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Afrikaner in Deutschland

Lampedusa-Flüchtlinge: Hamburg stellt Ultimatum

Bis Mittwoch müssen sich Afrikaner bei Behörden melden. Pastor befürchtet Abschiebung. Vergangenen Freitag hat die Polizei begonnen, die Identitäten der Afrikaner offensiv festzustellen.

Von Kristina Johrde und Andreas Ulrich

Foto: Kristina Johrde 

Andreas aus Ghana gehört zu der Lampedusa-Gruppe

Andreas aus Ghana gehört zu der Lampedusa-Gruppe

Hamburg. Die Lage für die Flüchtlinge der sogenannten Lampedusa-Gruppe spitzt sich zu. Innensenator Michael Neumann (SPD) kündigte an: Bis Mittwoch sollen sich die Flüchtlinge mit ihren Anwälten bei den Behörden melden und einen Aufenthaltsantrag stellen. Es gibt drei Möglichkeiten: Asylantrag, Duldung oder ein Bleiberecht aus humanitären Gründen. “Wer sich bis dahin nicht meldet, kann zur Fahndung ausgeschrieben werden”, erklärte der Innensenator. Ziel sei es, die rechtliche Situation der Flüchtlinge zu klären.

Vergangenen Freitag hat die Polizei begonnen, die Identitäten der Afrikaner offensiv festzustellen. Sie wurden überprüft und zur erkennungsdienstlichen Behandlung in Gewahrsam genommen. Sie wurden fotografiert, ihre Finderabdrücke genommen und ihre persönlichen Daten gespeichert. Damit hat die Auseinandersetzung zwischen Flüchtlingen, ihren Unterstützern und dem Senat weiter an Schärfe zugenommen. Andererseits haben die Überprüften jetzt eine Duldung bis zur Klärung ihres Aufenthaltsstatus und halten sich damit legal in Deutschland auf.

Wie viele Flüchtlinge der sogenannten Lampedusa-Gruppe in Hamburg leben, ist nicht genau bekannt. Es sollen etwa 300 sein, rund 80 von ihnen haben eine Bleibe in der St.-Pauli-Kirche gefunden. “Wir gewähren kein Kirchenasyl. Das ist ein Akt der humanitären Nothilfe”, sagt Pastor Sieghard Wilm.

Wilm ist froh, dass seine Gemeinde und viele Menschen auf St. Pauli sich um die Flüchtlinge kümmern. “Es ist erschreckend, dass der Senat dieses Engagement nicht würdigt”, sagt Wilm. Es sei eine menschliche Pflicht zu helfen, “egal in welchem rechtlichen Zustand sich jemand befindet”.

Es ist Sonntag, eigentlich wollte Wilm die Wäsche aufhängen. Doch die Hilfe für die Flüchtlinge nimmt so viel Zeit in Anspruch, dass er selbst dazu kaum kommt. “Die letzten Monate haben mich total verändert. Nichts ist so, wie es einmal war.”

Für Wilm ist die Situation in seiner Kirche stellvertretend für die gesamte Flüchtlingsproblematik in Europa. Hier stehe geltendes Recht gegen menschliche Schicksale. Der Senat setze auf Härte und nutze den vorhandenen Spielraum nicht aus. Dabei hätten bereits deutsche Gerichte die Rückführung der Fluchtlinge nach Italien aus humanitären Gründen abgelehnt. In Hamburg aber werde die Hilfe für die Flüchtlinge als Beihilfe zum illegalen Aufenthalt und damit als Straftat gewertet.

Andreas ist einer der Flüchtlinge, die in der St. Pauli-Kirche Unterschlupf gefunden haben. Er sei 30 Jahre alt und gehöre einer ethnischen Minderheit im Norden Ghanas an, erzählt er. Zurück könne er nicht, weil er Gewalt fürchte. In seiner Heimat habe er Marketing studiert und für eine Versicherung gearbeitet. In Libyen habe er auf dem Bau geschuftet und Geld an seine Mutter in Ghana geschickt. Das könne er nun nicht mehr.

