich am Beispiel der so genannten Schwellenländer illustrieren.

Das Auffüllen der Begriffe Zentrum, Peripherie und Semiperipherie mit empirischem Material nimmt einen wichtigen Platz in den Diskussionen um die Weltsystemtheorie ein, wobei Auf- bzw. Abstiegsentwicklungen einzelner Länder genauso untersucht werden, wie die Abfolge von Hegemonialmächten (z. B. die Ablöse Großbritanniens im 20. Jahrhundert durch die USA). Darüber hinaus bestehen Zentrum-Peripherie Beziehungen innerhalb der Länder des Zentrums und der Peripherie bzw. innerhalb eines einzelnen Landes (z. B. der strukturelle Unterschied zwischen Stadt und Land in den Ländern der Peripherie). In Wallersteins Untersuchung zur Geschichte der Neuzeit fungieren die Länder Nordwesteuropas (England, Frankreich, Holland) als klassische Zentrumsbeispiele, Lateinamerika nach dessen Eroberung oder Polen (Agrarexportland unter andauernder Fremdherrschaft) als Beispiele peripherer Länder. Länder wie Spanien und Portugal hingegen gelten als Prototypen der Semiperipherie, da sie trotz ihrer Rolle als Kolonisatoren nicht in der Lage waren, einen eigenen Kapitalkreislauf über einen produktiven Sektor aufzubauen.

5.3.1 Zyklen im Weltsystem
In der Weltsystemtheorie spielt die Frage des zyklischen Verhaltens des Weltsystems eine wichtige Rolle. Diese Diskussion geht auf die Theorie der Langen Wellen des russischen Ökonomen Nikolai Kondratieff (1892–1938) zurück. Kondratieff beschrieb dabei langfristige Aufschwungs- und Abschwungsphasen, die einen stabilen Zyklus von ca. 60 Jahren umfassen. In den Untersuchungen der Weltsystemtheorie steht vor allem die empirische Überprüfbarkeit derartiger zyklischer Formationen im Zentrum der Aufmerksamkeit. Darüber hinaus stellt sich die Frage, welche Faktoren derartige Zyklen bestimmen (ökonomisch oder politisch). Diese zyklische Sichtweise geht freilich nicht von einer Wiederholungslinie, sondern von einer komplexen Entwicklungsdynamik aus.
5.3.2 Kritik an der Weltsystemtheorie
Immanuel WallersteinDie Kritik an Wallersteins Ansatz knüpft an verschiedenen Punkten an: Erstens wird ihm die Überbewertung von Handel, (ungleichem) Austausch und den Außenbeziehungen bei Entwicklung und die Unterbewertung von Produktionsverhältnissen, Arbeitsorganisation und sozialen Beziehungen vorgeworfen. Es sei die Untersuchung der “Binnenstruktur” des Kapitalismus, die bei ihm ins Hintertreffen gerate. Zweitens wird der Vorwurf erhoben, dass mit dem Weltsystems ein hypertrophes, deterministisches und mit Eigenleben versehenes Wesen gedacht wird, das politischen Prozessen zu wenig Spielraum lässt.Trotz aller Kritik: die Weltsystemtheorie verkörpert heute die wichtigste Alternative zu den Modernisierungstheorien, bildet das Fundament für kritische Globalisierungstheorien und bietet eine Grundlage für theoriegeleitete und global ausgerichtete historiographische Untersuchungen.

Das institutionelle Zentrum der Weltsystemtheorie ist das von Immanuel Wallerstein begründete Fernand Braudel Center for Study of Economies, Historical Systems, and Civilizations an der Binghamton University (State of New York)

Internet-Link: http://fbc.binghamton.edu/

5.3.3 Die Theorie des kapitalistischen Weltsystems im O-Ton
Die Theorie des kapitalistischen Weltsystems im O-TonHier eine prägnante Zusammenfassung der Charakteristika des Weltsystems von Wallerstein selbst:

“a) The modern world-system is a capitalist world-economy, which means that it is governed by the drive for the endless accumulation of capital, sometimes called the law of value.

b) This world-system came into existence in the course of the sixteenth century, and its original division of labor included in its bounds much of Europe (but not the Russian or Ottoman Empires) and parts of the Americas.

c) This world-system expanded over the centuries, successively incorporating other parts of the world into its division of labor.

d) East Asia was the last large region to be incorporated, and this occurred only in the middle of the nineteenth century, after which moment however the modern world-system could be said to have become truly worldwide in scope, the first world-system ever to include the entire globe.

e) The capitalist world-system is constituted by a world-economy dominated by core-peripheral relations and a political structure consisting of sovereign states within the framework of an interstate system.

f) The fundamental contradictions of the capitalist system have been expressed within the systemic process by a series of cyclical rhythms, which have served to contain these contradictions.

g) The two most important cyclical rhythms are the 50–60 year Kondratieff cycles in which the primary sources of profit alternate between the sphere of production and the financial arena, and the 100–150 year hegemonic cycles consisting of the rise and decline of successive guarantors of global order, each one with its particular pattern of control.

h) The cyclical rhythms resulted in regular slow-moving but significant geographical shifts in the loci of accumulation and power, without however changing the fundamental relations of inequality within the system.

i) These cycles were never perfectly symmetrical, but rather each new cycle brought about small but significant structural shifts in particular directions that constitute the secular trends of the system.

j) The modern world-system, like all systems, is finite in duration, and will come to an end when its secular trends reach a point such that the fluctuations of the system become sufficiently wide and erratic that they can no longer ensure the renewed viability of the system s institutions. When this point is reached, a bifurcation will occur, and via a period of (chaotic) transition the system will come to be replaced by one or several other systems.”

(Wallerstein, Immanuel: The Rise of East Asia, or The World-System in the Twenty-First Century. In: http://fbc.binghamton.edu/iwrise.htm (13.03.03))

 

30.04.2007
  lampsärge
Analyse des europäischen Universalismus

“Die Barbarei der anderen” von Immanuel Wallerstein

 Allzu gerne werden die hehren Maßstäbe der abendländischen Kultur im Munde geführt, wenn es schlicht darum geht, wirtschaftliche Interessen auch mit Gewalt durchzusetzen. Der Historiker und Sozialwissenschaftler Immanuel Wallerstein hat sich über den europäischen Universalismus Gedanken gemacht, der den Barbaren immer im Anderen sieht. Hans-Martin Lohmann hat Wallersteins kleine Studie gelesen.

Schon der Kosmos der alten Griechen kannte die begriffliche Unterscheidung zwischen dem Eigenen und dem Fremden. Das Fremde beziehungsweise die Fremden, das waren für die Griechen die Barbaren. In den überkommenen schriftlichen und bildlichen Überlieferungen der klassischen hellenischen Welt erscheinen die Barbaren zwar stets als Menschen anderer Ordnung, was sich etwa schon in der Art ihrer Bekleidung ausdrückte. Zugleich aber waren die Griechen weit davon entfernt, die Überlegenheit ihrer eigenen Kultur vorauszusetzen und deren Besonderheit den Fremden aufzuzwingen. In den Tragödien des Aischylos und im Geschichtswerk Herodots wird die orientalische Welt der Perser, mit denen sich die Griechen am Beginn des 5. vorchristlichen Jahrhunderts in einer existentiellen Auseinandersetzung befanden, als eine Lebensordnung gleicher Würde gedeutet und ein Exklusivanspruch der griechischen Sache nirgends postuliert.

Rund 2000 Jahre später hatte sich das Verhältnis Europas zur nichteuropäischen Welt grundlegend geändert, und hier setzt das Buch des amerikanischen Historikers und Soziologen Immanuel Wallerstein ein. Wallerstein, Autor des Standardwerks “Das moderne Weltsystem”, steht als Wissenschaftler in der Tradition jener französischen Historikerschule, die sich mit langfristigen geschichtlichen Entwicklungen und Perspektiven, mit der longue durée, gleichsam unterhalb der Ereignisgeschichte beschäftigt, wofür als Name und Programm Fernand Braudel stehen mag.

Um 1500, also mit der Entdeckung und Kolonisierung Amerikas durch Spanier und Portugiesen, begann Wallerstein zufolge ein Prozess, der wie selbstverständlich der Annahme folgte, die europäische Zivilisation sei allen anderen gesellschaftlichen Ordnungen grundsätzlich überlegen und von daher auch moralisch legitimiert, diese mit ihren Segnungen zu beglücken, notfalls mit Gewalt. Der spanische Gelehrte Juan Ginés de Sepúlveda wandte sich in seinen Schriften scharf gegen Leute wie Bartolomé de Las Casas, der es gewagt hatte, die blutige spanische Missionierungskampagne in der Neuen Welt anzuprangern und das Lebensrecht der Indios zu verteidigen. Sepúlveda trug “die gerechten Gründe für den Krieg gegen die Indios” vor und schrieb, die Indios seien

“Barbaren, einfach, ungebildet und unerzogen, Wilde, völlig unfähig, etwas anderes als mechanische Fertigkeiten zu erlernen, voller Laster, grausam und so geartet, dass es ratsam war, dass sie von anderen regiert wurden”.

Und weiter heißt es:

“Die Indios müssen das spanische Joch tragen […] zum Ausgleich und zur Strafe für ihre Verbrechen gegen das göttliche Gesetz und das Naturrecht, derer sie sich schuldig gemacht haben, namentlich Götzendienst und der pietätlose Brauch des Menschenopfers.”

Diese Praxis des gewaltsamen Erzwingens der Zivilisation gegen “die Barbarei der anderen” belegt Wallerstein mit dem Titel “europäischer Universalismus”. Flankiert wurde solcher Universalismus in einer späteren Phase von dem, was Edward Said “Orientalismus” genannt hat, das heißt von einer intellektuellen Strategie, die zur Verdinglichung und Essentialisierung des Anderen im Sinne seiner Minderwertigkeit und Unterlegenheit führte, in der jüngsten Moderne schließlich von der Idee des wissenschaftlichen Universalismus, die den Anspruch der modernen westlichen Wissenschaft – gemeint sind natürlich die Naturwissenschaften -, das ausschließliche Monopol auf objektive Wahrheit innezuhaben, zementierte.

Folgt man Wallerstein, so hat sich an dieser Praxis bis heute nicht viel geändert. Auch im 21. Jahrhundert führt der europäische Universalismus Kampagnen und Kriege gegen das Böse im Namen des Guten, zwar nicht mehr unter dem Banner der christlichen Religion, wohl aber in der Gewissheit, auf lange Sicht die moralisch und historisch richtige Sache zu exekutieren, auch wenn es die Betroffenen nicht immer einsehen können oder wollen: Im Irak kämpfen US-Amerikaner und Briten für Demokratie und good governance, am Hindukusch verteidigen deutsche Soldaten Freiheit und Menschenrechte, so die unerbittliche Rhetorik derer, die das Vernünftige und Gute auf ihrer Seite glauben. Die Frage bleibt freilich, wie universell dieser angemaßte Universalismus in Wahrheit ist.

Wallerstein lässt keinen Zweifel daran, dass es sich trotz aller hehren Beteuerungen hier eher um einen europäischen Partikularismus handelt, dessen Raffinesse darin besteht, dass er seine besonderen Interessen, die in erster Linie ökonomischer und imperialistischer Natur sind, als allgemeine zu verkaufen versteht. Mit dieser Einlassung zugunsten der “Barbaren” legitimiert er keineswegs beunruhigende Phänomene wie den aktuellen islamischen Fundamentalismus und Terrorismus; auch verteidigt er damit nicht einen gleichsam umgekehrten Orientalismus, der alles Schlechte und Minderwertige der westlichen Kultur anlastet. Aber er besteht darauf, dass der von Europa und den USA propagierte Universalismus der Werte eine Fiktion sei.

Als Analytiker der longue durée gelangt Wallerstein zu der Ansicht, das moderne kapitalistische Weltsystem befinde sich in einer strukturellen Krise, weil sich die Verwertungsbedingungen des global operierenden Kapitals langfristig verschlechterten. In dieser Systemkrise sieht der Autor die Chance, die Trennung der Kulturen, der europäischen und der außereuropäischen, zu überwinden und zu einem wahren, das heißt nicht mehr eurozentrischen Universalismus zu gelangen. Es ist schade und für den Leser etwas enttäuschend, dass Wallerstein zum Schluss seiner Ausführungen weder bereit noch in der Lage zu sein scheint, die politischen und kulturellen Konturen eines wirklich universellen Universalismus wenigstens in Umrissen zu entwerfen. Schließlich darf an das Verlagslektorat die Frage gestellt werden, warum zwei der berühmtesten Aufsätze Max Webers unter falschem Titel zitiert werden.

