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Konsumgüter und Fluchtgründe

Das bitterarme Land Kongo gehört zu den rohstoffreichsten Staaten der Welt. Diamanten und Gold kommen von hier. Eine wahre Schatzgrube sind die Coltan-Minen. Dieses wertvolle Erz wird für die Herstellung von Mobiltelefonen benötigt. Doch statt Wohlstand bringen die Bodenschätze nur Not, Elend und Gewalt mit sich. – In den Niederlanden wird das Fairphone entwickelt; gestern ging dazu die 5.000ste Bestellung ein. Über die Notwendigkeit eines Fairphones und die Hintergründe im bitterarmen Kongo erzählt diese Fotoanimation.
Mehr dazu auch auf » http://www.missio-hilft.de/handy

Fallstudie Demokratische Republik Kongo: Rohstoffreichtum, Armut und Konflikte

Infotext

Die Demokratische Republik Kongo (DRK) ist eines der wenigen Länder Afrikas, in denen bewaffnete Auseinandersetzungen bis heute mit dem Handel von Mineralien finanziert werden. Die DR Kongo ist durch Berichte von Expertengruppen der Vereinten Nationen und zunehmendes Medieninteresse zum traurigen Paradebeispiel dafür geworden, wie Konflikte und Ausbeutung von Rohstoffen zusammenhängen.

Die DR Kongo ist eines der rohstoffreichsten Länder Afrikas. Kupfer, Diamanten, Kobalt, Koltan und Gold finden sich dort im Überfluss. Auch für die Bundesrepublik Deutschland ist die DR Kongo (laut Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe) einer der zehn wichtigsten Rohstofflieferanten. Dennoch ist der zentralafrikanische Staat einer der ärmsten weltweit. Seine Gesamtwirtschaftsleistung lag 2010 bei 23,1 Milliarden US-Dollar – der deutsche Bundeshaushalt lag im Vergleichsjahr bei 319,5 Milliarden Euro. Auf dem Index der menschlichen Entwicklung (Human Development Index, HDI) der Vereinten Nationen belegt das Land den letzten Platz (Rang 187) und geschätzte 70 Prozent seiner Bevölkerung lebten 2006 unter der nationalen Armutsgrenze.

In den 1990er Jahren machte das Land zwei Bürgerkriege durch und ist bis heute nicht befriedet. Zwar kam es 2003 zu einem Friedensabkommen der ehemaligen Kriegsparteien, aber im Osten der Republik gehen Kampfhandlungen und bewaffnete Überfälle auf die Zivilbevölkerung weiter.

