Archive

Afrika als Rohstoffzulieferer

zwei Millionen Menschen sind im Kongo auf der Flucht; acht Millionen haben bereits durch den Krieg vor allem im rohstoffreichen Osten ihr Leben verloren.

http://www.tagesschau.de/multimedia/video/video1343394.html

Auf der Flucht in Somalia! Seit Jahrzehnten kennen die Menschen nur Instabilität, Krieg, dazu immer wieder Dürren! Auswärtige Interventionen haben immer nur alles verschlimmert für die Menschen. Ein Grund für die Kämpfe: Vor den Küsten Somalias hat man riesige Ölvorkommen gefunden.

Advertisements

Aus Jean Ziegler: Der Hass auf den Westen
http://www.langelieder.de/lit-ziegler09.html

Der vierte Teil beschäftigt sich mit dem symptomatischen Schicksal Nigerias. Denn das bevölkerungsreichste Land Afrikas, das zugleich eines der reichsten der Welt ist, wird heute regelmäßig von den Beutejägern des Weltwirtschaftskriegs geschröpft.

 

Nigeria, der größte Erdölförderer Afrikas und der achte weltweit, wird seit 1966 von einer Reihe aufeinanderfolgender Militärjuntas regiert. Das Land war nie wirklich souverän. Heute ist es eine ohnmächtige Beute von Shell, BP, Total, Exxon, Texaco und anderen Plünderern. Und 70 Prozent seiner Bevölkerung vegetiert in unsagbarer Armut dahin. Natürlich ist diese Realität ein idealer Nährboden für den Hass auf den Westen.

Shell in Nigeria – “Sie wissen alles”

Neue Wikileaks-Veröffentlichung zeigen, wie tief verwurzelt der weltgrößte Öl-Konzern Shell in Nigerias Politik ist. Shell soll in “allen Ministerien” sitzen und deshalb so gut informiert sein, dass die USA dafür sogar militärisches Wissen eintauschen.

Von Malte Conradi

Es gab drängende Fragen zu klären, als Ann Pickard sich im September 2008 mit US-Diplomaten in der nigerianischen Hauptstadt Abuja traf. Sie habe erfahren, sagte die Topmanagerin des Energieriesen Shell beunruhigt, dass der russische Konkurrent Gazprom einen Vertrag mit der nigerianischen Regierung abgeschlossen habe.

Trotz hoher Öl-Einkünfte leben die meisten Nigerianer in Armut. Das Energieunternehmen Shell fürchtet in dem wichtigen Fördergebiet offenbar vor allem Rebellenangriffe sowie neue Konkurrenten aus China und Russland.

(Foto: AP)

Die Abmachung beinhalte unter anderem die Zusage, dass Gazprom etwa ein Zehntel der gesamten Gasreserven Nigerias ausbeuten dürfe. Dieser Deal könne nur umgesetzt werden, so Pickard weiter, wenn die Regierung des westafrikanischen Landes anderen Energieunternehmen – darunter Shell – Gas-Konzessionen abnehme. Um ihr Geschäft zu verteidigen, bat Pickard die Diplomaten um “potentiell sensible Informationen” über den Rivalen Gazprom.

So soll es zumindest laut der britischen Zeitung The Guardian gewesen sein, die wiederum aus Wikileaks-Dokumenten zitiert, zu denen sie vor ihrer Veröffentlichung Zugang erhielt.

Geheiminformationen von Shell

Demnach kabelte die amerikanische Botschaft in Abuja mehrfach Berichte nach Washington, aus denen hervorgeht, wie tief Shell die nigerianische Regierung infiltriert hat. Nigeria ist der größte Erdölexporteur Afrikas und liefert acht Prozent aller amerikanischen Öl-Importe. Kritiker werfen Shell seit Jahren vor, für schwere Umweltzerstörungen im Nigerdelta verantwortlich zu sein.

Bei einem weiteren Treffen im Herbst 2009 soll Pickard US-Vertretern neue “Geheiminformationen” präsentiert haben: Diesmal habe die nigerianische Regierung chinesische Firmen aufgefordert, sich um Konzessionen zur Ölförderung zu bemühen. Wieder war Pickard beunruhigt. Zwar habe die nigerianische Regierung dementiert, doch Shell wisse es besser.

Ministerien infiltriert

Das Unternehmen habe schon vor Jahren Mitarbeiter in allen wichtigen Ministerien installiert. So sei Shell jederzeit über alle politischen Vorhaben und Entscheidungen in dem ölreichen Land informiert. “Sie wissen alles”, sollen dieDiplomaten berichtet haben. Managerin Pickard soll laut Guardian vor den Diplomaten sogar damit geprahlt haben, dass die nigerianische Regierung offenbar vergesse habe, wie tief sie von Shell infiltriert sei.