Andreas will in Hamburg arbeiten und ein selbstbestimmtes Leben führen. “Ich träume von einer eigenen Wohnung, einer Frau und vielen Kindern. In Italien sei er nicht gut behandlet worden, in Mailand habe er ein Zimmer mit 40 Männern teilen müssen, es habe kaum zu essen gegeben. “Wir waren Gefangene ohne Rechte”, sagt er. Italienische Beamte hätten ihm dann ein Touristenvisum und 500 Euro in die Hand gedrückt. “Ich sollte gehen.”

So wie ihm ist es den meisten Flüchtlingen der Lampedusa-Gruppe gegangen, sagt Pastor Wilm. Sie kämen aus den verschiedensten Ländern Afrikas, vorwiegend aus Ghana, Mali und der Elfenbeinküste. “Die meisten wollen hier arbeiten und in ihre Heimat zurückkehren, wenn die politische Lage es zulässt”, sagt der Pastor. “Viele dieser Menschen wollen einen Aufenthaltstitel und sind nicht einmal bereit, uns ihre Namen zu nennen”, sagt Innensenator Neumann. Das könne er nicht akzeptieren. Die Flüchtlinge müssten sich in das rechtsstaatliche Verfahren begeben, dann könne entschieden werden, welche Möglichkeiten des Aufenthalts infrage kämen. Neumann: “Wenn sie das machen, bekommen sie Unterkunft, Verpflegung und medizinische Hilfe.” Nach Auskunft von Wilm hätten Anwälte aber davon abgeraten, weil sie unverzügliche Rückführung nach Italien befürchteten. “Ich bete jeden Abend dafür, dass die Lage nicht eskaliert”, sagt der Pastor.

Am Sonntag demonstrierten 21 Unterstützer der Lampedusa-Gruppe vor dem Rathausportal. Sie kündigten eine Großdemo für den 2. November an. Die Polizei ließ die Demonstranten gewähren, die sie hauptsächlich der autonomen Szene zuordneten.

http://www.abendblatt.de/hamburg/hamburg-mitte/article120879863/Lampedusa-Fluechtlinge-Hamburg-stellt-Ultimatum.html

Homepage der Flüchtlingsgruppe:

Protest nach rassistischer Hetzjagd auf Mitglieder von “Lampedusa in Hamburg”

Veröffentlicht am 12.10.2013

Am Freitag (11.10.2013) hat eine rassistische Polizeioperation gegen Mitglieder der Gruppe begonnen, in deren Verlauf mehrere Mitglieder der Gruppe von der Polizei festgenommen wurden und zur Feststellung der Identität an die Ausländerbehörde überstellt wurden. Alle Gefangenen sind mit Meldeauflagen wieder freigekommen, eine Zusammenfassung der Geschehnisse gibt es in diesem NDR Artikel.

Am Freitagabend hat deshalb eine erste Spontandemonstration mit über 800 Teilnehmer_innen, darunter auch viele Mitglieder der Gruppe “Lampedusa in Hamburg” , stattgefunden. Da jedoch davon ausgegangen wird, dass die Polizei die Operation über das Wochenende weiter fortführen wird, wird für Samstag (12.10.2013) zu weiteren Protestaktionen aufgerufen:

Treffpunkt:
12 Uhr Park Fiction (St. Pauli Fischmarkt 19)

Schwerpunkt der rassistischen Kontrollen sind St. Pauli und St. Georg, zeigt Präsenz und greift bei rassistische Polizeiaktionen ein. Der Ermittlungsausschuss Hamburg ist morgen den ganzen Tag besetzt und unter der Nummer 040 43278778 erreichbar, falls ihr selbst Ärger mit der Polizei habt oder etwas beobachtet (hier bitte große Vorsicht, Gerüchte helfen niemandem!).

Hier noch einige hilfreiche Tipps von der “Kampagne für Opfer rassistischer Polizeigewalt” dazu, was die Polizei darf und was nicht, und hier noch eine allgemeine Petition gegen Racial Profiling.

“Lampedusa in Hamburg” lässt sich weder einschüchtern noch durch Polizeiwillkür vertreiben. Gehen wir zusammen auf die Straße und zeigen dem Senat und der Polizei, was wir von dieser rassistischen Scheiße halten!

