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Fluchtwege nach Lampedusa

Das Schweigen brechen

borderline-europe ist als gemeinnütziger Verein unabhängig von politischen Parteien oder Regierungen. Unsere Arbeit ist als Akt des zivilen Widerstands gegen die Abschottung der EU und ihre tödlichen Folgen gedacht. Ziele sind die umfassende Information der Öffentlichkeit, die Vernetzung europäischer Initiativen und die Lobbyarbeit auf nationaler- und EU-Ebene.

Die täglichen Dramen
09.10.2013, Die Zeit

Europa kann den Flüchtlingen helfen

Viele Flüchtlinge sterben auf dem Weg nach Europa. Schaffen sie es doch, leben sie oft verarmt und unsicher. Drei Konzepte für eine humanere Aufnahmepolitik.

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Region(en): Europäische Union


09.10.2013, Frankfurter Rundschau

Lampedusa empfängt Barroso mit Buh-Rufen

EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso ist am Mittwoch bei einem Besuch der italienischen Flüchtlingsinsel Lampedusa von Protesten und „Schande“-Rufen empfangen worden. Demonstranten forderten Barroso und Italiens Regierungschef Enrico Letta auf, auch das überfüllte Aufnahmezentrum von Lampedusa zu besuchen, um sich ein Bild von der prekären Lage der Migranten dort zu machen.

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Region(en): Italien / Malta, Europäische Union


09.10.2013, Die Presse

“Der Brenner ist der neue Eiserne Vorhang”

Das italienische Nachrichtenmagazin L ́Espresso kritisiert die Zurückweisung von Flüchtlingen – die von Italien Richtung Nordeuropa weiterreisen wollen – an der österreichischen Grenze. „Der Brenner ist der neue Eiserne Vorhang. Österreich lässt keinen einzigen Flüchtling herein. In den vergangenen drei Monaten wurden 900 Flüchtlinge zurückgeschickt, hochschwangere Frauen mit inbegriffen. So wird der Brenner zum Symbol jenes Europas, das Migranten als interne italienische Angelegenheit betrachtet”, heißt es in einer aktuellen Reportage des linksorientierten Magazins.

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Region(en): Italien / Malta, Österreich / Schweiz


09.10.2013, ORF

Dutzende Flüchtlinge in Griechenland aufgegriffen

In Griechenland haben Küstenwache und Polizei in verschiedenen Landesteilen 79 Migranten aufgegriffen, einen Großteil von ihnen auf der Ostägäis-Insel Ikaria. Die aus Afghanistan, Pakistan, Somalia und Syrien stammenden Menschen seien aus der Türkei gekommen, teilte die Küstenwache heute mit. Einige Flüchtlinge und ein Schleuser wurden im westgriechischen Hafen von Igoumenitsa beim Versuch festgenommen, auf einer Fähre nach Italien zu gelangen.

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Region(en): Griechenland


09.10.2013, Süddeutsche

Lampedusa – und nichts ändert sich

Auch nach der Flüchtlingskatastrophe von Lampedusa hält die Europäische Union an der Grundausrichtung ihrer Flüchtlingspolitik fest. Mehrere Mitgliedsstaaten, darunter Deutschland, erteilten den Bitten Italiens eine Absage, das geltende System zur Aufnahme von Asylbewerbern zu ändern. Der gegenwärtige Mechanismus bleibe ‘selbstverständlich unverändert’, sagte Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) am Dienstag beim Treffen der EU-Innenminister in Luxemburg.

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Region(en): Italien / Malta, Deutschland, Europäische Union


09.10.2013, Spiegel Online

Flüchtlingsdebatte: Linke-Chef beschimpft Friedrich als Hassprediger

In Europa ist ein heftiger Streit über die Flüchtlingspolitik entbrannt. Die EU-Innenminister konnten sich nicht auf Änderungen der Asylpolitik einigen, gegen Neuerungen hatte sich auch Bundesinnenminister Friedrich ausgesprochen. Linkspartei-Chef Riexinger wirft ihm nun Stimmungsmache vor.