Die Informationen von Shell waren offenbar so gut, dass das Unternehmen in einen Tauschhandel mit den US-Vertretern eintreten konnte. Der Guardianberichtet, dass Pickard bei einem weiteren Treffen die Namen von Politikern nannte, die für Unruhen in Lagos verantwortlich sein sollten.

Im Gegenzug soll sie Nachhilfeunterricht in Militärtechnik verlangt haben: Laut Shell-Informationen hätten Rebellen bis zu drei Boden-Luft-Raketen ins Nigerdelta geschafft, wo Shell seine Ölförderung betreibt. “Sie wollte wissen, wie lange so sensible Waffensysteme unter den rauen Umweltbedingungen im Delta wohl überleben würden”, zitiert der Guardian aus den Wikileaks-Dokumenten.

Rebellengruppen im Nigerdelta gelingt es immer wieder, mit Sabotageakten und Geiselnahmen Shells Geschäften schweren Schaden zuzufügen.

Furcht vor Informationslecks

Doch die Auskunftsfreude des Energieriesen hatte auch ihre Grenzen. Mehrfach soll Shell-Managerin Pickard US-Diplomaten Auskünfte verweigert haben. Ihre aus heutiger Sicht prophetische Begründung laut Guardian: Die Regierung derUSA sei anfällig für Informationslecks. “Sie fürchtet wahrscheinlich, dass schlechte Nachrichten über Shells Tätigkeit in Nigeria an die Öffentlichkeit gelangen”, kabelten die Diplomaten nach Washington.

http://www.sueddeutsche.de/politik/wikileaks-shell-in-nigeria-sie-wissen-alles-1.1034143

 

UMWELT

Shell Nigeria gewinnt – und verliert

Eric Dooh ist enttäuscht: Der Nigerianer bekommt keine Entschädigung vom Ölkonzern Shell für die Öl-Verseuchung in seinem Dorf Goi, so ein Gericht in Den Haag. Und doch macht der Prozess Hoffnung für die Zukunft.

Eric Dooh (Foto: dpa)

Eric Dooh aus der Gemeinde Goi im Niger-Delta kann seine Enttäuschung nicht verbergen: “Ich bin nicht froh, denn dass Gericht hat nicht berücksichtigt, dass das Geschäft meines Vaters pleite gegangen ist. Wie verseucht diese Gegend ist, ist bekannt – und ein großes Problem für uns. Wie lange sollen wir denn noch in dieser Gegend leben? Wann wird Shell das endlich lösen?” Um den Nigerianer flattert der Wind, er steht vor dem Gerichtssaal in Den Haag und ist fassungslos.

Dooh ist einer von fünf nigerianischen Bauern, die gemeinsam mit der Nichtregierungsorganisation “Milieudefensie” Klage gegen den britisch-niederländischen Konzern Royal Dutch Shell eingereicht hatten. Ein Bezirksgericht in Den Haag hat diese am Mittwoch (30.01.2013) in vier Fällen abgewiesen. Die geforderte Wiedergutmachung vom Mutterkonzern Shell wird es also nicht geben. “Gemäß nigerianischem Recht ist eine Mutterfirma nicht dazu verpflichtet, ihre Tochterfirmen im Ausland davon abzuhalten, Dritten zu schaden”, so Richter Henk Wien in seiner Begründung.

Die Tochter-Firma Shell Nigeria verurteilte er allerdings zu Schadenersatz für einen der fünf Kläger, der aus der Gemeinde Ikot Ada Udo im betroffenen Niger-Delta stammt. Diese Entscheidung wurde von Umweltorganisationen, die den Fall gespannt verfolgten, positiv bewertet. Es war das erste Mal, dass ein niederländisches Gericht eine Klage gegen ein niederländisches Unternehmen verhandelt hat, bei der es um Schäden ging, die es im Ausland angerichtet hat.

“Europäische Unternehmen müssen endlich für ihre Auslandsfirmen haften”

Shell-LKW (Foto: Getty Images) Shell: “Wir sind an vorderster Front, um hier Lösungen zu finden”

Die Beteiligten hatten allerdings auf einen Präzedenzfall gehofft, dass europäische Konzerne künftig für die Schäden ihrer Tochterfirmen im Ausland haften müssen. Aufgeben wollen sie trotzdem nicht. “Wir gehen in Berufung”, sagt Evert Hassing von “Milieudefensie”. Gemeinsam wollen sie nun gerichtlich Zugang zu den internen Dokumenten von Shell einfordern. “Denn da stehen die Beweise für Shells Mitverantwortung. Aber wenn Shell seine Geheimnisse für sich behalten darf, wird es schwierig”, so Hassing. Trotzdem würde seine Organisation alles dafür tun, dass multinationale Firmen “die Verantwortung dafür übernehmen, was im Namen ihrer Firma im Ausland geschieht.” Der Berufungsprozess, der sich rund anderthalb Jahre hinziehen könne, sei die letzte Möglichkeit der Kläger zu ihrem Recht zu kommen.

