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Geschichte der afrikanisch-europäischen Beziehungen

Ausbreitung des Kolonialismus

21.5.2005

Die Ausbreitung des Kolonialismus ab Mitte des 19. Jahrhunderts in Afrika – vorwiegend durch die Europäer – führte dort zu einem grundlegenden Strukturwandel politischer und wirtschaftlicher Systeme mit tief greifenden Auswirkungen. Vor allem Missionare, Forscher und Abenteurer trieben die Kolonialisierung voran.

Auszug aus:
Informationen zur politischen Bildung (Heft 264) – Ausbreitung des Kolonialismus 

Einleitung

Bis Mitte des 19. Jahrhunderts beschränkte sich die europäische Fremdherrschaft über afrikanische Landstriche in der Regel auf einige Handelsniederlassungen und befestigte Stützpunkte an der Küste sowie deren unmittelbares Hinterland. Ausnahmen von dieser Regel waren die Versuche der Portugiesen, sich bereits im 16. Jahrhundert entlang des Sambesi tiefer im heutigen Moçambique zu etablieren. Hinzu kamen die Vorstöße der Siedler der Kapkolonie, die Mitte des 18. Jahrhunderts in einem großen Treck die Siedlungsgrenze etwa 800 Kilometer nach Nordosten verlegten. Bereits lange vor den Europäern hatten arabische Händler ausgehend von Sansibar schon weit innerhalb Ostafrikas Handelsniederlassungen errichtet, die vor allem dem Sklaven- und Elfenbeinhandel dienten.

 

Wettlauf der Kolonialmächte

Die völlige Durchdringung des afrikanischen Kontinents durch die Europäer wurde weniger von Händlern und Politikern als vielmehr von Forschern, Abenteurern und Missionaren vorangetrieben. Geprägt von den Ideen der Aufklärung entwickelte sich ein Wettlauf zwischen den Entdeckern, um die letzten weißen Flecken auf der afrikanischen Landkarte zu tilgen. Es wurde als große Herausforderung empfunden, daß gerade jener fremde Kontinent am wenigsten erforscht war, der “vor der Haustür” Europas lag. Im Mittelpunkt des Forscherinteresses lag die Entdeckung der Quellgebiete der großen Flüsse Afrikas, des Niger, des Kongo und des Nil. Insbesondere der Wettlauf um die Entdeckung der Nilquellen nahm schon fast absurde Formen an – nicht zuletzt deshalb, weil damit die Hoffnung verbunden war, die sagenumwobenen Goldvorkommen der Königin von Saba zu finden.

Gefördert wurde dieser Wettlauf unter anderem von der britischen Royal Geographic Society, von Handelsunternehmen und europäischen Zeitungen. Die Ideen der Aufklärung hatten aber auch indirekt dem Missionsgedanken neuen Aufschwung gegeben. Während lange Zeit die schwarze Bevölkerung Afrikas vornehmlich als “gottlose Wilde” betrachtet wurden, die deshalb nicht in den Genuß der christlichen Heilsbotschaft kommen könnten, hatte die Aufklärung das Bild des “Wilden” verändert und zumindest seine Menschlichkeit als unzweifelhaft definiert. Damit stand für die europäischen Kirchen die Verpflichtung außer Frage, ihre Missionstätigkeit auf den afrikanischen Kontinent auszudehnen.

Im Gefolge der Missionare und Entdecker drangen auch zahlreiche Händler in bis dahin unbekannte Gebiete vor und versuchten, mit den Herrschern vor Ort Handelsabkommen zu schließen, die ihnen wirtschaftliche Monopol- oder zumindest Vorrechte garantierten. Je stärker sich der Wettbewerb zwischen den einzelnen Händlern intensivierte, desto mehr versuchten sie, ihre Heimatstaaten in Schutzabkommen einzubinden.

Motive der europäischen Mächte

Damit ist bereits ein Grund genannt, warum europäische Mächte zu Kolonialmächten in Afrika wurden: In der Frühphase des Kolonialismus konnten sie sich zum Teil der Dynamik nicht entziehen, die der Missionsgeist der Kirchen, die Handelsinteressen der Unternehmer und die Entdeckungen der Forscher entfalteten. Die Bereitschaft europäischer Regierungen, sich auf die von einflußreichen Bevölkerungsgruppen geforderte Rolle einer Schutzmacht in afrikanischen Territorien einzulassen, wurde durch mehrere Faktoren erleichtert. Erstens ist die Kooperationswilligkeit ihrer afrikanischen Vertragspartner zu nennen: Sie hatten ein Interesse an der Aufrechterhaltung von Handelsbeziehungen, versuchten externe Schutzmächte als Trümpfe in internen Auseinandersetzungen oder Konflikten mit Nachbarn oder Konkurrenten auszuspielen, oder sie betrachteten derartige Verträge allein als Stück Papier, das ihnen Unannehmlichkeiten mit den europäischen Mächten ersparte, ohne große Folgen für die internen Machtstrukturen zu haben. Zweitens haben sich im Laufe des 19. Jahrhunderts die Kosten der europäischen Staaten für eine Inbesitznahme afrikanischen Landes verringert – zum einen durch militär-technologische Fortschritte, die sie in der Kriegsführung den Afrikanern weit überlegen machten, zum anderen durch medizinische Fortschritte bei der Bekämpfung tropischer Krankheiten.

Es ist jedoch keineswegs so, daß Großbritannien, Frankreich, Portugal, Deutschland, Belgien und Spanien nur deshalb Kolonialmächte in Afrika wurden, weil der Aufwand niedrig gewesen ist. Es gab durchaus volkswirtschaftliche Erwägungen wie die Aufrechterhaltung von Handelsfreiheit in Afrika oder globale strategische Überlegungen wie die Sicherheit der Seeroute von Europa nach Indien, die den Erwerb von Kolonien begünstigten. Wichtiger war jedoch die national aufgeheizte Stimmung in den meisten Ländern Europas, die es Offizieren, Kaufleuten, Industriellen, Missionaren und Forschern ermöglichte, Druck auf ihre Regierungen auszuüben. In Deutschland organisierten sich diese Personengruppen im Kolonialverein. Ihre Forderungen nach wirtschaftlicher Autarkie, Zugang zu Rohstoffen, Öffnung von Märkten, Schutz von Handelsrouten, Ausübung kultureller Hegemonie und das Empfinden, sich im Konkurrenzkampf mit anderen europäischen Mächten zu befinden, wurden von weiten Teilen der Bevölkerung in Frankreich, Großbritannien und Deutschland geteilt. Der europäische Imperialismus war somit weniger die Folge geopolitischer Überlegungen oder von Problemen der Kapitalverwertung in den frühen Industriestaaten, sondern basierte vor allem auf innenpolitischen Faktoren. Hinzu kamen spezifische Konstellationen vor Ort, die koloniale Expansion begünstigten oder bevorzugten.

Schritte zur Eroberung

Der französische Vorstoß in Westafrika vom Senegal aus wurde von einem patriotischen Gouverneur initiiert, der Frankreichs Heil im Erwerb von Kolonien sah. Dadurch sahen wiederum die Briten etablierte Handelsinteressen am Unterlauf des Niger bedroht. Sie verstärkten deshalb dort ihr Engagement. Durch das weitere Vordringen der Franzosen Richtung Zentralafrika sah sich der belgische König Leopold II. in seinen Bemühungen gefährdet, die Kontrolle über das Kongobecken auszuweiten, von dem er sich eine reiche Ausbeute versprach.

Die Briten erkannten Portugals jahrhundertealte Besitzungen in West- und im südlichen Afrika an, wofür sie dort im Gegenzug uneingeschränkte Handelsrechte erhielten. Der De-facto-Ausschluß der Händler anderer Nationen rief wiederum diese Staaten auf den Plan, allen voran Deutschland, das nun begann, sich in Westafrika, Südwestafrika und Ostafrika Kolonien zu sichern. Diese Entwicklungen in den einzelnen Regionen Afrikas waren eng miteinander verknüpft und bedingten sich zum Teil gegenseitig, so daß daraus letztendlich der Wettlauf der Kolonialmächte um afrikanische Besitzungen Ende des 19. Jahrhunderts entstand.

Um diesen Wettlauf in geordnete Bahnen zu lenken und Deutschlands Rolle als europäische Ordnungsmacht zu unterstreichen, organisierte Bismarck Ende 1884 die Berliner Konferenz, bei der die europäischen Mächte Afrika unter sich aufteilten. Sie endete 1885 mit folgenden Beschlüssen: Die Anerkennung der Besitzansprüche Leopolds II. im Kongobecken und Frankreichs in Zentralafrika, verbunden mit der Garantie der Handelsfreiheit in diesen Regionen.

Zudem wurden Großbritanniens Vorherrschaft im Mündungsgebiet des Niger und jene Frankreichs am Oberlauf des Flusses anerkannt. Die Anerkennung aller weiteren Besitzansprüche sollte in Zukunft von der Stärke des Engagements der Kolonialmächte in den jeweiligen Gebieten abhängen. Dies führte dazu, daß sie dort, wo sie bisher nur durch vereinzelte Handelsniederlassungen und isolierte Stützpunkte vertreten waren, ihre Herrschaft geographisch und funktional ausdehnten.

Nur in wenigen Fällen kam es in dieser Phase zu Konflikten zwischen den Kolonialmächten. Hervorzuheben sind hierbei der Konflikt zwischen Deutschland und Großbritannien um die Kontrolle in Ostafrika, der damit endete, daß Deutschland das Festland des heutigen Tansania mit Ruanda und Burundi zugesprochen bekam, Großbritannien das heutige Kenia. Die Konkurrenz zwischen Frankreich und Großbritannien um die Kontrolle über den Südsudan hätte beinahe zum Krieg zwischen beiden Mächten geführt.

Letztendlich mußte jedoch Frankreich, nachdem es bereits bis zum weißen Nil vorgestoßen war, klein beigeben. Der einzige wirkliche Krieg um koloniale Besitzungen in Afrika südlich der Sahara wurde zwischen Großbritannien und der südafrikanischen Burenrepublik ausgetragen. Der britische Sieg über die Buren mußte mit einem drei Jahre dauernden Krieg und dem Verlust von mehr als 20000 Menschenleben erkauft werden.

Der erste Weltkrieg beendete Deutschlands kurze Zeit als Kolonialmacht. Es verlor seine Kolonien Südwestafrika (Namibia), Tanganyika (der Festlandteil des heutigen Tansanias), Kamerun und Togo an Großbritannien, Frankreich und Südafrika, nicht ohne allerdings auch den Krieg um den Erhalt der Kolonien in Südwest- und Ostafrika ausgetragen zu haben.

 

Strukturwandel

Die Kolonisierung Afrikas führte zu einem grundlegenden Wandel afrikanischer politischer und wirtschaftlicher Systeme sowie der bestehenden Sozialstrukturen. An die Stelle der regionalen Vielfalt, die noch Mitte des 19. Jahrhunderts in Afrika südlich der Sahara herrschte, trat die Übertragung relativ uniformer politischer Modelle und einheitlicher Wirtschaftsstrukturen. Eine der ersten entscheidenden Änderungen war die Festlegung von Grenzen in Afrika. Traditionelle afrikanische politische Einheiten kannten keine festen Grenzen (vgl. S. 11ff.).