LAMPEDUSA IN HAMBURG – HERE TO STAY!

http://lampedusa-in-hamburg.tk/

 

 

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Völkerschau bezeichnet eine Zurschaustellung von Angehörigen eines fremden Volkes. Blütezeit der Völkerschauen in Europa war zwischen 1870 und 1940. Allein in Deutschland wurden in dieser Zeit über 300 außereuropäische Menschengruppen vorgeführt. Teilweise wurden in diesen „anthropologisch-zoologischen Ausstellungen“ gleichzeitig über 100 Menschen zur Schau gestellt.[1]Völkerschauen waren Massenveranstaltungen, die ein millionenfaches Publikum in Europa undNordamerika anlockten. Sie fanden auch abseits der Großstädte in mittelgroßen und kleinen Städten statt.[2]

http://de.wikipedia.org/wiki/V%C3%B6lkerschau

Deutsche Afrika-Schau

Die Deutsche Afrika-Schau war eine an das Konzept der Völkerschauen anknüpfende Wanderschau, die mit Unterstützung dernationalsozialistischen Behörden von 1936 an durch das Deutsche Reich reiste, bis sie 1940 verboten wurde. Das Unternehmen sollte inDeutschland lebenden Schwarzen eine Verdienstmöglichkeit bieten und diese gleichzeitig unter staatlicher Kontrolle halten. Die Wanderschau warb im Sinne der NS-Propaganda für die Rückgewinnung der ehemaligen deutschen Kolonien.

Die Anfänge als Jahrmarktschau[Bearbeiten]

Die Deutsche Afrika-Schau ging aus einer als „Negerdorf“ bezeichneten Jahrmarktschau hervor, einem weitgehend selbstorganisierten Unternehmen, in dem Schwarze auf Jahrmärkten und Schützenfesten auftraten. Leiter der Schau waren Adolf Hillerkus, ein mit der Tochter einer Österreicherin und eines Liberianers verheirateter weißer Deutscher, und der aus Togo stammende Deutsch-Afrikaner Kwassi Bruce, der auch als Darsteller auftrat. 1935 wandten sich die Betreiber der Schau an das Auswärtige Amt, um eine offizielle Erlaubnis zum Auftreten zu erhalten. Im Februar 1936 wurde ihnen eine „Unbedenklichkeitserklärung“ ausgestellt, das Propagandaministerium unterstützte von nun an die Schau.[1] Nachdem das Unternehmen infolge eines Transportunfalls im Sommer 1936 in finanzielle Not geraten war, übernahm die „Deutsche Arbeitsfront“ (DAF) die Verantwortung für die Schau, die nun offiziell „Deutsche Afrika-Schau“ hieß.

Vereinnahmung durch die Kolonialpropaganda[Bearbeiten]

Im nationalsozialistischen Deutschland wurden Schwarze aus der deutschen Volksgemeinschaft ausgeschlossen und gleichzeitig für die Ziele der Kolonialpolitik vereinnahmt. Das Auswärtige Amt, das für die Wiedererlangung der 1918 verlorenen deutschen „Schutzgebiete“ eintrat, sah die zunehmende Diskriminierung der Schwarzen im NS-Staat mit Sorge, da dies im Ausland die Auffassung verstärkte, Deutschland sei nicht in der Lage, Kolonien zu verwalten. Die Deutsche Afrika-Schau sollte deshalb den für staatenlos erklärten Kolonialmigranten, die kaum noch Arbeit fanden, eine Verdienstmöglichkeit eröffnen.

In den letzten Jahren ihren Bestehens erfolgte eine zunehmende kolonialpolitische Ausrichtung der Deutschen Afrika-Schau. Anfang 1939 wurde sie in das „Deutsche Volksbildungswerk“ und damit direkt in den NS-Propagandaapparat eingegliedert. Die Vorführungen sollten den Mythos des „treuen Askari“ verbreiten – des schwarzen Kolonialsoldaten, der im Ersten Weltkrieg loyal an der Seite des Deutschen Reiches gekämpft hatte. Damit sollte die Verbundenheit der ehemaligen Schutzbefohlenen mit den deutschen Kolonialherren und gleichzeitig deren Unterlegenheit betont werden. Für eine solche Inszenierung war es notwendig, die Schaumitglieder, die häufig in Deutschland geboren waren, als „reinrassige Eingeborene“ zu präsentieren, deren „Sitten und Gebräuche“ nichts mit der deutschen Kultur zu tun hatten.