Zuhause in Nigeria in seiner Gemeinde Goi erwartet Kläger Eric Dooh Trostlosigkeit: Die gesamte Existenz seiner Familie wurde vor fünf Jahren zerstört, als aus undichten Ölpipelines der Firma Shell Nigeria Tausende und Abertausende Liter Öl in die Natur geflossen waren.

Nigerianischer Bauer steht vor öl-verseuchter Landschaft (Foto: dpa) Hier wächst nichts mehr: Öl-Pest im Niger-Delta

Regenbogenfarben schillert das Wasser. Ölschlieren überziehen Flüsse und Seen, schwarzes Rohöl verpestet Mangrovenwälder und verseucht wertvolles Trinkwasser. Einst waren Fischerei und Landwirtschaft hier die Lebensgrundlagen von Familien wie der von Eric Dooh. Heute ist das Land verdreckt und starrt vor klebrigem Öl. “Es sieht aus wie in einem Film aus dem Zweiten Weltkrieg”, sagt Martyn Day, einer der britischen Anwälte der Kläger im Gespräch mit der DW. “Es ist einfach furchtbar, es gibt kaum mehr Vegetation, alles ist abgestorben.”

Welche massiven Schäden 50 Jahre Ölförderung verursacht haben, hat eine Studie der Vereinten Nationen im Jahr 2011 nachgewiesen. Proben aus dem gesamten nigerianischen Ogoniland wurden gesammelt und ausgewertet. Die Ergebnisse sind verheerend: Eine Sanierung der Region würde fast 30 Jahre dauern und bis zu eine Milliarde US-Dollar kosten, heißt es darin. Royal Dutch Shell muss sich, wenn das Gerichtsurteil Bestand hat, daran nicht beteiligen.

Doppelmoral multinationaler Firmen?

Geert Ritsema von “Milieudefensie” dagegen sieht Shell ganz klar in der Verantwortung. Deshalb hatte er gemeinsam mit fünf nigerianischen Bauern gegen Shell geklagt. “In Europa wäre es undenkbar, dass ein Konzern die Anbauflächen von Bauern mit Öl verschmutzt und dann jahrelang einfach die Hände in den Schoß legt.” Weit weg vom Mutterkonzern in den Niederlanden könnten in Nigeria jedoch Umweltstandards einfach missachtet werden.

Wenn die Kläger in Berufung gehen, wird es wieder um diese Forderungen gehen: neue Pipelines, damit kein weiteres Öl ausläuft sowie eine aufwändige Säuberung der Böden und des Grundwassers. Und Schadensersatz für die Bauern und Fischer, die ihre Existenzgrundlage verloren haben. Es war der erste Fall dieser Art in den Niederlanden – und trotzdem ein Teilerfolg für die Umweltschützer. “Was uns dieser Prozess gezeigt hat, ist, dass Menschen überall auf der Welt vor einem europäischen Gericht am Sitz des Mutterkonzerns klagen können, wenn es ein Problem mit der Tochterfirma im Heimatland der Kläger gibt.”

Hürden bei der Anklage

Demonstranten in Den Haag mit dem Banner: 'Shell, steh zu deiner Verantwortung!' (Foto: AP/dapd)<br />
Demonstranten in Den Haag: “Shell, steh zu deiner Verantwortung!”

Denn einen Konzern wegen seiner Taten im Ausland vor Gericht zu bringen – das ist in Europa noch längst nicht Usus. Oft ist undurchsichtig, ob ein europäisches Gericht überhaupt zuständig für Klagen ist, die sich nicht auf einen Fall in Europa beziehen. Es gibt viele Hürden, sagt Liesbeth Enneking, Rechtsexpertin an der Universität Utrecht. Nicht nur die hohen Prozesskosten. Auch an Beweismaterial zu kommen sei schwierig.

“Wie kamen die Lecks in den Rohren zustande? War es Sabotage oder fehlende Instandhaltung? Wie oft wurden die Pipelines gewartet? Was hat Shell unternommen, nachdem das Öl auslief? Und wie viel Einfluss hat Shell überhaupt darauf, wie nigerianische Pipelines bedient werden?“ Entscheidende Beweise fehlten den Klägern, so Liesbeth Enneking. So sah es nun auch das Gericht in Den Haag.