Stark vereinfacht formuliert handelte es sich bei ihnen entweder um zentralistische Staatswesen, für die zwar ein Kerngebiet identifizierbar, das aber von Einflußzonen und Vasallenstaaten umgeben war. Die Grenzen zwischen Kerngebiet und Einflußzone sowie zwischen Einflußzone und nicht politisch kontrollierten Gebieten waren jeweils fließend. Daneben gab es Regionen, die keiner zentralen Kontrolle unterlagen, sondern von relativ autonomen, einander verbundenen oder sich befehdenden Dorfgemeinschaften beherrscht wurden.

Formen der Kolonialverwaltung

Die Kolonialmächte errichteten innerhalb der von ihnen definierten Grenzen unterschiedliche Formen der Kolonialverwaltung, die idealtypisch in die Kategorien direkte und indirekte Herrschaft unterteilt werden können. Erstere wurde im wesentlichen von Frankreich, Belgien und Portugal bevorzugt, letztere von Großbritannien. Direkte Herrschaft in ihrer reinen Form bedeutete, daß alle entscheidenden Stellen im Verwaltungsapparat einer Kolonie mit europäischen Beamten besetzt wurden, selbst jene in den entlegensten Winkeln der Kolonialreiche. Vorkoloniale politische und administrative Strukturen wurden zerschlagen, traditionelle Herrscherfunktionen nur auf unterster lokaler Ebene zur Machtausübung benutzt.

Demgegenüber hatten die Briten erstmals in Nordnigeria ein Herrschaftssystem getestet, bei dem sie sich bestehender politischer und administrativer Strukturen bedienten, also ihre Herrschaft indirekt ausübten. Das bedeutete jedoch nicht, daß sie alle traditionellen Herrscher in ihren Funktionen belassen hätten. Dieses Privileg genossen nur die kooperationsbereiten Vertreter, Widerstand Leistende wurden ausgetauscht. Gegenüber dem Modell der direkten Herrschaft besaß das der indirekten den Vorteil, daß es bei weitem mit geringeren Kosten verbunden war. Andererseits barg es das Risiko, daß traditionelle Herrscher ihre relative Autonomie zur Mobilisierung von Widerstand gegen die Kolonialherrschaft einsetzen konnten.

Unabhängig von der Frage direkter oder indirekter Herrschaftsausübung war es in jedem Fall die wichtigste Aufgabe der Kolonialbeamten, Finanzmittel für die Aufrechterhaltung der Kolonialverwaltung zu beschaffen. Dies geschah in der Regel durch Steuern und Zwangsarbeit, in den wenigen Gebieten Afrikas, in denen der Handel relativ intensiv war, auch durch Zölle. Daneben hatten die Kolonialbeamten vornehmlich für die Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung zu sorgen. Dazu diente der Einsatz militärischer Gewalt und eine äußerst repressive Form der Rechtsprechung, die traditionelle afrikanische Systeme der Rechtsfindung zerschlug.

Wirtschaftliche und gesellschaftliche Änderungen

Besteuerung und Zwangsarbeit sollten jedoch nicht nur die Kosten der Kolonialverwaltung finanzieren. Sie hatten auch den Zweck, die afrikanische Bevölkerung zum Aufbau elementarer Infrastruktureinrichtungen heranzuziehen sowie ihre Integration in das koloniale Wirtschaftssystem zu erzwingen.

Die zentrale Infrastrukturinvestition war der Bau von Eisenbahnen. Er wurde ursprünglich vor allem aus strategischen Erwägungen begonnen, da nur die Eisenbahn den schnellen Transport von Truppen in entlegene Gebiete ermöglichte. Mit Hilfe des Schienenverkehrs gelang die Überwindung des afrikanischen Transportproblems, das bis dahin das entscheidende Hemmnis einer beschleunigten wirtschaftlichen Entwicklung gewesen war. Die Eisenbahn senkte wesentlich die Transportkosten. Für die zukünftige Entwicklung Afrikas war jedoch von Nachteil, daß die Eisenbahnschienen nicht traditionellen Handelsrouten folgten oder die wirtschaftliche Erschließung des gesamten Kolonialgebietes zum Ziel hatten. Vielmehr dienten sie neben dem strategischen Zweck nun vor allem dazu, den Gütertransport aus landwirtschaftlich oder mineralisch begünstigten Regionen zu den Häfen oder politischen Zentren eines Kolonialgebietes sicherzustellen.

Die Ausbeutung der mineralischen Ressourcen und die Erhöhung der landwirtschaftlichen Produktion wären aber nicht möglich gewesen, wenn Steuerpflicht und Zwangsarbeit Afrikaner nicht dazu gezwungen hätten, sich in Minen und Plantagen zu verdingen. Da diese Arbeitstätigkeit in der Regel nicht für den Lebensunterhalt des Arbeiters und seiner Familie ausreichte, mußten er oder andere Familienmitglieder weiter das ihnen zur Verfügung stehende Land bestellen. Dies forcierte die Ausbildung einer spezifischen Form von Arbeitsstrukturen in vielen Kolonien, der Wanderarbeit. Die erwachsenen männlichen Mitglieder eines afrikanischen Haushalts arbeiteten zeitweilig außerhalb der Dorfgemeinschaft, die Frauen verblieben in ihr und arbeiteten in der Landwirtschaft. Dieses Schicksal blieb nur jenen Bauern erspart, die bereits vor der kolonialen Eroberung landwirtschaftliche Rohstoffe produziert und gehandelt hatten oder in Gebieten um die europäischen Siedlungszentren lebten und diese mit Nahrungsmitteln versorgten.

 

Auswirkungen

Die wirtschaftlichen und politischen Auswirkungen der Kolonialherrschaft auf afrikanische Gesellschaften waren tiefgreifend. Traditionelle politische und administrative Systeme wurden entweder im Rahmen der direkten Herrschaft zerschlagen, oder deren Führer durch Einbindung in die indirekte Herrschaft teilweise diskreditiert. Gleichzeitig führte die indirekte Herrschaft häufig zur Verschärfung von Konflikten zwischen Volksgruppen. So bedienten sich die Briten in Uganda der Aristokratie und der administrativen Strukturen des Königreichs Buganda, um auch den Rest des Landes zu regieren. Außerdem verpflichteten sie vor allem Soldaten der als kriegerisch geltenden Volksgruppen aus dem Norden Ugandas, um das Territorium militärisch unter Kontrolle zu halten. Dieser Fall ist exemplarisch für eine Politik des Prinzips “Teile und Herrsche”, die wesentlich zur Vertiefung innenpolitischer Konflikte beitrug und Nährboden für spätere gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Volksgruppen war.

Eine weitere Auswirkung der Kolonialherrschaft war das Heranwachsen einer neuen afrikanischen Elite, die sich vor allem aus Verwaltungsbeamten, aus erfolgreichen Unternehmern und Missionsschülern rekrutierte. Sie ging zum Teil aus der traditionellen Elite hervor, versuchte sich aber auch von ihr abzugrenzen und sah sich in Konkurrenz zu ihr. Ein weiterer, negativer politischer Effekt der Kolonialherrschaft bestand darin, daß in ihr der Staat und seine Vertreter vor allem als Unterdrücker, Kontrolleure und Ausbeuter auftraten. Dies sollte die Einstellung der meisten afrikanischen Gesellschaften gegenüber dem Zentralstaat für Generationen beeinflussen.

Die Ausrichtung der Infrastrukturnetze auf den an den Interessen der Kolonialmächte ausgerichteten Zweck, landwirtschaftliche sowie mineralische Kerngebiete mit Häfen und Verwaltungszentren zu verbinden, behinderte in der nachkolonialen Phase die Integration der jeweiligen Volkswirtschaften. Sie begünstigt bis heute internationale Wirtschaftsstrukturen, bei der die ehemaligen Kolonialgebiete überwiegend die Rolle des Lieferanten mineralischer und landwirtschaftlicher Rohstoffe spielen.

Wanderarbeit und Geldwirtschaft führte zu grundlegenden Veränderungen in der Sozialstruktur. Sie schwächten die Familienbande und die Stellung der Frau, die vom Gelderwerb weitgehend ausgeschlossen war. Sie untergruben auch die traditionell starke Position der älteren Generation in afrikanischen Gesellschaften, da sie geringen Wert als Arbeitskräfte hatten. Frauen und die ältere Generation profitierten auch kaum von der Ausbreitung des Bildungswesens in einer späteren Phase der Kolonialherrschaft und gerieten somit gegenüber dem männlichen Teil jüngerer Generationen mehr und mehr ins Hintertreffen.

Ebenfalls in einer späteren Phase trat ein, was gegenwärtig für eine der entscheidenden Auswirkungen der Kolonialherrschaft gehalten wird: die Verbesserung des Gesundheitswesens und damit die einschneidende Senkung der Sterblichkeitsraten. In Verbindung mit gleichbleibend hohen Geburtenraten verursachte sie ein anhaltend hohes Bevölkerungswachstum in Afrika südlich der Sahara. Trotz der mit diesem Wachstum verbundenen Probleme, sind sowohl die Verbesserung des Gesundheitswesens als auch die Expansion des Bildungswesens zwei positive Ausprägungen des Kolonialismus in Afrika. Auch der Aufbau einer Basisinfrastruktur wären ohne koloniale Inbesitznahme in so relativ kurzer Zeit kaum möglich gewesen. Außerdem hat sie den sozialen und kulturellen Wandel in der Region beschleunigt.

Zum Teil werden die Auswirkungen des Kolonialismus aber auch überschätzt. Die Kolonialherrschaft hat wenig am personalistischen Politikverständnis der meisten afrikanischen Gesellschaften geändert. Sie konnte den Vorrang lokaler sozialer Identitäten – wie den der Familie, der Dorfgemeinschaft, des Clans, der Altersgruppe und der Volksgruppe – vor abstrakteren, allgemeineren Identitäten wie die der Nation nicht beenden. Ebensowenig führte sie in den meisten Fällen zu einer grundlegenden Veränderung der vor allem auf den Eigenbedarf ausgerichteten Wirtschaftsweise afrikanischer Kleinbauern.

Der Streit darüber, ob der Kolonialismus Afrika grundlegend verändert hat oder ob traditionelle Strukturen noch immer das Leben in Afrika so sehr bestimmen, daß die Phase kolonialer Unterwerfung eine Episode war, ist müßig. Kapitalismus, Christentum und Islam, das Konzept des Nationalstaats und westliche Werte erfuhren durch ihren Kontakt mit afrikanischen Kulturen einschneidende Umformungen, wie sie auch diese Kulturen grundlegend modifizierten. Dieser Prozeß wird von dem Historiker John Iliffe so beschrieben: “Das Neue ersetzte nicht einfach nur das Alte, sondern vermischte sich vielmehr mit diesem, belebte es manchmal neu und führte zu neuartigen, spezifisch afrikanischen Formen der Synthese.”