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Region(en): Italien / Malta, Deutschland, Europäische Union


08.10.2013, taz.de

„Nein, geh nicht!“

2011 kam der Ghanaer Johnson Takyi auf Lampedusa an, heute lebt er in Berlin. Obwohl er seinem Bruder abriet, wollte der ihm folgen – und ertrank. Am Wochenende hat Takyi erfahren, dass sein jüngerer, 32-jähriger Bruder Matin unter den mehr als 300 Toten des vor Lampedusa gesunkenen Flüchtlingsschiffs war. Takyi erzählt davon langsam und gedämpft, er knetet ein Kissen auf seinem Schoss. Seine Augen füllen sich immer wieder mit Tränen. Takyis Englisch ist schlecht, Zeltmitbewohner Abdullah und eine deutsche Helferin übersetzen.

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Region(en): Deutschland, Weltweit


08.10.2013, stol.it

Erneut 250 Flüchtlinge in Catania eingetroffen

Kein Ende der Flüchtlingswelle vor Italiens Südküste. Am Dienstagvormittag traf im Hafen der sizilianischen Stadt Catania ein Tanker mit Flagge aus Panama ein, der 250 Migranten, mehrheitlich aus Syrien und Palästina, gerettet hatte.

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Region(en): Italien / Malta


08.10.2013, Die Zeit

Flüchtlingspolitik entzweit mögliche Koalitionspartner

Noch zoffen die Koalitionspartner in spe sich eher über Steuern, Mindestlohn und Betreuungsgeld. Doch egal mit wem Angela Merkel künftig eine Regierung bilden wird: schon jetzt steht fest, dass auch die Flüchtlingspolitik noch Zündstoff liefern könnte. Nach der erneuten Tragödie von Lampedusa, die diesmal womöglich mehr als 300 Flüchtlingen das Leben kostete, ist das Thema in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Und zwischen Union auf der einen und Grünen und SPD auf der anderen Seite tun sich dabei erhebliche Gräben auf.

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Region(en): Deutschland, Europäische Union


08.10.2013, Wiener Zeitung

Verschlossenes Europa

Frei von Emotionen war die Debatte in der EU auch vorher nicht. Doch das Schiffsunglück vor der Insel Lampedusa heizt die Diskussion um Migration nach Europa weiter an. Und während vor der italienischen Küste weitere Leichen von Flüchtlingen geborgen wurden, setzten die Innenminister der EU bei einem Treffen in Luxemburg den Streit über mögliche Änderungen der Flüchtlingspolitik fort.

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Region(en): Europäische Union

08.10.2013, Salzburg 24

EU richtet nach Lampedusa-Tragödie Taskforce ein

Die EU-Innenminister haben sich nach der Flüchtlingstragödie von Lampedusa auf die Einrichtung einer Taskforce geeinigt. Der deutsche Innenminister Friedrich sagte am Dienstag in Luxemburg, diese sollte prüfen, wie die EU-Mittelmeerländer finanziell entlastet werden können. Im Rahmen der Frontex-Einheit Eurosur sollen zudem Boote leichter gefunden oder gar am Ablegen in Afrika gehindert werden.

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Region(en): Europäische Union


08.10.2013, Die Zeit

“Wir können da nichts machen”

Der deutsche Chefaufseher von Frontex verteidigt im Interview den Umgang der europäischen Grenzschutzagentur mit Flüchtlingen. Er sieht die Politik in der Pflicht.

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Region(en): Europäische Union


08.10.2013, Die Zeit

Flüchtlinge auf Lampedusa rebellieren gegen Unterbringung

Auf der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa haben Flüchtlinge gegen ihre Unterbringung in einem Auffanglager protestiert. Sie warfen Matratzen aus den Gebäuden und versuchten, Busse mit Neuankömmlingen auf dem Weg ins das überfüllte Lager aufzuhalten. Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR teilte mit, die Lebensbedingungen in der Einrichtung seien “vollkommen inakzeptabel”. Nach einem Brand im Herbst 2011 ist das Auffanglager nur noch auf 250 Menschen ausgelegt, zuletzt waren aber mehr als tausend Insassen dort untergebracht.

