Die Ertrinkenden im Mittelmeer sind wirklich unsere Schwestern und Brüder: Die Vorfahren von allen Menschen der Erde lebten in Afrika! Unsere europäischen Vorfahren kamen vor 40.000 Jahren aus Afrika! Die Idee der Menschenrechterklärung stimmt: Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen. Jeder hat Anspruch auf alle in dieser Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten, ohne irgendeinen Unterschied, etwa nach Rasse, Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Anschauung, nationaler oder sozialer Herkunft, Vermögen, Geburt oder sonstigem Stand. Des weiteren darf kein Unterschied gemacht werden auf Grund der politischen, rechtlichen oder internationalen Stellung des Landes oder Gebietes, dem eine Person angehört, gleichgültig ob dieses unabhängig ist, unter Treuhandschaft steht, keine Selbstregierung besitzt oder sonst in seiner Souveränität eingeschränkt ist.

Der moderne Mensch –
Homo sapiens

Auch der moderne Mensch entstand in Afrika, vor etwa 200.000 Jahren. Im Laufe der Zeit eroberte er den ganzen Kontinent, besiedelte vor 100.000 Jahren den Nahen Osten und vor spätestens 50.000 Jahren den Rest der Welt. Vor 14.000 Jahren waren alle Kontinente außer der Antarktis besiedelt, darauf folgte die Besiedlung der ozeanischen Inselwelt, die vor 800 Jahren mit der Besiedelung Neuseelands abgeschlossen war. Seither prägt der Mensch der Erde seinen Stempel auf.

Felsenmalerei von Auerochsen in der Höhle von Lascaux

Felsenmalerei aus Lascaux (Auerochsen): Bereits der Cro-Magnon-Mensch in der späten Steinzeit schuf erste kulturelle Zentren. Abb.: Prof saxx, >> wikipedia commons, abgerufen 30.5.2012, Lizenz: >> cc 3.0.

Die 1868 in den Felsen von Cro Magnon gefundenen Skelette (>> mehr) waren die ersten, die richtig als Skelette vorhistorischer, moderner Menschen erkannt wurden. Ihr Alter wurde später mit 25.000 Jahren bestimmt. Oft werden die Funde des modernen Menschen aus der eurasischen Steinzeit seither als Cro-Magnon-Menschen bezeichnet. (Es gab frühere Funde, etwa die Grabungen von Reverend William Buckland, Präsident der Geologischen Gesellschaft von London, in den 1820er Jahren bei Paviland durchgeführt hatte: Er fand eine Frau mit Mammutelfenbein, die “Red Lady of Paviland”. Da er aber nicht glauben konnte, dass die Frau zeitgleich mit den Mammuts gelebt hatte, erklärte er, walisische Stammesangehörige haben sie dort gegraben, dabei das Elfenbein gefunden, geschnitzt und ins Grab gelegt. Spätere Untersuchungen zeigten aber, dass dieses Skelett über 25.000 Jahre alt war.) Im Laufe der Zeit kamen zahlreiche weitere Funde aus der ganzen Welt hinzu; die ältesten Funde stammten aus Afrika: 160.000 Jahre alt ist ein Fund aus Herto (Afar-Region, Äthiopien), weitere Funde gibt es aus Laetoli und vom Turkana-See sowie aus Südafrika. Der große zeitliche Abstand der afrikanischen Funde zu denen aus dem Rest der Welt legt nahe, dass der moderne Mensch, Homo sapiens, wie schon Homo erectus in Afrika entstanden ist.

Was wurde aus dem asiatischen Homo erectus?

Für die Anhänger eines multiregionalen Übergangs (siehe folgenden Abschnitt) ist Homo erectus der Vorläufer der modernen Asiaten. Eine neue Untersuchung an 12.000 Südasiaten zeigte aber, dass diese alle einen 50.000 Jahre alten afrikanischen Ursprung haben – ein weiteres Ergebnis, das gegen einen multiregionalen Übergang spricht. Die jüngsten Spuren von Homo erectus aus China sind 100.000 Jahre alt – nach Ansicht der meisten Anthropologen ist diese Art danach ausgestorben, möglicherweise aufgrund einer Eiszeit, die auch Homo sapiens an den Rand des Aussterbens brachte (auch hierzu mehr im folgenden Abschnitt). In Indonesien entwickelte sich Homo erectus möglicherweise zu anderen, heute ebenfalls ausgestorbenen Arten weiter (>> mehr).

Der moderne Mensch ist in Afrika entstanden

Zwar hat auch die Theorie eines multiregionalen Übergangs nach wie vor Anhänger, nach der sich der moderne Mensch in verschiedenen Regionen der Welt unabhängig voneinander entwickelt hat. (Diese lag manchem frühen Erforscher der Erde – meist begüterten weißen Männern – nahe, die an eine angeborene Überlegenheit ihrer eigenen “Rasse” glaubten. Heute finden sich Anhänger vor allem in Asien: Sie soll verschiedene asiatische Besonderheiten begründen, wie etwa die durch eine muldenförmige Vertiefung an der Rückseite schaufelförmigen Schneidezähne.) Aber nicht nur die Fossilienfunde, sondern weitere Indizien stützen eindeutig die alternative „Out-of-Africa“-Theorie, die Theorie eines afrikanischen Ursprungs des modernen Menschen. Ursprünglich war diese von Linguisten entwickelt worden: Der amerikanische Linguist und Ethnologe Joseph Greenberg hatte die San, eine heute noch in Botswana und Namibia lebende Sammler- und Jägergesellschaft (früher als „Buschmänner“ bezeichnet), anhand Ihrer Sprache mit Klicklauten zu einer der ältesten Gruppen der Welt gezählt. Heute werden vor allem genetische Merkmale herangezogen, um die Ursprung des Menschen aufzuklären, ähnlich den molekularen Uhren werden hier genetische Veränderungen genutzt, um Verwandtschaften aufzuklären: Je länger Populationen voneinander getrennt sind, desto größer sollten die genetischen Unterschiede sein. Und Untersuchungen zeigen, dass sie tatsächlich in Afrika am größten sind, und dort bei den San: Hier können die genetischen Unterschiede zwischen den Menschen in zwei 30 Kilometer voneinander entfernten Dörfern größer sein als zwischen denen zweier europäischer Länder! Als später ein Teil der Bevölkerung auszog, die Welt zu erobern, begann sie dieses Abenteuer mit nur einem Teil der genetischen Vielfalt. Dafür können später neue Veränderungen auftreten, die nur in dem Teil der Welt zu finden sind, der nach dem Auftreten des neuen Merkmals besiedelt wurde. Besonders hilfreich sind die Untersuchung der Mitochondrien-DNS und des Y-Chromosomens: Beide werden bei den Nachkommen nicht aus der DNS von Mutter und Vater neu zusammengestellt, sondern unverändert von der Mutter beziehungsweise dem Vater übernommen. Auf diese Weise können die Genetiker inzwischen die Besiedelung der Erde durch den modernen Menschen anhand genetischer Merkmale skizzieren.