Immanuel Wallerstein: Die Barbarei der anderen. Europäischer Universalismus
Aus dem amerikanischen Englisch von Jürgen Pelzer.
Wagenbach Verlag, Berlin 2007
109 Seiten, 10,90 Euro

http://www.dradio.de/dlf/sendungen/politischeliteratur/620834/

Der moderne Mensch –
Homo sapiens

Auch der moderne Mensch entstand in Afrika, vor etwa 200.000 Jahren. Im Laufe der Zeit eroberte er den ganzen Kontinent, besiedelte vor 100.000 Jahren den Nahen Osten und vor spätestens 50.000 Jahren den Rest der Welt. Vor 14.000 Jahren waren alle Kontinente außer der Antarktis besiedelt, darauf folgte die Besiedlung der ozeanischen Inselwelt, die vor 800 Jahren mit der Besiedelung Neuseelands abgeschlossen war. Seither prägt der Mensch der Erde seinen Stempel auf.

Felsenmalerei von Auerochsen in der Höhle von Lascaux

Felsenmalerei aus Lascaux (Auerochsen): Bereits der Cro-Magnon-Mensch in der späten Steinzeit schuf erste kulturelle Zentren. Abb.: Prof saxx, >> wikipedia commons, abgerufen 30.5.2012, Lizenz: >> cc 3.0.

Die 1868 in den Felsen von Cro Magnon gefundenen Skelette (>> mehr) waren die ersten, die richtig als Skelette vorhistorischer, moderner Menschen erkannt wurden. Ihr Alter wurde später mit 25.000 Jahren bestimmt. Oft werden die Funde des modernen Menschen aus der eurasischen Steinzeit seither als Cro-Magnon-Menschen bezeichnet. (Es gab frühere Funde, etwa die Grabungen von Reverend William Buckland, Präsident der Geologischen Gesellschaft von London, in den 1820er Jahren bei Paviland durchgeführt hatte: Er fand eine Frau mit Mammutelfenbein, die “Red Lady of Paviland”. Da er aber nicht glauben konnte, dass die Frau zeitgleich mit den Mammuts gelebt hatte, erklärte er, walisische Stammesangehörige haben sie dort gegraben, dabei das Elfenbein gefunden, geschnitzt und ins Grab gelegt. Spätere Untersuchungen zeigten aber, dass dieses Skelett über 25.000 Jahre alt war.) Im Laufe der Zeit kamen zahlreiche weitere Funde aus der ganzen Welt hinzu; die ältesten Funde stammten aus Afrika: 160.000 Jahre alt ist ein Fund aus Herto (Afar-Region, Äthiopien), weitere Funde gibt es aus Laetoli und vom Turkana-See sowie aus Südafrika. Der große zeitliche Abstand der afrikanischen Funde zu denen aus dem Rest der Welt legt nahe, dass der moderne Mensch, Homo sapiens, wie schon Homo erectus in Afrika entstanden ist.

Was wurde aus dem asiatischen Homo erectus?

Für die Anhänger eines multiregionalen Übergangs (siehe folgenden Abschnitt) ist Homo erectus der Vorläufer der modernen Asiaten. Eine neue Untersuchung an 12.000 Südasiaten zeigte aber, dass diese alle einen 50.000 Jahre alten afrikanischen Ursprung haben – ein weiteres Ergebnis, das gegen einen multiregionalen Übergang spricht. Die jüngsten Spuren von Homo erectus aus China sind 100.000 Jahre alt – nach Ansicht der meisten Anthropologen ist diese Art danach ausgestorben, möglicherweise aufgrund einer Eiszeit, die auch Homo sapiens an den Rand des Aussterbens brachte (auch hierzu mehr im folgenden Abschnitt). In Indonesien entwickelte sich Homo erectus möglicherweise zu anderen, heute ebenfalls ausgestorbenen Arten weiter (>> mehr).

Der moderne Mensch ist in Afrika entstanden

Zwar hat auch die Theorie eines multiregionalen Übergangs nach wie vor Anhänger, nach der sich der moderne Mensch in verschiedenen Regionen der Welt unabhängig voneinander entwickelt hat. (Diese lag manchem frühen Erforscher der Erde – meist begüterten weißen Männern – nahe, die an eine angeborene Überlegenheit ihrer eigenen “Rasse” glaubten. Heute finden sich Anhänger vor allem in Asien: Sie soll verschiedene asiatische Besonderheiten begründen, wie etwa die durch eine muldenförmige Vertiefung an der Rückseite schaufelförmigen Schneidezähne.) Aber nicht nur die Fossilienfunde, sondern weitere Indizien stützen eindeutig die alternative „Out-of-Africa“-Theorie, die Theorie eines afrikanischen Ursprungs des modernen Menschen. Ursprünglich war diese von Linguisten entwickelt worden: Der amerikanische Linguist und Ethnologe Joseph Greenberg hatte die San, eine heute noch in Botswana und Namibia lebende Sammler- und Jägergesellschaft (früher als „Buschmänner“ bezeichnet), anhand Ihrer Sprache mit Klicklauten zu einer der ältesten Gruppen der Welt gezählt. Heute werden vor allem genetische Merkmale herangezogen, um die Ursprung des Menschen aufzuklären, ähnlich den molekularen Uhren werden hier genetische Veränderungen genutzt, um Verwandtschaften aufzuklären: Je länger Populationen voneinander getrennt sind, desto größer sollten die genetischen Unterschiede sein. Und Untersuchungen zeigen, dass sie tatsächlich in Afrika am größten sind, und dort bei den San: Hier können die genetischen Unterschiede zwischen den Menschen in zwei 30 Kilometer voneinander entfernten Dörfern größer sein als zwischen denen zweier europäischer Länder! Als später ein Teil der Bevölkerung auszog, die Welt zu erobern, begann sie dieses Abenteuer mit nur einem Teil der genetischen Vielfalt. Dafür können später neue Veränderungen auftreten, die nur in dem Teil der Welt zu finden sind, der nach dem Auftreten des neuen Merkmals besiedelt wurde. Besonders hilfreich sind die Untersuchung der Mitochondrien-DNS und des Y-Chromosomens: Beide werden bei den Nachkommen nicht aus der DNS von Mutter und Vater neu zusammengestellt, sondern unverändert von der Mutter beziehungsweise dem Vater übernommen. Auf diese Weise können die Genetiker inzwischen die Besiedelung der Erde durch den modernen Menschen anhand genetischer Merkmale skizzieren.

Mit der molekularen Uhr konnten die Ergebnisse genutzt werden, um abzuschätzen, wann Homo sapiens entstanden ist: Dies war wohl vor etwa 200.000 Jahren. Die ältesten eindeutigen Fossilien des modernen Menschen wurden 1997 bei aus Herto in der Afar-Senke in Äthiopien von dem amerikanischen Paläoanthropologen Tim White und seinem Team gefunden; sie sind 160.000 Jahre alt (bei Omo Kibish wurde ein 195.000 Jahre altes Teilskelett gefunden, dessen Zuordnung jedoch umstritten ist). Ein 150.000 Jahre alter Schädel wurde in Jebel Irhoud in Marokko gefunden. Vor 100.000 Jahren lebten also mindestens drei Menschenarten auf der Erde: Homo sapiens in Afrika, Homo neanderthalensis in Europa und Homo erectus in Asien. Überlebt hat alleine Homo sapiens.

Unsere afrikanische Vergangenheit

Über die ersten 100.000 Jahre, also über die erste Hälfte der Geschichte des modernen Menschen Homo sapiens, gibt es nur wenige Erkenntnisse. Diese erste Hälfte spielte sich in Afrika ab. Die San oder ihre Vorläufer besiedelten damals große Teile des afrikanischen Kontinents. Sie entwickelten neue Steinwerkzeuge (Mikrolithen – kleine Klingen, die wohl für Pfeile verwendet wurden), erste Knochenwerkzeuge und die Fischerei. Die Temperaturschwankungen der >> Eiszeiten hatten einen erheblichen Einfluss auf die Bevölkerung: Warmzeiten brachten in Afrika warmes, feuchtes Wetter, bei dem selbst die Sahara voller Tiere war. Eine Eiszeit bedeutete in Afrika trockenes Wetter; die Tiere müssen nach Süden in die tropischen Regionen wandern, um genug Futter zu finden (und die Menschen mussten ihnen folgen). Während der warmen Phase vor 125.000 Jahren nahm die Zahl der Menschen zu: sie wird auf bis zu eine Million geschätzt. Die danach beginnende Abkühlung führte in Afrika vermutlich zu zunehmender Trockenheit; anderseits ermöglichte der gesunkene Meeresspiegel den Menschen eine Wanderung um die Nordspitze des Roten Meeres oder mit Booten über die wenigen Kilometer des südlichen Roten Meeres: Vor 100.000 Jahren verließ der moderne Mensch erstmals Afrika. Eine Gruppe gelangte nach Israel, dort wurden Funde bei Qafzeh bei Nazareth und Skhul am Karmelgebirge gemacht. Sie gelangte aber wohl nie weiter und starb vor 90.000 Jahren aus.

Abkühlung und Trockenheit nahmen bis vor 70.000 Jahren weiter zu. Vor 74.000 Jahren brach zudem auf der indonesischen Insel Sumatra der Vulkan Toba aus, dessen Staubwolken den Himmel verdunkelten und möglicherweise auf der ganzen Erde zu einem “Vulkanwinter” führten. Die Zahl der Menschen nahm ab – vielleicht sogar stark: genetische Analysen deuten darauf hin, dass die Bevölkerungszahl damals auf nur etwa 10.000 Menschen zurückging, Homo sapiens also möglicherweise kurz vor dem Aussterben stand. Im Nachhinein mag dieses dem Menschen sogar geholfen haben, denn in den kleinen überlebenden Populationen nimmt (aufgrund der genetischen Drift) die genetische Vielfalt rasch zu, die Menschheit mag noch einmal einen Sprung gemacht haben. Oder war dieser kulturell bedingt? – Während die Menschen in guten Zeit vermutlich ihr Sozialleben pflegten (>> hier), waren schlechte Zeiten oftmals Phasen intensiver Neuerungen (gewissermaßen nach dem Motto “Not macht erfinderisch”). Wieder andere Anthropologen glauben, dass die jetzt einsetzende Entwicklung das Ergebnis einer lang andauernden Entwicklung der menschlichen Sprache (>> mehr) war.

Ein großer Sprung nach vorne

Wie auch immer: Jetzt tauchten erstmals in der Menschheitsgeschichte Grabstöcke, Mühlsteine, Fischerei, Werkzeuge aus Knochen (etwa Knochennadeln mit Ösen und Bohrer), Nutzung von Farbpigmenten und schließlich Felszeichnungen, Perlenketten, elfenbeinerne Anhänger mit Tiermotiven und Musikinstrumente (Flöten aus Knochen) auf – nicht nur feinere Werkzeuge also, sondern es gab auf einmal Malerei, figürliche Darstellungen und Musik. Zu den ältesten Fundstellen gehört die Blombos-Höhle in Südafrika, die seit 1991 ausgegraben wird. Hier wurden unter anderem über 70.000 Jahre alte Knochenwerkzeuge, Perlen und  Ockerpigmente und Mahlsteine gefunden. Diese ersten Belege für modernes, geplantes und abstraktes (künstlerisches) Denken des modernen Menschen zeigen eine kulturelle Entwicklung, die viele Anthropologen als “großen Sprung nach vorne” (engl.:great leap forward) in der Menschheitsgeschichte bewerten: Der Mensch war nicht mehr nur anatomisch dem heutigen Menschen ähnlich, sondern jetzt auch kulturell. Die Sprache (>> mehr) war spätestens jetzt voll entwickelt; und Fortschritte in der Werkzeugbearbeitung leiten zur Jungsteinzeit über. Im südlichen Afrika wurden spätestens in dieser Zeit Speere verwendet; die Jagdfähigkeiten hatten sich damit erheblich verbessert – dies ist an den Knochen der erlegten Tiere abzulesen. Mit den besseren Jagdtechniken wird sogar das Aussterben großer Tierarten in Verbindung gebracht (siehe auch >> hier). Spätestens zu dieser Zeit konnte der Mensch auch Feuer selbst entzünden (die Technik ist ähnlich der des Bohrens).

Der moderne Mensch erobert die Erde

Zu dieser Zeit, vor 70.000 Jahren also, wurde das Klima zwischenzeitlich wieder etwas wärmer und in Ostafrika wieder feuchter, gleichzeitig ist es zu einem Anstieg der Bevölkerung gekommen. Ob dieser durch das Klima oder auch durch den “großen Sprung nach vorne” bedingt war, ist umstritten. Wir wissen aber, dass sich der Mensch in dieser Zeit neue Lebensräume in Afrika erschloss; und in diese Zeit fällt auch die zweite erfolgreiche Auswanderungswelle des Menschen aus Afrika. Sie begann vor 70.000 bis 50.000 Jahren und führte über das in einer Eiszeit wesentlich kleinere Rote Meer an die Südküste der arabischen Halbinsel; und vor hier aus über die nächsten Jahrtausende entlang der Südküste Asiens bis nach Australien und Neuguinea (siehe Abbildung).