 

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Karikatur (1892): Cecil Rhodes und sein Kap-Kairo-Eisenbahnprojekt. Rhodes war Gründer der Diamantengesellschaft De Beers und Eigentümer derBritish South Africa Company. Er wollte die Landkarte „rot“ (britisch) machen.

 

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Völkerschau bezeichnet eine Zurschaustellung von Angehörigen eines fremden Volkes. Blütezeit der Völkerschauen in Europa war zwischen 1870 und 1940. Allein in Deutschland wurden in dieser Zeit über 300 außereuropäische Menschengruppen vorgeführt. Teilweise wurden in diesen „anthropologisch-zoologischen Ausstellungen“ gleichzeitig über 100 Menschen zur Schau gestellt.[1]Völkerschauen waren Massenveranstaltungen, die ein millionenfaches Publikum in Europa undNordamerika anlockten. Sie fanden auch abseits der Großstädte in mittelgroßen und kleinen Städten statt.[2]

http://de.wikipedia.org/wiki/V%C3%B6lkerschau

Deutsche Afrika-Schau

Die Deutsche Afrika-Schau war eine an das Konzept der Völkerschauen anknüpfende Wanderschau, die mit Unterstützung dernationalsozialistischen Behörden von 1936 an durch das Deutsche Reich reiste, bis sie 1940 verboten wurde. Das Unternehmen sollte inDeutschland lebenden Schwarzen eine Verdienstmöglichkeit bieten und diese gleichzeitig unter staatlicher Kontrolle halten. Die Wanderschau warb im Sinne der NS-Propaganda für die Rückgewinnung der ehemaligen deutschen Kolonien.

Die Anfänge als Jahrmarktschau[Bearbeiten]

Die Deutsche Afrika-Schau ging aus einer als „Negerdorf“ bezeichneten Jahrmarktschau hervor, einem weitgehend selbstorganisierten Unternehmen, in dem Schwarze auf Jahrmärkten und Schützenfesten auftraten. Leiter der Schau waren Adolf Hillerkus, ein mit der Tochter einer Österreicherin und eines Liberianers verheirateter weißer Deutscher, und der aus Togo stammende Deutsch-Afrikaner Kwassi Bruce, der auch als Darsteller auftrat. 1935 wandten sich die Betreiber der Schau an das Auswärtige Amt, um eine offizielle Erlaubnis zum Auftreten zu erhalten. Im Februar 1936 wurde ihnen eine „Unbedenklichkeitserklärung“ ausgestellt, das Propagandaministerium unterstützte von nun an die Schau.[1] Nachdem das Unternehmen infolge eines Transportunfalls im Sommer 1936 in finanzielle Not geraten war, übernahm die „Deutsche Arbeitsfront“ (DAF) die Verantwortung für die Schau, die nun offiziell „Deutsche Afrika-Schau“ hieß.

Vereinnahmung durch die Kolonialpropaganda[Bearbeiten]

Im nationalsozialistischen Deutschland wurden Schwarze aus der deutschen Volksgemeinschaft ausgeschlossen und gleichzeitig für die Ziele der Kolonialpolitik vereinnahmt. Das Auswärtige Amt, das für die Wiedererlangung der 1918 verlorenen deutschen „Schutzgebiete“ eintrat, sah die zunehmende Diskriminierung der Schwarzen im NS-Staat mit Sorge, da dies im Ausland die Auffassung verstärkte, Deutschland sei nicht in der Lage, Kolonien zu verwalten. Die Deutsche Afrika-Schau sollte deshalb den für staatenlos erklärten Kolonialmigranten, die kaum noch Arbeit fanden, eine Verdienstmöglichkeit eröffnen.

In den letzten Jahren ihren Bestehens erfolgte eine zunehmende kolonialpolitische Ausrichtung der Deutschen Afrika-Schau. Anfang 1939 wurde sie in das „Deutsche Volksbildungswerk“ und damit direkt in den NS-Propagandaapparat eingegliedert. Die Vorführungen sollten den Mythos des „treuen Askari“ verbreiten – des schwarzen Kolonialsoldaten, der im Ersten Weltkrieg loyal an der Seite des Deutschen Reiches gekämpft hatte. Damit sollte die Verbundenheit der ehemaligen Schutzbefohlenen mit den deutschen Kolonialherren und gleichzeitig deren Unterlegenheit betont werden. Für eine solche Inszenierung war es notwendig, die Schaumitglieder, die häufig in Deutschland geboren waren, als „reinrassige Eingeborene“ zu präsentieren, deren „Sitten und Gebräuche“ nichts mit der deutschen Kultur zu tun hatten.

Die Deutsche Afrika-Schau als Lager[Bearbeiten]

Nachdem die Deutsche Afrika-Schau der Deutschen Arbeitsfront unterstellt worden war, wurde sie zunehmend zu einem Instrument der rassenpolitischen Kontrolle umfunktioniert. Der Betreiber Hillerkus wurde angewiesen, darauf zu achten, dass Angehörige der Schau keinen Geschlechtsverkehr mit Weißen hatten.[2] Anfang 1937 übertrugen die Behörden die Schau wegen finanzieller Probleme an den Zirkusunternehmer Alfred Schneider, der die Mitglieder zu einer „strenggeschlossenen Gemeinschaft“ zusammenschließen wollte. Zu diesem Zeitpunkt verließen Hillerkus und Bruce die Schau, die von nun an unter direkter Kontrolle der NSDAP und der Behörden stand. Wegen seiner Verschuldung gab Schneider bereits im Mai 1937 die Leitung ab, nach einigen Monaten Pause übernahm der Kaufmann Georg Stock das Unternehmen. Im Herbst 1937 entließ er einen Mitarbeiter, nachdem dieser andere Schaumitglieder belästigt hatte – ein Schritt, den die DAF ablehnte: Der Mann solle aus „rassepolitischen Gründen“ wieder in die Schau „eingereiht“ werden.[3]

Im Oktober 1938 gab es Planungen der NS-Behörden, mittels einer speziellen Polizeiverordnung alle Schwarzen, die aus den ehemaligen Schutzgebieten stammten und sich in Deutschland aufhielten, in der Afrika-Schau zusammenzufassen, dazu wurde eine Liste mit 80 Namen zusammengestellt. Das Vorhaben wurde nicht umgesetzt, da das Auswärtige Amt negative Auswirkungen im Ausland befürchtete. In den späten 30er Jahren nahm die Deutsche Afrika-Schau immer mehr den Charakter eines Lagers für schwarze Männer an. Menschen, die nicht aus den deutschen Kolonien stammten, sollten ebenso ausgeschlossen werden wie schwarze Frauen. „Mischlinge“, häufig Kinder der Schaumitglieder von deutschen Frauen, wurden ebenso ausgeschlossen.[4]

Das Programm zwischen Varieté und Völkerschau[Bearbeiten]

Das Programm der Deutschen Afrika-Schau veränderte sich im Zuge der Vereinnahmung durch den nationalsozialistischen Staat. Anders als in der klassischen Völkerschau standen zunächst nicht die Präsentation von „Eingeborenen“ in ihrer „natürlichen Umgebung“ im Vordergrund, auch wenn die Einteilung der Darsteller in eine „Gruppe Alt-Afrika“ und eine „Südsee-Gruppe“ einen Bezug zu den ehemaligen deutschen Kolonien in Afrika und Ozeanien herstellte. Neben exotischen Inszenierungen wie „Speertänzen“ wurden auch akrobatische Kunststücke und eine „Tanzparodie“ gezeigt. Die Schau orientierte sich an populären Unterhaltungsveranstaltungen der Zeit und erinnerte vom Aufbau an einVarieté. Interessierte konnten außerdem eine kleine „völkerkundliche“ Ausstellung besuchen und in Verkaufsbuden exotische Artikel wie Kaurimuscheln und Kaffee erwerben.[5]

Nachdem die Schau in den Dienst der Kolonialpropaganda gestellt worden war, sollten sich die Darsteller „stilechter“ kleiden, einLichtbildervortrag erinnerte an die ehemaligen deutschen „Schutzgebiete“. Mit dem Aufbau eines 900 Quadratmeter großen „Eingeborenendorfs“ wurde die Schau dem Modell der Völkerschauen angeglichen.[6]

1939 erfolgte eine völlige Umgestaltung der Deutschen Afrika-Schau: Sie wurde aus dem Jahrmarktsmilieu herausgelöst und trat nur noch in angemieteten Sälen auf. Um der Kritik an der mangelnden Authentizität der Schau zu begegnen, verschwanden Artistiknummern aus dem Programm, die Schaumitglieder sollten nur noch die „Sitten und Gebräuche ihrer Heimat vorführen“. Weiße „Afrika-Experten“ sorgten für die vermeintliche Authentizität, indem sie die Tänze mit den Schaumitgliedern einstudierten.[7] Einzelne Mitglieder wurden in Militäruniformen als „treue Askari“ präsentiert.

Die Schaumitglieder und das Publikum[Bearbeiten]

Der Kolonialrevisionismus und Askari-Mythos bot für Schwarze eine zentrale Strategie, sich gegen den zunehmend gewalttätigen Rassismus zu wehren. Sie präsentierten sich als „deutsche Soldaten“ und wehrten sich so gegen eine rassistische Abwertung. Ein Teilnehmer berichtete von seinem Sohn, der als Wehrmachtssoldat an der Front kämpfte. Die NS-Behörden versuchten zu verhindern, dass bekannt wurde, dass einige der Schaumitglieder mit weißen Frauen verheiratet waren. Äußerungen von Schaumitgliedern, welche die Grenze zwischen schwarzen Darstellern und weißem Publikum verwischten, führten immer wieder zu Beschwerden. So sollen einige Darsteller die Besucher mit „Landsleute, deutsche Volksgenossen“ angesprochen haben und ihre Tänze mit dem bayerischen Schuhplatteln verglichen haben.[8]Teilnehmer der Afrika-Schau erklärten dem Publikum, dass die meisten von ihnen nie in den Kolonien gewesen seien, einer sei „amerikanischer Neger“, verschiedene lebten seit ihrer Kindheit in Deutschland“.[9]

Über das Leben der Schaumitglieder ist wenig bekannt. Zwar verschlechterten sich die Arbeits- und Lebensbedingungen immer mehr, jedoch wurden sie auch von ihrem letzten Betriebsleiter Georg Stock nicht daran gehindert, sich an den Gastspielorten frei zu bewegen.[10] Frauen, die 1936 noch ein Drittel der Schaumitglieder ausgemacht hatten, wurden nach und nach in den Hintergrund gedrängt und aus der Schau ausgeschlossen.