Mit der molekularen Uhr konnten die Ergebnisse genutzt werden, um abzuschätzen, wann Homo sapiens entstanden ist: Dies war wohl vor etwa 200.000 Jahren. Die ältesten eindeutigen Fossilien des modernen Menschen wurden 1997 bei aus Herto in der Afar-Senke in Äthiopien von dem amerikanischen Paläoanthropologen Tim White und seinem Team gefunden; sie sind 160.000 Jahre alt (bei Omo Kibish wurde ein 195.000 Jahre altes Teilskelett gefunden, dessen Zuordnung jedoch umstritten ist). Ein 150.000 Jahre alter Schädel wurde in Jebel Irhoud in Marokko gefunden. Vor 100.000 Jahren lebten also mindestens drei Menschenarten auf der Erde: Homo sapiens in Afrika, Homo neanderthalensis in Europa und Homo erectus in Asien. Überlebt hat alleine Homo sapiens.

Unsere afrikanische Vergangenheit

Über die ersten 100.000 Jahre, also über die erste Hälfte der Geschichte des modernen Menschen Homo sapiens, gibt es nur wenige Erkenntnisse. Diese erste Hälfte spielte sich in Afrika ab. Die San oder ihre Vorläufer besiedelten damals große Teile des afrikanischen Kontinents. Sie entwickelten neue Steinwerkzeuge (Mikrolithen – kleine Klingen, die wohl für Pfeile verwendet wurden), erste Knochenwerkzeuge und die Fischerei. Die Temperaturschwankungen der >> Eiszeiten hatten einen erheblichen Einfluss auf die Bevölkerung: Warmzeiten brachten in Afrika warmes, feuchtes Wetter, bei dem selbst die Sahara voller Tiere war. Eine Eiszeit bedeutete in Afrika trockenes Wetter; die Tiere müssen nach Süden in die tropischen Regionen wandern, um genug Futter zu finden (und die Menschen mussten ihnen folgen). Während der warmen Phase vor 125.000 Jahren nahm die Zahl der Menschen zu: sie wird auf bis zu eine Million geschätzt. Die danach beginnende Abkühlung führte in Afrika vermutlich zu zunehmender Trockenheit; anderseits ermöglichte der gesunkene Meeresspiegel den Menschen eine Wanderung um die Nordspitze des Roten Meeres oder mit Booten über die wenigen Kilometer des südlichen Roten Meeres: Vor 100.000 Jahren verließ der moderne Mensch erstmals Afrika. Eine Gruppe gelangte nach Israel, dort wurden Funde bei Qafzeh bei Nazareth und Skhul am Karmelgebirge gemacht. Sie gelangte aber wohl nie weiter und starb vor 90.000 Jahren aus.

Abkühlung und Trockenheit nahmen bis vor 70.000 Jahren weiter zu. Vor 74.000 Jahren brach zudem auf der indonesischen Insel Sumatra der Vulkan Toba aus, dessen Staubwolken den Himmel verdunkelten und möglicherweise auf der ganzen Erde zu einem “Vulkanwinter” führten. Die Zahl der Menschen nahm ab – vielleicht sogar stark: genetische Analysen deuten darauf hin, dass die Bevölkerungszahl damals auf nur etwa 10.000 Menschen zurückging, Homo sapiens also möglicherweise kurz vor dem Aussterben stand. Im Nachhinein mag dieses dem Menschen sogar geholfen haben, denn in den kleinen überlebenden Populationen nimmt (aufgrund der genetischen Drift) die genetische Vielfalt rasch zu, die Menschheit mag noch einmal einen Sprung gemacht haben. Oder war dieser kulturell bedingt? – Während die Menschen in guten Zeit vermutlich ihr Sozialleben pflegten (>> hier), waren schlechte Zeiten oftmals Phasen intensiver Neuerungen (gewissermaßen nach dem Motto “Not macht erfinderisch”). Wieder andere Anthropologen glauben, dass die jetzt einsetzende Entwicklung das Ergebnis einer lang andauernden Entwicklung der menschlichen Sprache (>> mehr) war.

Ein großer Sprung nach vorne

Wie auch immer: Jetzt tauchten erstmals in der Menschheitsgeschichte Grabstöcke, Mühlsteine, Fischerei, Werkzeuge aus Knochen (etwa Knochennadeln mit Ösen und Bohrer), Nutzung von Farbpigmenten und schließlich Felszeichnungen, Perlenketten, elfenbeinerne Anhänger mit Tiermotiven und Musikinstrumente (Flöten aus Knochen) auf – nicht nur feinere Werkzeuge also, sondern es gab auf einmal Malerei, figürliche Darstellungen und Musik. Zu den ältesten Fundstellen gehört die Blombos-Höhle in Südafrika, die seit 1991 ausgegraben wird. Hier wurden unter anderem über 70.000 Jahre alte Knochenwerkzeuge, Perlen und  Ockerpigmente und Mahlsteine gefunden. Diese ersten Belege für modernes, geplantes und abstraktes (künstlerisches) Denken des modernen Menschen zeigen eine kulturelle Entwicklung, die viele Anthropologen als “großen Sprung nach vorne” (engl.:great leap forward) in der Menschheitsgeschichte bewerten: Der Mensch war nicht mehr nur anatomisch dem heutigen Menschen ähnlich, sondern jetzt auch kulturell. Die Sprache (>> mehr) war spätestens jetzt voll entwickelt; und Fortschritte in der Werkzeugbearbeitung leiten zur Jungsteinzeit über. Im südlichen Afrika wurden spätestens in dieser Zeit Speere verwendet; die Jagdfähigkeiten hatten sich damit erheblich verbessert – dies ist an den Knochen der erlegten Tiere abzulesen. Mit den besseren Jagdtechniken wird sogar das Aussterben großer Tierarten in Verbindung gebracht (siehe auch >> hier). Spätestens zu dieser Zeit konnte der Mensch auch Feuer selbst entzünden (die Technik ist ähnlich der des Bohrens).

Der moderne Mensch erobert die Erde

Zu dieser Zeit, vor 70.000 Jahren also, wurde das Klima zwischenzeitlich wieder etwas wärmer und in Ostafrika wieder feuchter, gleichzeitig ist es zu einem Anstieg der Bevölkerung gekommen. Ob dieser durch das Klima oder auch durch den “großen Sprung nach vorne” bedingt war, ist umstritten. Wir wissen aber, dass sich der Mensch in dieser Zeit neue Lebensräume in Afrika erschloss; und in diese Zeit fällt auch die zweite erfolgreiche Auswanderungswelle des Menschen aus Afrika. Sie begann vor 70.000 bis 50.000 Jahren und führte über das in einer Eiszeit wesentlich kleinere Rote Meer an die Südküste der arabischen Halbinsel; und vor hier aus über die nächsten Jahrtausende entlang der Südküste Asiens bis nach Australien und Neuguinea (siehe Abbildung).