Ausbreitung von Homo sapiens über die Erde

Ausbreitung des modernen Menschen (Homo sapiens) über die Welt. Die Farben und Zahlen geben den Zeitraum der Ausbreitung an, die Zahlen bedeuten Jahre vor unserer Zeit. (Die Karte stellt die heutige
Verteilung der Landmassen und der Meere dar; zur Zeit der Wanderungen war diese anders, so bestand
eine Landbrücke zwischen Sibirien und Alaska.) Die Karte basiert auf Daten von Spencer Wells, >> Literatur.

Waren die Menschen von Neugier getrieben? Oder sind sie einfach wanderndem Jagdwild gefolgt, und jedes Jahr etwas weiter nach Osten gelangt? Wir wissen es nicht. Aber sie machten auf ihrer Reise überraschende Begegnungen, die heute nicht mehr möglich wären: So dürften sie – etwa in Indonesien (>> Die Menschen von Flores) – auf Menschen der

Die Menschen von Flores

Im Jahr 2003 ging der Fund einer kleinwüchsigen Menschenart auf der indonesischen Insel Flores durch die Presse: Nur einen Meter groß, lebte Homo floresiensis noch vor 18.000 Jahren auf der Insel. Falls es sich bei dem Zwergenwuchs nicht um eine krankhafte Veränderung handelt, könnte diese Art aus Homo erectus entstanden sein; aufgrund einer isolierten Entwicklung auf der Insel wäre es zum Zwergwuchs gekommen, wie er auf Inseln gelegentlich vorkommt – auf Flores wurden auch ungewöhnlich kleine Elefanten gefunden. Da mittlerweile über ein Dutzend Individuen aus einem großen Zeitraum gefunden wurden, gilt eine krankhafte Veränderung inzwischen als unplausibel; die Untersuchung des Gehirns zeigte zudem, dass H. floresiensis ein zwar kleines, aber komplex vernetztes Gehirn besaß, also intelligent war.

Art Homo erectus gestoßen sein; was dabei passiert ist, weiß niemand. Die Ausbreitung jedenfalls ging langsam voran; aber auch wenn man jedes Jahr nur zwei Kilometer vorankommt, schafft man in 5.000 Jahren 10.000 Kilometer. Vielleicht waren es auch die Fischgründe an der Küste, denen die Menschen folgten; jedenfalls gelangten sie im Laufe der Zeit den äußersten Zipfel Südostasien.

Da ihre Wanderroute heute infolge eines wieder gestiegenen Meeresspiegels unter Wasser liegt, ist wenig über sie bekannt. Entsprechend wissen wir auch nichts darüber, wie gut diese Menschen mit der See zurecht kamen. Aber an der heutigen indonesischen Inselwelt war Schluss mit der Küste, die damals gut 1.600 Kilometer weiter ins Meer ragte. Australien war vom Festland durch mindestens acht Meeresarme von bis zu 80 km Breite getrennt – und wurde dennoch erreicht: Australien und Neuguinea, zu dieser Zeit zu einem einzigen Kontinent verbunden, wurden den molekularen Uhren zufolge vor 60.000 bis 50.000 Jahren besiedelt. Der älteste bekannte Fund, “Mungo Man” aus dem Mungo National Park in New South Wales, ist 40.000 Jahre alt. Die Besiedlung Australiens und Neuguineas erforderte in jedem Fall Boote, und mit diesen gelangte der Mensch erstmals über die zusammenhängende Landmasse Afrika – Eurasien hinaus auf einen neuen Kontinent. Warum ahnten die Menschen, dass sie jenseits des Wassers Land finden würden? Sahen sie ziehende Vögel? Sahen sie Rauchsäulen oder nächtlichen Feuerschein von Buschfeuern? Wir wissen es nicht; aber da auch die Salomonen östlich von Neuguinea besiedelt wurden, war die Besiedelung offenbar kein Zufallsereignis: Die Menschen im australischen Raum waren bereits geübt im Umgang mit Booten – vermutlich hochseetüchtigen Bambusflößen, wie sie noch heute an den Küsten Südchinas benutzt werden. Den nächsten Hinweis auf die Nutzung von Booten finden wir erst 30.000 Jahre später im Mittelmeerraum. Einfach war die Überfahrt aber offenbar auch für die seefahrenden Vorläufer der Australier nicht, denn Australien und Neuguinea sollten sich weitgehend isoliert vom asiatischen Festland entwickeln, bis gegen 1.600 v. Chr. austronesische Seefahrer im Zuge der Besiedelung der pazifischen Inselwelt (>> mehr) auch Neuguinea und Australien erreichten.

Die australische “Traumzeit”

Die Menschen, die nach Australien gelangten, trafen auf dem neuen Kontinent eine exotische Tier- und Pflanzenwelt an: Drei Meter hohe Kängurus und andere Beuteltiere, flugunfähige Riesenvögel, sieben Meter lange Echsen, nashorngroße Wombats und 50 Kilogramm schwere Schlangen – das Ergebnis von 55 Millionen Jahren eigener Evolution (>> hier). In ihren mythischen Erzählungen erinnern die Aborigines sich noch an diese Zeit; eine Zeit, als ihre Vorfahren mit einem Kanu aufs Meer fuhren, sich am Morgenstern orientierten und die Nordküste Australiens erreichten, von Riesenkängurus angegriffen wurden und am Ende der letzten Eiszeit der Pegel des Meeres anstieg. Nach ihren Vorstellungen wurde das Land während der “Traumzeit” (die nichts mit dem Träumen im Schlaf zu tun hat, sondern eine metaphysische Parallelwelt bezeichnet, in der die Welt geschaffen/geordnet wurde und wird) durch Ahnen wie die Regenbogenschlange geformt, die einst über das Land schlängelte und dabei Flüsse in die Erde kratzte und Berge aufschüttete. Das Land (und nicht etwa ein Gott) ist die zentrale Figur der Traumzeit, Landmarken erinnern an Geschehnisse in der “Traumzeit”, und jeder Mensch ist über ein Totem mit den Ahnen aus der “Traumzeit” verbunden. Aus den Erzählungen aus der Traumzeit folgen auch Regeln für das Zusammenleben. So müssen Menschen mit demselben Totem sich unabhängig von ihrer Verwandtschaft gegenseitig helfen (eine ideale Konstellation für Nomaden); und die Verbindung zur Traumzeit wird durch Rituale an Kultstätten gepflegt.

Diese heiligen Orte liegen entlang der “Traumpfade”, an denen einst die Ahnenwesen die Welt ins Dasein “gesungen” haben: anhand von Liederzyklen, die die Traumpfade beschreiben, können sich die Aborigines selbst in unbekanntem Land orientieren. Die Rituale, zu denen sie sehr lange Wege auf sich nehmen, stellen ein verbindendes Element der Kultur der Ureinwohner dar, die ansonsten sehr zerstreut leb(t)en – so hatten sich in Australien 200 bis 300 verschiedene Sprachen entwickelt, aber viele Ureinwohner sprechen drei oder vier Sprachen und verstehen etliche mehr.

Eine zweite Wanderungswelle von Homo sapiens startete vor 45.000 Jahren. Diesmal waren die Küstengebiete bereits besiedelt, sie führte daher in den Nahen Osten. Von hier gingen in den nächsten 15.000 Jahren drei weitere Wanderungsbewegungen aus: eine nach Indien, eine nach Ostasien (von der die Chinesen und andere asiatische Völker abstammen) und eine nach Zentralasien, ins heutige Kasachstan. Diese letzte Gruppe besiedelte (in zwei Wellen, vor 40.000 und vor 22.000 Jahren) Westeuropa, auch das Gebiet des heutigen Deutschland – die ältesten Funde hier kommen aus der Schwäbischen Alb; unter anderem wurde dort ein Löwenmensch aus Mammut-Elfenbein gefunden, der 35.000 Jahre alt ist.

Das Ende der Neandertaler

Als der moderne Mensch vor 45.000 Jahren im Nahen Osten in das Gebiet gelangte, das von Neandertalern besiedelt wurde, begann deren Niedergang. Wo immer der moderne Mensch ankam, verschwanden nach ein paar Tausend Jahren die Neandertaler; das jüngste bisher gefundene Vorkommen liegt in Gibraltar und ist 28.000 Jahre alt. Genetische Analysen zeigen aber, dass der moderne Menschen und der Neandertaler einige – wenige – Gene gemeinsam haben, also noch in unseren Genen steckt. Abgesehen davon: War das Aussterben des Neandertalers und die Ankunft des modernen Menschen ein zufälliges zeitliches Zusammentreffen oder verdrängte der moderne Mensch die Neandertaler?

Dass der moderne, in den Tropen entstandene Homo sapiens im eiszeitlichen Eurasien dem an Kälte angepassten Neandertaler verdrängt haben soll, scheint auf den ersten Blick nicht sonderlich plausibel. Aber Untersuchungen zeigen einen entscheidenden biologischen Unterschied: Neandertaler wurden wesentlich jünger geschlechtsreif – was bedeutet, dass junge Neandertaler weniger Zeit für ihre Entwicklung und fürs Lernen von älteren Gruppenmitgliedern hatten. Dieser Unterschied, so vermuten viele Forscher, könnte dazu geführt haben, dass der moderne Mensch vielleicht biologisch unter-, aber kulturell überlegen war: Er entwickelte wirksamere Waffen und Jagdtechniken (siehe folgender Abschnitt), und eine erste Arbeitsteilung: Während bei den Neandertalern Männer und Frauen Großtiere jagten, blieb dies beim modernen Menschen den Männern vorbehalten – wodurch Frauen und Kinder nicht den Risiken der Jagd ausgesetzt waren. Dass der moderne Mensch dem Neandertaler überlegen war, wird auch daran erkennbar, dass er ein Gebiet weit über die Verbreitung des Neandertalers hinaus besiedelte.

Bleibt noch die Frage, ob Homo sapiens den Neandertaler “nur” verdrängte oder direkt bekämpfte? Die Antwort ist umstritten, aber dass das Aussterben der Neandertaler ein paar Tausend Jahre brauchte, spricht eher dafür, dass sie in weniger lohnende Regionen abgedrängt wurden. Die muskulöseren Neandertaler brauchten aber mit über 4.000 kcal pro Tag etwa doppelt soviel Nahrungsenergie wie ein moderner Mensch – möglicherweise war diese in schlechten Zeiten dort einfach nicht zu finden, was dann langfristig zum Aussterben führte. Angesichts der Erfahrungen mit dem Zusammentreffen von Menschengruppen etwa während des Kolonialismus ist es aber nicht verwunderlich, dass moderne Menschen und Neandertaler auch miteinander Nachkommen zeugten – und so sind uns wenigstens einige gemeinsame Gene geblieben.

Die Ausbreitung trag auf Hindernisse, so begann vor 30.000 Jahren, die Temperatur im Norden Europas zu sinken, und Eisschilde dehnten sich aus. Aber immer wirksamere Waffen und immer feinere Werkzeuge halfen den Menschen beim Überleben. Eine der wichtigsten Entwicklungen war die Nähnadel: Sie ermöglichte die Herstellung von (mit Tiersehnen) genähter, eng anliegender Kleidung und warmer Unterkünfte aus Tierfellen. So konnte Homo sapiens, ein an die Tropen angepasste Lebewesen (unsere “Neutraltemperatur”, bei der die Wärmeerzeugung durch den Grundumsatz des Stoffwechsels die Wärmeverluste genau ausgleicht, beträgt 27 °C),  in Europa auch die letzte Kältephase der Eiszeit überstehen. Mit Kleidung und Feuer konnte er im eiszeitlichen Eurasien sogar sehr kalte Regionen besiedeln, die den Neandertalern verschlossen blieben. Besonders unwirtlich war das östliche Sibirien; hier sind wohl nur in warmen Jahren Gruppen von Jägern aufgetaucht. Als aber vor etwa 15.000 Jahren eine erste wärmere Phase das Ende der >> Eiszeit einläutete, entstanden auch nordöstlich des Baikalsees erste Siedlungen. (Ältere Angaben in der Literatur konnten mit modernen Datierungsmethoden nicht bestätigt werden.) Mit der Erwärmung zogen die Weidetiere immer weiter nach Osten, und ihnen folgten die Jäger.

Da in den riesigen Eisschilden aber immer noch viel Wasser gebunden war, lag der Meeresspiegel viel niedriger als heute – und wo heute die Beringstraße liegt, gab es eine Landbrücke zwischen Sibirien und Alaska. Ohne es zu bemerken, erreichten die Jäger Amerika. Die Besiedelung Amerikas fand wohl bald nach der Besiedelung Ostsibiriens statt; die ältesten Funde aus Alaska sind knapp 14.000 Jahre alt. (Auch in Amerika gibt es angeblich ältere Funde, so sollen Felszeichnungen im brasilianischen Pedra Furada 35.000 Jahre alt sein. Aber weder sind die gefundenen Steinwerkzeuge eindeutig vom Menschen gemacht, noch wurde das Alter der Pigmente bestimmt, sondern der Asche am Fundort, die ebenso gut von Waldbränden stammen könnte.)