“Tochtergesellschaft auch verantwortlich”

Der Shell-Konzern hatte zunächst versucht, einem Prozess in den Niederlanden zu entgehen und den Fall vor einem nigerianischen Gericht verhandeln zu lassen. Das Argument, jegliche Verantwortung läge bei der nigerianischen Tochtergesellschaft, akzeptierten die Richter in Den Haag jedoch nicht. Ein ähnlicher Fall liegt in Europa bislang nur einem Londoner Gericht vor. Häufiger sind Klagen gegen Straftaten multinationaler Unternehmen in den USA. Dort seien die Gesetze oft auf der Seite der Kläger, so Liesbeth Enneking. Zu einem rechtskräftigen Urteil komme es jedoch auch in den USA selten.

Eric Dooh und Geert Ritsema (Foto: picture alliance)Eric Dooh und Geert Ritsema von der NGO Milieudefensie

Weil sie eine Klagewelle fürchteten, zahlten die beschuldigten Konzerne oft direkt Geld an die Geschädigten. “Multinationale Firmen neigen zu außergerichtlichen Vereinbarungen, wenn sie Angst haben, einen Fall zu verlieren”, sagt Liesbeth Enneking. Ein möglicher Präzedenzfall, der weitere Klagen nach sich zieht, wird so umgangen. In einer Pressemitteilung ließ der Shell Konzern wissen: “Ölverschmutzung ist ein Problem in Nigeria, das das tägliche Leben der Menschen im Niger Delta belastet. (…) Wir sind an vorderster Front, um hier Lösungen zu finden.” Doch der Nigerianer Eric Dooh hat nach dem Urteil noch mehr Mühe, Shell in dieser Frage zu vertrauen.

DW.DE

Ölkonzern Shell gewinnt und muss trotzdem zahlen

Der Ölkonzern Royal Dutch Shell hat den Prozess gegen vier nigerianische Bauern vor einem niederländischen Gericht gewonnen. Dennoch muss Shell Schadenersatz wegen Umweltverschmutzung leisten. (30.01.2013)

Shell vor Gericht – ein Präzedenzfall?

Auslaufendes Öl im Niger-Delta: Für diese Umweltverschmutzung muss sich der Ölkonzern Shell als mutmaßlicher Verursacher erstmals vor einem Gericht in Den Haag verantworten. (12.10.2012)

Kampf gegen die Ölpest im Niger-Delta

Giftiges Trinkwasser, tote Bäume. Das Geschäft mit dem Öl hat die Umwelt im nigerianischen Ogoniland verpestet. Eine UN-Studie dokumentiert erstmals das Ausmaß der Öl-Katastrophe. Wird endlich aufgeräumt im Niger-Delta? (09.08.2011)

Nigerianische Bauern kämpfen gegen Ölkonzern

Vor einem Jahr löste ein Brand auf der Bohrinsel “Deepwater Horizon” eine gewaltige Ölpest in den USA aus. Auch an Nigerias Küste kommt es regelmäßig zu Ölverschmutzungen. Doch der Widerstand gegen die Konzerne steigt. (20.04.2011)

AUDIO UND VIDEO ZUM THEMA

Shell muss in Nigeria Schadensersatz zahlen

http://www.dw.de/shell-nigeria-gewinnt-und-verliert/a-16562646

Umwelt schützen – Shell stoppen!

Petition unterzeichnen

An die Verantwortlichen des Mineralölkonzerns Shell in Deutschland und weltweit

Sehr geehrter Herr Blauwhoff,

gerade habe ich erfahren, dass das Wasser und die Böden in Ogoniland, dem Teil Nigerias, in dem auch Shell Öl fördert oder gefördert hat, weiterhin stark verschmutzt sind. Vor zwei Jahren hatte das Umweltprogramm der Vereinten Nationen konkrete Empfehlungen ausgesprochen, was Shell und die nigerianische Regierung tun können, um dieses verseuchte Gebiet des Nigerdeltas zu säubern. Unsere Kollegen von Friends of the Earth Nigeria haben nun herausgefunden, dass Shell nicht genug tut: Die Menschen in Ogoniland müssen nach wie vor ölverseuchtes Wasser trinken und können keine Fische in den verschmutzten Flüssen und Seen züchten. Wir fordern Sie als Geschäftsführer von Shell Deutschland daher auf, ihren Einfluss auf den Mutterkonzern Royal Dutch Shell geltend zu machen und dafür zu sorgen, dass Shell ausreichende Mittel zur Verfügung stellt, um die Säuberung des Nigerdeltas zu beschleunigen. Es wirft ein äußerst schlechtes Licht auf Royal Dutch Shell, das umsatzstärkste Unternehmen Europas, wenn Sie Ihren Profit weiterhin auf Kosten der Umwelt machen. Tun Sie alles, was in Ihrer Macht steht, um die Säuberung von Ogoniland zu beschleunigen.