Die kongolesische Kriegsökonomie und die Rolle internationaler Unternehmen

Wie funktionierte die kongolesische Kriegsökonomie? Während des ersten Kongo-Krieges (1996 bis 1997)begannen Kriegsherren, Rohstoffe zu vermarkten. Zum einen errichteten die Rebellengruppen in den von ihnen kontrollierten Gebieten Steuersysteme. Der lukrative Handel mit Rohstoffen stellte dafür eine wichtige Säule dar. Zum anderen erlangten die Rebellengruppen mit ihren ausländischen militärischen Verbündeten die Kontrolle über einige Bergbaugebiete, wo sie die Menschen zwangen für sie zu arbeiten. Die Rebellengruppe „Kongolesische Sammlung für die Demokratie” RCD (Rassemblement Congolais pour la Démocratie), mit Ruanda verbündet, versuchte zeitweilig sogar, den Export von Metallen zu monopolisieren. Für diesen Zweck gründete sie im Jahr 2000 die Handelsfirma Somigl, welche das alleinige Recht haben sollte Koltan auszuführen.
Koltan, ein Grundstoff für die Elektronikindustrie, zum Beispiel für Handys, spielte lange eine wichtige Rolle in der Kriegsöokonomie. Im östlichen Kongo finden sich Lagerstätten, die ohne große technische Hilfsmittel in Handarbeit abgebaut werden können. Um das Jahr 2000 stieg der Preis für Koltan als Folge des Mobiltelefon- und Computerbooms stark an. Koltan wurde zur wichtigsten Finanzquelle von Rebellen und Milizen im Osten des Kongo. Somigl, die Handelsfirma der RCD, verkaufte allein im Dezember 2000 Koltan im Wert von 1,12 Millionen US-Dollar. Der Koltanboom ging jedoch rasch wieder zu Ende, so dass Somigl bereits 2001 aufgelöst wurde. Die Vermarktung lief danach über lokale Händler und ausländische Aufkäufer der Koltan verarbeitenden Industrie, unter anderem über die deutsche Firma H.C. Starck, eine Tochter des Bayer-Konzerns.
Nichtregierungsorganisationen und eine UN-Expertengruppe forderten Sanktionen gegen den Koltanhandel aus dem Kongo, die aber vom Sicherheitsrat nicht verhängt wurden. Ein Argument der UN war, dass ein Embargo angesichts der weit offenen Grenzen schwer durchzusetzen sei. Ein anderes lautete, dass Koltansanktionen vor allem die Masse der Schürfer treffe, die ohne andere Erwerbsquellen seien. In der Tat werden im Kongo die meisten Rohstoffe wie Koltan, Zinn, Diamanten oder Gold von hunderttausenden Kleinschürfern abgebaut, die mit ihrer puren Muskelkraft arbeiten.
Die Diskussion um Sanktionen ist weiterhin aktuell. Eine neue Gesetzgebung der USA hat zu einem De-Facto-Boykott von Zinnerz, Koltan, Wolfram und Gold in den Ostprovinzen Süd- und Nordkivu geführt. Der sogenannte Dodd-Frank-Act untersagt zwar nicht den Handel mit diesen Metallen aus der DR Kongo, schreibt den Unternehmen jedoch vor, Berichte zu veröffentlichen, ob sie Metalle aus den Konfliktgebieten beziehen. Ein Großteil der Elektronikindustrie hat seitdem seine Käufe aus der Region vorübergehend eingestellt.
Um den Rohstoffabbau in der DR Kongo legal und fair zu gestalten, müssen die Eigentumsverhältnisse an Rohstoffvorkommen, die Abbaulizenzen und die Verteilung der daraus resultierenden Einnahmen geklärt werden. Dies sind bis heute noch offene Fragen.

Konfliktursachen und -verlauf

Auch wenn die Rohstoffausbeutung in der DR Kongo sicher als Konfliktmotivation diente, liegen und lagen den Kriegen und bewaffneten Konflikten dort politische und gesellschaftliche Probleme zugrunde. So ist der Kongo ein extrem armes Land mit über 200 ethnischen Gruppen und einem wenig präsenten, korrupten Staat im Fadenkreuz regionaler und überregionaler politischer Interessen.

Mit einer Fläche von 2.344.885 Quadratkilometern – sechs Mal größer als Deutschland – ist das Land schwer zu regieren. Dazu kam, dass die Rohstoffausbeutung immer wieder Anlass für interne Machtkämpfe und externe Interventionen wurde.Sie lag lange Zeit überwiegend in der Hand europäischer (vor allem belgischer) Konzerne. Daran änderte auch die als „Zairisierung“ bezeichnete teilweise Verstaatlichung unter Präsident Mobutu nur wenig, der das Land bis 1997 regierte. Der autokratische Herrscher missbrauchte die Staatsbetriebe der Kupfer- und Diamantenförderung zur Finanzierung seines verschwenderischen Lebensstils und der Auszahlung seiner Mitläufer.

Die reichen Rohstoffvorkommen weckten Begehrlichkeiten bei den Nachbarregierungen. Regionale Mächte mischten sich seit den zwei Kongo-Kriegen (1996 bis1997 und 1998 bis 2003) immer wieder militärisch in die Konflikte im Kongo ein, sei es durch Unterstützung verschiedener Kriegsparteien oder durch direkte militärische Intervention. Sie waren (und sind) auch die wichtigste Quelle für Waffen und Munition im Kongo. Im zweiten Kongo-Krieg versuchten Rebellenführer aus dem rohstoffreichen Osten mit Unterstützung der Nachbarländer (Ruanda, Uganda) die Zentralregierung in Kinshasa zu stürzen. Andere Nachbarländer wie Angola und Simbabwe unterstützten wiederum die Zentralregierung. Sie nutzten die Kontrolle über Rohstoffgewinnung und -vermarktung zur Finanzierung dieser Aktivitäten. Gleichzeitig bereicherten sich aber auch Individuen in Streitkräften und Staatsapparaten.