Die Deutsche Afrika-Schau als Lager[Bearbeiten]

Nachdem die Deutsche Afrika-Schau der Deutschen Arbeitsfront unterstellt worden war, wurde sie zunehmend zu einem Instrument der rassenpolitischen Kontrolle umfunktioniert. Der Betreiber Hillerkus wurde angewiesen, darauf zu achten, dass Angehörige der Schau keinen Geschlechtsverkehr mit Weißen hatten.[2] Anfang 1937 übertrugen die Behörden die Schau wegen finanzieller Probleme an den Zirkusunternehmer Alfred Schneider, der die Mitglieder zu einer „strenggeschlossenen Gemeinschaft“ zusammenschließen wollte. Zu diesem Zeitpunkt verließen Hillerkus und Bruce die Schau, die von nun an unter direkter Kontrolle der NSDAP und der Behörden stand. Wegen seiner Verschuldung gab Schneider bereits im Mai 1937 die Leitung ab, nach einigen Monaten Pause übernahm der Kaufmann Georg Stock das Unternehmen. Im Herbst 1937 entließ er einen Mitarbeiter, nachdem dieser andere Schaumitglieder belästigt hatte – ein Schritt, den die DAF ablehnte: Der Mann solle aus „rassepolitischen Gründen“ wieder in die Schau „eingereiht“ werden.[3]

Im Oktober 1938 gab es Planungen der NS-Behörden, mittels einer speziellen Polizeiverordnung alle Schwarzen, die aus den ehemaligen Schutzgebieten stammten und sich in Deutschland aufhielten, in der Afrika-Schau zusammenzufassen, dazu wurde eine Liste mit 80 Namen zusammengestellt. Das Vorhaben wurde nicht umgesetzt, da das Auswärtige Amt negative Auswirkungen im Ausland befürchtete. In den späten 30er Jahren nahm die Deutsche Afrika-Schau immer mehr den Charakter eines Lagers für schwarze Männer an. Menschen, die nicht aus den deutschen Kolonien stammten, sollten ebenso ausgeschlossen werden wie schwarze Frauen. „Mischlinge“, häufig Kinder der Schaumitglieder von deutschen Frauen, wurden ebenso ausgeschlossen.[4]

Das Programm zwischen Varieté und Völkerschau[Bearbeiten]

Das Programm der Deutschen Afrika-Schau veränderte sich im Zuge der Vereinnahmung durch den nationalsozialistischen Staat. Anders als in der klassischen Völkerschau standen zunächst nicht die Präsentation von „Eingeborenen“ in ihrer „natürlichen Umgebung“ im Vordergrund, auch wenn die Einteilung der Darsteller in eine „Gruppe Alt-Afrika“ und eine „Südsee-Gruppe“ einen Bezug zu den ehemaligen deutschen Kolonien in Afrika und Ozeanien herstellte. Neben exotischen Inszenierungen wie „Speertänzen“ wurden auch akrobatische Kunststücke und eine „Tanzparodie“ gezeigt. Die Schau orientierte sich an populären Unterhaltungsveranstaltungen der Zeit und erinnerte vom Aufbau an einVarieté. Interessierte konnten außerdem eine kleine „völkerkundliche“ Ausstellung besuchen und in Verkaufsbuden exotische Artikel wie Kaurimuscheln und Kaffee erwerben.[5]

Nachdem die Schau in den Dienst der Kolonialpropaganda gestellt worden war, sollten sich die Darsteller „stilechter“ kleiden, einLichtbildervortrag erinnerte an die ehemaligen deutschen „Schutzgebiete“. Mit dem Aufbau eines 900 Quadratmeter großen „Eingeborenendorfs“ wurde die Schau dem Modell der Völkerschauen angeglichen.[6]

1939 erfolgte eine völlige Umgestaltung der Deutschen Afrika-Schau: Sie wurde aus dem Jahrmarktsmilieu herausgelöst und trat nur noch in angemieteten Sälen auf. Um der Kritik an der mangelnden Authentizität der Schau zu begegnen, verschwanden Artistiknummern aus dem Programm, die Schaumitglieder sollten nur noch die „Sitten und Gebräuche ihrer Heimat vorführen“. Weiße „Afrika-Experten“ sorgten für die vermeintliche Authentizität, indem sie die Tänze mit den Schaumitgliedern einstudierten.[7] Einzelne Mitglieder wurden in Militäruniformen als „treue Askari“ präsentiert.

