Warum Lampedusa? Die geografisch zu Afrika gehörige Insel gehört politisch zu Europa! Mit 138 Kilometern ist der Weg zu ihr ist der kürzeste von der armen in die reiche Welt! Nur in die von Europa noch besetzten Gebiete in Marokko, Ceuta und Melilla, ist er noch kürzer! Lampedusa hat schon einmal Hoffnung verkörpert! In der Zeit des Sklavenhandels konnten Sklaven hier Zuflucht finden.

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Anlaufziel für Flüchtlinge

Warum Lampedusa?

Politisch gehört Lampedusa zu Italien – geografisch aber zu Afrika. Die Insel liegt nur 138 Kilometer vor der tunesischen Küste und ist damit Anlaufziel für viele Afrikaner auf ihrer Flucht nach Europa.

Kaum ein Flecken Europa liegt so nah an Afrika wie Lampedusa. Die kleine Mittelmeerinsel ist darum ein Einfallstor für viele afrikanische Flüchtlinge – und wird immer wieder zum Schauplatz fürchterlicher Flüchtlingsdramen.

Gut 5000 Einwohner bevölkern das vor der tunesischen Küste gelegene Eiland normalerweise. Doch allein währende des “Arabischen Frühlings” 2011 kamen zusammengenommen fast 48.000 Flüchtlinge nach Lampedusa. Die Lage eskalierte, als teils bis zu 6000 Immigranten zeitgleich unter unerträglichen Bedingungen auf der Insel festsaßen. Mit etwa 20 Quadratkilometern ist Lampedusa nur in etwa so groß wie die deutschen Nordseeinseln Amrum oder Langeoog.

Alte Kähne, überfüllte Schlauchboote

Die Überfahrt nach Lampedusa ist gefährlich, vor allem, weil die alten Kähne und überfüllten Schlauchboote der Migranten oft kaum seetüchtig sind. Unzählige Menschen sind schon ertrunken bei dem Versuch, auf die Insel zu gelangen. Die Gründe, warum die Menschen dieses hohe Risiko eingehen, sind unterschiedlich. Viele Afrikaner fliehen vor Krieg und politischer Verfolgung, vor Armut und Hunger. Viele versuchen aber auch, Europa zu erreichen, um hier eine Arbeit zu finden. Solche “Wirtschaftsmigranten” müssen nach Ansicht der EU wieder in ihre Herkunftsländer zurückkehren.

Karte Lampedusa Tunesien Sizilien Italien

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Zwischen Juli 2008 und Juli 2009 erreichten mehr als 20.000 Einwanderer aus Nordafrika Lampedusa. Dann ließ die rigide Abschiebepolitik der damaligen Regierung von Silvio Berlusconi die Zahlen stark zurückgehen – bevor die Zahl der Flüchtlinge durch den “Arabischen Frühling” wieder hoch schnellte. Auch in diesem Jahr erreichten bereits wieder mehr als 22.000 Bootsflüchtlinge die italienischen Küsten – viele davon in Lampedusa.

Platz für knapp 400 Flüchtlinge

Auf Lampedusa befindet sich ein sogenanntes offenes Durchgangslager. Es hat nach Angaben des italienischen Flüchtlingsrates CIR knapp 400 Betten. Bisweilen halten sich dort aber mehr als 1000 Menschen auf. Vor zwei Jahren zerstörte ein Feuer einen Teil des Zentrums, der nur teilweise wiederaufgebaut wurde.

Italien hat immer wieder von der EU Unterstützung gefordert, weil es sich durch den Flüchtlingsstrom überfordert fühlt. Die Bereitschaft dazu ist aber in der EU gering. Dort verweist man darauf, dass andere Staaten deutlich mehr Flüchtlinge aufnehmen als Italien – zum Beispiel Deutschland (2012: 64.540), Frankreich (54.940), Schweden (43.890) oder Großbritannien (27.410). Italien dagegen nahm im vergangenen Jahr lediglich 15.710 Flüchtlinge auf.