Der erste Kongo-Krieg muss auch vor dem Hintergrund des Genozids in Ruanda von 1994 gesehen werden. Die extremistische Hutu-Regierung ließ dort bis zu eine Million Tutsi und oppositionelle Hutu ermorden. Als Tutsi-Rebellen den Genozid beendeten, flohen mehr als eine Million Hutu in den Kongo (damals: Zaire), darunter auch Beteiligte am Völkermord, sogenannte Interahamwe. Die neue ruandische Regierung fühlte sich durch die extremistischen Hutu in den Flüchtlingslagern bedroht und rechtfertigte damit 1996 ihren Einmarsch im Kongo. Die Präsenz der ruandischen Hutu verschärfte außerdem im Osten des Kongo Konflikte zwischen kongolesischen Hutu und Tutsi (im Nordkivu) sowie anderen „alteingesessenen“ Ethnien wie den Wabembe und zugewanderten Gruppen wie den Banyamulenge (im Südkivu). Die zahlreichen an den Kriegen beteiligten bewaffneten Gruppen, seien sie kongolesisch oder ausländisch – haben das Ihre dazu beigetragen, die Gegensätze zwischen den ethnischen Gruppen weiter zu vertiefen.

Erst im Juli 2003 wurden begrenzte UN-Sanktionen gegen den Import von Waffen und Munition verhängt, die zunächst auf Regionen im Ost-Kongo beschränkt waren. Heute sind nach Militäroperationen durch kongolesisches und ruandisches Militär sowie UN-Friedenstruppen ein großer Teil der bewaffneten Gruppen entweder in die Armee eingegliedert oder entwaffnet. Die ruandischen Demokratischen Kräfte zur Befreiung Ruandas, FDLR (Forces Démocratiques de Libération du Rwanda), gegründet von ehemaligen Interahamwe, und einige kongolesische Milizen bestehen jedoch weiterhin, überfallen Dörfer und kontrollieren einige Handelsrouten. Trotz verschiedener Abkommen und der mit zwischenzeitlich mehr als 20.000 Soldaten größten UN-Friedensoperation aller Zeiten (MONUC dann MONUSCO) ist das Kriegsgeschehen immer noch nicht völlig zum Erliegen gekommen.

Auch für das aktuelle Konfliktgeschehen spielen natürliche Rohstoffe, ihre Ausbeutung und ihr Handel eine wichtige Rolle. FDLR, Milizen und Armee kontrollieren weiterhin auch einen großen Teil der Bergbaugebiete. Teile der staatlichen Armee nehmen genauso Schutzzölle wie Rebellen und Milizen und besitzen wirtschaftliche Anteile an Stollen.

Quellen und weiterführende Informationen:

Amnesty International zum Waffenhandel
http://www.grandslacs.net/doc/3667.pdf

Hintergrund zum Rohstoffkonflikt in der DR Kongo von Medico International
http://www.medico.de/themen/krieg/rohstoffe/dokumente/dossier-zum-krieg-im-kongo/3129/

Medica Mondiale in der DR Kongo
http://www.medicamondiale.org/projekte/title1/

ÖNZ und Forum Menschenrechte (Hsg.). 2007. Von der Gewalt zur Kriegsökonomie. Deutsche Unternehmen in der Demokratischen Republik Kongo

Südwind Institut zur Kriegsfinanzierung in der DR Kongo
http://www.suedwind-institut.de/fileadmin/fuerSuedwind/Publikationen/1992-2005/2004-4_Kongo_-_Handys__Gold_und_Diamanten.pdf

http://sicherheitspolitik.bpb.de/index.php?page=fallstudie-demokratische-republik-kongo–rohstoffreichtum–armut-und-konflikte

Kongokrieg

Kongokrieg bezeichnet:

Bisweilen werden ebenfalls als Krieg im Kongo oder Kongokrieg bezeichnet:

Kongokrieg bezeichnet ungenau auch:

  • den Bürgerkrieg in der Republik Kongo (1997–1999)
  • Mord und Totschlag

    Kämpfer der Rebellentruppe M23 nach der Eroberung der Stadt Goma vergangenen Herbst

    (Foto: dpa) 

    Hunderte Morde und systematische Vergewaltigungen: Die Lage in der Demokratischen Republik Kongo ist verzweifelt. Jetzt greift auch noch die islamistische Al-Shabaab-Miliz aus Somalia indirekt in die Kämpfe ein.