Die Schaumitglieder und das Publikum[Bearbeiten]

Der Kolonialrevisionismus und Askari-Mythos bot für Schwarze eine zentrale Strategie, sich gegen den zunehmend gewalttätigen Rassismus zu wehren. Sie präsentierten sich als „deutsche Soldaten“ und wehrten sich so gegen eine rassistische Abwertung. Ein Teilnehmer berichtete von seinem Sohn, der als Wehrmachtssoldat an der Front kämpfte. Die NS-Behörden versuchten zu verhindern, dass bekannt wurde, dass einige der Schaumitglieder mit weißen Frauen verheiratet waren. Äußerungen von Schaumitgliedern, welche die Grenze zwischen schwarzen Darstellern und weißem Publikum verwischten, führten immer wieder zu Beschwerden. So sollen einige Darsteller die Besucher mit „Landsleute, deutsche Volksgenossen“ angesprochen haben und ihre Tänze mit dem bayerischen Schuhplatteln verglichen haben.[8]Teilnehmer der Afrika-Schau erklärten dem Publikum, dass die meisten von ihnen nie in den Kolonien gewesen seien, einer sei „amerikanischer Neger“, verschiedene lebten seit ihrer Kindheit in Deutschland“.[9]

Über das Leben der Schaumitglieder ist wenig bekannt. Zwar verschlechterten sich die Arbeits- und Lebensbedingungen immer mehr, jedoch wurden sie auch von ihrem letzten Betriebsleiter Georg Stock nicht daran gehindert, sich an den Gastspielorten frei zu bewegen.[10] Frauen, die 1936 noch ein Drittel der Schaumitglieder ausgemacht hatten, wurden nach und nach in den Hintergrund gedrängt und aus der Schau ausgeschlossen.

Das Ende der Deutschen Afrika-Schau[Bearbeiten]

Die letzte Tournee führte die Deutsche Afrika-Schau von Oktober 1939 durch die „Ostmark“. Auf Anweisung der Reichspropagandaleitung der NSDAP wurde die Schau am 21. Juni 1940 ohne vorherige Ankündigung eingestellt. In den Monaten zuvor hatte die NS-Propaganda eine Kampagne gegen den Einsatz französischer Kolonialtruppen an der Westfront gestartet. Die Stilllegung der Schau begründeten die NS-Behörden damit, es könne nicht Propaganda gegen die „schwarze Schmach“ gemacht werden, wenn in Deutschland Afrikaner auf die Bühne gestellt werden. Die Historikerin Susann Lewerenz geht allerdings davon aus, dass die Schwarze-Schmach-Kampagne eher Anlass als ausschlaggebender Grund für die Schließung der Afrika-Schau gewesen ist. Im Vordergrund habe die Erfahrung gestanden, dass sich der Raum der Deutschen Afrika-Schau nicht so wie erwünscht habe kontrollieren lassen, es sei nicht gelungen, „eine eindeutige Differenz zwischen Schaumitgliedern und Publikum herzustellen“.[11] Außerdem waren nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs die Bemühungen um die Rückgewinnung der deutschen Kolonien in den Hintergrund gerückt. Das Verbot des Auftretens schwarzer Menschen in Deutschland, das bereits im November 1939 von der Reichspropagandaleitung beschlossen worden war, besiegelte das Ende der Deutschen Afrika-Schau. Bemühungen für eine Wiederzulassung durch die Kolonialabteilung des Auswärtigen Amtes und der „Deutschen Gesellschaft für Eingeborenenkunde“ blieben erfolglos.