Nordamerika war östlich von Alaska wie das nördliche Europa zu weiten Teilen von Eis bedeckt, aber vor 14.000 Jahren bildete sich in der warmen Phase vermutlich ein eisfreier Korridor zwischen der Eisdecke auf dem Küstengebirge und der des nordöstlichen Amerikas; und auf diesem Korridor sind die Menschen von Alaska aus wohl zu den Prärien Nordamerikas gelangt. Eine alternative Theorie vermutet, dass die ersten Besiedler nicht über Land nach Amerika gelangt, sondern (möglicherweise bereits vor 15.000 Jahren) mit Booten entlang der Pazifikküste gefahren seien – entlang der Küste gab es eisfreie Refugien, die dies möglich gemacht hätten. Aufgrund des angestiegenen Meeresspiegels liegen mögliche Indizien für diese Theorie jedoch heute im Meer und sind daher schwer zu finden; aufgrund des Fischreichtums der gesamten amerikanischen Pazifikküste gilt auch dieser Weg als plausibel; als stärksten Argument gilt der wohl 14.700 Jahre alte chilenische Fundort Monte Verde. Wie auch immer: Für die 1.500 Kilometer haben die ersten Einwanderer offenbar nur wenige Generationen gebraucht; die ältesten Funde südlich des Eises sind nur wenig jünger als 14.000 Jahre. Dort fanden die Einwanderer eine reiche Tierwelt vor; in den Prärien weideten Mastodonten (eine ursprüngliche Elefantenart), Elefanten, riesige Gürteltiere, Säbelzahntiger, Pferde und Kamele. Und es gab keine ernsthaften Hindernisse mehr auf dem Weg nach Süden: Ab 11.000 v. Chr. gibt es zahlreiche Funde der Clovis-Kultur (nach dem ersten Fundort, Clovis im US-Bundesstaat New Mexico) mit charakteristischen steinernen Speerspitzen über ganz Nordamerika, und bald darauf finden sich Spuren des Menschen auch in Amazonien und in Patagonien. Innerhalb von 1.000 Jahren hatten die Einwanderer also die Südspitze Südamerikas erreicht, und sie hatten sich dabei auf einige Millionen vermehrt. Damit waren alle Kontinente vom Menschen besiedelt; außer der eisbedeckten Antarktis, die erst im 20. Jahrhundert mit hochentwickelten technischen Hilfsmitteln besiedelt werden konnte. (In Amerika folgten später noch mindestens zwei weitere Einwanderungswellen: Eine vor 9000 Jahren, bei der die Vorfahren der Na-Dené Indianer, zu denen die Haida, Apachen und Navajos gehören, ebenfalls von Nordasien aus nach Amerika gelangten; und eine vor 5.000 Jahren, bei der die Aleuten und Inuit (“Eskimos”) den Norden Amerikas besiedelten. Umstritten sind mögliche weitere, womöglich sogar frühere Einwanderungswellen: Etwa von Menschen aus Ozeanien, aus Nordostasien (vermutet aufgrund von Funden, die japanischen Ureinwohnern vom Volk der Ainu ähneln) oder gar aus Europa.)

Das Leben in der Steinzeit

Wie das Leben der Menschen in der Steinzeit wirklich gewesen ist, ist bis heute umstritten. Für die einen war es ein hartes, brutales, kurzes Leben (so für Thomas Hobbes im “Leviathan”). Herausgefordert wurde diese Sicht im Jahr 1972 von dem amerikanischen Anthropologen Marshall Sahlins, der Steinzeitgesellschaften als die “ursprünglich reichen Gesellschaften” beschrieb: Die Menschen hatten alles, was sie wollten – weil sie nichts wollten, was sie nicht hatten. Besitz war für Nomaden nicht erstrebenswert; und Nahrung war unter normalen Umständen nicht schwierig zu finden. Tatsächlich zeigten moderne Untersuchungen, dass viele Naturvölker für die Nahrungssuche und -zubereitung höchstens vier bis fünf Stunden am Tag brauchen. Andere kamen aber zu dem Ergebnis, dass die Nahrung in schlechten Jahren nicht immer ausreichend war. Wahrscheinlich haben beide Seiten recht – je nach Region und nach klimatischen Verhältnissen konnte das Leben der Jäger und Sammler mal leicht, mal aber auch überaus hart sein. Mit der Verbreitung des Menschen über die ganze Welt und fast alle Klimazonen bildeten sich auch unterschiedliche Kulturen aus, die Grundlage der kulturellen Vielfalt der Menschheit (>> mehr).

In guten Zeiten hatten die Jäger und Sammler relativ viel “Freizeit”, die sie in Verbänden von bis zu 150 Mitgliedern verbrachten. Gelegentlich hatten diese Kontakt mit anderen Verbänden, dabei wurden Geschenke und Informationen (und wohl auch Gruppenmitglieder) ausgetauscht; damit wurden vor allem soziale Beziehungen gepflegt. (Möglicherweise erstreckten sich diese Beziehungen auch in die nicht-menschliche Welt – dies war dann die Aufgabe des Schamanen; siehe >> hier.) Der Austausch konnte auch über große Entfernungen gehen; dies wird etwa aus den Venusfiguren geschlossen, die vor 20.000 Jahren von den Pyrenäen bis an den Don verbreitet waren. Auch in Australien ist der Handel von Ocker aus der Mine von Wilgie Mia quer über den Kontinent belegt; und ebenso spricht die schnelle Verbreitung neuer Waffen für einen bedeutenden Austausch zwischen den einzelnen Gruppen. Gelegentlich – und viele Anthropologen vermuten: vor allem in schlechten Zeiten – versagte die soziale Kontaktpflege aber auch: Durch Axthiebe verursachte Knochenverletzungen bei Steinzeitmenschen zeigen, dass es unter ihnen auch gewalttätige Auseinandersetzungen gab.

Mit der Besiedelung Amerikas am Ende der Eiszeiten hatte der Mensch den letzten der damals bewohnbaren Kontinente erschlossen. Gerade noch rechtzeitig, denn mit dem Ende der Eiszeiten stieg der Meeresspiegel an und trennte Sibirien und Alaska wieder; ebenso Australien, Neuguinea und Tasmanien sowie Japan von Korea. Aus der einen Welt, die der Mensch besiedeln konnten, wurden wieder drei durch Meere voneinander getrennte Bereiche (Afrika und Eurasien, Amerika, Australien), zwischen denen – wenn überhaupt – kaum Kontakt bestand. Mit dem Ende der Eiszeiten dehnten sich aber auf allen Kontinenten die bewohnbaren Flächen aus, und die Zahl der Menschen nahm zu.

Vor etwa 10.000 Jahren haben bereits vier bis acht Millionen Menschen auf der Erde gelebt.

Aber die Erde war noch nicht vollständig besiedelt: Es folgte noch die Besiedelung der mediterranen und der ozeanischen Inselwelt. Die Mittelmeerinseln von Kreta bis Sardinien wurden zwischen 8.500 und 4.000 v. Chr. besiedelt; die Karibik-Inseln ab 4.000 v. Chr. Die Arktis wurde (vermutlich von nordamerikanischen Indianern als Vorläufern der heutigen Inuit) um 2.000 v. Chr. besiedelt.

Die letzte große Barriere für den Menschen waren die Ozeane: Die Besiedelung der pazifischen Inselwelt (Polynesien, Mikronesien und Neuseeland) begann vor 4.000 Jahren mit der Überfahrt vom heutigen China nach Taiwan – dies war der Beginn der spektakulärsten Siedlungswelle über die Weltmeere. Lange Zeit hatten die Historiker geglaubt, sie sei eher zufällig erfolgt, als Fischer vom Kurs abkamen. Heute glaubt man, sie sei gezielt erfolgt: Zum einen erfolgte sie gegen die vorherrschende Richtung von Wind und Meeresströmungen, zum anderen hatten die Siedler Nutzpflanzen und Nutztiere dabei (im Unterschied zu den älteren Siedlungswellen waren hier nicht Jäger und Sammler unterwegs, sondern Menschen, die die Landwirtschaft kannten). Die erste Welle hat die austronesischen Seefahrer über die indonesische Inselwelt und über Australien und Neuguinea bis zu den Salomonen gebracht, wo vor etwa 3.200 Jahren eintrafen. In der nächsten Siedlungswelle erreichten Bauern und Fischer aus dem Bismarck-Archipel nordöstlich von Neuguinea und von den Salomonen aus mit hochseetüchtigen Auslegerkanus die Fidschi-Inseln, Samoa und Tonga – fast 1.500 Kilometer über offenes Meer. Diese Vorfahren der Polynesier werden nach dem Stil ihrer Keramik Lapita-Keramiker genannt. Über 1.500 Jahre später brachen sie – nun mit großen Doppelkanus versehen – wieder auf und erreichten zwischen 600 und 800 nach Christus die Cook-, Gesellschafts- und Marquesas-Inseln (und von dort aus Hawaii) und gegen 900 n. Chr. die Osterinsel: Mindestens 2.100 Kilometer über offenes Meer von der nächstgelegenen Inselgruppe, den Pitcairn-Inseln im Westen. Vermutlich von Kalimantan in Indonesien aus wurde um das Jahr 400 herum Madagaskar besiedelt – eine 5.000 Kilometer-Reise, die wohl durch den Nordost-Monsun ermöglicht wurde. Die Besiedelung von Neuseeland im Jahr 1.200 n. Chr. schloss die Besiedlung der bewohnbaren Inseln im Pazifik ab – auch diese Reise erforderte mindestens 3.200 Kilometer über offenes Meer. (Möglicherweise haben die Austronesier sogar Amerika erreicht; in Chile gefundene Hühner stammen nach genetischen Untersuchungen aus Polynesien und sind im 14. Jahrhundert in die Neue Welt gelangt.)

Den Abschluss der Besiedelung der Erde bildete zwischen 300 und 800 n. Chr. die Besiedlung zahlreicher Inseln im indischen Ozean und von Madagaskar von Indonesien aus sowie im neunten Jahrhundert und zehnten Jahrhundert die Besiedelung von Island und (des bereits von Inuit besiedelten) Grönland durch Norweger. Wirklich von europäischen Eroberern entdeckt wurden daher nur einige abgelegene Inseln im Atlantik und im Indischen Ozean, wie die Azoren und die Seychellen; alle anderen Inseln und Kontinente waren bereits bevölkert. Eine lange Geschichte technischer Entwicklungen (>> mehr) ermöglichte dann im 20. Jahrhundert auch die Besiedlung der Antarktis – und im Jahr 1969 den ersten Besuch auf dem Mond.

Erste kulturelle Zentren

Der moderne „Cro-Magnon-Mensch“ war technisch wesentlich weiter entwickelt als die Neandertaler: Er nutzte Knochen, um etwa Angelhaken und Nähnadeln herzustellen; er erfand Pfeil und Bogen und so genannte Speerschleudern. Mit diesen Waffen war die Geschwindigkeit und Reichweite der Projektile größer; und das Töten großer und gefährlicher Tiere daher leichter. Auch die Grabstöcke wurden mit Steingewichten versehen, die sie tiefer in den Boden eindringen ließen. Das Klima der Eiszeiten bot Homo sapiens reichlich südlicher der Eisschilde reichlich Beute: eine offene Graslandschaft mit vielen großen Weidetieren versprach einem derart guten Jäger vor allem an den Zugrouten und Wasserstellen leichtes Jagdglück. So bildeten sich an den besten Plätzen sogar erste kulturelle Zentren heraus, etwa die Magdalénien in Südfrankreich und Nordspanien. Hier bauten unsere Ahnen erste dorfartige Siedlungen, die über längere Zeiträume bewohnt waren. Sie lebten offenbar von der Jagd auf regelmäßig vorbeiziehende Herden. Dafür reichten einige Monate im Jahr aus; und in der restlichen Zeit schufen sie dort einige der bemerkenswertesten Kunstwerke der Altsteinzeit, die berühmten Bilderhöhlen von Lascaux (>> Abbildung) und Altamira.