Mit freundlichem Gruß

Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und viele UnterstützerInnen

(c) Meinrad Schade

Rohstoffe sind von grundlegender Bedeutung für die Weltwirtschaft und von zunehmender politischer Brisanz. Viele ressourcenreiche Länder bleiben trotz Bodenschätzen arm und leiden häufig unter Korruption und Konflikten. Die Schweiz hat sich ihrerseits dank tiefer Steuern und schwacher staatlicher Kontrolle zu einer Rohstoffdrehscheibe entwickelt, wo Handels- und Bergbaukonzerne unbehelligt Milliarden verdienen.

Schlüsselfakten

 

  • Zwei Drittel aller Energie- und Metall-Ressourcen und ein Grossteil der Agrarrohstoffe stammen aus Entwicklungsländern
  • In vielen rohstoffreichen Entwicklungsländern leben 300 Millionen Menschen in Armut, d.h. von maximal 2 Dollar pro Tag.
  • Die vornehmlich in den Handelszentren Genf und Zug erwirtschafteten Erlöse dieses Sektors sind zwischen 2001 und 2011 um das Vierzehnfache gestiegen.
  • Sechs der zehn umsatzstärksten Schweizer Unternehmen sind heute Rohstoffkonzerne.
  • Mindestens 20 Prozent des globalen Rohstoffhandels läuft derzeit über die Schweiz.
  • Das Vermögen der sechs Top-Manager von Glencore lag beim Börsengang 2011 höher als das jeweilige Bruttoinlandsprodukt der 96 ärmsten Länder der Welt im selben Jahr

Zwischen 2001 und 2011 ist der hierzulande abgewickelte Handel mit Öl, Gas, Kohle, Metallen und Landwirtschaftsprodukten um 1420 Prozent gewachsen. Die Folge: Sechs der zehn umsatzstärksten Schweizer Unternehmen handeln und/oder fördern Rohstoffe. Zum einflussreichen „Commodity Hub“wurde die ressourcenarme Schweiz dank der historisch gewachsenen Mischung aus standortpolitischen Steuerprivilegien, starkem Finanzplatz, schwacher Regulierung und nachlässiger Embargo-Politik.

Je gesegneter ein Entwicklungsland mit Bodenschätzen ist, desto grösser ist auch die Gefahr, dass dessen Bevölkerung unter seinem natürlichen Reichtum mehr leidet, als davon zu profitieren. Dieser sogenannte „Rohstofffluch“ ist ein politischer Skandal, an dem in Genf oder Zug ansässige Konzerne immer kräftiger mitverdienen. Die Schweiz ist damit in den letzten Jahren zur weltweit wichtigsten Rohstoffdrehscheibe avanciert. Mit der wirtschaftlichen Bedeutung steigt jedoch auch die politische Verantwortung für diesen Sektor.

Einer der Hauptgründe für die Verarmung rohstoffreicher Länder ist die Intransparenz bei den Zahlungen zwischen Förderstaaten und Bergbau- bzw. Handelsunternehmen wie auch – mittels interner Gewinnverschiebungen – zwischen den weit verzweigten Tochterfirmen dieser Global Player. Der grassierenden Korruption in den häufig autokratisch regierten Abbaugebieten und der aggressivenSteuervermeidung in Schweizer Konzernzentralen ist nur durch die Offenlegung aller relevanten Geldflüsse beizukommen.

Diese Boom-Branche kommt zudem regelmässig in Konflikt mit den Menschenrechten, weil die Schweizer Rohstoffunternehmen mit ihren Geschäftsmodellen gesetzliche Grauzonen ausnutzen und zudem häufig in fragilen Staaten tätig sind. Die Palette reicht dabei vom immensen Landverbrauch mit Zwangssiedlungen über grenzwertüberschreitende Luft- und Wasserverschmutzungen bis zu prekären Arbeitsbedingungen. Gefährlich sind gewisse Aktivitäten hiesiger Rohstoffkonzerne also primär für die Menschen in und um die Minen.

Risikoreich ist der Rohstoffplatz aber auch für die politische Schweiz. Zum besseren Branchenverständnis wie auch zur Vermeidung drohender Reputationsschäden hat der Bundesrat deshalb einen „Grundlagenbericht Rohstoffe“ erstellen lassen. Mit diesem Verwaltungsbericht anerkennt die Schweizer Regierung erstmals offiziell die oben beschriebenen Problemfelder. Zwar fehlen (noch) griffige Vorschläge für gesetzliche Leitplanken und eine bessere Transparenz dieses systemrelevanten Sektors, aber ein erstes politisches Zeichen wurde immerhin gesetzt.