Ausbreitung von Homo sapiens über die Erde

Ausbreitung des modernen Menschen (Homo sapiens) über die Welt. Die Farben und Zahlen geben den Zeitraum der Ausbreitung an, die Zahlen bedeuten Jahre vor unserer Zeit. (Die Karte stellt die heutige
Verteilung der Landmassen und der Meere dar; zur Zeit der Wanderungen war diese anders, so bestand
eine Landbrücke zwischen Sibirien und Alaska.) Die Karte basiert auf Daten von Spencer Wells, >> Literatur.

Waren die Menschen von Neugier getrieben? Oder sind sie einfach wanderndem Jagdwild gefolgt, und jedes Jahr etwas weiter nach Osten gelangt? Wir wissen es nicht. Aber sie machten auf ihrer Reise überraschende Begegnungen, die heute nicht mehr möglich wären: So dürften sie – etwa in Indonesien (>> Die Menschen von Flores) – auf Menschen der

Die Menschen von Flores

Im Jahr 2003 ging der Fund einer kleinwüchsigen Menschenart auf der indonesischen Insel Flores durch die Presse: Nur einen Meter groß, lebte Homo floresiensis noch vor 18.000 Jahren auf der Insel. Falls es sich bei dem Zwergenwuchs nicht um eine krankhafte Veränderung handelt, könnte diese Art aus Homo erectus entstanden sein; aufgrund einer isolierten Entwicklung auf der Insel wäre es zum Zwergwuchs gekommen, wie er auf Inseln gelegentlich vorkommt – auf Flores wurden auch ungewöhnlich kleine Elefanten gefunden. Da mittlerweile über ein Dutzend Individuen aus einem großen Zeitraum gefunden wurden, gilt eine krankhafte Veränderung inzwischen als unplausibel; die Untersuchung des Gehirns zeigte zudem, dass H. floresiensis ein zwar kleines, aber komplex vernetztes Gehirn besaß, also intelligent war.

Art Homo erectus gestoßen sein; was dabei passiert ist, weiß niemand. Die Ausbreitung jedenfalls ging langsam voran; aber auch wenn man jedes Jahr nur zwei Kilometer vorankommt, schafft man in 5.000 Jahren 10.000 Kilometer. Vielleicht waren es auch die Fischgründe an der Küste, denen die Menschen folgten; jedenfalls gelangten sie im Laufe der Zeit den äußersten Zipfel Südostasien.

Da ihre Wanderroute heute infolge eines wieder gestiegenen Meeresspiegels unter Wasser liegt, ist wenig über sie bekannt. Entsprechend wissen wir auch nichts darüber, wie gut diese Menschen mit der See zurecht kamen. Aber an der heutigen indonesischen Inselwelt war Schluss mit der Küste, die damals gut 1.600 Kilometer weiter ins Meer ragte. Australien war vom Festland durch mindestens acht Meeresarme von bis zu 80 km Breite getrennt – und wurde dennoch erreicht: Australien und Neuguinea, zu dieser Zeit zu einem einzigen Kontinent verbunden, wurden den molekularen Uhren zufolge vor 60.000 bis 50.000 Jahren besiedelt. Der älteste bekannte Fund, “Mungo Man” aus dem Mungo National Park in New South Wales, ist 40.000 Jahre alt. Die Besiedlung Australiens und Neuguineas erforderte in jedem Fall Boote, und mit diesen gelangte der Mensch erstmals über die zusammenhängende Landmasse Afrika – Eurasien hinaus auf einen neuen Kontinent. Warum ahnten die Menschen, dass sie jenseits des Wassers Land finden würden? Sahen sie ziehende Vögel? Sahen sie Rauchsäulen oder nächtlichen Feuerschein von Buschfeuern? Wir wissen es nicht; aber da auch die Salomonen östlich von Neuguinea besiedelt wurden, war die Besiedelung offenbar kein Zufallsereignis: Die Menschen im australischen Raum waren bereits geübt im Umgang mit Booten – vermutlich hochseetüchtigen Bambusflößen, wie sie noch heute an den Küsten Südchinas benutzt werden. Den nächsten Hinweis auf die Nutzung von Booten finden wir erst 30.000 Jahre später im Mittelmeerraum. Einfach war die Überfahrt aber offenbar auch für die seefahrenden Vorläufer der Australier nicht, denn Australien und Neuguinea sollten sich weitgehend isoliert vom asiatischen Festland entwickeln, bis gegen 1.600 v. Chr. austronesische Seefahrer im Zuge der Besiedelung der pazifischen Inselwelt (>> mehr) auch Neuguinea und Australien erreichten.

Die australische “Traumzeit”

Die Menschen, die nach Australien gelangten, trafen auf dem neuen Kontinent eine exotische Tier- und Pflanzenwelt an: Drei Meter hohe Kängurus und andere Beuteltiere, flugunfähige Riesenvögel, sieben Meter lange Echsen, nashorngroße Wombats und 50 Kilogramm schwere Schlangen – das Ergebnis von 55 Millionen Jahren eigener Evolution (>> hier). In ihren mythischen Erzählungen erinnern die Aborigines sich noch an diese Zeit; eine Zeit, als ihre Vorfahren mit einem Kanu aufs Meer fuhren, sich am Morgenstern orientierten und die Nordküste Australiens erreichten, von Riesenkängurus angegriffen wurden und am Ende der letzten Eiszeit der Pegel des Meeres anstieg. Nach ihren Vorstellungen wurde das Land während der “Traumzeit” (die nichts mit dem Träumen im Schlaf zu tun hat, sondern eine metaphysische Parallelwelt bezeichnet, in der die Welt geschaffen/geordnet wurde und wird) durch Ahnen wie die Regenbogenschlange geformt, die einst über das Land schlängelte und dabei Flüsse in die Erde kratzte und Berge aufschüttete. Das Land (und nicht etwa ein Gott) ist die zentrale Figur der Traumzeit, Landmarken erinnern an Geschehnisse in der “Traumzeit”, und jeder Mensch ist über ein Totem mit den Ahnen aus der “Traumzeit” verbunden. Aus den Erzählungen aus der Traumzeit folgen auch Regeln für das Zusammenleben. So müssen Menschen mit demselben Totem sich unabhängig von ihrer Verwandtschaft gegenseitig helfen (eine ideale Konstellation für Nomaden); und die Verbindung zur Traumzeit wird durch Rituale an Kultstätten gepflegt.

Diese heiligen Orte liegen entlang der “Traumpfade”, an denen einst die Ahnenwesen die Welt ins Dasein “gesungen” haben: anhand von Liederzyklen, die die Traumpfade beschreiben, können sich die Aborigines selbst in unbekanntem Land orientieren. Die Rituale, zu denen sie sehr lange Wege auf sich nehmen, stellen ein verbindendes Element der Kultur der Ureinwohner dar, die ansonsten sehr zerstreut leb(t)en – so hatten sich in Australien 200 bis 300 verschiedene Sprachen entwickelt, aber viele Ureinwohner sprechen drei oder vier Sprachen und verstehen etliche mehr.