Stand: 03.10.2013 14:58 Uhttp://www.tagesschau.de/ausland/lampedusa-hintergrund100.html

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Geschichte[Bearbeiten]

Auf Lampedusa befinden sich Spuren griechischer (sie besaßen dort zwei oder drei Türme), römischer, byzantinischer und arabischer Siedlungen. Zudem diente die Insel vielfach Seefahrern als Stützpunkt. Allerdings waren die meisten der zu Sizilien gehörenden Inseln wie auch Lampedusa, seit der normannischen Zeit, also dem 11. Jahrhundert unbewohnt. So berichtetIdrisi von den unbewohnten Inseln.[1] 812/813 wurde Lampedusa Opfer eines Überfalls muslimischer Seeräuber, die auf 13 Schiffen kamen.[2] Da es der byzantinischen Flotte gelang, die gegnerischen Schiffe zu versenken, dürfte Lampedusa noch für einige Jahre byzantinisch geblieben sein. Archäologisch lässt sich die byzantinische Siedlung nur bis Ende des 7. Jahrhunderts nachweisen. Allerdings fand sich eine der Hl. Maria geweihte Kapelle, und möglicherweise bot die Insel, auf der sich noch Siedlungsspuren fanden, noch im 16. und 17. Jahrhundert Unterschlupf für flüchtige Sklaven aus Nordafrika.[3]

Im September 1843 ging der Kapitän Bernardo Maria Sanvisente, ein Gesandter von Ferdinand II., mit 120 Männern und Frauen an Land, um die Insel dauerhaft zu besiedeln. Von Sanvisente stammt auch der vorher wechselnde Inselname ‚Lampedusa‘.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Insel als strategisch wichtiger Punkt Ziel von Bombenangriffen („Operation Corkscrew“). Im Jahr 1986 schlugen auf Lampedusa zwei Scud-Raketen ein, angeblich abgefeuert von Libyen als Antwort auf US-amerikanische Angriffe auf Tripolis und Bengasi im Zuge der Operation El Dorado Canyon. Es gab keine Verletzten.[4]

Flüchtlinge vor der Insel Lampedusa

Hauptrouten der Flüchtlinge

Wege nach Europa

Gut 300.000 Menschen haben im vergangenen Jahr Asyl gesucht in der EU. Ein immer größerer Teil von ihnen versucht, auf dem gefährlichen Seeweg in die “Festung Europa” zu gelangen. Welchen Weg nehmen sie – und warum?

Von Alexander Steininger, tagesschau.de

Insgesamt suchten im Jahr 2012 knapp 300.000 Menschen Asyl in den 27 EU-Staaten. Das geht aus der Statistik des Flüchtlingswerks der Vereinten Nationen UNHCR hervor. Das entspricht einem Zuwachs von sieben Prozent gegenüber 2011. Im Verhältnis zu den rund 500 Millionen Einwohnern entspricht dies jedoch gerade einmal 0,06 Prozent der gesamten Bevölkerung.

Die meisten Asylsuchenden kamen aus Afghanistan, gefolgt von Syrien, Russland und Pakistan. In Deutschland bewarben sich 23 Prozent aller Flüchtlinge. Deutschland macht mit seinen 80 Millionen Einwohnern etwa 17 Prozent der gesamten EU-Bevölkerung aus.

Asylanträge in wichtigen EU-Staaten

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Es gibt zusammengefasst vier große Routen, die die Flüchtlingsströme auf ihrem Weg in das südliche Europa nehmen: Von Westafrika auf die Kanaren, von Marokko auf das spanische Festland bzw. die Exklaven Ceuta und Melilla, von Libyen oder Tunesien nach Italien oder Malta und über den Landweg via Türkei und Griechenland.

Wichtige Routen von Flüchtlingen in die EU

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Italien

Im vergangenen Jahr wagten nach Schätzungen von Pro Asyl etwa 22.000 Flüchtlinge die gefährliche Überfahrt von Afrika nach Italien. Meistens steuern sie die kleine Insel Lampedusa an. Sie ist etwa 140 Kilometer von der tunesischen Küste entfernt und damit einer der nächsten Punkte Europas. Die meisten der Flüchtlingsboote brechen jedoch vom viel weiter entfernten Libyen auf – weil die instabilen Verhältnisse dort von Schleuserbanden ausgenutzt werden. Die überwiegende Zahl der Flüchtlinge kommt aus den Bürgerkriegsländern Syrien, Eritrea und Somalia.

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galerieAllein in Lampedusa landeten im vergangenen Jahr mehr als 20.000 Flüchtlinge.

Wie viele Menschen bei diesen gefährlichen Überfahrten ums Leben kommen, ist schwer zu bestimmen. Vorsichtige Schätzungen gehen von etwa 500, andere dagegen von bis zu 2000 Toten im vergangenen Jahr aus. In jedem Fall dürfte das jüngste Unglück vor Lampedusa, als ein Boot mit bis zu 500 Menschen an Bord sank, das schlimmste in der europäischen Flüchtlingsgeschichte sein.

Auf Lampedusa gibt es ein Auffanglager für bis zu 1500 Menschen. Hier bekommen sie Verpflegung und einen Schlafplatz. Allerdings ist das Lager chronisch überfüllt, vor allem weil sich seit dem Beginn des Arabischen Frühlings die Zahlen der Migranten vervielfacht haben.