Das Ende der Deutschen Afrika-Schau[Bearbeiten]

Die letzte Tournee führte die Deutsche Afrika-Schau von Oktober 1939 durch die „Ostmark“. Auf Anweisung der Reichspropagandaleitung der NSDAP wurde die Schau am 21. Juni 1940 ohne vorherige Ankündigung eingestellt. In den Monaten zuvor hatte die NS-Propaganda eine Kampagne gegen den Einsatz französischer Kolonialtruppen an der Westfront gestartet. Die Stilllegung der Schau begründeten die NS-Behörden damit, es könne nicht Propaganda gegen die „schwarze Schmach“ gemacht werden, wenn in Deutschland Afrikaner auf die Bühne gestellt werden. Die Historikerin Susann Lewerenz geht allerdings davon aus, dass die Schwarze-Schmach-Kampagne eher Anlass als ausschlaggebender Grund für die Schließung der Afrika-Schau gewesen ist. Im Vordergrund habe die Erfahrung gestanden, dass sich der Raum der Deutschen Afrika-Schau nicht so wie erwünscht habe kontrollieren lassen, es sei nicht gelungen, „eine eindeutige Differenz zwischen Schaumitgliedern und Publikum herzustellen“.[11] Außerdem waren nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs die Bemühungen um die Rückgewinnung der deutschen Kolonien in den Hintergrund gerückt. Das Verbot des Auftretens schwarzer Menschen in Deutschland, das bereits im November 1939 von der Reichspropagandaleitung beschlossen worden war, besiegelte das Ende der Deutschen Afrika-Schau. Bemühungen für eine Wiederzulassung durch die Kolonialabteilung des Auswärtigen Amtes und der „Deutschen Gesellschaft für Eingeborenenkunde“ blieben erfolglos.

Über das weitere Schicksal der Schaumitglieder ist wenig bekannt. Einige arbeiteten danach als Komparsen in der Filmbranche, einige überlebten die Zeit des Nationalsozialismus nicht. Jonas Alexander N’doki wurde 1942 wegen versuchter Notzucht hingerichtet, Bayume Mohamed Husen starb 1944 im KZ Sachsenhausen.[12]

Literatur[Bearbeiten]

  • Bechhaus-Gerst, Marianne/Klein-Arendt, Reinhard (Hrsg.): Die (koloniale) Begegnung. AfrikanerInnen in Deutschland 1880–1945 – Deutsche in Afrika 1880–1918, Peter Lang Verlag, Frankfurt am Main 2006, ISBN 3-631-39175-7, 332 S.
  • Dreesbach, Anne: Gezähmte Wilde: die Zurschaustellung „exotischer“ Menschen in Deutschland 1870–1940, Campus-Verlag, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-593-37732-2, 371 S.
  • Forgey, Elisa: „Die große Negertrommel der kolonialen Werbung“: Die Deutsche Afrika-Schau 1935–1943, in: Werkstatt Geschichte, Heft 9, 3. Jahrgang, Dezember 1994, Hamburg, ISBN 3-87916-210-7, S. 25–33
  • Joeden-Forgey, Elisa von: Race Power in Postcolonial Germany: The German Africa Show and the National Socialist State, 1935–1940, in: Alonzo, Christine/Martin, Peter (Hrsg.): Zwischen Charleston und Stechschritt: Schwarze im Nationalsozialismus, Dölling und Galitz, Hamburg 2004, ISBN 3-935549-84-9, 790 S.
  • Lewerenz, Susann: Die Deutsche Afrika-Schau (1935–1940). Rassismus, Kolonialrevisionismus und postkoloniale Auseinandersetzungen im nationalsozialistischen Deutschland, Peter Lang Verlag, Frankfurt am Main 2006, ISBN 3-631-54869-9, 174 S.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hochspringen↑ Lewerenz, Susann: Die Deutsche Afrika-Schau (1935–1940). Rassismus, Kolonialrevisionismus und postkoloniale Auseinandersetzungen im nationalsozialistischen Deutschland, Frankfurt am Main 2006, S. 91
  2. Hochspringen↑ Lewerenz, Susann: Die Deutsche Afrika-Schau (2006), S. 97
  3. Hochspringen↑ Lewerenz, Susann: Die Deutsche Afrika-Schau (2006), S. 99
  4. Hochspringen↑ Forgey, Elisa: „Die große Negertrommel der kolonialen Werbung“: Die Deutsche Afrika-Schau 1935–1943, in: Werkstatt Geschichte, Heft 9, 3. Jahrgang, Dezember 1994, Hamburg, S. 30
  5. Hochspringen↑ Dreesbach, Anne: Gezähmte Wilde: die Zurschaustellung „exotischer“ Menschen in Deutschland 1870–1940, Campus-Verlag, Frankfurt am Main 2005, S. 309
  6. Hochspringen↑ Lewerenz, Susann: Die Deutsche Afrika-Schau (2006), S. 104
  7. Hochspringen↑ Lewerenz, Susann: Die Deutsche Afrika-Schau (2006), S. 115
  8. Hochspringen↑ Forgey, Elisa: „Die große Negertrommel der kolonialen Werbung“: Die Deutsche Afrika-Schau 1935–1943, in: Werkstatt Geschichte, Heft 9, 3. Jahrgang, Dezember 1994, Hamburg, S. 31
  9. Hochspringen↑ Sippel, Harald: Kolonialverwaltung ohne Kolonien – Das Kolonialpolitische Amt der NSDAP und das geplante Reichskolonialministerium, in: Van der Heyden, Ulrich / Zeller, Joachim (Hrsg.): Kolonialmetropole Berlin. Eine Spurensuche. Berlin 2002. S. 412
  10. Hochspringen↑ Lewerenz, Susann: Die Deutsche Afrika-Schau (2006), S. 131
  11. Hochspringen↑ Lewerenz, Susann: Die Deutsche Afrika-Schau (2006), S. 132
  12. Hochspringen↑ Bechhaus-Gerst, Marianne: Treu bis in den Tod. Von Deutsch-Ostafrika nach Sachsenhausen – eine Lebensgeschichte. Links-Verlag, Berlin 2007, S. 141–150
  13. http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Afrika-Schau

Sklaverei, der soziale Tod – vom Sklavenhandel nach Amerika

Sklavenhandel von Klauser

Der Sklavenhandel aus Afrika nach Amerika war die größte Zwangsverschleppung der Geschichte

 Dreieinhalb Jahrhunderte lang wurden Afrikaner über den Atlantik in die Sklaverei verkauft. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts galt dieser Handel als ganz normales Geschäft. Es bedeutete für Afrika einen enormen Aderlass an Menschen und half, in Europa einzelne große Vermögen anzuhäufen und einen Massenmarkt zu schaffen. Weder die Industrielle Revolution in Europa noch die Kriege innerhalb Afrikas können jedoch vorwiegend auf den Sklavenhandel zurückgeführt werden. Auch dürfen die Sklaven nicht als passive Opfer gesehen werden: Sie haben ihr Zusammenleben und sogar das Verhältnis zu ihren Herren mit gestaltet.

 von Albert Wirz

Sklaverei und Sklavenhandel gelten heute als eines der größten Verbrechen der Menschheit. Sie rufen Bilder von unsäglichem menschlichem Leid, von Opfer, Folter und Tod hervor, geweckt vielleicht durch Zeugnisse wie den Erlebnisbericht von Swema. Swema, ein Mädchen aus dem Gebiet der Yao im heutigen Malawi, war um 1860 in die Hände von Sklavenhändlern geraten. Ihre von Jahren des Hungers ausgezehrte Mutter musste auf dem Marsch zur ostafrikanischen Küste eine so schwere Last buckeln, dass sie unterwegs zusammenbrach und am Wegrand einen qualvollen Erschöpfungstod starb. Swema überstand die Reise. Als sie in Sansibar ankam, war sie jedoch so ausgemergelt, dass ihr Besitzer sie kurzerhand in einen Graben am Rande eines Friedhofs werfen ließ. Das Schreien der Schakale machte einen Passanten auf sie aufmerksam. Er rettete die Todgeweihte und brachte sie zu den französischen Patres in der Stadt, welche Swema bei sich aufnahmen.

Swemas Geschichte war einst Teil christlicher Missions- und Propagandaliteratur im Kampf gegen den Sklavenhandel in Ostafrika und schildert ein Einzelschicksal. Darüber hinaus zeigt sie aber grundlegende Charakterzüge dessen auf, was Versklavung und Sklaverei bedeuteten: eine Reise in den Tod – in den physischen oder doch den sozialen Tod. Denn die Versklavung bedeutete stets ein Herausreißen aus allen sozialen Bezügen. Sklaven sind Menschen, die außerhalb des jeweiligen Gesellschaftsvertrages gehalten werden, denen fast alle Rechte vorenthalten werden. Es sind Menschen ohne Verwandtschaft und ohne Ehre, Objekte und nicht Subjekte des Rechts, betrachtet als Fremde und Besitz. Der aus Jamaika stammende, in Harvard lehrende Soziologe Orlando Patterson hat dafür den Begriff des sozialen Tods geprägt. Das ist meines Erachtens die beste Definition der Sklaverei und die einzige, die sowohl das Wesen der Plantagensklaverei als auch der Sklaverei in afrikanischen und anderen nicht westlichen Gesellschaften umreißt.

Die Geschichte von Swema verschweigt allerdings, dass Sklaverei bis zur Abschaffung des Sklavenhandels (Abolition) durch Großbritannien im Jahre 1807 ein Geschäft wie jedes andere war. Ihre wohl ausbeuterischste Form erlangte die Sklaverei in den Plantagenkolonien der Neuen Welt. Von 1519 bis 1867 wurden insgesamt zwölf Millionen und mehr Afrikaner über den Atlantik gebracht, um dann vor allem als Feldarbeiter bei der Produktion von Zucker, Kaffee, Tabak, Reis, Indigo und Baumwolle eingesetzt zu werden. Andere wurden in die Gold- und Silberminen Südamerikas verschickt. Es war die bei weitem größte Zwangsmigration der Weltgeschichte.

Doch Formen von Sklaverei finden sich in vielen historischen Gesellschaften: im frühen Mesopotamien und im pharaonischen Ägypten ebenso wie im alten China, in Korea, in Indien, im deutschen ebenso wie im russischen Mittelalter, von den Hebräern bis zu den Azteken und Cherokesen. Sklaven gehörten in den italienischen Stadtstaaten bis ins 14. Jahrhundert hinein zum Alltag, auf der iberischen Halbinsel gar bis zum 16. Jahrhundert. Viele waren Muslime, andere stammten aus dem Schwarzmeergebiet. Christliche Seeleute gerieten in nordafrikanische Sklaverei.

Eigentliche Sklavengesellschaften, in denen Sklaven die Bevölkerungsmehrheit bildeten und mit ihrer Arbeit die Wirtschaft als ganze stützten, gab es hingegen nur fünf: zwei in der Antike (Griechenland und Rom), drei in der Neuzeit (Brasilien, die Karibik und die amerikanischen Südstaaten). Das Besondere an den Sklavengesellschaften der Neuen Welt liegt nicht allein darin, dass sie Sklaven besonders stark ausbeuteten, sondern auch darin, dass sie sich zur gleichen Zeit herausbildeten, als sich in Europa – und hier vor allem in Großbritannien – die Idee der freien Arbeit Bahn brach. An die Stelle von Herren und Knechten mit unterschiedlichen Rechten trat in Europa das Gespann Arbeitgeber und Arbeitnehmer als gleichberechtigte Rechtssubjekte. Das ist eine wesentliche Errungenschaft der bürgerlichen Moderne.