Eine zweite Wanderungswelle von Homo sapiens startete vor 45.000 Jahren. Diesmal waren die Küstengebiete bereits besiedelt, sie führte daher in den Nahen Osten. Von hier gingen in den nächsten 15.000 Jahren drei weitere Wanderungsbewegungen aus: eine nach Indien, eine nach Ostasien (von der die Chinesen und andere asiatische Völker abstammen) und eine nach Zentralasien, ins heutige Kasachstan. Diese letzte Gruppe besiedelte (in zwei Wellen, vor 40.000 und vor 22.000 Jahren) Westeuropa, auch das Gebiet des heutigen Deutschland – die ältesten Funde hier kommen aus der Schwäbischen Alb; unter anderem wurde dort ein Löwenmensch aus Mammut-Elfenbein gefunden, der 35.000 Jahre alt ist.

Das Ende der Neandertaler

Als der moderne Mensch vor 45.000 Jahren im Nahen Osten in das Gebiet gelangte, das von Neandertalern besiedelt wurde, begann deren Niedergang. Wo immer der moderne Mensch ankam, verschwanden nach ein paar Tausend Jahren die Neandertaler; das jüngste bisher gefundene Vorkommen liegt in Gibraltar und ist 28.000 Jahre alt. Genetische Analysen zeigen aber, dass der moderne Menschen und der Neandertaler einige – wenige – Gene gemeinsam haben, also noch in unseren Genen steckt. Abgesehen davon: War das Aussterben des Neandertalers und die Ankunft des modernen Menschen ein zufälliges zeitliches Zusammentreffen oder verdrängte der moderne Mensch die Neandertaler?

Dass der moderne, in den Tropen entstandene Homo sapiens im eiszeitlichen Eurasien dem an Kälte angepassten Neandertaler verdrängt haben soll, scheint auf den ersten Blick nicht sonderlich plausibel. Aber Untersuchungen zeigen einen entscheidenden biologischen Unterschied: Neandertaler wurden wesentlich jünger geschlechtsreif – was bedeutet, dass junge Neandertaler weniger Zeit für ihre Entwicklung und fürs Lernen von älteren Gruppenmitgliedern hatten. Dieser Unterschied, so vermuten viele Forscher, könnte dazu geführt haben, dass der moderne Mensch vielleicht biologisch unter-, aber kulturell überlegen war: Er entwickelte wirksamere Waffen und Jagdtechniken (siehe folgender Abschnitt), und eine erste Arbeitsteilung: Während bei den Neandertalern Männer und Frauen Großtiere jagten, blieb dies beim modernen Menschen den Männern vorbehalten – wodurch Frauen und Kinder nicht den Risiken der Jagd ausgesetzt waren. Dass der moderne Mensch dem Neandertaler überlegen war, wird auch daran erkennbar, dass er ein Gebiet weit über die Verbreitung des Neandertalers hinaus besiedelte.

Bleibt noch die Frage, ob Homo sapiens den Neandertaler “nur” verdrängte oder direkt bekämpfte? Die Antwort ist umstritten, aber dass das Aussterben der Neandertaler ein paar Tausend Jahre brauchte, spricht eher dafür, dass sie in weniger lohnende Regionen abgedrängt wurden. Die muskulöseren Neandertaler brauchten aber mit über 4.000 kcal pro Tag etwa doppelt soviel Nahrungsenergie wie ein moderner Mensch – möglicherweise war diese in schlechten Zeiten dort einfach nicht zu finden, was dann langfristig zum Aussterben führte. Angesichts der Erfahrungen mit dem Zusammentreffen von Menschengruppen etwa während des Kolonialismus ist es aber nicht verwunderlich, dass moderne Menschen und Neandertaler auch miteinander Nachkommen zeugten – und so sind uns wenigstens einige gemeinsame Gene geblieben.

Die Ausbreitung trag auf Hindernisse, so begann vor 30.000 Jahren, die Temperatur im Norden Europas zu sinken, und Eisschilde dehnten sich aus. Aber immer wirksamere Waffen und immer feinere Werkzeuge halfen den Menschen beim Überleben. Eine der wichtigsten Entwicklungen war die Nähnadel: Sie ermöglichte die Herstellung von (mit Tiersehnen) genähter, eng anliegender Kleidung und warmer Unterkünfte aus Tierfellen. So konnte Homo sapiens, ein an die Tropen angepasste Lebewesen (unsere “Neutraltemperatur”, bei der die Wärmeerzeugung durch den Grundumsatz des Stoffwechsels die Wärmeverluste genau ausgleicht, beträgt 27 °C),  in Europa auch die letzte Kältephase der Eiszeit überstehen. Mit Kleidung und Feuer konnte er im eiszeitlichen Eurasien sogar sehr kalte Regionen besiedeln, die den Neandertalern verschlossen blieben. Besonders unwirtlich war das östliche Sibirien; hier sind wohl nur in warmen Jahren Gruppen von Jägern aufgetaucht. Als aber vor etwa 15.000 Jahren eine erste wärmere Phase das Ende der >> Eiszeit einläutete, entstanden auch nordöstlich des Baikalsees erste Siedlungen. (Ältere Angaben in der Literatur konnten mit modernen Datierungsmethoden nicht bestätigt werden.) Mit der Erwärmung zogen die Weidetiere immer weiter nach Osten, und ihnen folgten die Jäger.

Da in den riesigen Eisschilden aber immer noch viel Wasser gebunden war, lag der Meeresspiegel viel niedriger als heute – und wo heute die Beringstraße liegt, gab es eine Landbrücke zwischen Sibirien und Alaska. Ohne es zu bemerken, erreichten die Jäger Amerika. Die Besiedelung Amerikas fand wohl bald nach der Besiedelung Ostsibiriens statt; die ältesten Funde aus Alaska sind knapp 14.000 Jahre alt. (Auch in Amerika gibt es angeblich ältere Funde, so sollen Felszeichnungen im brasilianischen Pedra Furada 35.000 Jahre alt sein. Aber weder sind die gefundenen Steinwerkzeuge eindeutig vom Menschen gemacht, noch wurde das Alter der Pigmente bestimmt, sondern der Asche am Fundort, die ebenso gut von Waldbränden stammen könnte.)