Möglich wurde auch dieser Schritt nur durch öffentlichen Druck. Die jahrelangen Forderungen von NGOs wie der EvB (siehe Buch) nach Massnahmen gegen die Ursachen des Rohstofffluchs haben zuerst in den USA gefruchtet. Dort wurden 2010 im Rahmen der Finanzmarktreform „Dodd-Frank“ Offenlegungsregeln für börsenkotierte Rohstoffunternehmen verabschiedet. Diese Regulierung wurde von der EU aufgenommen, auf nicht kotierte Firmen ausgeweitet und im Juni 2013 parlamentarisch verabschiedet. Entzieht sich die Schweiz dem globalen Transparenztrend, läuft sie Gefahr – nach der Steueroase – zur Rohstoffregulierungswüste zu werden.

http://www.evb.ch/p21288.html 

13.06.13   Agrarrohstoffe: was ist zu tun, was ist zu lassen?  
11.06.13   EvB-Analyse zur Rohstofftransparenz in der Schweiz  
16.04.13   „Angolagate reloaded“  

Fallstudie: Trafiguras Geschäfte in Angola

Zurück Druckbare Version Diese Seite weiterleiten
Um sich in Angola den Löwenanteil des Ölgeschäfts zu sichern und lukrative Verträge an Land zu ziehen, hat sich Trafigura mit einer Schlüsselfigur aus Luandas Regierung verbündet: mit General Leopoldino Fragoso do Nascimento.

Der in Luzern und Genf ansässige Konzern hat Verträge abgeschlossen, bei denen die Grenzen zwischen privaten und öffentlichen Interessen verschwimmen. Die Erklärung von Bern (EvB) stellt diese Joint Ventures in in Bezug auf ihren Nutzen für die angolanische Bevölkerung in Frage.

Die Untersuchung der Erklärung von Bern (EvB) zeigt, wie nötig eine Regulierung des hochsensiblen Rohstoffsektors in der Schweiz ist. Mehr Transparenz ist unabdingbar, um Korruptionsrisiken einzudämmen und es der Bevölkerung von Produktionsländern zu ermöglichen, Rechenschaft darüber zu verlangen, wie die Regierung die natürlichen Ressourcen des Landes verwaltet.

Die Fallstudie online lesen:
Über die EvB

Zurück Druckbare Version Diese Seite weiterleiten

Die Erklärung von Bern (kurz EvB) wurde 1968 auf Grundlage des gleichnamigen Manifests gegründet und ist heute eine unabhängige Schweizer Nichtregierungsorganisation mit über 25’000 Mitgliedern.

Sie setzt sich mit fundierten Recherchen, professionellem Lobbying und kreativen Kampagnen für eine gerechtere Globalisierung ein. Das Projektland der weltweit vernetzten EvB ist die Schweiz, wo sie öffentliche Aufklärung betreibt und zugunsten der Entwicklungsländer Druck auf politische und wirtschaftliche Entscheidungsträger ausübt.

Die Fallstudie im PDF-Format herunterladen
Direkter Download - Achtung Link öffnet sich in einem neuen Fenster (Fallstudie «Trafiguras Geschäfte in Angola» (03.02.2013) - document, 1.9 MB) Fallstudie «Trafiguras Geschäfte in Angola» (03.02.2013)

 

Grosse illegale Geldabflüsse

Milliarden aus Afrika

International Samstag, 15. Juni
Das rohstoffreiche Nigeria verlor durch illegale Geldtransfers in den letzten dreissig Jahren mindestens 250 Milliarden Dollar (Ölpipelines in Südnigeria).
Das rohstoffreiche Nigeria verlor durch illegale Geldtransfers in den letzten dreissig Jahren mindestens 250 Milliarden Dollar (Ölpipelines in Südnigeria). (Bild: AP/George Osodi)
Laut einer Studie hat Afrika durch illegale Geldabflüsse innert dreissig Jahren über eine Billion Dollar verloren. Rohstoffreiche Länder sind in besonderem Masse betroffen.
Fabian Urech

Die Staaten Afrikas haben in den letzten dreissig Jahren durch illegale Geldabflüsse in andere Kontinente nach konservativen Schätzungen mindestens 1200 Milliarden Dollar verloren. Dies zeigt eine kürzlich erschienene Studie der Afrikanischen Entwicklungsbank und des Forschungsinstituts Global Financial Integrity. Der Betrag entspricht einem Mehrfachen der in dieser Zeit nach Afrika geflossenen Entwicklungsgelder und Direktinvestitionen. Selbst bei Berücksichtigung der offiziellen Kapitaltransfers ist Afrika damit ein Nettogeldgeber der Welt. Die Resultate der Studie stimmen mit den Annahmen der Uno überein, nach denen Afrika durch illegale Geldabflüsse – also etwa durch Preismanipulation bei Handelsgeschäften, Steuerhinterziehung oder Korruption – jährlich bis zu 50 Milliarden Dollar verliert.