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Region(en): Italien / Malta


07.10.2013, Das Erste

Lampedusa-Tragödie und EU-Flüchtlingspolitk

In Europa werden Rufe nach einer grundlegenden Reform der Flüchtlingspolitik lauter. Auch Deutschland soll mehr Menschen aufnehmen. EU-Parlamentspräsident Martin Schulz hat die Bundesregierung nach der Boots-Katastrophe vor Lampedusa aufgefordert, zusätzliche Flüchtlinge aufzunehmen. Schulz sagte, die Menschen müssten in Zukunft gerechter auf die EU-Mitgliedsstaaten verteilt werden und das heiße auch, dass Deutschland mehr Flüchtlinge aufnehmen müsse.

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Region(en): Italien / Malta, Deutschland, Europäische Union


07.10.2013, der Standard

85 weitere Leichen vor Lampedusa geborgen

Mehrere Tage nach der Flüchtlingskatastrophe vor der italienischen Insel Lampedusa haben Taucher Dutzende weitere Tote geborgen. Wie die Küstenwache mitteilte, wurden am Sonntag die Leichen von 83 ertrunkenen afrikanischen Bootsflüchtlingen an die Wasseroberfläche gebracht, darunter sechs Kinder. Am Montag wurden zwei weitere Leichen von Frauen gefunden. Damit wurden nach Behördenangaben bisher 196 Menschen tot geborgen. Mehr als 100 werden weiter vermisst.

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Region(en): Italien / Malta


07.10.2013, Süddeutsche Zeitung

Flüchtlingspolitik der EU – Kein Platz im Boot

Der Massentod vor Lampedusa ist Teil der EU-Flüchtlingspolitik, er gehört zur Abschreckungsstrategie. Die Außengrenzen des Friedensnobelpreisträgers wurden so dicht gemacht, dass es auch für Humanität kein Durchkommen gibt. Über die Menschenverachtung der Schmuggler kann man lamentieren – aber sie kann nur gedeihen, weil es in der EU-Politik keine Achtung vor Flüchtlingen gibt.

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Region(en): Italien / Malta


06.10.2013, Die Welt

“Regierung muss sich stärker in Brüssel einmischen”

Wegen der Flüchtlingstragödie vor der italienischen Insel Lampedusa mit vermutlich mehr als 300 Toten stellt die EU ihre Einwanderungspolitik auf den Prüfstand. Frankreich will das Thema auf die Agenda des EU-Gipfels Ende Oktober setzen. Über den Untergang des Flüchtlingsboots soll auch am Dienstag bei einem Treffen der EU-Innenminister in Luxemburg diskutiert werden.

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Region(en): Europäische Union


06.10.2013, Die Welt

Lampedusa zeigt Europa: Es wird Zeit zu helfen

So viele Tote. So viele Tränen – dort, wo man die Toten sieht. So viele Worte – berührende des Papstes und des Bundespräsidenten, weniger berührende zum Beispiel aus Brüssel. Flüchtlingspolitik sei ein Problem der EU-Nationalstaaten, sagt die Kommission. Juristisch ist das korrekt, und es gibt ja auch nicht viele, die die Kommissare in ihrem Drang nach Regeln und Verboten lieben. Aber die EU-Kommission regelt Glühbirnen und Duschköpfe. Jetzt will sie wegschauen, wenn es um Menschenköpfe im Wasser geht?

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Region(en): Italien / Malta, Europäische Union


Politiker wollen das Botschaftsasyl wieder einführen

Der Untergang des Flüchtlingsboots vor Lampedusa schockiert Schweizer Parlamentarier. FDP-Politiker bringen deshalb das Botschaftsasyl wieder aufs Tapet. Der Solothurner FDP-Nationalrat Kurt Fluri, Dossierführer seiner Partei in Asylfragen, plädiert gegenüber der Zeitung «Schweiz am Sonntag» für eine Vorwärtsstrategie. Um das Schlepperwesen zu bekämpfen, will Fluri über das erst dieses Jahr abgeschaffte Botschaftsasyl diskutieren.