Nordamerika war östlich von Alaska wie das nördliche Europa zu weiten Teilen von Eis bedeckt, aber vor 14.000 Jahren bildete sich in der warmen Phase vermutlich ein eisfreier Korridor zwischen der Eisdecke auf dem Küstengebirge und der des nordöstlichen Amerikas; und auf diesem Korridor sind die Menschen von Alaska aus wohl zu den Prärien Nordamerikas gelangt. Eine alternative Theorie vermutet, dass die ersten Besiedler nicht über Land nach Amerika gelangt, sondern (möglicherweise bereits vor 15.000 Jahren) mit Booten entlang der Pazifikküste gefahren seien – entlang der Küste gab es eisfreie Refugien, die dies möglich gemacht hätten. Aufgrund des angestiegenen Meeresspiegels liegen mögliche Indizien für diese Theorie jedoch heute im Meer und sind daher schwer zu finden; aufgrund des Fischreichtums der gesamten amerikanischen Pazifikküste gilt auch dieser Weg als plausibel; als stärksten Argument gilt der wohl 14.700 Jahre alte chilenische Fundort Monte Verde. Wie auch immer: Für die 1.500 Kilometer haben die ersten Einwanderer offenbar nur wenige Generationen gebraucht; die ältesten Funde südlich des Eises sind nur wenig jünger als 14.000 Jahre. Dort fanden die Einwanderer eine reiche Tierwelt vor; in den Prärien weideten Mastodonten (eine ursprüngliche Elefantenart), Elefanten, riesige Gürteltiere, Säbelzahntiger, Pferde und Kamele. Und es gab keine ernsthaften Hindernisse mehr auf dem Weg nach Süden: Ab 11.000 v. Chr. gibt es zahlreiche Funde der Clovis-Kultur (nach dem ersten Fundort, Clovis im US-Bundesstaat New Mexico) mit charakteristischen steinernen Speerspitzen über ganz Nordamerika, und bald darauf finden sich Spuren des Menschen auch in Amazonien und in Patagonien. Innerhalb von 1.000 Jahren hatten die Einwanderer also die Südspitze Südamerikas erreicht, und sie hatten sich dabei auf einige Millionen vermehrt. Damit waren alle Kontinente vom Menschen besiedelt; außer der eisbedeckten Antarktis, die erst im 20. Jahrhundert mit hochentwickelten technischen Hilfsmitteln besiedelt werden konnte. (In Amerika folgten später noch mindestens zwei weitere Einwanderungswellen: Eine vor 9000 Jahren, bei der die Vorfahren der Na-Dené Indianer, zu denen die Haida, Apachen und Navajos gehören, ebenfalls von Nordasien aus nach Amerika gelangten; und eine vor 5.000 Jahren, bei der die Aleuten und Inuit (“Eskimos”) den Norden Amerikas besiedelten. Umstritten sind mögliche weitere, womöglich sogar frühere Einwanderungswellen: Etwa von Menschen aus Ozeanien, aus Nordostasien (vermutet aufgrund von Funden, die japanischen Ureinwohnern vom Volk der Ainu ähneln) oder gar aus Europa.)

Das Leben in der Steinzeit

Wie das Leben der Menschen in der Steinzeit wirklich gewesen ist, ist bis heute umstritten. Für die einen war es ein hartes, brutales, kurzes Leben (so für Thomas Hobbes im “Leviathan”). Herausgefordert wurde diese Sicht im Jahr 1972 von dem amerikanischen Anthropologen Marshall Sahlins, der Steinzeitgesellschaften als die “ursprünglich reichen Gesellschaften” beschrieb: Die Menschen hatten alles, was sie wollten – weil sie nichts wollten, was sie nicht hatten. Besitz war für Nomaden nicht erstrebenswert; und Nahrung war unter normalen Umständen nicht schwierig zu finden. Tatsächlich zeigten moderne Untersuchungen, dass viele Naturvölker für die Nahrungssuche und -zubereitung höchstens vier bis fünf Stunden am Tag brauchen. Andere kamen aber zu dem Ergebnis, dass die Nahrung in schlechten Jahren nicht immer ausreichend war. Wahrscheinlich haben beide Seiten recht – je nach Region und nach klimatischen Verhältnissen konnte das Leben der Jäger und Sammler mal leicht, mal aber auch überaus hart sein. Mit der Verbreitung des Menschen über die ganze Welt und fast alle Klimazonen bildeten sich auch unterschiedliche Kulturen aus, die Grundlage der kulturellen Vielfalt der Menschheit (>> mehr).

In guten Zeiten hatten die Jäger und Sammler relativ viel “Freizeit”, die sie in Verbänden von bis zu 150 Mitgliedern verbrachten. Gelegentlich hatten diese Kontakt mit anderen Verbänden, dabei wurden Geschenke und Informationen (und wohl auch Gruppenmitglieder) ausgetauscht; damit wurden vor allem soziale Beziehungen gepflegt. (Möglicherweise erstreckten sich diese Beziehungen auch in die nicht-menschliche Welt – dies war dann die Aufgabe des Schamanen; siehe >> hier.) Der Austausch konnte auch über große Entfernungen gehen; dies wird etwa aus den Venusfiguren geschlossen, die vor 20.000 Jahren von den Pyrenäen bis an den Don verbreitet waren. Auch in Australien ist der Handel von Ocker aus der Mine von Wilgie Mia quer über den Kontinent belegt; und ebenso spricht die schnelle Verbreitung neuer Waffen für einen bedeutenden Austausch zwischen den einzelnen Gruppen. Gelegentlich – und viele Anthropologen vermuten: vor allem in schlechten Zeiten – versagte die soziale Kontaktpflege aber auch: Durch Axthiebe verursachte Knochenverletzungen bei Steinzeitmenschen zeigen, dass es unter ihnen auch gewalttätige Auseinandersetzungen gab.

Mit der Besiedelung Amerikas am Ende der Eiszeiten hatte der Mensch den letzten der damals bewohnbaren Kontinente erschlossen. Gerade noch rechtzeitig, denn mit dem Ende der Eiszeiten stieg der Meeresspiegel an und trennte Sibirien und Alaska wieder; ebenso Australien, Neuguinea und Tasmanien sowie Japan von Korea. Aus der einen Welt, die der Mensch besiedeln konnten, wurden wieder drei durch Meere voneinander getrennte Bereiche (Afrika und Eurasien, Amerika, Australien), zwischen denen – wenn überhaupt – kaum Kontakt bestand. Mit dem Ende der Eiszeiten dehnten sich aber auf allen Kontinenten die bewohnbaren Flächen aus, und die Zahl der Menschen nahm zu.

Vor etwa 10.000 Jahren haben bereits vier bis acht Millionen Menschen auf der Erde gelebt.

Aber die Erde war noch nicht vollständig besiedelt: Es folgte noch die Besiedelung der mediterranen und der ozeanischen Inselwelt. Die Mittelmeerinseln von Kreta bis Sardinien wurden zwischen 8.500 und 4.000 v. Chr. besiedelt; die Karibik-Inseln ab 4.000 v. Chr. Die Arktis wurde (vermutlich von nordamerikanischen Indianern als Vorläufern der heutigen Inuit) um 2.000 v. Chr. besiedelt.