Wie war es dann möglich, dass zur selben Zeit in den Kolonien die Sklaverei so breiten Raum einnehmen konnte? Diese Frage hat schon die Zeitgenossen bewegt. Sie stand auch lange Zeit im Zentrum der Forschung. Gefangen in ihrem Geschichtsbild, das in der Antike und im Mittelalter nur eine Vorgeschichte der Neuzeit sah, tendierte die Forschung anfänglich dazu, Sklaverei als Übergangsstadium in einem universellen Entwicklungsprozess zu interpretieren. Hegel sah in der Sklaverei so etwas wie eine Form der Entwicklungshilfe für Afrikaner. Klassische Sozialwissenschaftler von Adam Smith bis Max Weber interpretierten die Sklaverei als Zeichen der Rückständigkeit. Marxisten wurden noch deutlicher: Sie postulierten eine Abfolge von Urgesellschaft, Sklaverei, Feudalismus, Kapitalismus und Kommunismus. Sklaverei und Kapitalismus waren folglich Gegensätze, desgleichen Sklaverei und marktwirtschaftliches Denken, Sklaverei und technischer Fortschritt. Aber waren die amerikanischen Südstaaten nicht Teil der ersten modernen Nation?

Bei der Erforschung der atlantischen Sklavengesellschaften lag das Hauptaugenmerk zu Anfang auf der Institution der Sklavenplantage. Man sah darin ein geschlossenes System allgemeiner Gewalt und totalitärer Kontrolle, dessen Auswirkungen ebenso entmenschlichend waren wie Nazi-Konzentrationslager. Von daher wurden die Sklaven vor allem als Opfer grausamer Sklavenhalter beschrieben – unterernährt, ohne Familie, mit der Peitsche zur Arbeit getrieben, behandelt wie Vieh, verkauft wie Vieh, gezüchtet wie Vieh.

Es ist das große Verdienst des amerikanischen Sozialhistorikers Eugene D. Genovese, dieses Bild zurecht gerückt zu haben. Als Marxist hielt Genovese zwar an der Idee fest, dass die Sklavenhalter eine vorkapitalistische Klasse bildeten. Er konnte jedoch zeigen, dass die Sklaven, obschon Opfer der Willkür und ihrer Freiheit beraubt, keineswegs willenlose Menschen waren. Sie erstritten sich mit Hartnäckigkeit und Schlauheit viele Freiheiten und veränderten sogar das System als Ganzes. Genovese erkannte, dass die Sklaven ihre Eigner dazu brachten, ihre Menschlichkeit anzuerkennen und auch Pflichten zu übernehmen. Das Resultat sei ein paternalistisches System mit einem gewissen Maß an Reziprozität gewesen.

Man darf diese Beschreibung keinesfalls verallgemeinern. Sie zeigt eine Möglichkeit neben anderen auf. Trotzdem haben Genoveses Arbeiten bleibende Bedeutung. Dies vor allem deshalb, weil er die Sklaven nicht nur als Opfer, sondern als historische Subjekte ansah und ihnen so einen Teil jener Würde zurückgab, welche ihnen das System der Sklaverei genommen hatte. Zudem machte Genovese deutlich, dass Sklaverei weniger einen festen Rechtsstatus bezeichnet als einen Prozess, in dem immer wieder neu um Rechte und Pflichten gerungen wird. Dieser Prozess reicht von der Versklavung über das Leben in Sklaverei bis zur möglichen, aber keineswegs sicheren sozialen Wiedereingliederung durch Flucht, Freisetzung oder Freikauf.

Unter dem Einfluss der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung wurden das Leben, die Kultur und der Widerstand von Sklaven zu Forschungsfeldern. Eine wichtige Erkenntnis war, dass die Sklaven auf den Plantagen allen Schwierigkeiten zum Trotz Familien gründeten, Verwandtschaftsnetze pflegten und sich zur Selbsthilfe zusammenschlossen. Mit die größte Autonomie errangen die Sklaven in religiösen Belangen. Aus christlichen und afrikanischen Traditionen schöpfend, entwickelten sie eine ausgesprochen vielfältige religiöse Kultur mit Gesang und Tanz als zentralen Elementen eines künstlerischen Schaffens, das Sakrales und Profanes, Alltag und Fest verband.

Was die Frage des Widerstandes betrifft, galt es damit zurecht zu kommen, dass außer in Haiti nirgends Sklaven aus eigener Kraft ein Ende der Sklaverei herbei zu führen vermochten. Umso prägender wurde die Einsicht, dass Widerstand vielfältige Formen annehmen kann, von herausforderndem Tanzen und Reden über Schlendrian, Traditionspflege und Flucht bis zu Brandstiftung und Verschwörung. An den Rändern der Kolonien bildeten sich zudem vielerorts sogenannte Maroon-Gesellschaften, Gesellschaften von entflohenen Sklaven. Am bedeutendsten war das Königreich Palmares im Hinterland von Pernambuco. In Surinam behaupteten sich die Saramaka während hundert Jahren gegen die Holländer.

Ein weiterer Wendepunkt in der Erforschung der Sklaverei war Philip D. Curtins 1969 vorgelegter Zensus des transatlantischen Sklavenhandels. Als einer der ersten hatte er Massenquellen wie Kaufverträge und Schiffslisten untersucht und statistische Methoden angewandt. Seither verfügen wir über glaubhafte Angaben zum Ausmaß des transatlantischen Sklavenhandels. Weitere quantitative Arbeiten haben deutlich gemacht, dass der Sklavenhandel wie die Plantagenwirtschaft den Gesetzen von Angebot und Nachfrage folgten. Robert William Fogel and Stanley L. Engerman haben zudem gezeigt, dass die Plantagenbesitzer in den Südstaaten der USA als Unternehmer handelten und auch mit Belohnungen arbeiteten. Sie meinten sogar, dass die Sklaven in Bezug auf Ernährung, Kleidung, Unterkunft und Lebenserwartung besser gestellt waren als viele Bauern und Arbeiter in Europa und in Amerika.

Und die Plantagen blieben bis zum Schluss profitabel. Die Abolition erfolgte nicht aus wirtschaftlichen, sondern aus politischen und moralischen Gründen. Anders als die Marxisten dachten, steht der Kapitalismus keineswegs in einem grundlegenden Gegensatz zur Sklaverei. Vielmehr zeigt die Geschichte des transatlantischen Sklavenhandels, wohin die Reise gehen kann, wenn Marktkräften freier Lauf gelassen wird.

Bis heute heiß umstritten ist die Frage, ob die Gewinne aus Sklavenhandel und Plantagen die Industrielle Revolution in Großbritannien finanziert haben. In einem einflussreichen Buch hat Eric Williams 1947 genau das behauptet. Diese “Williams-These” wurde zu einem zentralen Argument der Dependenztheorie, der zufolge die Entwicklung Europas und die “Unter-Entwicklung” Asiens, Afrikas und Lateinamerikas sich gegenseitig bedingten. Neuere Forschungen haben jedoch gezeigt, dass die Profite der Sklavenwirtschaft langfristig geringer waren, als man früher angenommen hatte, und dass andere Formen der Kapitalbildung wichtiger waren. Unbestritten aber ist, dass die Sklaverei große Vermögen begründete, Massenmärkte für billige Industriewaren schuf und dass auf den Plantagen eine fabrikähnliche Form der Arbeitsorganisation entwickelt wurde.

Noch wichtiger aber waren die Auswirkungen im Bereich der Ideen und der Ideologie. Da die Sklaven der Neuen Welt fast alle aus Afrika stammten, förderte die Sklaverei eine abschätzige Sicht auf alles Afrikanische und schuf die Voraussetzungen für den Rassismus, der noch heute unsere Gesellschaften prägt. Umgekehrt beförderte die Auseinandersetzung mit der Sklaverei den Freiheits- und Gleichheitsdiskurs der Aufklärung. Das kann man als das doppelte Paradox der Geschichte des Sklavenhandels bezeichnen.

Nicht minder kontrovers werden die Folgen des Sklavenhandels für Afrika debattiert. Aber auch hier beobachtet man einen Perspektivwechsel. Afrikaner, welche die Kolonialherrschaft noch selbst erlebt hatten, neigten dazu, die afrikanischen Gesellschaften als Opfer fremder Einflussnahme zu sehen. Den transatlantischen Sklavenhandel interpretierten sie als ersten Schritt in die Unterentwicklung, weil er ganze Regionen entvölkert und afrikanische Herrscher zu Menschenjagden und Kriegen veranlasst habe. Walter Rodney ging noch weiter und erklärte, die afrikanische Sklaverei an der Guineaküste sei das Resultat der Nachfrage von außerhalb Afrikas.

Dass Afrika mit dem Sklavenhandel viele seiner fähigsten Menschen verlor, steht außer Zweifel. Die historische Demographie weist große Verluste in einzelnen Regionen und darüber hinaus eine Stagnation der Gesamtbevölkerung in der Zeit von 1750 bis 1850 aus, während auf anderen Kontinenten damals eine Phase des demographischen Wachstums begann. Umgekehrt hat aber ein besseres Verständnis der Bedingungen afrikanischer Politik die Forscher zu der Einsicht geführt, dass verschiedene Staaten und deren Herrscher vom Sklavenhandel profitierten, die Kriege in Afrika aber trotzdem meist andere Ursachen hatten. Asante, Dahomey und die Stadtstaaten des Niger-Deltas gehörten zu den Staaten, welche Nutzen aus dem Sklavenhandel zogen, das Königreich Benin zu jenen, die sich vom Sklavenhandel fern zu halten versuchten. Die europäischen und amerikanischen Sklavenhändler blieben ihrerseits von örtlichen Machthabern abhängig. Nur an ganz wenigen Orten wagten sie sich über die Hafenplätze hinaus ins Landesinnere. Wie sehr sie sich afrikanischen Wünschen fügen mussten, zeigt sich auch daran, dass sie auch zahlreiche Frauen und Kinder kauften, obschon die Plantageneigner Männer bevorzugten.

Die Sklaverei war im alten, vorkolonialen Afrika weit verbreitet, und sie expandierte im 19. Jahrhundert trotz oder wegen der Abolition im Jahre 1807. In einigen Gesellschaften Westafrikas machten die Sklaven in der Folge die Hälfte der Bevölkerung und mehr aus. Vor allem im Sahel- und Savannengürtel am Südrand der Sahara kam es zu einer starken Zunahme der Sklaverei, als dort im Gefolge der islamischen Revolutionen – Eroberungszügen und Reichsbildungen unter dem Banner des Islam – die Kriegführung intensiviert und mehr und mehr Menschen versklavt wurden.