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Region(en): Österreich / Schweiz


06.10.2013, Südtirolnews

Österreich hat 1500 Flüchtlinge nach Italien zurückgeschickt

In den vergangenen Monaten hat sich auch an der Brennergrenze eine Zunahme von Flüchtlingen, die versuchen nach Norden auszureisen, bemerkbar gemacht. Seit Jahresbeginn haben die österreichischen Exekutivbehörden über 1.500 illegale Einwanderer gestoppt, an der Einreise gehindert und wieder zurück nach Italien geschickt. Über die Hälfte davon – 881 Personen – wurde allein in den vergangenen drei Monaten identifiziert.

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Region(en): Italien / Malta, Österreich / Schweiz

 

20.09.2013

Der Jahresbericht 2012 von borderline-europe ist da!

Unter “Lesetipps” finden Sie den borderline-europe Jahresbericht von 2012.

Mehr lesenSprache(n): Deutsch / German

Video & Radio
04.10.2013

“Left to die”: Wie EU, Frontex und NATO Flüchtlinge im Mittelmeer sterben lassen

Kein Meer ist so gut überwacht wie das Mittelmeer, nicht nur von Frontex, sondern auch von der NATO und den Küstenwachen. Dass trotzdem so viele Menschen ertrinken, liegt, so Charles Heller von der Organisation „Watch the Med”, an unterlassener Hilfeleistung. Ein Beispiel ist der Tod von 72 Migranten, die im März 2011 vor der libyschen Küste ertranken, obwohl sie längst von der Seeüberwachung erfasst waren und mehrfach Kontakt mit Schiffen und Hubschraubern hatten. „Watch the Med” dokumentiert Menschrechtsverletzungen durch Frontex und andere Grenzschutzbehörden, um damit den Weg für eine Strafverfolgung der Verantwortlichen zu ebnen.

 

Sprache(n): Deutsch / German


30.09.2013

Lampedusa, Ankunftsort für syrische Flüchtlinge

Die italienische Insel Lampedusa empfängt die mit Migranten besetzten Boote. Immer mehr syrische Flüchtlinge zwängen sich auf diese Boote, um dem Konflikt in ihrer Heimat zu entfliehen. Die Koordinatoren des UNHCR organisieren den logistischen Teil der Anlandungen. Die Flüchtlinge werden in das überfüllte Erstaufnahmezentrum begleitet, bevor sie dann aufs Festland gebracht werden, um dort Papiere zu erhalten – oder auch nicht.

Zum BeitragSprache(n): Französisch / Français


17.09.2013

Migranten stürmen Zaun nach Melilla

Hunderte von Migranten versuchten, den Zaun zwischen Marokko und Melilla zu überqueren. Über hundert haben es tatsächlich geschafft.

 

Sprache(n): Spanisch / Español


04.09.2013

Stationen einer Flucht

Dickson Mobosi wurde von Gaddafis Soldaten nach Lampedusa gebracht, dort wurde er auf ein UN-Schiff geschickt, das Flüchtlinge ans italienische Festland nach Bari mitnahm.

Zum BeitragSprache(n): Deutsch / German


28.08.2013

Syrische Flüchtlinge vor Sizilien gerettet

Die italienische Küstenwache hat 350 syrische Flüchtlinge gerettet, die vor der Küste Siziliens in Seenot geraten waren. Unter den Geborgenen war auch ein vier Tage altes Baby. Das kleine Mädchen war während der Überfahrt auf die Welt gekommen. Der Chef der Hafenbehörde rechnet angesichts der Lage in Syrien mit weiteren Flüchtlingen.