Die letzte große Barriere für den Menschen waren die Ozeane: Die Besiedelung der pazifischen Inselwelt (Polynesien, Mikronesien und Neuseeland) begann vor 4.000 Jahren mit der Überfahrt vom heutigen China nach Taiwan – dies war der Beginn der spektakulärsten Siedlungswelle über die Weltmeere. Lange Zeit hatten die Historiker geglaubt, sie sei eher zufällig erfolgt, als Fischer vom Kurs abkamen. Heute glaubt man, sie sei gezielt erfolgt: Zum einen erfolgte sie gegen die vorherrschende Richtung von Wind und Meeresströmungen, zum anderen hatten die Siedler Nutzpflanzen und Nutztiere dabei (im Unterschied zu den älteren Siedlungswellen waren hier nicht Jäger und Sammler unterwegs, sondern Menschen, die die Landwirtschaft kannten). Die erste Welle hat die austronesischen Seefahrer über die indonesische Inselwelt und über Australien und Neuguinea bis zu den Salomonen gebracht, wo vor etwa 3.200 Jahren eintrafen. In der nächsten Siedlungswelle erreichten Bauern und Fischer aus dem Bismarck-Archipel nordöstlich von Neuguinea und von den Salomonen aus mit hochseetüchtigen Auslegerkanus die Fidschi-Inseln, Samoa und Tonga – fast 1.500 Kilometer über offenes Meer. Diese Vorfahren der Polynesier werden nach dem Stil ihrer Keramik Lapita-Keramiker genannt. Über 1.500 Jahre später brachen sie – nun mit großen Doppelkanus versehen – wieder auf und erreichten zwischen 600 und 800 nach Christus die Cook-, Gesellschafts- und Marquesas-Inseln (und von dort aus Hawaii) und gegen 900 n. Chr. die Osterinsel: Mindestens 2.100 Kilometer über offenes Meer von der nächstgelegenen Inselgruppe, den Pitcairn-Inseln im Westen. Vermutlich von Kalimantan in Indonesien aus wurde um das Jahr 400 herum Madagaskar besiedelt – eine 5.000 Kilometer-Reise, die wohl durch den Nordost-Monsun ermöglicht wurde. Die Besiedelung von Neuseeland im Jahr 1.200 n. Chr. schloss die Besiedlung der bewohnbaren Inseln im Pazifik ab – auch diese Reise erforderte mindestens 3.200 Kilometer über offenes Meer. (Möglicherweise haben die Austronesier sogar Amerika erreicht; in Chile gefundene Hühner stammen nach genetischen Untersuchungen aus Polynesien und sind im 14. Jahrhundert in die Neue Welt gelangt.)

Den Abschluss der Besiedelung der Erde bildete zwischen 300 und 800 n. Chr. die Besiedlung zahlreicher Inseln im indischen Ozean und von Madagaskar von Indonesien aus sowie im neunten Jahrhundert und zehnten Jahrhundert die Besiedelung von Island und (des bereits von Inuit besiedelten) Grönland durch Norweger. Wirklich von europäischen Eroberern entdeckt wurden daher nur einige abgelegene Inseln im Atlantik und im Indischen Ozean, wie die Azoren und die Seychellen; alle anderen Inseln und Kontinente waren bereits bevölkert. Eine lange Geschichte technischer Entwicklungen (>> mehr) ermöglichte dann im 20. Jahrhundert auch die Besiedlung der Antarktis – und im Jahr 1969 den ersten Besuch auf dem Mond.

Erste kulturelle Zentren

Der moderne „Cro-Magnon-Mensch“ war technisch wesentlich weiter entwickelt als die Neandertaler: Er nutzte Knochen, um etwa Angelhaken und Nähnadeln herzustellen; er erfand Pfeil und Bogen und so genannte Speerschleudern. Mit diesen Waffen war die Geschwindigkeit und Reichweite der Projektile größer; und das Töten großer und gefährlicher Tiere daher leichter. Auch die Grabstöcke wurden mit Steingewichten versehen, die sie tiefer in den Boden eindringen ließen. Das Klima der Eiszeiten bot Homo sapiens reichlich südlicher der Eisschilde reichlich Beute: eine offene Graslandschaft mit vielen großen Weidetieren versprach einem derart guten Jäger vor allem an den Zugrouten und Wasserstellen leichtes Jagdglück. So bildeten sich an den besten Plätzen sogar erste kulturelle Zentren heraus, etwa die Magdalénien in Südfrankreich und Nordspanien. Hier bauten unsere Ahnen erste dorfartige Siedlungen, die über längere Zeiträume bewohnt waren. Sie lebten offenbar von der Jagd auf regelmäßig vorbeiziehende Herden. Dafür reichten einige Monate im Jahr aus; und in der restlichen Zeit schufen sie dort einige der bemerkenswertesten Kunstwerke der Altsteinzeit, die berühmten Bilderhöhlen von Lascaux (>> Abbildung) und Altamira.

Jäger in der Eiszeit

In den Bilderbüchern für Kinder werden gerne Eiszeitjäger dargestellt, die speerschwingend einen Mammut umringen. Nach allem was wir wissen, hat es diese Szene nie gegeben: Zum einen wäre es für die Steinzeitjäger viel zu gefährlich gewesen, sich mit einem ausgewachsenen Mammut anzulegen; zum anderen würden ihnen eine solche Mutprobe auch gar nichts nützen – ein ausgewachsenes Mammut liefert so viel Fleisch, dass es ohne Kühlung zum großen Teil vergammeln würde. Die Auswertung der Knochen aus steinzeitlichen Fundstellen zeigt: Die Steinzeitjäger jagten vor allem Tiere mit weniger als einer Tonne Lebendgewicht – darunter auch junge Mammuts. Diese Tiere lieferten eine Fleischmenge von 400 – 500 Kilo; soviel konnte ein Familienclan vor dem Vergammeln auch nutzen (und nebenbei war es auch noch zarter). Gefährliche Tiere wurden dabei gerne aus dem Hinterhalt getötet, oder auch an Orten, wo sie etwa im tiefen Schlamm versanken und wehrlos waren. Freilich waren auch “kleine” Tiere mit fast einer Tonne Lebendgewicht gefährlich, ihre Jagd war nur in Gruppen möglich. Die Jäger versuchten, geschwächte Tiere aus den Herden zu isolieren und zu Tode zu hetzen (wobei ihnen ihre ausgezeichneten läuferischen Fähigkeiten zu Gute kamen, siehe >> oben). Mit der der Erfindung von “Distanzwaffen” wie dem Wurfspeer wurde die Jagd erheblich erleichtert. Wilde Tiere verändern aber ihr Verhalten bei Gefahr, und als Reaktion auf den Wurfspeer wurden sie scheuer. Die Menschen tarnten sich daraufhin mit Tierfellen und setzten sich Hörner oder Geweihe auf, um sie zu täuschen – so sind vermutlich die “Hirschmenschen” in steinzeitlichen Felsmalereien zu erklären. Diese Verkleidung scheint sich bewährt zu haben, denn später übernahmen die Schamanen sie für die rituelle Beschwörung des Jagdglücks.