Doch die afrikanischen Formen der Sklaverei, oft als Haussklaverei bezeichnet, unterschieden sich ganz wesentlich von der Plantagensklaverei. Wie überall mussten auch in Afrika Sklaven die schwersten Arbeiten verrichten. Ihre Besitzer behandelten sie zudem als Außenseiter und Fremde. Folglich gehörten die Sklaven zu jenen, die als erste in öffentlichen Ritualen geopfert wurden. Sklaven fanden sich aber auch in hervorgehobenen Stellungen, als Händler, als Offiziere, als Hofbeamte. An anderen Orten arbeiteten die Sklaven Schulter an Schulter mit ihren Herren. Wieder an anderen Orten siedelten Sklaven in eigenen Dörfern und konnten Eigentum erwerben, was in Einzelfällen dazu führte, dass Sklaven Sklaven besaßen.

Entscheidend aber war, dass der Status des Sklaven in Afrika weniger stark fixiert war als in der Neuen Welt und dass Sklaven an vielen Orten über die Zeit hinweg von Fremden zu Quasi-Verwandten und Verwandten wurden, die nicht weiterverkauft werden durften. Frauen wurden weit häufiger versklavt als Männer, denn sie wurden nicht nur als Arbeitskräfte gesucht, sondern auch als Mütter weiterer Nachkommen.

Allerdings ist auch in Afrika die Herkunft aus einer Sklavenfamilie bis heute vielerorts mit einem Stigma behaftet. Aber anders als in der westlichen Moderne bedeutete Freiheit in Afrika nicht Unabhängigkeit, sondern Zugehörigkeit. Frei konnte sich nur fühlen, wer zu einer der Verwandtschaftsgruppen gehörte, die den Zugang zu Land regeln und kontrollieren. Ein Mensch ohne Verwandtschaft hingegen, einer, der auf sich allein gestellt war, der war eher vogelfrei – oder eben ein Sklave.


Literatur

Phillip D. Curtin: The Atlantic Slave Trade: A Census; Madison/Wisconsin 1969.

Eugene D. Genovese: The World the Slaveholders Made: Two Essays in Interpretation; New York 1971.

Eugene D. Genovese: Roll, Jordan, Roll: The World the Slaves Made; London 1975.

Paul E. Lovejoy: Transformations in Slavery: A history of Slavery in Africa; Cambridge 1983.

Walter Rodney: Afrika: Die Geschichte einer Unterentwicklung; Berlin 1975.

Albert Wirz: Sklaverei und kapitalistisches Weltsystem; Frankfurt a.M. 1984 (2. Aufl.).

aus: der überblick 01/2002, Seite 18

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Anlaufziel für Flüchtlinge

Warum Lampedusa?

Politisch gehört Lampedusa zu Italien – geografisch aber zu Afrika. Die Insel liegt nur 138 Kilometer vor der tunesischen Küste und ist damit Anlaufziel für viele Afrikaner auf ihrer Flucht nach Europa.

Kaum ein Flecken Europa liegt so nah an Afrika wie Lampedusa. Die kleine Mittelmeerinsel ist darum ein Einfallstor für viele afrikanische Flüchtlinge – und wird immer wieder zum Schauplatz fürchterlicher Flüchtlingsdramen.

Gut 5000 Einwohner bevölkern das vor der tunesischen Küste gelegene Eiland normalerweise. Doch allein währende des “Arabischen Frühlings” 2011 kamen zusammengenommen fast 48.000 Flüchtlinge nach Lampedusa. Die Lage eskalierte, als teils bis zu 6000 Immigranten zeitgleich unter unerträglichen Bedingungen auf der Insel festsaßen. Mit etwa 20 Quadratkilometern ist Lampedusa nur in etwa so groß wie die deutschen Nordseeinseln Amrum oder Langeoog.

Alte Kähne, überfüllte Schlauchboote

Die Überfahrt nach Lampedusa ist gefährlich, vor allem, weil die alten Kähne und überfüllten Schlauchboote der Migranten oft kaum seetüchtig sind. Unzählige Menschen sind schon ertrunken bei dem Versuch, auf die Insel zu gelangen. Die Gründe, warum die Menschen dieses hohe Risiko eingehen, sind unterschiedlich. Viele Afrikaner fliehen vor Krieg und politischer Verfolgung, vor Armut und Hunger. Viele versuchen aber auch, Europa zu erreichen, um hier eine Arbeit zu finden. Solche “Wirtschaftsmigranten” müssen nach Ansicht der EU wieder in ihre Herkunftsländer zurückkehren.

Karte Lampedusa Tunesien Sizilien Italien

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Zwischen Juli 2008 und Juli 2009 erreichten mehr als 20.000 Einwanderer aus Nordafrika Lampedusa. Dann ließ die rigide Abschiebepolitik der damaligen Regierung von Silvio Berlusconi die Zahlen stark zurückgehen – bevor die Zahl der Flüchtlinge durch den “Arabischen Frühling” wieder hoch schnellte. Auch in diesem Jahr erreichten bereits wieder mehr als 22.000 Bootsflüchtlinge die italienischen Küsten – viele davon in Lampedusa.

Platz für knapp 400 Flüchtlinge

Auf Lampedusa befindet sich ein sogenanntes offenes Durchgangslager. Es hat nach Angaben des italienischen Flüchtlingsrates CIR knapp 400 Betten. Bisweilen halten sich dort aber mehr als 1000 Menschen auf. Vor zwei Jahren zerstörte ein Feuer einen Teil des Zentrums, der nur teilweise wiederaufgebaut wurde.

Italien hat immer wieder von der EU Unterstützung gefordert, weil es sich durch den Flüchtlingsstrom überfordert fühlt. Die Bereitschaft dazu ist aber in der EU gering. Dort verweist man darauf, dass andere Staaten deutlich mehr Flüchtlinge aufnehmen als Italien – zum Beispiel Deutschland (2012: 64.540), Frankreich (54.940), Schweden (43.890) oder Großbritannien (27.410). Italien dagegen nahm im vergangenen Jahr lediglich 15.710 Flüchtlinge auf.

Stand: 03.10.2013 14:58 Uhttp://www.tagesschau.de/ausland/lampedusa-hintergrund100.html

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Geschichte[Bearbeiten]

Auf Lampedusa befinden sich Spuren griechischer (sie besaßen dort zwei oder drei Türme), römischer, byzantinischer und arabischer Siedlungen. Zudem diente die Insel vielfach Seefahrern als Stützpunkt. Allerdings waren die meisten der zu Sizilien gehörenden Inseln wie auch Lampedusa, seit der normannischen Zeit, also dem 11. Jahrhundert unbewohnt. So berichtetIdrisi von den unbewohnten Inseln.[1] 812/813 wurde Lampedusa Opfer eines Überfalls muslimischer Seeräuber, die auf 13 Schiffen kamen.[2] Da es der byzantinischen Flotte gelang, die gegnerischen Schiffe zu versenken, dürfte Lampedusa noch für einige Jahre byzantinisch geblieben sein. Archäologisch lässt sich die byzantinische Siedlung nur bis Ende des 7. Jahrhunderts nachweisen. Allerdings fand sich eine der Hl. Maria geweihte Kapelle, und möglicherweise bot die Insel, auf der sich noch Siedlungsspuren fanden, noch im 16. und 17. Jahrhundert Unterschlupf für flüchtige Sklaven aus Nordafrika.[3]

Im September 1843 ging der Kapitän Bernardo Maria Sanvisente, ein Gesandter von Ferdinand II., mit 120 Männern und Frauen an Land, um die Insel dauerhaft zu besiedeln. Von Sanvisente stammt auch der vorher wechselnde Inselname ‚Lampedusa‘.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Insel als strategisch wichtiger Punkt Ziel von Bombenangriffen („Operation Corkscrew“). Im Jahr 1986 schlugen auf Lampedusa zwei Scud-Raketen ein, angeblich abgefeuert von Libyen als Antwort auf US-amerikanische Angriffe auf Tripolis und Bengasi im Zuge der Operation El Dorado Canyon. Es gab keine Verletzten.[4]

Flüchtlinge vor der Insel Lampedusa

Hauptrouten der Flüchtlinge

Wege nach Europa

Gut 300.000 Menschen haben im vergangenen Jahr Asyl gesucht in der EU. Ein immer größerer Teil von ihnen versucht, auf dem gefährlichen Seeweg in die “Festung Europa” zu gelangen. Welchen Weg nehmen sie – und warum?

Von Alexander Steininger, tagesschau.de

Insgesamt suchten im Jahr 2012 knapp 300.000 Menschen Asyl in den 27 EU-Staaten. Das geht aus der Statistik des Flüchtlingswerks der Vereinten Nationen UNHCR hervor. Das entspricht einem Zuwachs von sieben Prozent gegenüber 2011. Im Verhältnis zu den rund 500 Millionen Einwohnern entspricht dies jedoch gerade einmal 0,06 Prozent der gesamten Bevölkerung.

Die meisten Asylsuchenden kamen aus Afghanistan, gefolgt von Syrien, Russland und Pakistan. In Deutschland bewarben sich 23 Prozent aller Flüchtlinge. Deutschland macht mit seinen 80 Millionen Einwohnern etwa 17 Prozent der gesamten EU-Bevölkerung aus.

Asylanträge in wichtigen EU-Staaten

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Es gibt zusammengefasst vier große Routen, die die Flüchtlingsströme auf ihrem Weg in das südliche Europa nehmen: Von Westafrika auf die Kanaren, von Marokko auf das spanische Festland bzw. die Exklaven Ceuta und Melilla, von Libyen oder Tunesien nach Italien oder Malta und über den Landweg via Türkei und Griechenland.

Wichtige Routen von Flüchtlingen in die EU

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Italien

Im vergangenen Jahr wagten nach Schätzungen von Pro Asyl etwa 22.000 Flüchtlinge die gefährliche Überfahrt von Afrika nach Italien. Meistens steuern sie die kleine Insel Lampedusa an. Sie ist etwa 140 Kilometer von der tunesischen Küste entfernt und damit einer der nächsten Punkte Europas. Die meisten der Flüchtlingsboote brechen jedoch vom viel weiter entfernten Libyen auf – weil die instabilen Verhältnisse dort von Schleuserbanden ausgenutzt werden. Die überwiegende Zahl der Flüchtlinge kommt aus den Bürgerkriegsländern Syrien, Eritrea und Somalia.

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galerieAllein in Lampedusa landeten im vergangenen Jahr mehr als 20.000 Flüchtlinge.

Wie viele Menschen bei diesen gefährlichen Überfahrten ums Leben kommen, ist schwer zu bestimmen. Vorsichtige Schätzungen gehen von etwa 500, andere dagegen von bis zu 2000 Toten im vergangenen Jahr aus. In jedem Fall dürfte das jüngste Unglück vor Lampedusa, als ein Boot mit bis zu 500 Menschen an Bord sank, das schlimmste in der europäischen Flüchtlingsgeschichte sein.