Jäger in der Eiszeit

In den Bilderbüchern für Kinder werden gerne Eiszeitjäger dargestellt, die speerschwingend einen Mammut umringen. Nach allem was wir wissen, hat es diese Szene nie gegeben: Zum einen wäre es für die Steinzeitjäger viel zu gefährlich gewesen, sich mit einem ausgewachsenen Mammut anzulegen; zum anderen würden ihnen eine solche Mutprobe auch gar nichts nützen – ein ausgewachsenes Mammut liefert so viel Fleisch, dass es ohne Kühlung zum großen Teil vergammeln würde. Die Auswertung der Knochen aus steinzeitlichen Fundstellen zeigt: Die Steinzeitjäger jagten vor allem Tiere mit weniger als einer Tonne Lebendgewicht – darunter auch junge Mammuts. Diese Tiere lieferten eine Fleischmenge von 400 – 500 Kilo; soviel konnte ein Familienclan vor dem Vergammeln auch nutzen (und nebenbei war es auch noch zarter). Gefährliche Tiere wurden dabei gerne aus dem Hinterhalt getötet, oder auch an Orten, wo sie etwa im tiefen Schlamm versanken und wehrlos waren. Freilich waren auch “kleine” Tiere mit fast einer Tonne Lebendgewicht gefährlich, ihre Jagd war nur in Gruppen möglich. Die Jäger versuchten, geschwächte Tiere aus den Herden zu isolieren und zu Tode zu hetzen (wobei ihnen ihre ausgezeichneten läuferischen Fähigkeiten zu Gute kamen, siehe >> oben). Mit der der Erfindung von “Distanzwaffen” wie dem Wurfspeer wurde die Jagd erheblich erleichtert. Wilde Tiere verändern aber ihr Verhalten bei Gefahr, und als Reaktion auf den Wurfspeer wurden sie scheuer. Die Menschen tarnten sich daraufhin mit Tierfellen und setzten sich Hörner oder Geweihe auf, um sie zu täuschen – so sind vermutlich die “Hirschmenschen” in steinzeitlichen Felsmalereien zu erklären. Diese Verkleidung scheint sich bewährt zu haben, denn später übernahmen die Schamanen sie für die rituelle Beschwörung des Jagdglücks.

Das erste “Haustier”: Der Hund

Bereits in der Frühzeit der Menschheit, vor 135.000 Jahren ist nach neuesten genetischen Untersuchungen der Wolf zum Haustier geworden. Die ältesten Knochenfunde, die eindeutig keinen Wolf, sondern einen Hund nachweisen, sind allerdings nur etwa 15.000 Jahre alt. Aber auch in diesem Fall ist der Hund immer noch das älteste “Haustier” des Menschen. Ob der Mensch zum Hund gekommen ist oder der Hund zum Menschen, ist umstritten: Denkbar ist sowohl, dass Wolfsrudel die Nähe menschlicher Lager gesucht haben, wo es Fleischreste und salz- und mineralienreiche Asche von verlassenen Lagerfeuern gab; als auch, dass Menschen junge Welpen gefunden und aufgezogen haben. In jedem Fall muss sich der Wolf dem Menschen als nützlich erwiesen haben, etwa indem er ihm beim Aufspüren der Beute half – und so fing das dauerhafte Zusammenleben an. Wölfe sind als Rudeltiere relativ leicht zu zähmen; sie leben von Natur aus in hierarchischen Verbänden und ordnen sich bei richtiger Behandlung dem Menschen unter. Das Zusammenleben führte schließlich beim Wolf zu genetischen Veränderungen, die beim Hund münden sollten. Wölfe wurden offenbar in Vorderasien, China und Nordamerika unabhängig voneinander zum Haustier.

Die geistige Welt des frühen Homo sapiens lässt sich schwerer als technische Errungenschaften nachvollziehen: Wir kennen Venusfiguren, die offensichtlich die weibliche Fruchtbarkeit darstellen, und wir kennen die Höhlenbilder. Welchem Zweck dienten diese? Gab es für die Menschen schon eine Geisterwelt, die parallel zur menschlichen Welt bestand und Erfahrungen wie Träume, Leben und Tod erklären konnte? Gab es bereits so etwas wie Schamanen, die mit dieser Geisterwelt in Kontakt treten konnten, und hatten die Bilder etwas damit zu tun (wie es der Vergleich mit heutigen Jägerkulturen nahelegt)? Mit anderen Worten, gab es erste Formen der Religion? Wie auch immer, wer sich die Bilder aus den steinzeitlichen Höhlen von Lascaux oder Altamira ansieht, wird auch heute noch von ihnen berührt: Die Denkwelt des frühen Homo sapiens hatte mit der unseren offensichtlich schon einiges gemeinsam.

Auch außerhalb Europas bildeten sich erste sesshafte Kulturen: An der nordamerikanischen Pazifikküste etwa, wo die Einwohner von wandernden Lachsen und Walen lebten, in bis zu 35 Metern langen Langhäusern lebten und prachtvolle Totempfähle schnitzten; oder sogar an der arktischen Küste, wo die Ureinwohner durch den Walfang genug Nahrung für feste Siedlungen erhielten – die Anpassung an das arktische Klima ist ein beeindruckendes Zeugnis der Anpassungsfähigkeit des Menschen.

Die kulturelle Vielfalt der Menschheit

Auch wenn es offenkundig unter den Menschen eine große Vielfalt an Merkmalen wie Hautfarbe, Gesichtszüge und anderen körperlichen Merkmalen gibt, die kulturelle (und sprachliche) Vielfalt übertrifft diese bei weitem. Sie war die Grundlage für den Erfolg der Menschheit: Die Anpassung an die verschiedensten Lebensräume. Aber die kulturelle Vielfalt der Menschheit geht zunehmend verloren. Indigene Völker – also die, die vor Eroberungen, Kolonisation oder Staatsgründungen in einem Gebiet lebten, die bekanntesten sind die Yanomani in Brasilien, die Buschleute in Afrika, die Aborigines in Australien oder die Papua-Stämme in Indonesien – werden oftmals als rückständig angesehen und an den Rand gedrängt; vor allem, wenn sie ein Gebiet besiedeln, in dem Bodenschätze liegen oder Großprojekte geplant sind.

Ähnlich wie bei der biologischen Vielfalt (siehe >> hier) liegt hierin eine große Gefahr: Die Vielfalt ist die Grundlage der Anpassung an sich verändernde Umweltbedingungen. Wenn etwa die fossilen Brennstoffe, auf denen die Industrielle Landwirtschaft basiert, zu Ende gehen, mögen Kenntnisse traditioneller Landbaumethoden wieder hoch aktuell werden (siehe >> hier). Oder ein anderes, aktuelles Beispiel: Vor tausenden von Jahren gelang es den Ureinwohnern des Amazonasgebietes, dort mit Hilfe von Holzkohle fruchtbare Böden herzustellen (>> mehr); heute wird diese Technik als einer der Hoffnungsträger im Kampf gegen den Klimawandel diskutiert (>> hier). Aber die Ureinwohner des Amazonasgebietes, die nach schlechten Erfahrungen in der Regel jeden Kontakt mit Weißen ablehnen, werden durch Goldsucher, (illegale) Holzfällerei, Soja- und Zuckerrohranbau, die Ansiedlung landloser Bauern oder christliche Missionare immer weiter zurückgedrängt oder verlieren ihre Kultur. (Die meisten dieser Völker leben in Brasilien und Peru; während es in Brasilien wenigstens auf dem Papier anerkannte Schutzgebiete gibt – die von der Indianerbehörde FUNAI nur unzureichend insbesondere gegen agroindustrielle und forstwirtschaftliche Interessen geschützt werden können -, werden diese in Peru gerade erst geplant.)

Organisationen zum Schutz bedrohter Völker:
>> Survival International
>> Gesellschaft zum Schutz bedrohter Völker

In den Tropen, und so auch in Afrika, waren die Temperaturänderungen während der Kalt- und Warmphasen wesentlich geringer als in höheren Breiten, aber die kalten Zeiten waren trockener. In wärmeren Phasen kehrte der Regen zurück, nach einigen Hundert Jahren waren die Savannen wieder grün, und selbst die Sahara, wie Felszeichnungen aus der heutigen libyschen Sahara zeigen. In Afrika war wohl während der Eiszeiten auch der Grabstock erfunden worden, ein angespitzter, gelegentlich mit einer Steinscheibe beschwerter Stock, der beim Ausgraben von Wurzeln und Knollen half – und auch zum Setzen von Setzlingen geeignet war; er gilt daher als ein wesentlicher Vorläufer der Landwirtschaft (>> mehr) – und manchen Historiker gar als eine der wichtigsten Erfindungen der Menschheit. In der Umgebung der 70.000 Jahre alten Klasies River Caves in Südafrika gibt es zahlreiche Pflanzen, die ihre Reservestoffe in Zwiebeln, Knollen oder Wurzelstöcken unter der Erde speichern, und die in einem Maße genutzt wurden, das sich Paläobotaniker nur mit “Management” – etwa dem Abbrennen anderer Pflanzen – erklären können. Vor 70.000 Jahren manipulierte der Mensch also schon seine Umwelt (>> mehr).

In Westeuropa führte das vor 15.000 Jahren wärmer werdende Klima dazu, dass die offenen Grasländer vom Wald verdrängt wurden; eine Entwicklung, die durch Pollenablagerungen in Sedimenten belegt ist. Damit verschwanden aber die großen Tierherden, sie folgten der Tundra-Vegetation nach Norden. Die Cro-Magnon-Jäger hatten die Wahl: Entweder sie folgten ihrer bisherigen Beute; oder sie blieben vor Ort und jagten Waldtiere wie Elch, Hirsch und Auerochse. Sie nutzten beide Möglichkeiten. Im Norden konnten sie ihre alte Lebensweise beibehalten, in den wärmeren Regionen wurde alles anders: Die Waldtiere lebten nicht in großen Herden wie zuvor die Weidetiere; und auch wenn die Erfindung von Pfeil und Bogen bei der Jagd im Wald half – die Sicherstellung von ausreichender Nahrung wurde schwieriger. Dorfartige Siedlungen, Höhlenbilder und Venusfiguren gibt es aus dieser Zeit nicht mehr. Neben der Jagd spielte pflanzliche Nahrung wieder eine größere Rolle; Wälder liefern Knollen, Pilze, Nüsse und andere Früchte. Diese hatten auch den Vorteil, dass sie gut aufbewahrt werden konnten, so dass Reserven für schlechte Zeiten angelegt werden konnten. Als die Wälder immer dichter wurden, zogen die Menschen sich an offene Stellen zurück: Sie besiedelten bevorzugt Fluss- und Seeufer oder Sümpfe, wo die Jagd leichter war und durch Fischfang ergänzt werden konnte.

Östlich des Mittelmeeres …

Historisch bedeutsam sollte aber die Region östlich des Mittelmeeres werden: Hier brachten mit dem einsetzenden Ende der Eiszeiten vor 15.000 Jahren feuchte Westwinde soviel  Regen ins Land, dass im Gebiet des heutigen Israels, Palästinas, Jordaniens und Syriens lockere Eichen-Pistazienwälder über ertragreichen Grasländern entstanden, in denen Gazellen weideten. Grassamen im Frühjahr, Gazellen im Sommer und Eicheln sowie Pistazien im Herbst lieferten reichlich – und ausgewogene – Nahrung. Aber insbesondere die Eicheln verlangten eine aufwendige Zubereitung – die Bitterstoffe mussten ausgewaschen werden. Die Frauen, die für ihre Zubereitung zuständig waren, wurden zunehmend an den Haushalt gefesselt. Auch hier entstanden feste Siedlungen, die zur Natufien-Kultur gehören: im heutigen Israel und Jordanien gelegen, bestanden diese aus runden Häusern mit Sockeln aus Steinen und luftgetrockneten Lehmziegeln. Wie wichtig die Gräser für die Ernährung bereits waren, zeigen Mörser, Mahlsteine und Feuersteinsicheln, die in Siedlungen des Natufien gefunden wurden. Die Benutzung von Mörsern und Mahlsteinen haben darüber hinaus dem Menschen wohl auch den Weg zu geschliffenen Steinwerkzeugen gezeigt – und damit die >> Jungsteinzeit (Neolithikum eingeleitet).

Die Sesshaftigkeit konnte aber auch zum Verhängnis werden: Der mobile frühere Mensch konnte auf Veränderungen in seiner Umwelt reagieren, indem er einfach dahin zog, wo seine Jagdbeute hinzog. Dieser Ausweg stand Menschen, die in einer dicht besiedelten Region lebten, aber nicht mehr zur Verfügung – in den angrenzenden Gebieten lebten bereits Menschen, und in schlechten Zeiten waren Neuankömmlinge kaum willkommen. Eine solche Veränderung kam vor 13.000 Jahren mit dem Beginn der letzten Kaltphase, der >>Jüngeren Dryas: Im östlichen Mittelmeerraum begann eine lang andauernde Trockenheit; die Wälder schrumpften, die Grasländer trugen weniger Körner. Die Menschen machten aus der Not eine Tugend: Sie versuchten, mit der Aussaat von Gräsern die Ernte zu steigern; und damit begann der Übergang zur Landwirtschaft – beschreiben wird diese auf der Seite >> Die Erfindung der Landwirtschaft.