    Von Tobias Zick

    Als plötzlich Steine auf den Konvoi der Blauhelme flogen, wurde mal wieder klar, dass die Vereinten Nationen im Kongonoch einen langen Weg vor sich haben. Die Teilnehmer der Demonstration am vergangenen Freitag warfen den UN vor, die Kampfkraft ihrer staatlichen Armee zu schwächen – indem sie Vorwürfe gegen einen Leutnant erhoben und so dessen Verhaftung ausgelöst hatten. Die Vorwürfe allerdings waren keine läppischen: Soldaten unter seinem Kommando sollen Leichen von Rebellen geschändet und Gefangene aus deren Reihen gefoltert haben.

    UN-Generalsekretär Ban Ki Moon äußerte sich “zutiefst besorgt” über die Berichte und kündigte an, die Unterstützung der beteiligten Armee-Einheiten durch die Vereinten Nationen auf den Prüfstand zu stellen. Die kongolesische Regierung verkündete daraufhin, der verantwortliche Leutnant sei an die Militärjustiz überstellt worden. Das war der jüngste Funke, der den Volkszorn abermals auflodern ließ.

    Unmut hatte sich in den Tagen davor schon reichlich angestaut: darüber, dass die UN-Truppen mal wieder nicht das erneute Aufflackern von Kämpfen verhindert hatten – der schwersten in der Region seit neun Monaten. Etwa 100 Kämpfer der Rebellentruppe M23 waren Berichten zufolge Anfang vergangener Woche aus dem Nachbarland Ruanda auf kongolesisches Terrain vorgedrungen, mit Kopftüchern und Frauenkleidern über den Uniformen. In den darauffolgenden Kämpfen zwischen M23 und der kongolesischen Armee starben nach offiziellen Angaben mindestens 130 Menschen.

    “Afrikas Weltkrieg”

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    Es ist das jüngste Kapitel in einem seit zwei Jahrzehnten währenden Konflikt, der in seiner Hochphase zwischen 1998 und 2003 mitunter als “Afrikas Weltkrieg” bezeichnet wurde: Etwa drei Millionen Menschen sind Schätzungen zufolge bislang darin gestorben; teils als unmittelbare Opfer von Kämpfen, teils an Hunger und Krankheiten.

    Der Konflikt zwischen den zahlreichen bewaffneten Gruppierungen im Osten des Kongo – es sollen um die 30 sein – wird von einem schwer durchschaubaren Gemisch an Interessen und Motiven befeuert: Die Region ist reich an Rohstoffen, zum Beispiel an Coltan, einem Erz, aus dem das Metall Tantal gewonnen wird, das für die Herstellung von Mobiltelefonen unverzichtbar ist. Hinzu kommen die Nachbeben des Völkermords im Nachbarland Ruanda 1994: Damals hatten Angehörige der dortigen Hutu-Mehrheit mehr als 800.000 Tutsi getötet. Viele der Täter flohen in den benachbarten Kongo, leben seitdem in der Region um Goma und bilden ihrerseits Milizen wie die “Demokratischen Kräfte für die Befreiung von Ruanda” (FDLR).

    Die Tutsi-geführte Rebellentruppe M23, die größte der bewaffneten Gruppen in der Region, ist berüchtigt für Vergewaltigungen, Erpressung, das Rekrutieren von Kindersoldaten – doch ihr Hauptgegner, die staatliche kongolesische Armee, macht auch nicht gerade durch Gesetzestreue von sich reden.

    Blamage für die UN-Blauhelme

    Im November vergangenen Jahres fielen Horden von Soldaten über mehrere Dörfer her, plünderten Häuser und vergewaltigten binnen zweier Tage mehr als 100 Frauen, unter ihnen sechs Jahre alte Mädchen. Das systematische Vorgehen in Kleingruppen schildert ein UN-Bericht: “Einer oder zwei der Soldaten verschwanden mit der Beute, mindestens ein weiterer stand Wache, während die übrigen Soldaten die Frauen und Mädchen im Haus vergewaltigten.”