Auch in Sizilien landen jedes Jahr Tausende Flüchtlinge. Die Insel ist mit 145 km nur unwesentlich weiter entfernt als Lampedusa. Und auch Malta ist Ziel der Migranten. Die kleine Insel nimmt dabei im Verhältnis zu ihrer Gesamtbevölkerung die meisten Flüchtlinge auf: Auf 1000 Bewohner kommen laut UNHCR 21,7 Asylbewerber.

Zahlen zur Einwanderung in die EU über das Mittelmeer

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Die Kanaren

Die zu Spanien gehörenden Kanaren werden häufig von westafrikanischen Flüchtlingen angesteuert. Die Distanz von Marokko bzw. dem autonomen Gebiet Westsahara beträgt rund 120 Kilometer. Viele Boote brechen jedoch bereits vom weiter entfernten Senegal auf. Die Überfahrt gilt als die gefährlichste Route, da der Atlantik häufig unruhiger ist als das Mittelmeer.

Auf dieser Route versuchen überwiegend Bewohner des Maghrebs, also Marokkos oder Algeriens, sowie Westafrikaner, also etwa Menschen aus den Bürgerkriegsländern Mali, Liberia oder Elfenbeinküste, zu fliehen. Im Jahr 2007 kamen etwa 30.000 Menschen nach Fuerteventura. Die Zahlen sind jedoch stark rückläufig, seit die europäische Grenzagentur Frontex ihre Einsätze vor der Westküste Afrikas verstärkt hat. Dennoch versuchten auch im vergangenen Jahr mehrere hundert Menschen, auf diesem Weg in die EU zu gelangen.

Flüchtlinge aus Afrika

galerieMit veralteten Booten machen sich die Flüchtlinge auf den gefährlichen Seeweg zu den Kanaren.
Soldaten patrouillieren an der Grenzbefestigung in der spanischen Exklave Ceuta

galerieDie spanische Exklave Ceuta ist mit meterhohen Zäunen und Stacheldraht gesichert.

Spanien

Deutlich häufiger frequentiert ist die Straße von Gibraltar. 2012 kamen laut Frontex-Bericht mehr als 6000 Menschen über die Meerenge. Die Distanz beträgt hier nur etwa 30 Kilometer. Jedoch wird der Seeweg scharf von Frontex bewacht. Die Organisation, die 2005 eingerichtet wurde, verfügt über rund 300 Mitarbeiter sowie vielerlei technisches Gerät zur Erfassung von Flüchtlingen. Zudem haben Marokko und Tunesien ihre Kontrollen im Zuge eines Abkommens mit der EU deutlich verschärft.

Außerdem versuchen viele Flüchtlinge in die spanischen Exklaven Ceuta oder Melilla zu gelangen. Diese kleinen Städte liegen auf dem afrikanischen Kontinent, umschlossen von marokkanischen Staatsgebiet. Sie sind mit mehreren Metern hohen Mauern und Stacheldraht wie Festungen gesichert. Dennoch versuchen immer wieder Flüchtlinge, auf das kleine Stück spanisches Staatsgebiet zu gelangen.

Karte Melilla und Ceuta

galerieDie spanischen Exklaven Ceuta und Melilla befinden liegen auf dem afrikanischen Kontinent, gehören jedoch offiziell zur EU.

Türkei/Griechenland

Die Türkei hat eine gemeinsame Grenze mit dem Irak und Syrien. Vor allem seit dem Ausbruch des Bürgerkriegs versuchen dort viele Menschen dem Elend ihrer Heimat zu entfliehen und über Griechenland in die EU zu gelangen. Doch hat Griechenland in den letzten Jahren seine Außengrenzen mit Zäunen und Gräben sowie Hunderten zusätzlicher Wachleute gesichert.

Laut Frontex versuchten 2012 auf diesem Weg gut 37.000 Menschen in die EU zu gelangen. Es ist damit die am meisten frequentierte Route der Migranten. Jedoch sind Migranten seit der Wirtschaftskrise dort zunehmend Repressalien ausgesetzt. Flüchtlinge berichten von Misshandlungen durch die Polizei sowiegezielten Hetzjagden Rechtsradikaler.

Die überwiegende Zahl der Asylsuchenden nimmt laut Frontex aber nicht eine dieser gefährlichen Routen. Die meisten von ihnen reisen legal mit dem Flugzeug ein – und tauchen hinterher einfach ab.

http://www.tagesschau.de/ausland/fluechtlingsrouten100.html

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