Das erste “Haustier”: Der Hund

Bereits in der Frühzeit der Menschheit, vor 135.000 Jahren ist nach neuesten genetischen Untersuchungen der Wolf zum Haustier geworden. Die ältesten Knochenfunde, die eindeutig keinen Wolf, sondern einen Hund nachweisen, sind allerdings nur etwa 15.000 Jahre alt. Aber auch in diesem Fall ist der Hund immer noch das älteste “Haustier” des Menschen. Ob der Mensch zum Hund gekommen ist oder der Hund zum Menschen, ist umstritten: Denkbar ist sowohl, dass Wolfsrudel die Nähe menschlicher Lager gesucht haben, wo es Fleischreste und salz- und mineralienreiche Asche von verlassenen Lagerfeuern gab; als auch, dass Menschen junge Welpen gefunden und aufgezogen haben. In jedem Fall muss sich der Wolf dem Menschen als nützlich erwiesen haben, etwa indem er ihm beim Aufspüren der Beute half – und so fing das dauerhafte Zusammenleben an. Wölfe sind als Rudeltiere relativ leicht zu zähmen; sie leben von Natur aus in hierarchischen Verbänden und ordnen sich bei richtiger Behandlung dem Menschen unter. Das Zusammenleben führte schließlich beim Wolf zu genetischen Veränderungen, die beim Hund münden sollten. Wölfe wurden offenbar in Vorderasien, China und Nordamerika unabhängig voneinander zum Haustier.

Die geistige Welt des frühen Homo sapiens lässt sich schwerer als technische Errungenschaften nachvollziehen: Wir kennen Venusfiguren, die offensichtlich die weibliche Fruchtbarkeit darstellen, und wir kennen die Höhlenbilder. Welchem Zweck dienten diese? Gab es für die Menschen schon eine Geisterwelt, die parallel zur menschlichen Welt bestand und Erfahrungen wie Träume, Leben und Tod erklären konnte? Gab es bereits so etwas wie Schamanen, die mit dieser Geisterwelt in Kontakt treten konnten, und hatten die Bilder etwas damit zu tun (wie es der Vergleich mit heutigen Jägerkulturen nahelegt)? Mit anderen Worten, gab es erste Formen der Religion? Wie auch immer, wer sich die Bilder aus den steinzeitlichen Höhlen von Lascaux oder Altamira ansieht, wird auch heute noch von ihnen berührt: Die Denkwelt des frühen Homo sapiens hatte mit der unseren offensichtlich schon einiges gemeinsam.

Auch außerhalb Europas bildeten sich erste sesshafte Kulturen: An der nordamerikanischen Pazifikküste etwa, wo die Einwohner von wandernden Lachsen und Walen lebten, in bis zu 35 Metern langen Langhäusern lebten und prachtvolle Totempfähle schnitzten; oder sogar an der arktischen Küste, wo die Ureinwohner durch den Walfang genug Nahrung für feste Siedlungen erhielten – die Anpassung an das arktische Klima ist ein beeindruckendes Zeugnis der Anpassungsfähigkeit des Menschen.

Die kulturelle Vielfalt der Menschheit

Auch wenn es offenkundig unter den Menschen eine große Vielfalt an Merkmalen wie Hautfarbe, Gesichtszüge und anderen körperlichen Merkmalen gibt, die kulturelle (und sprachliche) Vielfalt übertrifft diese bei weitem. Sie war die Grundlage für den Erfolg der Menschheit: Die Anpassung an die verschiedensten Lebensräume. Aber die kulturelle Vielfalt der Menschheit geht zunehmend verloren. Indigene Völker – also die, die vor Eroberungen, Kolonisation oder Staatsgründungen in einem Gebiet lebten, die bekanntesten sind die Yanomani in Brasilien, die Buschleute in Afrika, die Aborigines in Australien oder die Papua-Stämme in Indonesien – werden oftmals als rückständig angesehen und an den Rand gedrängt; vor allem, wenn sie ein Gebiet besiedeln, in dem Bodenschätze liegen oder Großprojekte geplant sind.

Ähnlich wie bei der biologischen Vielfalt (siehe >> hier) liegt hierin eine große Gefahr: Die Vielfalt ist die Grundlage der Anpassung an sich verändernde Umweltbedingungen. Wenn etwa die fossilen Brennstoffe, auf denen die Industrielle Landwirtschaft basiert, zu Ende gehen, mögen Kenntnisse traditioneller Landbaumethoden wieder hoch aktuell werden (siehe >> hier). Oder ein anderes, aktuelles Beispiel: Vor tausenden von Jahren gelang es den Ureinwohnern des Amazonasgebietes, dort mit Hilfe von Holzkohle fruchtbare Böden herzustellen (>> mehr); heute wird diese Technik als einer der Hoffnungsträger im Kampf gegen den Klimawandel diskutiert (>> hier). Aber die Ureinwohner des Amazonasgebietes, die nach schlechten Erfahrungen in der Regel jeden Kontakt mit Weißen ablehnen, werden durch Goldsucher, (illegale) Holzfällerei, Soja- und Zuckerrohranbau, die Ansiedlung landloser Bauern oder christliche Missionare immer weiter zurückgedrängt oder verlieren ihre Kultur. (Die meisten dieser Völker leben in Brasilien und Peru; während es in Brasilien wenigstens auf dem Papier anerkannte Schutzgebiete gibt – die von der Indianerbehörde FUNAI nur unzureichend insbesondere gegen agroindustrielle und forstwirtschaftliche Interessen geschützt werden können -, werden diese in Peru gerade erst geplant.)

Organisationen zum Schutz bedrohter Völker:
>> Survival International
>> Gesellschaft zum Schutz bedrohter Völker

In den Tropen, und so auch in Afrika, waren die Temperaturänderungen während der Kalt- und Warmphasen wesentlich geringer als in höheren Breiten, aber die kalten Zeiten waren trockener. In wärmeren Phasen kehrte der Regen zurück, nach einigen Hundert Jahren waren die Savannen wieder grün, und selbst die Sahara, wie Felszeichnungen aus der heutigen libyschen Sahara zeigen. In Afrika war wohl während der Eiszeiten auch der Grabstock erfunden worden, ein angespitzter, gelegentlich mit einer Steinscheibe beschwerter Stock, der beim Ausgraben von Wurzeln und Knollen half – und auch zum Setzen von Setzlingen geeignet war; er gilt daher als ein wesentlicher Vorläufer der Landwirtschaft (>> mehr) – und manchen Historiker gar als eine der wichtigsten Erfindungen der Menschheit. In der Umgebung der 70.000 Jahre alten Klasies River Caves in Südafrika gibt es zahlreiche Pflanzen, die ihre Reservestoffe in Zwiebeln, Knollen oder Wurzelstöcken unter der Erde speichern, und die in einem Maße genutzt wurden, das sich Paläobotaniker nur mit “Management” – etwa dem Abbrennen anderer Pflanzen – erklären können. Vor 70.000 Jahren manipulierte der Mensch also schon seine Umwelt (>> mehr).