    Seit Gründung von M23 im April 2012 (deren Anführer waren zeitweise in die kongolesische Armee integriert, ehe sie im Streit mit der Regierung desertierten) haben die Kämpfe schätzungsweise 800.000 Menschen zu Flüchtlingen gemacht. Im November vergangenen Jahres, drei Monate nach Unterzeichnung eines Friedensabkommens, nahm die M23 vorübergehend Goma ein, die größte Stadt der Region, und blamierte so abermals die UN-Blauhelme der Kongo-Mission “Monusco”, denen seit Jahren immer wieder Untätigkeit vorgeworfen wird. Das soll nun auf keinen Fall wieder passieren; ein Monusco-Sprecher drohte deshalb vergangene Woche, die neue Truppe werde die Rebellen “mit den notwendigen Mitteln, einschließlich tödlicher Gewalt”, aufhalten, sollten diese auf die Stadt vorrücken.

    Unterstützung durch ruandische Regierung

    Was den Konflikt zusätzlich verkompliziert, ist die Rolle der ruandischen Regierung: UN und Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch haben in den vergangenen Jahren immer neue Indizien dafür vorgebracht, dass die Rebellentruppe M23 von der ruandischen Regierung unterstützt wird. Die bestreitet das kategorisch und wirft ihrerseits der kongolesischen Armee vor, mit Tätern des Völkermords von 1994 gemeinsame Sache zu machen. In dieses Chaos hinein platzte vergangene Woche unerwartet ein weiterer Akteur: Die “Allied Democratic Forces” (ADF) attackierten eine Kleinstadt nahe der ugandischen Grenze.

    Die Rebellentruppe hatte in den Neunzigerjahren mit Bombenanschlägen in Uganda Terror verbreitet, erregte in den vergangenen Jahren jedoch nur noch wenig Aufsehen. Inzwischen jedoch soll sie laut UN-Informationen mit der islamistischen Al-Shabaab-Miliz in Somalia in Verbindung stehen und von dort auch Waffen beziehen – wohl um Racheakte dafür zu verüben, dass ugandische Truppen im Rahmen einer Mission der Afrikanischen Union in Somalia gegen die Islamisten kämpfen.

    Entbindung während der Flucht

    Der jüngste Angriff der ADF löste eine weitere, gewaltige Flüchtlingswelle in der Region aus: Im Laufe der Woche registrierte das Rote Kreuz in Uganda mehr als 66.000 Menschen, die auf der Flucht vor den Rebellen die Grenze überquert hatten; viele von ihnen versteckten sich in den Wäldern, unter ihnen Schwangere und kranke Kinder.

    Eine ugandische Zeitung berichtete, mindestens fünf Frauen hätten während der Flucht entbunden. Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen warnt vor zunehmender Seuchengefahr. Und das ugandische Militär versucht, durch Kontrollen zu verhindern, dass inmitten der Flüchtlingstrecks Kämpfer der ADF die Grenze überqueren, um ihr Land zu infiltrieren.

    Nun also auch noch die somalische al-Shabaab als Akteur im Ostkongo: Hoffnung auf ein baldiges Ende von Afrikas Weltkrieg weckt das nicht gerade.

    Kongo: Bayer-Tochter lügt – sagt die UNO

    Laut einem Bericht bezieht Tochterfirma weiter Rohstoffe aus dem kongolesischen Bürgerkriegsgebiet. Das Unternehmen dementiert

    Ein kürzlich veröffentlichter Bericht der UNO zu Rohstoffexporten aus dem kongolesischen Bürgerkriegsgebiet bezichtigt die Goslarer Firma H.C. Starck der Lüge. Das zum Bayer-Konzern gehörende Unternehmen behauptete Anfang des Jahres in einer Pressemitteilung, seit Sommer 2001 keine Rohstoffe mehr aus Zentralafrika zu beziehen. Der UNO liegen nach eigenen Angaben jedoch Dokumente vor, nach denen H.C. Starck von der congolesischen Firma Eagle Wings weiterhin das Mineral Coltan bezieht und somit die Kriegswirtschaft im Kongo am Leben erhält.