Weitere Informationen:

>> Genographic Project: Gemeinsames Forschungsvorhaben der amerikanischen National Geographic Society und von IBM, um mit Hilfe moderner genetischer Verfahren und deren informationstechnischer Auswertung die Geschichte der Ausbreitung des modernen Menschen über die Welt nachzuvollziehen (englischsprachig).

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Oder zur:
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Afrika – Wiege der Menschheit

Würde man die gesamte Erdgeschichte in einen 24-Stunden-Tag pressen, dann würde der moderne Mensch erst zwei Minuten vor Mitternacht als neue Art auftauchen. Vor 3,5 Milliarden Jahren entwickelte sich das Leben auf der Erde, doch “erst” vor sechs Millionen Jahren begann ganz allmählich die Entwicklung des Menschen. Klimaveränderungen und wechselnde Umwelteinflüsse zwangen den Frühmenschen, sich immer weiter anzupassen.

Der Stammbaum des Menschen (3’07”)

Alles begann in Afrika

Vor zwei Millionen Jahren betrat in Afrika die frühe Form des Homo sapiens die Bühne des Lebens. Er konnte mit dem Feuer umgehen und entwickelte ausgefeilte Werkzeugtechniken. Das machte ihn unabhängig von seiner Umgebung. Jetzt war sein Siegeszug nicht mehr aufzuhalten. Er überwand Wüsten, Gebirge und Meere und besiedelte schließlich die ganze Welt.

Aber wieso begann diese Entwicklung gerade in Afrika? Hätte sich der Mensch nicht auch irgendwo anders entwickeln können? Sicher hätte er das. Eine Zeit lang glaubten Forscher auch, dass Europa oder Asien das Ursprungsgebiet unserer Vorfahren gewesen sei.

Grafik, auf der der Stammbaum des Menschen aufgezeichnet ist.Ohne jede Garantie: der Stammbaum des Menschen

Die Paläoanthropologie ist ein mühseliges und sehr theoretisches Geschäft. Je nachdem, welche Funde gerade zu Tage treten, wie genau die Datierung und die Interpretation dieser fossilen Überreste gelingt, müssen Theorien auch überarbeitet werden. Im Zuge der Urmenschenforschung gab es immer wieder Funde, die die bis dahin gültige Vorstellung von der Evolution des Menschen gehörig durcheinander brachten.

Heute steht fest: Alle Hominidenfunde, die älter als zwei Millionen Jahre alt sind, stammen ausschließlich aus Afrika. Der Startschuss zur Menschwerdung fiel bereits vor sechs Millionen Jahren. Warum sich der Mensch ausgerechnet in Afrika entwickelt hat, diese Frage stellen sich die Wissenschaftler nicht. Sondern: Wie?

Der aufrechte Gang des Menschen (4’16”)

Afrika vor sechs Millionen Jahren

Vor etwa acht bis sechs Millionen Jahren war Afrika noch zum größten Teil von tropischem Regenwald bedeckt. Die jahreszeitlichen Wechsel waren wenig ausgeprägt und die Wassertemperaturen in den Tiefen der Ozeane waren durchschnittlich 10 Grad wärmer als heute. In dieser Zeit kam es zu einer klimatischen Veränderung. Der Regenwald wich zurück. An seinen Randgebieten änderten sich die Lebensbedingungen. Die entstehenden Baumsavannen boten eine größere Vielfalt an Lebensräumen. Hier standen die Bäume zu weit auseinander, um sich weiterhin von Ast zu Ast zu hangeln. Ein aufrechter Gang konnte in diesen Gebieten sinnvoll sein, um zu überleben. Die Entwicklung der gemeinsamen Vorfahren von Menschen und Menschenaffen spaltet sich auf, zwei eigenständige Stränge entstanden. Es war der erste Schritt zum Menschen. Der aufrechte Gang entstand also nicht, wie immer noch häufig zu hören, in der Savanne. Nach heutigem Wissensstand begann der Mensch seine Entwicklung am Rande des tropischen Regenwaldes in Afrika.

Vor 2,8 Millionen Jahren gab es eine weitere einschneidende Klimaveränderung, die die Entwicklung unserer frühesten Vorfahren nachhaltig beeinflusste. Die Ozeantemperaturen sanken ab und auf den Kontinenten brachen eisige Zeiten an.

Rekonstruktion eines Homo rudolfensis.Homo rudolfensis nutzte erstmals primitives Werkzeug

Erste primitive Werkzeuge

Auch in Afrika wurde es um einige Grad kühler. Zu den globalen kamen noch regionale Veränderungen hinzu. So entwickelte sich das Afrikanische Rift, ein Gebirge, das Auswirkungen auf das regionale Klima hatte. Am Rande des Grabenbruchs türmten sich mächtige Gebirgszüge auf. Sie bildeten eine Wetterscheide: Während an der Westseite starke Niederschläge zu Boden gingen, blieb ein großer Teil des östlichen Afrikas relativ trocken. Savannenlandschaften entstanden, die Nahrung wurde trocken und hartschalig. Nur die Frühmenschen, die mit dem veränderten Speiseplan zurechtkamen, konnten überleben. Die einen schafften es mit großen Mahlzähnen, wie der Australopithecus. Die anderen nutzten erstmals primitive Werkzeuge (Homo rudolfensis), um die Nahrung zu knacken und warfen damit ihre Konkurrenten aus dem Rennen. Ihre Linie führt zum Homo sapiens.

Unsere frühesten Vorfahren mussten sich also stets von Neuem den unterschiedlichen Lebensbedingungen anpassen. Innerhalb einer Hominiden-Art gab es zudem immer auch verschiedene geografische Varianten, die zur gleichen Zeit an unterschiedlichen, voneinander getrennten Orten gelebt haben. Alle haben sie ihre jeweiligen Überlebensstrategien entwickelt. (Eine Tatsache, die es den Wissenschaftlern die Zuordnung fossiler Hominidenfunde nicht unbedingt erleichtert.)

Rekonstruktion eines Schädels des Homo erectus.Der Homo erectus gilt als der erste Hominide, der sich aus Afrika verbreitete

Out of Africa

Neben der evolutionären Veränderung als Anpassung ist die Wanderung eine geschickte Strategie, den Lebensraum beizubehalten. Wer überall zurechtkommen will braucht zudem Hilfsmittel, mit denen er den Herausforderungen der jeweiligen Region Herr werden kann. Mit seinen Werkzeugen machte sich der Mensch zum ersten Mal unabhängig von direkten Umwelteinflüssen. Er verbreitete sich zunächst in Afrika. Im Laufe der Zeit entwickelte er zudem Jagdtechniken und lernte mit dem Feuer umzugehen.

Damit waren unsere Vorfahren bestens ausgerüstet, um nun den afrikanischen Kontinent zu verlassen. Spätestens vor zwei Millionen Jahren eroberte der Mensch neues Terrain. Wieder entwickelten sich, je nach Anforderungen ihres Lebensumfeldes, unterschiedliche Varianten innerhalb der Urmenschenfamilie, die jetzt auch in Europa und dem Nahen Osten verbreitet waren.

Ebenfalls in Afrika entstand vor einer halben Million Jahren der Erfolgreichste von ihnen, der Homo Sapiens. Und auch er ging auf Wanderschaft. Homo sapiens, der moderne Mensch, verließ vor etwa 120.000 Jahren Afrika, zog nach Indien und weiter in den nahen Osten. Seine extreme Anpassungsfähigkeit machte ihn seinen verwandten Arten überlegen. Und er besiedelte die ganze Welt.

Andrea Wengel, Stand vom 27.02.2013
Sendung: Neues von den Urmenschen!, 27.02.2013

http://www.planet-wissen.de/politik_geschichte/urzeit/afrika_wiege_der_menschheit/

http://www.planet-schule.de/sf/php/mmewin.php?id=145

Allgemeine Erklärung der Menschenrechte

PRÄAMBEL

Da die Anerkennung der angeborenen Würde und der gleichen und unveräußerlichen Rechte aller Mitglieder der Gemeinschaft der Menschen die Grundlage von Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden in der Welt bildet,

da die Nichtanerkennung und Verachtung der Menschenrechte zu Akten der Barbarei geführt haben, die das Gewissen der Menschheit mit Empörung erfüllen, und da verkündet worden ist, daß einer Welt, in der die Menschen Rede- und Glaubensfreiheit und Freiheit von Furcht und Not genießen, das höchste Streben des Menschen gilt,

da es notwendig ist, die Menschenrechte durch die Herrschaft des Rechtes zu schützen, damit der Mensch nicht gezwungen wird, als letztes Mittel zum Aufstand gegen Tyrannei und Unterdrückung zu greifen,

da es notwendig ist, die Entwicklung freundschaftlicher Beziehungen zwischen den Nationen zu fördern,

da die Völker der Vereinten Nationen in der Charta ihren Glauben an die grundlegenden Menschenrechte, an die Würde und den Wert der menschlichen Person und an die Gleichberechtigung von Mann und Frau erneut bekräftigt und beschlossen haben, den sozialen Fortschritt und bessere Lebensbedingungen in größerer Freiheit zu fördern,

da die Mitgliedstaaten sich verpflichtet haben, in Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen auf die allgemeine Achtung und Einhaltung der Menschenrechte und Grundfreiheiten hinzuwirken,

da ein gemeinsames Verständnis dieser Rechte und Freiheiten von größter Wichtigkeit für die volle Erfüllung dieser Verpflichtung ist,

verkündet die Generalversammlung

diese Allgemeine Erklärung der Menschenrechte als das von allen Völkern und Nationen zu erreichende gemeinsame Ideal, damit jeder einzelne und alle Organe der Gesellschaft sich diese Erklärung stets gegenwärtig halten und sich bemühen, durch Unterricht und Erziehung die Achtung vor diesen Rechten und Freiheiten zu fördern und durch fortschreitende nationale und internationale Maßnahmen ihre allgemeine und tatsächliche Anerkennung und Einhaltung durch die Bevölkerung der Mitgliedstaaten selbst wie auch durch die Bevölkerung der ihrer Hoheitsgewalt unterstehenden Gebiete zu gewährleisten.

Artikel 1

Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen.

Artikel 2

Jeder hat Anspruch auf alle in dieser Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten, ohne irgendeinen Unterschied, etwa nach Rasse, Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Anschauung, nationaler oder sozialer Herkunft, Vermögen, Geburt oder sonstigem Stand.

Des weiteren darf kein Unterschied gemacht werden auf Grund der politischen, rechtlichen oder internationalen Stellung des Landes oder Gebietes, dem eine Person angehört, gleichgültig ob dieses unabhängig ist, unter Treuhandschaft steht, keine Selbstregierung besitzt oder sonst in seiner Souveränität eingeschränkt ist.

Artikel 3

Jeder hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person.

http://www.un.org/depts/german/grunddok/ar217a3.html

Charta der Vereinten Nationen

Druckversion (PDF)

Präambel

charter.jpgWIR, DIE VÖLKER DER VEREINTEN NATIONEN – FEST ENTSCHLOSSEN,

  • künftige Geschlechter vor der Geißel des Krieges zu bewahren, die zweimal zu unseren Lebzeiten unsagbares Leid über die Menschheit gebracht hat,
  • unseren Glauben an die Grundrechte des Menschen, an Würde und Wert der menschlichen Persönlichkeit, an die Gleichberechtigung von Mann und Frau sowie von allen Nationen, ob groß oder klein, erneut zu bekräftigen,
  • Bedingungen zu schaffen, unter denen Gerechtigkeit und die Achtung vor den Verpflichtungen aus Verträgen und anderen Quellen des Völkerrechts gewahrt werden können,
  • den sozialen Fortschritt und einen besseren Lebensstandard in größerer Freiheit zu fördern,

UND FÜR DIESE ZWECKE

  • signing.jpgDuldsamkeit zu üben und als gute Nachbarn in Frieden miteinander zu leben,
  • unsere Kräfte zu vereinen, um den Weltfrieden und die internationale Sicherheit zu wahren,
  • Grundsätze anzunehmen und Verfahren einzuführen, die gewährleisten, daß Waffengewalt nur noch im gemeinsamen Interesse angewendet wird, und
  • internationale Einrichtungen in Anspruch zu nehmen, um den wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt aller Völker zu fördern –

http://www.unric.org/de/charta

HABEN BESCHLOSSEN, IN UNSEREM BEMÜHEN UM DIE ERREICHUNG DIESER ZIELE ZUSAMMENZUWIRKEN.

Und so sieht bis heute die Wirklichkeit des Krieges in Afrika aus!

Willkommen bei der AKUF

Die Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung (AKUF) informiert Sie auf dieser Website umfassend über das weltweite Kriegsgeschehen nach dem Zweiten Weltkrieg.