Negativbeispiel Nigeria

Laut der Studie sind die verlorenen Milliarden auch ein Grund, weshalb sich die sozioökonomischen Lebensbedingungen für viele Afrikaner in den vergangenen Jahren kaum verbesserten. Allerdings sind die über fünfzig Staaten des Kontinents in sehr unterschiedlichem Masse vom Phänomen betroffen. Die deutlichsten Abflüsse registrierten mit Algerien, Libyen, Nigeria, Botswana und Ägypten wenig überraschend fünf Staaten mit erheblichen Rohstoffvorkommen. Alleine Nigeria verlor durch illegale Geldtransfers in den letzten dreissig Jahren mindestens 250 Milliarden Dollar – viel Geld für ein Land, in dem noch immer 60 Prozent der Bevölkerung unter der Armutsgrenze leben.

Auf die Gründe für die Geldabflüsse geht die Studie – auch aufgrund der dünnen Datenlage – kaum ein. Zur Eindämmung des Problems empfehlen die Autoren unter anderem die Implementierung verstärkter Transparenzvorschriften im Rohstoffhandel und bei der Vergabe von Betriebslizenzen sowie einen verbesserten internationalen Austausch von Steuerdaten. Illegale Geldabflüsse sind allerdings kein rein afrikanisches Übel. Laut Global Financial Integrity verloren Entwicklungsländer im Jahr 2010 in dieser Weise weltweit über 850 Milliarden Dollar. In über 60 Prozent der Fälle waren asiatische Länder betroffen.

Die Schweiz als Drehscheibe

Nebst Entwicklungsländern sind aber auch Industriestaaten in erheblichem Masse von Steuerflucht oder Preismanipulationen betroffen. Gleichzeitig gehören laut der Studie einige westliche Staaten zu den Profiteuren solcher Geldtransfers. Zwar lägen zu den Finanzbewegungen keine genauen Daten vor, doch Steueroasen – explizit wird hier auch die Schweiz genannt – gehörten zu den präferierten Destinationen von Schwarzgeldern, halten die Autoren fest. Laut dem Finanzexperten Mark Herkenrathvon Alliance Sud ist die Schweiz aufgrund des Bankgeheimnisses, Mängeln bei der Bekämpfung der Geldwäscherei und fehlender Transparenzvorschriften eine wichtige Destination und Drehscheibe für solche Gelder. Gerade im «enorm intransparenten Rohstoffsektor» der Schweiz besteht nach Herkenrath dringender Handlungsbedarf. Während die EU und die USA bereits entsprechende Transparenzrichtlinien eingeführt hätten, seien die diesbezüglichen Bemühungen der Schweiz sehr zaghaft. Verbesserung verspricht allenfalls ein vom Nationalrat am Dienstag verabschiedetes Postulat, das vom Bundesrat die Prüfung von Transparenzvorschriften für den gesamten Rohstoffsektor fordert.

http://www.nzz.ch/aktuell/international/uebersicht/milliarden-aus-afrika-1.18099274

Bodenschätze und Rohstoffe – Afrika im allgemeinem Überblick

Erdöl ist das wichtigste Exportprodukt Afrikas (42% aller Exporte). Gold, Diamanten und Metallerze machen 14,5% des Exports aus Afrika aus.


Arbeiter in einer Diamantenmine in Siera Leone im Kono-Distrikt
© USAID/L. Lartigue

Zudem findet man in Afrika etwa 20 – 40% der weltweiten Uranvorkommen, über 80% der Platin-, etwa 40% der Vanadium-, über 80% der Mangan, ca. 50% der Kobalt-, über 80% der Chromit- und etwa 18% der Titanvorkommen.


Angaben in Prozent!

2002 Erdöl (Mio. t) 2002 Steinkohle (Mio. t)
Ägypten 36,8 Deutschland 29,2
Angola 46,2 Kasachstan 56,0
Libyen 63,8 Polen 103,7
Algerien 66,5 Südafrika 221,0
Nigeria 97,6 Australien 260,9
Norwegen 157,4 Indien 338,1
Russland 378,2 USA 920,2
Saudi-Arabien 407,2 China 1045,0
Welt 3552,4 Welt 3525,0
2002 Blei (1000t) 2002 Eisenerz (Mio. t)
Südafrika 55 Mauretannien 9,5
Polen 73 Schweden 20,3
Peru 298 Südafrika 35,4
Australien 658 Brasilien 210,5
Welt 2943 Welt 941,3
2002 Bauxit (Mio. t) 2002 Gold (t)
Griechenland 2,49 Tansania 42,30
Guinea 17,00 Mali 56,00
Brasilien 18,20 Ghana 69,53
Australien 53,90 Südafrika 399,20
Welt 138,11 Welt 2512,16
2002 Kupfer (Mio. t) 2002 Platin (t)
Sambia 0,33 USA 4,4
Polen 0,57 Kanada 21,8
Indonesien 1,16 Russland 60,0
Chile 4,62 Südafrika 133,8
Welt 13,78 Welt
2002 Diamanten (Mio. Karat)
Guinea 0,45
Zentralafr. Republik 0,65
Ghana 0,96
Namibia 1,55
Angola 6,00
Südafrika 10,86
Dem. Rep. Kongo 29,70
Botswana 28,39
Australien 33,50
Welt 75,22