Auf Lampedusa gibt es ein Auffanglager für bis zu 1500 Menschen. Hier bekommen sie Verpflegung und einen Schlafplatz. Allerdings ist das Lager chronisch überfüllt, vor allem weil sich seit dem Beginn des Arabischen Frühlings die Zahlen der Migranten vervielfacht haben.

Auch in Sizilien landen jedes Jahr Tausende Flüchtlinge. Die Insel ist mit 145 km nur unwesentlich weiter entfernt als Lampedusa. Und auch Malta ist Ziel der Migranten. Die kleine Insel nimmt dabei im Verhältnis zu ihrer Gesamtbevölkerung die meisten Flüchtlinge auf: Auf 1000 Bewohner kommen laut UNHCR 21,7 Asylbewerber.

Zahlen zur Einwanderung in die EU über das Mittelmeer

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Die Kanaren

Die zu Spanien gehörenden Kanaren werden häufig von westafrikanischen Flüchtlingen angesteuert. Die Distanz von Marokko bzw. dem autonomen Gebiet Westsahara beträgt rund 120 Kilometer. Viele Boote brechen jedoch bereits vom weiter entfernten Senegal auf. Die Überfahrt gilt als die gefährlichste Route, da der Atlantik häufig unruhiger ist als das Mittelmeer.

Auf dieser Route versuchen überwiegend Bewohner des Maghrebs, also Marokkos oder Algeriens, sowie Westafrikaner, also etwa Menschen aus den Bürgerkriegsländern Mali, Liberia oder Elfenbeinküste, zu fliehen. Im Jahr 2007 kamen etwa 30.000 Menschen nach Fuerteventura. Die Zahlen sind jedoch stark rückläufig, seit die europäische Grenzagentur Frontex ihre Einsätze vor der Westküste Afrikas verstärkt hat. Dennoch versuchten auch im vergangenen Jahr mehrere hundert Menschen, auf diesem Weg in die EU zu gelangen.

Flüchtlinge aus Afrika

galerieMit veralteten Booten machen sich die Flüchtlinge auf den gefährlichen Seeweg zu den Kanaren.
Soldaten patrouillieren an der Grenzbefestigung in der spanischen Exklave Ceuta

galerieDie spanische Exklave Ceuta ist mit meterhohen Zäunen und Stacheldraht gesichert.

Spanien

Deutlich häufiger frequentiert ist die Straße von Gibraltar. 2012 kamen laut Frontex-Bericht mehr als 6000 Menschen über die Meerenge. Die Distanz beträgt hier nur etwa 30 Kilometer. Jedoch wird der Seeweg scharf von Frontex bewacht. Die Organisation, die 2005 eingerichtet wurde, verfügt über rund 300 Mitarbeiter sowie vielerlei technisches Gerät zur Erfassung von Flüchtlingen. Zudem haben Marokko und Tunesien ihre Kontrollen im Zuge eines Abkommens mit der EU deutlich verschärft.

Außerdem versuchen viele Flüchtlinge in die spanischen Exklaven Ceuta oder Melilla zu gelangen. Diese kleinen Städte liegen auf dem afrikanischen Kontinent, umschlossen von marokkanischen Staatsgebiet. Sie sind mit mehreren Metern hohen Mauern und Stacheldraht wie Festungen gesichert. Dennoch versuchen immer wieder Flüchtlinge, auf das kleine Stück spanisches Staatsgebiet zu gelangen.

Karte Melilla und Ceuta

galerieDie spanischen Exklaven Ceuta und Melilla befinden liegen auf dem afrikanischen Kontinent, gehören jedoch offiziell zur EU.

Türkei/Griechenland

Die Türkei hat eine gemeinsame Grenze mit dem Irak und Syrien. Vor allem seit dem Ausbruch des Bürgerkriegs versuchen dort viele Menschen dem Elend ihrer Heimat zu entfliehen und über Griechenland in die EU zu gelangen. Doch hat Griechenland in den letzten Jahren seine Außengrenzen mit Zäunen und Gräben sowie Hunderten zusätzlicher Wachleute gesichert.

Laut Frontex versuchten 2012 auf diesem Weg gut 37.000 Menschen in die EU zu gelangen. Es ist damit die am meisten frequentierte Route der Migranten. Jedoch sind Migranten seit der Wirtschaftskrise dort zunehmend Repressalien ausgesetzt. Flüchtlinge berichten von Misshandlungen durch die Polizei sowiegezielten Hetzjagden Rechtsradikaler.

Die überwiegende Zahl der Asylsuchenden nimmt laut Frontex aber nicht eine dieser gefährlichen Routen. Die meisten von ihnen reisen legal mit dem Flugzeug ein – und tauchen hinterher einfach ab.

http://www.tagesschau.de/ausland/fluechtlingsrouten100.html

Millionen Soldaten aus Afrika, Asien und Ozeanien haben im Zweiten Weltkrieg gekämpft, um die Welt vom deutschen und italienischen Faschismus sowie vom japanischen Großmachtwahn zu befreien. Sowohl die faschistischen Achsenmächte als auch die Alliierten rekrutierten in ihren Kolonien Hilfstruppen und Hilfsarbeiter oftmals mit Gewalt. Weite Teile der Dritten Welt dienten auch als Schlachtfelder und blieben nach Kriegsende verwüstet und vermint zurück. Noch heute explodieren Minen aus dem Zweiten Weltkrieg in Ägypten und Libyen und verletzen und töten Menschen.

Die Kriegsziele, für die die Afrikaner  in der Anti-Hitler-Koalition kämpften oder kämpfen mußten, versprachen Selbstbestimmung der Völker, Frieden und Zusammenarbeit aller Völker für Wohlstand.  In einer Welt, die noch von der gewaltsamen Eroberung und Kontrolle großer Teile der Welt und fast ganz Afrikas von den europäischen Kolonialmächten und der Zwangsarbeit für sie geprägt war, versprach die Atlantikcharta   das Recht aller Völker, sich jene Regierungsform zu geben, unter der sie zu leben wünschen. Die souveränen Rechte und autonomen Regierungen aller Völker, die ihrer durch Gewalt beraubt wurden, sollen wiederhergestellt werden. Ein wirtschaftlicher Ausgleich wurde versprochen. 

Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, 1948 von den Staaten der Welt, im Geiste der Kriegziele verabschiedet, versprach auch jedem Menschen in Afrika (ausdrücklich auch in den noch kolonialisierten Ländern) ein Recht auf Bildung, Arbeit, Ernährung, Leben, Freiheit, u.a. gegenüber seinem Staat und der Staatengemeinschaft.

“Jeder hat Anspruch auf alle in dieser Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten, ohne irgendeinen Unterschied, etwa nach Rasse, Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Anschauung, nationaler oder sozialer Herkunft, Vermögen, Geburt oder sonstigem Stand. Des weiteren darf kein Unterschied gemacht werden auf Grund der politischen, rechtlichen oder internationalen Stellung des Landes oder Gebietes, dem eine Person angehört, gleichgültig ob dieses unabhängig ist, unter Treuhandschaft steht, keine Selbstregierung besitzt oder sonst in seiner Souveränität eingeschränkt ist. (http://de.wikipedia.org/wiki/Deklaration_der_Vereinten_Nationen)

Doch war und sind diese Ziele, Aufbau einer Welt mit gleichen menschenwürdigen Lebensbedingungen für alle in den  Zivilgesellschaften in den Ländern und in der ohnehin schwachen internationalen Zivilgesellschaft noch schwach vertreten, damit aus diesen vereinbarten Zielen auch Taten werden. Wir pädieren dafür, sie zu stärken, nationales Denken zu überwinden, das globale Denken im Sinne der Menschenrechtserklärung zu stärken und sich für sie zusammenzuschließen und umzusetzen.

Die Atlantik-Charta vom 14. August 1941

Insgesamt wurden acht Punkte festgehalten, darunter: Verzicht auf territoriale Expansion, gleichberechtigter Zugang zum Welthandel und zu Rohstoffen, Verzicht auf Gewaltanwendung, Selbstbestimmungsrecht, Liberalisierung des Handels, Freiheit der Meere, endgültige Vernichtung der Nazi-Tyrannei.

Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika und Ministerpräsident Churchill, als Vertreter der Regierung Seiner Majestät im Vereinigten Königreich, erachten es als ihr Recht, einige allgemeine Prinzipien der Politik ihrer Länder bekanntzugeben, Prinzipien, auf deren Verwirklichung sich ihre Hoffnung auf eine bessere Zukunft der Welt gründen.

  1. Ihre Länder streben keinerlei Bereicherung an, weder in territorialer noch in anderer Beziehung.
  2. Sie wünschen keinerlei territoriale Veränderungen, die nicht im Einklang mit den in voller Freiheit ausgedrückten Wünschen der betroffenen Völker stehen.
  3. Sie achten das Recht aller Völker, sich jene Regierungsform zu geben, unter der sie zu leben wünschen. Die souveränen Rechte und autonomen Regierungen aller Völker, die ihrer durch Gewalt beraubt wurden, sollen wiederhergestellt werden.
  4. Sie werden, ohne ihre eigenen Verpflichtungen außer Acht zu lassen, für einen freien Zutritt aller Staaten, der großen wie der kleinen, der Sieger wie der Besiegten, zum Welthandel und zu jenen Rohstoffen eintreten, die für deren wirtschaftliche Wohlfahrt vonnöten sind.
  5. Sie erstreben die engste Zusammenarbeit aller Nationen auf wirtschaftlichem Gebiete, eine Zusammenarbeit, deren Ziel die Herbeiführung besserer Arbeitsbedingungen, ein wirtschaftlicher Ausgleich und der Schutz der Arbeitenden ist. 
  6. Sie hoffen, dass nach der endgültigen Vernichtung der Nazi-Tyrannei ein Frieden geschaffen werde, der allen Völkern erlaubt, innerhalb ihrer Grenzen in vollkommener Sicherheit zu leben, und der es allen Menschen in allen Ländern ermöglicht, ihr Leben frei von Furcht und von Not zu verbringen.
  7. (..)
  8. Sie sind von der Notwendigkeit überzeugt, dass aus praktischen wie aus sittlichen Gründen alle Völker der Welt auf den Gebrauch der Waffengewalt verzichten müssen. Da kein Friede in Zukunft aufrechterhalten werden kann, solange die Land-, See- und Luftwaffen von Nationen, die mit Angriff auf fremdes Gebiet gedroht haben oder damit drohen können, zu Angriffszwecken benutzt werden können, halten sie bis zur Schaffung eines umfassenden und dauerhaften Systems allgemeiner Sicherheit die Entwaffnung dieser Nationen für notwendig. Ebenso werden sie alle Maßnahmen unterstützen, die geeignet sind, die erdrückenden Rüstungslasten der friedliebenden Völker zu erleichtern.[3]
  9. http://de.wikipedia.org/wiki/Atlantik-Charta
  10. Deklaration der Vereinten Nationen

    Die Deklaration vereinter Nationen (englisch: Declaration by United Nations) wurde am 1. Januar 1942 von 26 Staaten der Anti-Hitler-Koalition während der Arcadia-Konferenz in Washington unterzeichnet. Sie diente der Formalisierung und Bekräftigung der zuvor beschlossenen Atlantik-Charta und war ein Schritt auf dem Weg zur Gründung der Vereinten Nationen.