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Migranten aus Afrika

Viele Wege führen nach Lampedusa

Auslandnachrichten Dossier: Migration Heute, 06:00
Überlebende des Schiffsunglücks vor Lampedusa, das vergangene Woche rund 300 Migranten das Leben gekostet hat.
Überlebende des Schiffsunglücks vor Lampedusa, das vergangene Woche rund 300 Migranten das Leben gekostet hat. (Bild: Keystone / EPA)
Die Krisen in Nordafrika haben die Migrationswege durch die Sahara nur vorübergehend blockiert. Zugenommen haben aber Flüchtlingsströme aus Syrien sowie vom Horn von Afrika nach Libyen und von dort nach Italien.
Markus M. Haefliger, Nairobi

Die Bootstragödie vor Lampedusa wird vermutlich nicht die letzte sein. In Libyen warten Zehntausende von Migranten auf eine Gelegenheit für die Überfahrt nach Europa. Laut der europäischen Grenzbehörde Frontex und der International Organisation of Migration (IOM) haben die Überfahrten von Libyen nach Italiendieses Jahr sprunghaft zugenommen. Die Zahlen liegen ähnlich hoch wie vor zwei Jahren, mit dem Unterschied, dass damals Libyer und Tunesier vor den Wirren in ihren Ländern ausgewichen waren, während jetzt vor allem Kriegsflüchtlinge aus Syrien und Migranten vom Horn von Afrika die Überfahrt wagen.

Syrer und Eritreer

Laut der IOM gelangten 2011 etwa 60 000 Bootsmigranten von Libyen nach Italien, alleine 52 000 von ihnen gingen auf Lampedusa an Land. Unzählige kamen in den Fluten ums Leben – nach einer Aufstellung von Migreurop, einer Nichtregierungsorganisation, 1800 Bootsflüchtlinge allein in jenem Jahr. Im Jahr darauf ging die Zahl der Migranten auf 13 000 zurück. Als Gründe für den Rückgang werden die Unsicherheit in Libyen und die Tatsache genannt, dass Schlepper die jetzigen Routen noch nicht organisiert hatten. Dies änderte sich dieses Jahr. Bis Ende September hatten 31 000 Migranten von Libyen her Italien erreicht. Seit August hätten die Überfahrten nochmals zugenommen, sagt Simona Moscarelli vom IOM-Büro in Rom.

Syrer, die bis Anfang 2012 über die türkisch-griechische Grenze nach Europa kamen oder in Ägypten gestrandet waren, suchen nun einen Weg über Italien. Die Strecke über Griechenland wurde ihnen mit einer intensivierten Überwachung verbaut. Meist erreichten sie Ägypten auf dem Luftweg und gelangten direkt von Alexandria nach Syrakus in Sizilien, andere nähmen den Umweg über Libyen, sagt Moscarelli. Mit 8000 Flüchtlingen bilden Syrer eine der beiden wichtigsten Gruppen. Der Andrang ist immens – in Ägypten sind derzeit rund 100 000 Syrer gestrandet. Die zweite bedeutende Gruppe, ebenfalls mit bisher 8000 Flüchtlingen im laufenden Jahr, besteht aus Eritreern.

Die entsprechenden Migrationsbewegungen nahmen dieses Jahr noch zu. Eine stalinistische Parteiherrschaft und die Paranoia des Diktators Isaias Afewerki sorgen dafür, dass Buben und Mädchen ab dem Alter von 15 Jahren für die Streitkräfte rekrutiert werden. Die Dienstpflicht gilt weit über die vorgesehenen zwei Jahre hinaus, und weil es für eine derart aufgeblähte Volksarmee weder eine Verwendung gibt noch dazu Mittel zur Verfügung stehen, werden Dienstpflichtige zur Zwangsarbeit in Staatsfarmen und zum Bau von Strassen und Infrastrukturprojekten beordert. Der Zustand dauert schon so lange an, dass die Militärhierarchie durch Vasallentum wie im Mittelalter überlagert wird: Wer kann, leistet für Vorgesetzte Fronarbeit und hofft auf Vergünstigungen. Wer dies nicht kann, sucht das Weite.