Über das weitere Schicksal der Schaumitglieder ist wenig bekannt. Einige arbeiteten danach als Komparsen in der Filmbranche, einige überlebten die Zeit des Nationalsozialismus nicht. Jonas Alexander N’doki wurde 1942 wegen versuchter Notzucht hingerichtet, Bayume Mohamed Husen starb 1944 im KZ Sachsenhausen.[12]

Literatur[Bearbeiten]

  • Bechhaus-Gerst, Marianne/Klein-Arendt, Reinhard (Hrsg.): Die (koloniale) Begegnung. AfrikanerInnen in Deutschland 1880–1945 – Deutsche in Afrika 1880–1918, Peter Lang Verlag, Frankfurt am Main 2006, ISBN 3-631-39175-7, 332 S.
  • Dreesbach, Anne: Gezähmte Wilde: die Zurschaustellung „exotischer“ Menschen in Deutschland 1870–1940, Campus-Verlag, Frankfurt am Main 2005, ISBN 3-593-37732-2, 371 S.
  • Forgey, Elisa: „Die große Negertrommel der kolonialen Werbung“: Die Deutsche Afrika-Schau 1935–1943, in: Werkstatt Geschichte, Heft 9, 3. Jahrgang, Dezember 1994, Hamburg, ISBN 3-87916-210-7, S. 25–33
  • Joeden-Forgey, Elisa von: Race Power in Postcolonial Germany: The German Africa Show and the National Socialist State, 1935–1940, in: Alonzo, Christine/Martin, Peter (Hrsg.): Zwischen Charleston und Stechschritt: Schwarze im Nationalsozialismus, Dölling und Galitz, Hamburg 2004, ISBN 3-935549-84-9, 790 S.
  • Lewerenz, Susann: Die Deutsche Afrika-Schau (1935–1940). Rassismus, Kolonialrevisionismus und postkoloniale Auseinandersetzungen im nationalsozialistischen Deutschland, Peter Lang Verlag, Frankfurt am Main 2006, ISBN 3-631-54869-9, 174 S.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hochspringen↑ Lewerenz, Susann: Die Deutsche Afrika-Schau (1935–1940). Rassismus, Kolonialrevisionismus und postkoloniale Auseinandersetzungen im nationalsozialistischen Deutschland, Frankfurt am Main 2006, S. 91
  2. Hochspringen↑ Lewerenz, Susann: Die Deutsche Afrika-Schau (2006), S. 97
  3. Hochspringen↑ Lewerenz, Susann: Die Deutsche Afrika-Schau (2006), S. 99
  4. Hochspringen↑ Forgey, Elisa: „Die große Negertrommel der kolonialen Werbung“: Die Deutsche Afrika-Schau 1935–1943, in: Werkstatt Geschichte, Heft 9, 3. Jahrgang, Dezember 1994, Hamburg, S. 30
  5. Hochspringen↑ Dreesbach, Anne: Gezähmte Wilde: die Zurschaustellung „exotischer“ Menschen in Deutschland 1870–1940, Campus-Verlag, Frankfurt am Main 2005, S. 309
  6. Hochspringen↑ Lewerenz, Susann: Die Deutsche Afrika-Schau (2006), S. 104
  7. Hochspringen↑ Lewerenz, Susann: Die Deutsche Afrika-Schau (2006), S. 115
  8. Hochspringen↑ Forgey, Elisa: „Die große Negertrommel der kolonialen Werbung“: Die Deutsche Afrika-Schau 1935–1943, in: Werkstatt Geschichte, Heft 9, 3. Jahrgang, Dezember 1994, Hamburg, S. 31
  9. Hochspringen↑ Sippel, Harald: Kolonialverwaltung ohne Kolonien – Das Kolonialpolitische Amt der NSDAP und das geplante Reichskolonialministerium, in: Van der Heyden, Ulrich / Zeller, Joachim (Hrsg.): Kolonialmetropole Berlin. Eine Spurensuche. Berlin 2002. S. 412
  10. Hochspringen↑ Lewerenz, Susann: Die Deutsche Afrika-Schau (2006), S. 131
  11. Hochspringen↑ Lewerenz, Susann: Die Deutsche Afrika-Schau (2006), S. 132
  12. Hochspringen↑ Bechhaus-Gerst, Marianne: Treu bis in den Tod. Von Deutsch-Ostafrika nach Sachsenhausen – eine Lebensgeschichte. Links-Verlag, Berlin 2007, S. 141–150
  13. http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Afrika-Schau