    Alle Unterzeichner der Deklaration gelten als Gründungsmitglieder der Vereinten Nationen. Siehe auch: Artikel 3 der Charta der Vereinten Nationen.

    Sie unterstützen im Krieg noch die drei einzigen souveränen Staaten Afrikas Südafrika, Äthiopien und Liberia bei. (der Rest waren Kolonien und auch Südafrika war von einem weißen Minderheitsregime kontrolliert).

    Auf der Konferenz von Brazzaville trafen im Zweiten Weltkrieg vom 30. Januar bis 8. Februar 1944 Vertreter des Freien Frankreichmit hohen Kolonialbeamten aus den afrikanischen Kolonien Frankreichs zusammen. Neben Charles de Gaulle und René Pleven, dem Kolonialminister des Nationalen Befreiungskomitees, nahmen 20 Gouverneure teil. Konferenzort war die Stadt Brazzaville, Hauptstadt von Französisch-Äquatorialafrika und seit dem 26. Oktober 1940 für kurze Zeit auch Hauptstadt des Freien Frankreichs.

    Charles de Gaulle erkannte auf der Konferenz die Notwendigkeit politischer, sozialer und ökonomischer Reformen im französisch beherrschten Teil Afrikas an und versprach eine grundlegende Neuordnung der Beziehungen zwischen dem “Mutterland” und seinen Kolonien. Diese Neuordnung beinhaltete nicht die Unabhängigkeit der Kolonien, sondern die Umwandlung des Kolonialverhältnisses in eine “Französische Union“. Hintergrund der Konferenz war der Versuch de Gaulles, die afrikanischen Kolonien stärker in den Kampf um die Befreiung Frankreichs einzubinden.

    Verfechter größerer Autonomie der französischen Kolonien in Afrika beriefen sich in den darauffolgenden Jahren auf die dort verfasste “Deklaration von Brazzaville“.

    Diese Deklaration beinhaltete folgende Punkte:

    • Frankreich und die von ihm beherrschten Gebiete sollten auch zukünftig vereint bleiben.
    • In jeder Kolonie sollten halbautonome Versammlungen eingerichtet werden.
    • Die Bürger der französischen Kolonien sollten das Recht erhalten, Vertreter in die Verfassunggebende Versammlung zu entsenden, die nach dem Krieg eingerichtet werden sollte
    • Die Bürger der französischen Kolonien sollten das Recht erhalten, Vertreter in das französische Parlament zu entsenden.
    • Der öffentlichen Dienst sollte für die indigene Bevölkerung der Kolonien geöffnet werden.
    • Die Zwangsarbeit sollte abgeschafft werden
    • Wirtschaftliche Reformen sollten den ausbeuterischen Charakter der Beziehungen zwischen Frankreich und seinen Kolonien verringern.
Ein vergessenes Kapitel der Geschichte PDF Drucken E-Mail
Millionen Soldaten aus Afrika, Asien und Ozeanien haben im Zweiten Weltkrieg gekämpft, um die Welt vom deutschen und italienischen Faschismus sowie vom japanischen Großmachtwahn zu befreien. Sowohl die faschistischen Achsenmächte als auch die Alliierten rekrutierten in ihren Kolonien Hilfstruppen und Hilfsarbeiter oftmals mit Gewalt. Hunderttausende Frauen waren Opfer sexueller Gewalt. Rekruten aus den Kolonien mussten sich mit weniger Sold, schlechteren Unterkünften und geringeren Kriegsrenten als ihre «weißen Kameraden» zufrieden geben. Weite Teile der Dritten Welt dienten auch als Schlachtfelder und blieben nach Kriegsende verwüstet und vermint zurück.
Doch so gravierend die Folgen des Zweiten Weltkriegs in der Dritten Welt auch waren, in der hiesigen Geschichtsschreibung kommen sie nicht vor. Dies zu ändern ist das Ziel eines historischen Langzeitprojekts, mit dem das Rheinische JournalistInnenbüro in Köln im Jahre 1996 begann und das seit 2000 von dem gemeinnützigen Verein Recherche International e.V.getragen wird.Auf der Basis von zehnjährigen Recherchen in 30 Ländern entstand 2005 das erste deutschsprachige Buch zum Thema (vierte Auflage 2012), gefolgt von Unterrichtsmaterialien mit Originaltönen von Zeitzeugen auf beiliegender CD im Jahre 2008 (Zweite korrigierte und erweiterte Auflage 2012).

Die Rolle von Nazikollaborateuren in der Dritten Welt war im Mai 2009 Schwerpunktthema in der Zeitschrift iz3w.

Am 1. September 2009, dem 70. Jahrestag des Kriegsbeginns in Europa (!), erlebte eine umfangreiche Wanderausstellung in Berlin ihre Premiere, die bis mindestens 2014 durch zahlreiche Städte touren wird, und von der auch kleinere Versionen in A1 und A2 z.B. für Schulen zur Verfügung stehen.

Diese Internetseite begleitet diese Ausstellung. Sie bietet Aktuelles und Hintergrundinformationen zum Projekt, Orte und Termine mit Begleitprogrammen sowie Fotos und Gästebücher der (Wander-)Ausstellung, Hinweise auf Publikationen, FilmeReferentInnenund ein Hiphop-Tanztheater zum Thema sowie Tipps für Veranstalter und Plakate zum downloaden. Es finden sich Unterrichtsmaterialien, Entwürfe für Unterrichtseinheiten und Arbeitsblätter für SchülerInnen, die die Ausstellung besuchen, sowie Aktionsbeispiele für Initiativen und Pressematerialien.
Das aufwändige Projekt war und ist auf Förderer angewiesen.
Recherche International e.V. bittet deshalb um Fördermitgliedschaften und Spenden auf das Konto 23 812 043 bei der Sparkasse KölnBonn, BLZ 370 501 98. Steuerabzugsfähige Spendenquittungen werden erteilt.

Vernissage: Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg (Osnabrück)

Mittwoch, 5. Mai 2010, 1850hEinen Kommentar schreibenKommentare

Die ambitionierte Ausstellung “Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg” wanderte nun nach Osnabrück ans Erich Maria Remarque-Friedenszentrum. Ein “vergessenes Kapitel der Geschichte” – so der Untertitel – wird auf diese Weise vielfältig beleuchtet.

African Colonial Soldiers in Boucle du Doubs

Am 1. September 1939 begann der Zweite Weltkrieg in Europa. In Afrika herrschte bereits seit1935 Krieg um Äthiopien (mit Soldaten aus 17 Ländern und 3 Kontinenten) und auch derjapanische Angriff auf China hatte bereits 1937 begonnen. Bis 1945 leisteten Millionen Soldaten aus der Dritten Welt freiwillig oder zwangsrekrutiert Militär- und Arbeitsdienste für die kriegführenden Kolonialmächte. Weite Teile der Dritten Welt – von der lateinamerikanischen Küste über Nordafrika und den Nahen Osten bis nach Indien, Südostasien und Ozeanien – dienten auch als Schlachtfelder und blieben nach Kriegsende verwüstet zurück.Die Ausstellung betrachtet jedoch die “Dritte Welt” nicht nur als Opfer, sondern beleuchtet auch die Kollaborateure mit den Achsenmächten. Die Ausstellung  von recherche international e.V. in Kooperation mit dem Rheinischen JournalistInnenbüro und das Begleitprogramm erinnern an diese in der hiesigen Geschichtsschreibung kaum berücksichtigten Aspekte. Auf den Seiten des Rheinischen JournalistInnenbüros finden sich weitere Informationen zumAusstellungskonzept.

Die Ausstellung wird im Rahmen des “Afrika Festivals 2010″ gemeinsam vom Aktionszentrum Dritte Welt, dem Erich Maria Remarque-Friedenszentrum und der Volkshochschule Osnabrückveranstaltet.

Eine Schulversion der Ausstellung wird im Graf-Stauffenberg-Gymnasium (Gottlieb-Planck-Str. 1, 49080 Osnabrück) am 11. Mai um 1130h eröffnet und bis 22. Juni gezeigt. Es gibt die Möglichkeit, sich von Schülern durch die Ausstellung führen zu lassen; Anmeldungen über Frau Hahn (Sekretariat): 0541-3803136.

Ein Begleitprogramm (freier Eintritt) im bietet weitere Informationen:

Dienstag, 11. Mai 2010, 1930h, Erich Maria Remarque-Friedenszentrum
Karl Rössel (Rheinisches JournalistInnenbüro, Köln); Vortrag mit Fotos und Originaltönen:
“Nur Kugeln unterschieden nicht zwischen Schwarzen und Weißen” – Afrika im Zweiten Weltkrieg

Mittwoch, 26. Mai 2010, 1930h, Erich Maria Remarque-Friedenszentrum
Albrecht Kieser (Rheinisches JournalistInnenbüro, Köln):
Afrika im Zweiten Weltkrieg: Billige Bodenschätze und Zwangsarbeiter

Dienstag, 1. Juni 2010, 1930h, Erich Maria Remarque-Friedenszentrum
Albrecht Kieser (Rheinisches JournalistInnenbüro, Köln):
Massaker der Wehrmacht in Frankreich

Freitag, 18. Juni 2010, 1800h, Vortragssaal der Volkshochschule, Bergstraße 8
Nataly Jung-Hwa Han und Tsukasa Yajima; Film und multimediale Präsentation:
“Trostfrauen” – Das Kriegsverbrechen der systematischen Zwangsprostitution durch das japanische Militär im Asien-Pazifik-Krieg (1937–1945)

Zur Vernissage spricht Bürgermeister Burkhard Jasper das Grußwort; der Kurator Karl Rössel vom Rheinischen JournalistInnenbüro hält einen Eröffnungsvortrag. Eine kostenfreie Kuratorenführung wird am 9. Mai um 1100h angeboten.

Ein Katalog (444 Seiten mit 415 Fotos, 29,50€) und didaktisches Begleitmaterial sind ebenso erschienen.

Die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg

http://www.wartist.org/blog/?p=585

https://www.google.com/search?q=Afrika+im+zweiten+Weltkrieg&client=aff-maxthon-maxthon4&channel=t6&tbm=isch&tbo=u&source=univ&sa=X&ei=u99WUqSbKMSBtAbztIDIBw&ved=0CEEQsAQ&biw=1021&bih=445&dpr=1#facrc=_&imgdii=_&imgrc=ZHGmRkYyYyjmLM%3A%3Bl70SG-NHkYL2YM%3Bhttp%253A%252F%252Fwww.asta.fh-koeln.de%252Fasv%252Fwp-content%252Fuploads%252F2010%252F12%252FPlakat_DIE_3__WELT_IM_2_WELTKRIEG_internet_Kopie.jpg%3Bhttp%253A%252F%252Fwww.asta.fh-koeln.de%252Fasv%252F%253Fp%253D349%3B1684%3B2384