Skrupellose Schlepper

Laut dem von der EU unterstützten Mixed Migration Secretariat für das Horn von Afrika in Nairobi flüchten pro Monat zwei- bis dreitausend Eritreer. Die wichtigsten Routen führen nach Kassala in den Sudan und von dort nach Kufra in Libyen sowie nach Jemen und in die Golfstaaten. Meist halten sich die Flüchtlinge einige Monate in einem Transitland auf, verdienen etwas Geld und organisieren die Weiterreise. Einen ähnlichen Weg nehmen Somalier. Von den Bootsflüchtlingen, die dieses Jahr via Libyen nach Italien gelangt sind, machen sie mit 3000 Migranten allerdings einen kleineren Anteil aus.

Wer kann, nimmt das Flugzeug, auch, um den Peinigungen durch Schlepperorganisationen zu entkommen. An der eritreisch-sudanesischen Grenze arbeiten diese mit korrupten Angehörigen der eritreischen Obrigkeit zusammen, die ein Auge zudrücken, wenn junge Eritreer das Land verlassen oder, was das Gleiche ist, desertieren. Die Schlepper entstammen häufig den Rashaida, einer aufrührerischen Ethnie im Osten des Sudans. Laut einem Bericht des Uno-Flüchtlingshilfswerks machen sich ihre Stammesoberhäupter der Verschleppung von Migranten schuldig, die sich auf eigene Faust auf die Reise machen. Es ist bekannt, dass Rashaida an der Wegstrecke nach Ägypten mit Beduinen im Sinai kooperieren, die ebenfalls von Migranten Schutzgelder erpressen. Die Küstenroute hat als Folge der restriktiven Asylpolitik Israels allerdings an Bedeutung verloren.

Auch in Libyen sind Migranten Unbill ausgesetzt. Die MenschenrechtsorganisationAmnesty International kritisiert, afrikanische Migranten würden unter unmenschlichen Bedingungen festgehalten. Schwarzafrikaner, die von Westafrika her nach Libyen gelangen, beklagen sich über rassistische Übergriffe. Libysche Milizen bieten sich einmal als Schlepper für die Überfahrt nach Italien an und kassieren dafür zwischen 1000 und 2000 Dollar pro Flüchtling, dann wieder nehmen sie die schutzlosen Migranten fest. Eine Eritreerin versicherte letzte Woche einem Reporter der französischen Agentur AFP, sie sei in der genannten Weise drei Mal hintereinander abgezockt worden.

Auch Spanien unter Druck

Aus Ghana, Gambia und Nigeria kamen 2013 bisher je rund tausend Migranten über Libyen nach Italien. Nach einem Unterbruch wegen der libyschen und der malischen Wirren werden die Routen über Agadez in Niger und Sabha im Süden Libyens wieder vermehrt benutzt. Eine andere Route führt von Senegal und Mali über die porösen Grenzen nach Mauretanien und von dort der Atlantikküste entlang nach Tanger. Die Strecke hat die gefährliche Seeroute von Senegal zu den Kanarischen Inseln abgelöst, über die 2006 noch rund 40 000 Bootsflüchtlinge nach Europa gelangt waren. Spanische und senegalesische Schnellboote und Flugzeuge überwachen nun mit Unterstützung der EU die Strecke; letztes Jahr gingen noch 3800 Bootsflüchtlinge auf den Kanarischen Inseln an Land.

Dafür kommt die Meerenge von Gibraltar unter Druck. Die spanische Küstenwache griff dieses Jahr rund tausend Bootsflüchtlinge auf und kämpft laut eigenen Aussagenmit dem Problem, dass Europa von Tanger aus zum Greifen nahe scheint. Migranten liessen oft jede Vorsicht fahren und versuchten in aufblasbaren Gummibooten überzusetzen, heisst es in einem Bericht.

http://www.nzz.ch/aktuell/international/auslandnachrichten/viele-wege-fuehren-nach-lampedusa-1.18164375#