Unter Laufende Kriege finden Sie Übersichten und aktuelle Kurzanalysen zu den aktuellen Kriegen.
Das Kriege-Archiv enthält Analysen, Übersichten und Statistiken zu sämtlichen Kriegen seit 1945.
Unsere Publikationen enthalten weitere Arbeitsergebnisse und sind zum Teil online verfügbar.
Unter Projekte informieren wir Sie über laufende und abgeschlossene Forschungs- und Lehrprojekte.
Auf der Team-Seite erfahren Sie Arbeitsschwerpunkte und Kontakt-Adressen unserer Mitarbeiter/innen.
Kriegerische Auseinandersetzungen prägen auch fünfzig Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg weite Teile der Welt. Die gewaltsame Austragung sozialer Konflikte erweist sich als anhaltende Begleiterscheinung der gesellschaftlichen Entwicklung insbesondere in den Ländern der sog. Dritten Welt.

Die AKUF erfaßt und typologisiert alle aktuellen Kriege und bewaffneten Konflikte, ermittelt und analysiert statistische Trends zum Kriegsgeschehen und trägt auf dieser Basis zur Theoriebildung über Kriegsursachen bei. Die Daten der AKUF, ihre Kriegsdefinition und ihre Kriegstypologie bilden heute im deutschen Sprachraum die meistverwendete empirische Grundlage einschlägiger Publikationen und werden auch von staatlichen und nicht-staatlichen Institutionen und Organisationen, von Zeitschriften, elektronischen Medien und von Schulbuchverlagen als Hintergrund- und Basismaterial genutzt.

***

Die AKUF ist Teil der Forschungsstelle Kriege, Rüstung und Entwicklung (FKRE), die seit ihrer Gründung im Jahre 1986 an der Universität Hamburg den institutionellen Rahmen für verschiedene Forschungsprojekte zur Kriegsursachentheorie, zu Rüstungstransfers, zur Militarisierung und zur Zukunft des Regierens in den Regionen der Dritten Welt bildet. Die Arbeit der FKRE und der AKUF wird von der Universität Hamburg und Institutionen der Wissenschaftsförderung unterstützt. Die Universität Hamburg stellt die Räumlichkeiten und die Infrastruktur zur Verfügung. Personal- und Sachmittel für an der FKRE durchgeführte Forschungsprojekte werden aus Drittmitteln finanziert. Diese Website wurde mit finanzieller Unterstützung der Berghof-Stiftung erstellt.

Leichter Rückgang bewaffneter Auseinandersetzungen

Nach Untersuchungen der AKUF ist im Jahr 2012 gegenüber dem Vorjahr ein geringer Rückgang vonKriegen und bewaffneten Konflikten zu beobachten. Die Zahl verringerte sich um drei auf nunmehr 34 und auch die Zahl der Kriege sank um einen auf 24.
Insgesamt wurden fünf kriegerische Konflikte beendet, allerdings brachen auch zwei neue kriegerische Auseinandersetzungen aus. Die am stärksten von bewaffneten Auseinandersetzungen betroffene Region war Afrika mit 13 kriegerischen Konflikten, dicht gefolgt vom Vorderen und Mittleren Orient mit 11 sowie Asien mit neun. In Lateinamerika war ein Krieg zu verzeichnen.

Einen Überblick über das Kriegsgeschehen liefert die AKUF-Analyse Nr. 11.
Eine tabellarische Aufstellung der Kriege und bewaffneten Konflikte 2012 finden Sie hier.

Veränderungen gegenüber dem Vorjahr

Beendete Kriege und bewaffnete Konflikte

Fünf kriegerische Konflikte wurden 2011 beendet und finden sich daher nicht in mehr in dieser Übersicht für das Jahr 2012. In der Côte d’Ivoire hatte Amtsinhaber Laurent Gbagbo Ende November 2010 die Präsidentschaftswahl verloren, sich jedoch geweigert abzutreten. Der Waffenstillstand zwischen seinen Kämpfern und den des Wahlsiegers Alassane Ouattara wurde daraufhin gebrochen. Mitte April wurde Gbagbo von den Rebellen gefangen genommen und wenige Tage später war der Krieg beendet.

Im Jemen wurden 2011 Proteste wie in vielen anderen arabischen Ländern mit Gewalt durch Polizei und Militär unterdrückt. Einige Male im Laufe des Jahres griffen jedoch Kämpfer verschiedener Stämme sowie abtrünnige Teile des Militärs gegen die Regierung ein, so dass sich ein bewaffneter Konflikt entwickelte. Nach schwierigen Verhandlungen wurde hier ein schrittweiser Rückzug des langjährigen Präsidenten Ali Saleh erreicht.

Ende April/Anfang Mai ereigneten sich Kämpfe zwischen Truppen Thailands und Kambodschas um ein umstrittenes Grenzgebiet. Obwohl Thailand eine internationale Beobachtung ablehnte, konnten die Zusammenstöße nach einigen Tagen beendet werden. Die kriegerische Gewalt im nigerianischen Niger-Delta um eine größere Teilhabe an den Einnahmen aus der Erdölförderung nahm in den letzten Jahren sukzessive ab und 2012 wurden keine Kampfhandlungen mehr berichtet. In der pakistanischen Provinz Belutschistan gingen die Kampfhandlungen für die Unabhängigkeit der Region in den letzten Jahren deutlich zurück.

Neu eskalierte Kriege und bewaffnete Konflikte

Den fünf beendeten kriegerischen Konflikten standen 2012 zwei neue gegenüber. Der Krieg in Malibegann Mitte Januar als Aufstand der von Tuareg geführten Rebellengruppe Mouvement National pour la Libération de l’Azawad (MNLA), die die Unabhängigkeit Nordmalis erreichen wollte. Diese ging ein Bündnis mit drei islamistisch ausgerichteten Gruppierungen ein. Die Rebellen konnten den kompletten Norden des Landes unter ihre Kontrolle bringen, aber das Bündnis zwischen den Tuareg-Rebellen und den islamistischen Gruppen zerbrach. Dabei hatten die Tuareg schnell das Nachsehen und wurden von den Islamisten aus allen wichtigen Gebieten verdrängt.

Der zweite neue Konflikt fand zwischen Sudan und Südsudan statt. Er stand im Zusammenhang mit der im Juli 2011 erreichten Unabhängigkeit Südsudans. Dabei blieben einige territoriale Fragen ungeklärt. Bewaffnete Auseinandersetzungen fanden im April und Mai statt, bevor sich die Konfliktparteien an den Verhandlungstisch setzten. So wurde zwar keine Lösung des Grenzkonflikts erreicht, aber eine entmilitarisierte Zone eingerichtet.

¹ Siehe Kriegsdefinition (Krieg/Bewaffneter Konflikt)

Siehe AKUF-Analyse 11 (pdf)

 

Beginn Einstufung 2012¹
Afrika
Äthiopien (Ogaden) 2006 Krieg
Burundi 2011 Bewaffneter Konflikt
Kongo-Kinshasa (Ostkongo) 2005 Krieg
Mali 2012 Krieg
Nigeria (Boko Haram) 2011 Krieg
Senegal (Casamance) 1990 Bewaffneter Konflikt
Somalia 1988 Krieg
Sudan (Darfur) 2003 Krieg
Sudan (Südkordofan und Blauer Nil) 2011 Krieg
Sudan/Südsudan 2012 Bewaffneter Konflikt
Südsudan 2010 Bewaffneter Konflikt
Uganda 2009 Krieg
Zentralafrikanische Republik 2006 Krieg
 

 

Kategorie:Krieg (Afrika)

 Commons: Armed conflicts in Africa – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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Liste von Konflikten in Afrika

Die Liste von Konflikten in Afrika enthält eine Übersicht über Kriege und Aufstände in Afrika. Die sortierbare Tabelle ist nach den Namen der heutigen, souveränen Staaten Afrikas und nach Datum des Konflikts geordnet, zwischenstaatliche Kriege tauchen unter den Namen beider beteiligter Länder auf. Wenn der Konflikt vor der Entstehung des heutigen Staates stattfand, ist die Bezeichnung des Vorläuferstaates/der Vorläuferkolonie unter „Bemerkungen“ angegeben.