Generell ist zu sagen, dass Europa viel weniger Bodenschätze besitzt als Afrika. Die Verarbeitung oder Weiterverarbeitung von Rohstoffen ist aber in Europa weiter verbreitet. In Afrika ist dies, aus finanziellen Gründen, bisher nur eingeschränkt möglich.

Rohstoffe und Bodenschätze von Afrika und Europa im Vergleich

– Informationen zu Rohstoffen/Bodenschätzen in Südafrika

– Informationen zu Rohstoffen/Bodenschätzen in Algerien

– Informationen zu Rohstoffen/Bodenschätzen in Ägypten

Zum Vergleich:

– Informationen zu Rohstoffen/Bodenschätzen in Deutschland

– Informationen zu Rohstoffen/Bodenschätzen in Frankreich

– Informationen zu Rohstoffen/Bodenschätzen in Finnland

zurück (zum Thementeil)

http://www.geolinde.musin.de/afrika/html/afrrohstoffe.htm

Bodenschätze und Rohstoffe in Afrika – Ein allgemeiner Überblick

Der afrikanische Kontinent ist reich an Rohstoffen und natürlichen Ressourcen, die eine wichtige, wenn nicht essenzielle Grundlage für viele afrikanische Ökonomien bilden.
Afrika verfügt über zahlreiche nicht erneuerbare Rohstoffe von weltwirtschaftlichem Interesse wie Öl, Gold, Diamanten und Erze. Zudem finden sich dort geschätzte 89% der weltweiten Vorkommen an mineralischen Rohstoffen wie Bauxit, Chromit, Kobalt, Diamanten, Gold, Platin und Titan. (Quelle: Lutz van Dijk „Die Geschichte Afrikas“)

Im Hinblick auf Energierohstoffe lagern schätzungsweise 20% des weltweiten Urans, über 9% des weltweiten Erdöls, 8% des Erdgases sowie rund 6% der globalen Kohlereserven auf dem Kontinent. (Stand 2006). (Vgl.http://www.bpb.de/themen/HSV2XF.html)

Rohstoffe in Afrika
“Die Welt will von Afrika vor allem Rohstoffe”    ©2009: Le Monde diplomatique, Berlin

Das wichtigste Exportprodukt Afrikas ist Erdöl. Es macht etwa 42% aller Exporte aus, gefolgt von Gold, Diamanten und Metallerzen, mit einem Anteil von rund 14,5% am gesamtafrikanischen Export. Doch die Verteilung der Bodenschätze auf dem Kontinent ist nicht ausgewogen: Im Süden und im Westen des Kontinents finden sich bedeutende Vorkommen an Kupfer (Demokratische Republik Kongo, Sambia) sowie an Gold und Diamanten (Südafrika, Botswana, Angola, Liberia, Sierra Leone). Bedeutende Erdölexporteure sind neben Libyen und Algerien im Norden, Angola, Nigeria, Gabun, die Republik Tschad und seit neuestem auch Ghana. Andere afrikanische Staaten verfügen jedoch über eher unbedeutende Rohstoffvorkommen.

Die hohen wirtschaftlichen Wachstumsraten vieler afrikanischer Länder in den vergangenen Jahren sind zu einem großen Teil beeinflusst vom Rohstoffreichtum und dem Export von Rohstoffen. Auch die Entwicklungen auf dem globalen Rohstoffmarkt und die gewachsene weltweite Nachfrage nach mineralischen und metallischen Rohstoffen, Erdöl und Erdgas trugen ihren Teil dazu bei.

Im Jahr 2007 stieg das Bruttoinlandsprodukt auf dem Kontinent im Durchschnitt um 5,7%. Die erdölproduzierenden Länder waren hierbei führend. Zudem hat der weltweite Rohstoffboom Afrikas Wirtschaft in mehrfacher Hinsicht angetrieben: Zum einen durch hohe Primärexporte aus dem Kontinent, zum anderen durch die dadurch mit verursachte rasche Zunahme an Afrikas eigenem Rohstoffverbrauch. Dieser ist in einigen Ländern derart angewachsen, dass beispielsweise Nigeria bei konstant steigendem Rohstoffverbrauch langfristig selber Rohstoffe importieren wird.

http://gesichter-afrikas.de/rohstoffe-ressourcen-in-afrika.html