    Der verheerende Bürgerkrieg tötet seit Jahren Menschen und vernichtet großflächig Regenwald-Gebiete. Auch ein anderer Punkt ist zwischen UNO und H.C. Starck umstritten. Die Bayer-Tochter hatte vor einiger Zeit öffentlich beteuert, in der Vergangenheit lediglich mit Partnern kooperiert zu haben, die „keine Abgaben an Rebellenorganisationen leisten oder geleistet haben oder in anderer Form mit diesen kooperieren.“ Laut UNO ist die Aussage falsch. H.C. Starck bestreitet die Vorwürfe und schreibt auf Anfrage von Rettet den Regenwald: „Wir haben zu keiner Zeit Kontakt zu der Firma Eagle Wings gehabt.“ Starck beziehe schon seit Sommer 2001 keine Rohstoffe mehr aus Zentralafrika und habe niemals mit Rebellenorganisationen zusammen gearbeitet.

    Die UNO kommt dagegen zu dem Schluss, es gebe in der Demokratischen Republik Congo (DRC) überhaupt keinen Coltanverkauf, von dem nicht Rebellengruppen oder Armeen der Nachbarstaaten profitierten. Nach Angaben der UNO wird der Krieg im Kongo wegen des „Zugangs zu und der Kontrolle von fünf Rohstoffen, darunter Coltan“ geführt. Die ruandische Armee und eine von Ruanda unterstützte Rebellengruppen finanzieren sich weitgehend mit dem Verkauf von Coltan. Beim Abbau des vor allem in der Kommunikationsbranche benötigten Edelmetalls werden einzigartige Regenwälder zerstört. Gleichzeitig ernähren sich viele Coltan- Sucher von gewilderten Tieren, darunter viele, die von Ausrottung bedroht sind wie etwa die Menschenaffen.

    In einem weiteren von der UNO untersuchten Fall bezog die thailändische Niederlassung von Starck falsch deklariertes Coltan, das laut UNO aus Ruanda stammt. Nach Angaben der UNO war Starck die Herkunft des Materials bekannt. Somit verstoße die Firma gegen international verbindliche Richtlinien für multinationale Konzerne. Die UNO-Experten empfehlen dem Weltsicherheitsrat, „restriktive Maßnahmen“ gegen Firmen zu ergreifen, die an der „Plünderung der Ressourcen“ des Kongos beteiligt seien. Starck bestreitet auch diesen Vorwurf: Die strittige Lieferung stamme aus Mozambique. H.C. Starck ist Weltmarktführer für das in Coltan enthaltene Metall Tantal.

    Bereits in der Vergangenheit hatte das Unternehmen nach Angaben der Coordination gegen BAYER- Gefahren (CBG) die Unwahrheit gesagt. So äußerten Unternehmenssprecher gegenüber der Presse, erst Mitte 2001 auf die Problematik aufmerksam geworden zu sein. Die CBG hatte aber bereits im Jahr 2000 in einem Brief an das Unternehmen gefordert, wegen der Finanzierung von Kriegsparteien den Import aus dem Kongo einzustellen, hierauf jedoch nur eine unverbindliche Antwort erhalten. Eine weitere Spur führt aus dem Kongo nach Kasachstan: Große Teile des in Zentralafrika geschürften Coltans werden an eine Atomfabrik in der ehemaligen Sowjet-Republik geliefert. Ob Starck auch über den Umweg Coltan bezieht, wollte die Firma auf Anfrage von CBG nicht beantworten.

    Rettet den Regenwald hatte Bayer schon im April 2001 schriftlich aufgefordert, vorläufig auf den Einsatz von Mineralien aus dem Bürgerkriegsland DRC zu verzichten. Hintergrund war der damals veröffentlichte, erste UN-Bericht zur „illegalen Ausplünderung der natürlichen Ressourcen“ in der DRC. Der UNBericht nannte schon seinerzeit Starck als Bezieher von Kongolesischem Coltan. Die Coltan-Vorkommen sind heftig umkämpft. Die Konfliktparteien versuchen mit aller Gewalt, die Kontrolle über den Abbau der Bodenschätze zu erhalten. In der DRC sind allein in zwei Regenwald-Naturreservaten schätzungsweise 10.000 Coltan-Minenarbeiter illegal aktiv. Die UN-Kommission zum Weltnaturerbe bescheinigt beiden Gebieten einen global einzigartigen Wert. Im Kahuzi-Biega Nationalpark sind innerhalb weniger Jahre die Bestände des Grauer- Gorillas (auch östlicher Flachlandgorilla) von 8.000 auf weniger als 1.000 Tiere zusammengebrochen.

    http://www.regenwald.org/regenwaldreport/2003/26/kongo-bayer-tochter-luegt-sagt-die-uno

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