Region oder
heutiger Staat
Konflikt Zeitraum Anmerkungen
Ägypten Ägypten
Libyen Libyen
Tunesien Tunesien
Afrikafeldzug 1940–1943 Teil des Zweiten Weltkriegs
Ägypten Ägypten Urabi-Aufstand 1882 Erhebung im osmanischen Vizekönigreich Ägypten und Besetzung durch Großbritannien
Ägypten Ägypten(Sinai) Sinaifront 1915–1916 gescheiterte Angriffe der Mittelmächte auf den Sueskanal
Ägypten Ägypten(Sinai) Palästinakrieg 1948–1949 Krieg Ägyptens gegen Israel
Ägypten Ägypten(Sinai) Sueskrise 1956 Krieg Ägyptens gegen GroßbritannienFrankreichIsrael
Ägypten Ägypten(Sinai) Sechstagekrieg 1967 Krieg Ägyptens gegen Israel
Ägypten Ägypten(Sinai) Abnutzungskrieg 1967–1970 Krieg Ägyptens gegen Israel
Ägypten Ägypten
Libyen Libyen
Libysch-Ägyptischer Grenzkrieg 1977 Gefechte zwischen ägyptischen und libyschen Truppen
Ägypten Ägypten Jom-Kippur-Krieg 1973 Krieg Ägyptens gegen Israel
Algerien Algerien Algerienkrieg 1954–1962 Unabhängigkeitskrieg gegen die Kolonialmacht Frankreich
Nordafrika Erster Barbareskenkrieg 1801–1805 Krieg der Vereinigten Staaten von Amerika gegen dieBarbareskenstaaten
Nordafrika Zweiter Barbareskenkrieg 1815 Krieg der Vereinigten Staaten von Amerika gegen die Barbareskenstaaten
Algerien Algerien,Provinz Tindouf Algerisch-Marokkanischer Grenzkrieg 1963–1964 Grenzkonflikt zwischen Marokko und Algerien
Algerien Algerien Algerischer Bürgerkrieg 1991–2002 Krieg der Regierung gegen islamistische Rebellen, dauert in einigen Regionen noch an
Angola Angola Portugiesischer Kolonialkrieg 1961–1975 Unabhängigkeitskrieg gegen die Kolonialmacht Portugal
Angola Angola Bürgerkrieg in Angola 1975–2002 Bürgerkrieg zwischen Rebellen und Regierung, Stellvertreterkrieg
Angola Angola(Cabinda) Cabinda-Konflikt 1975–heute Sezessionistische Bestrebungen in Cabinda
Äthiopien Äthiopien 1. Italienisch-Äthiopischer Krieg 1895–1896 Erfolgloser Versuch einer Kolonialisierung Äthiopiens durch Italien
Äthiopien Äthiopien 2. Italienisch-Äthiopischer Krieg 1935–1936 Eroberung Äthiopiens durch Italien
Äthiopien Äthiopien
Eritrea Eritrea
Flag of Somaliland.svg Somaliland
Zweiter Weltkrieg in Ostafrika 1940–1941 Italienische Invasion Britisch-Somalilands
Britischer Angriff auf Italienisch-Ostafrika
Äthiopien Äthiopien
Eritrea Eritrea
Eritreischer Unabhängigkeitskrieg 1961–1991 Unabhängigkeitskrieg, führt zur Unabhängigkeit Eritreas von Äthiopien
Äthiopien Äthiopien(Ogaden) Ogadenkrieg 1977–1978 Krieg zwischen Äthiopien und Somalia um die von Somalis bewohnte Region Ogaden
Äthiopien Äthiopien Äthiopischer Bürgerkrieg 1974–1991 Krieg der Regierung gegen mehrere Rebellengruppen, führt zum Sturz der Regierung Mengistu
Äthiopien Äthiopien Äthiopisch-Somalischer Grenzkrieg 1982 Krieg um Grenzverlauf in der Region Ogaden
Äthiopien Äthiopien Aufstand im Ogaden seit 1984 Aufstand der Somali in der Provinz Ogaden
Äthiopien Äthiopien
Eritrea Eritrea
Eritrea-Äthiopien-Krieg 1998–2000 Grenzkrieg zwischen Äthiopien und Eritrea
Burkina Faso Burkina Faso Krieg um den Agacher-Streifen 1985 Grenzkrieg zwischen Mali und Burkina Faso
Burundi Burundi Bürgerkrieg in Burundi 1993–2005 Bürgerkrieg zwischen den Ethnien der Hutu und der Tutsi
Dschibuti Dschibuti Dschibutischer Bürgerkrieg 1991–1994 Afar-Rebellengruppe gegen Issa– dominierte Regierung
Dschibuti Dschibuti Eritreisch-dschibutischer Grenzkonflikt 2008 Eskalation eines Konflikts um ungeklärten Grenzverlauf
Elfenbeinküste Elfenbeinküste Bürgerkrieg in der Elfenbeinküste 2002–2007 Regierung gegen Rebellengruppierungen vor dem Hintergrund der ethnisch-religiösen Nord-Süd-Teilung des Landes
Ghana Ghana Aschanti-Akim-Akwapim-Krieg 1811–1816 Sieg der Aschanti-Föderation die von den Briten unterstützten Akimund Akwapim
Ghana Ghana Aschanti-Fante-Krieg 1806–1807 Sieg der Aschanti über die Fante
Guinea-Bissau Guinea-Bissau Portugiesischer Kolonialkrieg 1959–1974 Unabhängigkeitskrieg gegen die Kolonialmacht Portugal
Guinea-Bissau Guinea-Bissau Konflikt des 7. Juni 1998 1998–1999 Sturz der Regierung surch aufständische Teile des Militärs
Kamerun Kamerun Bafut-Kriege 1891–1907 Krieg deutscher Kolonialtruppen gegen das Reich von Bafut
Kamerun Kamerun Kamerun im Ersten Weltkrieg 1914–1916 Nebenkriegsschauplatz des Ersten Weltkriegs in der deutschen Kolonie Kamerun
Kenia Kenia Mau-Mau-Aufstand 1952–1957 Aufstand gegen die weißen Siedler in der britischen Kolonie Kenia
Kenia Kenia Shifta-Krieg 1963–1967 Aufstand der Somali-Bevölkerung im Nordosten Kenias für den Anschluss an Somalia
Komoren Komoren Invasion von Anjouan 2008 Sezession der Insel Anjouans durch Truppen der Afrikanischen Unionbeendet
Demokratische Republik Kongo Demokratische Republik Kongo Kongogräuel 1888–1908 Massenmorde an der Bevölkerung des Kongo-Freistaats, mehrere Millionen Tote
Demokratische Republik Kongo Demokratische Republik Kongo Kongo-Krise 1960–1965 Sezessionenbestrebungen, Aufstände, Regierungskrisen und ausländische Interventionen nach Entkolonialisierung Belgisch-Kongos
Demokratische Republik Kongo Demokratische Republik Kongo Shaba-Invasion 1977–1978 Invasion der “Kongo-Gendarmen” aus Angola
Demokratische Republik Kongo Demokratische Republik Kongo Erster Kongokrieg 1996–1997 Sturz der Regierung Mobutus durch die Rebellenkoalition der AFDL
Demokratische Republik Kongo Demokratische Republik Kongo Zweiter Kongokrieg 1998–2003 Bürgerkrieg zwischen Regierung und mehreren Rebellengruppen, unter massiver Beteiligung der Nachbarstaaten
Demokratische Republik Kongo Demokratische Republik Kongo Dritter Kongokrieg 2007–2009 Kämpfe zwischen Regierungstruppen und Rebellen in der Region Kivu
Demokratische Republik Kongo Demokratische Republik Kongo Bewaffneter Konflikt im Ostkongo 1996–heute Lokale bewaffnete Konflikte, teilweise in Überschneidung mit den drei Kongokriegen
Republik Kongo Republik Kongo Bürgerkrieg in der Republik Kongo 1997–1999 Gewaltsame erneute Machtübernahme von Denis Sassou-Nguesso
Lesotho Lesotho Gun War 1880–1881 Aufstand in der brit. Kolonie Basutoland
Liberia Liberia Liberianischer Bürgerkrieg 1989–2003 Kämpfe zwischen Regierung und Rebellengruppen um politische Macht und Rohstoffe
Libyen Libyen Italienisch-Türkischer Krieg 1911–1912 Italienische Übernahme von Tripolitanien und der Kyrenaika
Libyen Libyen Libysch-Tschadischer Grenzkrieg 1978–1987 Krieg um die Kontrolle des Aouzou-Streifen
Libyen Libyen Operation El Dorado Canyon 1986 Luftangriff der Vereinigten Staaten
Libyen Libyen Bürgerkrieg in Libyen 2011 2011 Sturz der Regierung Ghaddafi nach Bürgerkrieg
Madagaskar Madagaskar Madagaskar-Revolte 1947–1948 Aufstand gegen französische Kolonialherrschaft
Mali Mali 1. Tuareg-Rebellion 1961–1964 1. Aufstand der Tuareg in den Staaten Mali und Niger
Mali Mali 2. Tuareg-Rebellion 1990–1995 2. Aufstand der Tuareg in den Staaten Mali und Niger
Mali Mali 3. Tuareg-Rebellion 2007–heute 3. Aufstand der Tuareg in den Staaten Mali und Niger
Mali Mali Konflikt in Nordmali 2012–heute bewaffnete Auseinandersetzungen in Azawad (seit 2013 unter Beteiligung westlicher Staaten, insbesondere Frankreichs)
Marokko Marokko Amerikanisch-Tripolitanischer Krieg 1801–1805 USA gegen Marokko und Stadtstaaten Algier, Tunis und Tripolis
Marokko Marokko Spanisch-Marokkanischer Krieg 1859–1860 Spanien erweitert nach Angriff der Rifkabylen sein Kolonialgebiet in Marokko
Marokko Marokko Rifkrieg (1893) 1893 Konflikt zwischen Spanien und 39 Stämmen des Rifgebirges
Marokko Marokko Rifkrieg (1909) 1909 Erweiterung seiner Kolonie Melilla durch Spanien nach Konflikt um Minen in Nordmarokko
Marokko Marokko Rifkrieg (1921) 1921 Militärische Durchsetzung der spanischen Herrschaft über das “Protektorat” Spanisch-Marokko
Marokko Marokko Ifni-Krieg 1957–1958 Entkolonialisierungskonflikt um Spanisch-Westafrika
Marokko Marokko Algerisch-Marokkanischer Grenzkrieg 1963–1964 Kriegsgegner Algerien
Marokko Marokko Westsaharakonflikt 1974–heute Unabhängigkeitsbestrebung der Demokratischen Arabischen Republik Sahara von Marokko
Mauretanien Mauretanien Mauretanisch-Senegalesischer Grenzkrieg 1989–1991 Konflikt um Weiderechte am Grenzfluss Senegal
Mauritius Mauritius Mauritiusfeldzug 1809 und 1810 Eroberung der Inseln Mauritius und Rodrigues durch das Vereinigte Königreich
Mosambik Mosambik Portugiesischer Kolonialkrieg 1964–1975 Guerillakrieg für Unabhängigkeit Mosambiks, durch Nelkenrevolutionbeendet
Mosambik Mosambik Mosambikanischer Bürgerkrieg 1977–1992 Bürgerkrieg zwischen marxistischer FRELIMO und von Südafrikaunterstützter RENAMO
Namibia Namibia Aufstand der Herero und Nama 1904–1908 Vernichtungskrieg der deutschen Kolonialmacht in Deutsch-Südwestafrika gegen Herero und Nama
Namibia Namibia Erster Weltkrieg in Südwestafrika 1914–1915 Nebenkriegsschauplatz des Ersten Weltkriegs in Deutsch-Südwestafrika
Namibia Namibia Namibischer Befreiungskampf 1966–1989 gegen ApartheidSüdafrika
Namibia Namibia Caprivi-Konflikt 1989–heute Konflikt um die Unabhängigkeit des Caprivi-Zipfels von Namibia
Niger Niger 1. Tuareg-Rebellion 1961–1964 1. Aufstand der Tuareg in den Staaten Mali und Niger
Niger Niger 2. Tuareg-Rebellion 1990–1995 2. Aufstand der Tuareg in den Staaten Mali und Niger
Niger Niger 3. Tuareg-Rebellion 2007–heute 3. Aufstand der Tuareg in den Staaten Mali und Niger
Nigeria Nigeria Biafra-Krieg 1967–1970 Sezessionsversuch der Südostprovinz
Ruanda Ruanda Völkermord in Ruanda 1994 Völkermord der Hutu-Mehrheit an den in Ruanda lebenden Tutsi, beendet durch Invasion der Exil-Guerilla
Senegal Senegal Casamance-Konflikt 1990–heute Guerillakrieg in der nach Unabhängigkeit strebenden Provinz Casamance Senegals
Sierra Leone Sierra Leone Bürgerkrieg in Sierra Leone 1991–2002 Krieg der Revolutionary United Front gegen mehrere Regierungen Sierra Leones
Simbabwe Simbabwe Matabeleaufstand 1896 Antikolonialer Aufstand gegen Großbritannien
Simbabwe Simbabwe Rhodesischer Buschkrieg 1970–1980 Guerillakrieg gegen Regierung der weißen Minderheit
Somalia Somalia Feldzüge in Somaliland 1901–1904 und 1920 Britische Kolonialmacht gegen Haji Mohammed Abdullah Hassan
Somalia Somalia Zweiter Weltkrieg in Äthiopien 1940–1941 Italienische Besetzung Britisch-Somalilands, anschließende Eroberung Italienisch-Somalilands durch Großbritannien
Somalia Somalia Ogadenkrieg 1977–1978 gegen Äthiopien
Somalia Somalia Shifta-Krieg 1963–1967 Aufstand der Somali Kenias für Anschluss an Somalia
Somalia Somalia Somalischer Bürgerkrieg 1991–heute Militärische Konflikte zwischen Kriegsherren, Clans, Zentralregierung und diversen Milizen, teilweise unter Beteiligung von Nachbarstaaten
Südafrika Südafrika Grenzkriege 1779–1879 Britische Bezeichnung für die koloniale Unterwerfung der Xhosa
Südafrika Südafrika Zulukrieg 1879 Eroberung des Königreichs Zululand durch Großbritannien
Südafrika Südafrika Erster Burenkrieg 1880–1881 1. Krieg zwischen Großbritannien und der burischenSüdafrikanischen Republik, Anerkennung der Burenrepublik
Südafrika Südafrika Zweiter Burenkrieg 1899–1902 Eroberung der Burenrepubliken Oranje-Freistaat und Südafrikanische Republik (Transvaal) durch Großbritannien
Südafrika Südafrika Widerstand gegen die Apartheid 1960–1994 Überwiegend von Umkhonto we Sizwe und Pan Africanist Congressorganisierter Widerstand gegen weiße Vorherrschaft
Sudan Sudan Mahdi-Aufstand 1881–1899 religiös motivierter Aufstand gegen britische Kolonialmacht
Sudan Sudan Sezessionskrieg im Südsudan 1955–1972 und
1983–2005
führte zu Unabhängigkeit des Südsudan
Sudan Sudan Darfur-Konflikt 2003–heute Aufstand der schwarzafrikanischen Bevölkerung der sudanesischenProvinz Darfur
Südsudan Südsudan Sezessionskrieg im Südsudan 1955–1972 und
1983–2005
führte zur Unabhängigkeit
Tansania Tansania Aufstand der ostafrikanischen Küstenbevölkerung 1888–1890 Aufstand gegen deutsche Kolonialherrschaft in Deutsch-Ostafrika
Tansania Tansania Britisch-Sansibarischer Krieg 1896 Großbritannien erzwingt militärisch ihm genehme Thronfolge imSultanat Sansibar
Tansania Tansania Maji-Maji-Aufstand 1905–1908 Aufstand gegen deutsche Kolonialherrschaft in Deutsch-Ostafrika
Tansania Tansania
Mosambik Mosambik
Erster Weltkrieg in Ostafrika 1914–1918 Nebenkriegsschauplatz des Ersten Weltkriegs in Deutsch-Ostafrikaund Portugiesisch-Ostafrika
Tansania Tansania Uganda-Tansania-Krieg 1971–1972 und
1978–1979
Militärische Versuche Tansanias, die Diktatur Idi Amins im benachbarten Uganda zu beenden
Tschad Tschad Französischer Kolonialkrieg gegen Wadai 1909–1912 Französische Eroberung des Wadaireiches
Tschad Tschad Aouzou-Konflikt 1978–1987 Kriegsgegner Libyen
Tschad Tschad Bürgerkrieg im Tschad 1979–1982 Militärische Eskalation von Konflikten innerhalb der Militärregierung, durch Vermittlung der OAU beendet
Tschad Tschad Bürgerkrieg im Tschad 2005–heute
Togo Togo Togo im Ersten Weltkrieg 1914 Nebenkriegsschauplatz des Ersten Weltkriegs in der deutschen Kolonie Togo
Tunesien Tunesien Amerikanisch-Tripolitanischer Krieg 1801–1805 USA gegen Marokko und Stadtstaaten Algier, Tunis und Tripolis
Tunesien Tunesien Afrikafeldzug 1940–1943 Teil des 2. Weltkrieges
Tunesien Tunesien Bizerta-Krise 1961 Konfliktgegener Frankreich, Auslöser: Verlängerung Landebahn des französischen Militärflugplatzes in Bizerta
Uganda Uganda Uganda-Tansania-Krieg 1971–1972 und
1978–1979
Uganda Uganda Bürgerkrieg in Uganda 1979–1986
Zentralafrikanische Republik Zentralafrikanische Republik Zentralafrikanischer Buschkrieg 2004–2007

Siehe auch[Bearbeiten]

http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Konflikten_in_Afrika