In Westeuropa führte das vor 15.000 Jahren wärmer werdende Klima dazu, dass die offenen Grasländer vom Wald verdrängt wurden; eine Entwicklung, die durch Pollenablagerungen in Sedimenten belegt ist. Damit verschwanden aber die großen Tierherden, sie folgten der Tundra-Vegetation nach Norden. Die Cro-Magnon-Jäger hatten die Wahl: Entweder sie folgten ihrer bisherigen Beute; oder sie blieben vor Ort und jagten Waldtiere wie Elch, Hirsch und Auerochse. Sie nutzten beide Möglichkeiten. Im Norden konnten sie ihre alte Lebensweise beibehalten, in den wärmeren Regionen wurde alles anders: Die Waldtiere lebten nicht in großen Herden wie zuvor die Weidetiere; und auch wenn die Erfindung von Pfeil und Bogen bei der Jagd im Wald half – die Sicherstellung von ausreichender Nahrung wurde schwieriger. Dorfartige Siedlungen, Höhlenbilder und Venusfiguren gibt es aus dieser Zeit nicht mehr. Neben der Jagd spielte pflanzliche Nahrung wieder eine größere Rolle; Wälder liefern Knollen, Pilze, Nüsse und andere Früchte. Diese hatten auch den Vorteil, dass sie gut aufbewahrt werden konnten, so dass Reserven für schlechte Zeiten angelegt werden konnten. Als die Wälder immer dichter wurden, zogen die Menschen sich an offene Stellen zurück: Sie besiedelten bevorzugt Fluss- und Seeufer oder Sümpfe, wo die Jagd leichter war und durch Fischfang ergänzt werden konnte.

Östlich des Mittelmeeres …

Historisch bedeutsam sollte aber die Region östlich des Mittelmeeres werden: Hier brachten mit dem einsetzenden Ende der Eiszeiten vor 15.000 Jahren feuchte Westwinde soviel  Regen ins Land, dass im Gebiet des heutigen Israels, Palästinas, Jordaniens und Syriens lockere Eichen-Pistazienwälder über ertragreichen Grasländern entstanden, in denen Gazellen weideten. Grassamen im Frühjahr, Gazellen im Sommer und Eicheln sowie Pistazien im Herbst lieferten reichlich – und ausgewogene – Nahrung. Aber insbesondere die Eicheln verlangten eine aufwendige Zubereitung – die Bitterstoffe mussten ausgewaschen werden. Die Frauen, die für ihre Zubereitung zuständig waren, wurden zunehmend an den Haushalt gefesselt. Auch hier entstanden feste Siedlungen, die zur Natufien-Kultur gehören: im heutigen Israel und Jordanien gelegen, bestanden diese aus runden Häusern mit Sockeln aus Steinen und luftgetrockneten Lehmziegeln. Wie wichtig die Gräser für die Ernährung bereits waren, zeigen Mörser, Mahlsteine und Feuersteinsicheln, die in Siedlungen des Natufien gefunden wurden. Die Benutzung von Mörsern und Mahlsteinen haben darüber hinaus dem Menschen wohl auch den Weg zu geschliffenen Steinwerkzeugen gezeigt – und damit die >> Jungsteinzeit (Neolithikum eingeleitet).

Die Sesshaftigkeit konnte aber auch zum Verhängnis werden: Der mobile frühere Mensch konnte auf Veränderungen in seiner Umwelt reagieren, indem er einfach dahin zog, wo seine Jagdbeute hinzog. Dieser Ausweg stand Menschen, die in einer dicht besiedelten Region lebten, aber nicht mehr zur Verfügung – in den angrenzenden Gebieten lebten bereits Menschen, und in schlechten Zeiten waren Neuankömmlinge kaum willkommen. Eine solche Veränderung kam vor 13.000 Jahren mit dem Beginn der letzten Kaltphase, der >>Jüngeren Dryas: Im östlichen Mittelmeerraum begann eine lang andauernde Trockenheit; die Wälder schrumpften, die Grasländer trugen weniger Körner. Die Menschen machten aus der Not eine Tugend: Sie versuchten, mit der Aussaat von Gräsern die Ernte zu steigern; und damit begann der Übergang zur Landwirtschaft – beschreiben wird diese auf der Seite >> Die Erfindung der Landwirtschaft.

Weitere Informationen:

>> Genographic Project: Gemeinsames Forschungsvorhaben der amerikanischen National Geographic Society und von IBM, um mit Hilfe moderner genetischer Verfahren und deren informationstechnischer Auswertung die Geschichte der Ausbreitung des modernen Menschen über die Welt nachzuvollziehen (englischsprachig).

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Afrika – Wiege der Menschheit

Würde man die gesamte Erdgeschichte in einen 24-Stunden-Tag pressen, dann würde der moderne Mensch erst zwei Minuten vor Mitternacht als neue Art auftauchen. Vor 3,5 Milliarden Jahren entwickelte sich das Leben auf der Erde, doch “erst” vor sechs Millionen Jahren begann ganz allmählich die Entwicklung des Menschen. Klimaveränderungen und wechselnde Umwelteinflüsse zwangen den Frühmenschen, sich immer weiter anzupassen.

Der Stammbaum des Menschen (3’07”)

Alles begann in Afrika

Vor zwei Millionen Jahren betrat in Afrika die frühe Form des Homo sapiens die Bühne des Lebens. Er konnte mit dem Feuer umgehen und entwickelte ausgefeilte Werkzeugtechniken. Das machte ihn unabhängig von seiner Umgebung. Jetzt war sein Siegeszug nicht mehr aufzuhalten. Er überwand Wüsten, Gebirge und Meere und besiedelte schließlich die ganze Welt.

Aber wieso begann diese Entwicklung gerade in Afrika? Hätte sich der Mensch nicht auch irgendwo anders entwickeln können? Sicher hätte er das. Eine Zeit lang glaubten Forscher auch, dass Europa oder Asien das Ursprungsgebiet unserer Vorfahren gewesen sei.

Grafik, auf der der Stammbaum des Menschen aufgezeichnet ist.Ohne jede Garantie: der Stammbaum des Menschen

Die Paläoanthropologie ist ein mühseliges und sehr theoretisches Geschäft. Je nachdem, welche Funde gerade zu Tage treten, wie genau die Datierung und die Interpretation dieser fossilen Überreste gelingt, müssen Theorien auch überarbeitet werden. Im Zuge der Urmenschenforschung gab es immer wieder Funde, die die bis dahin gültige Vorstellung von der Evolution des Menschen gehörig durcheinander brachten.

Heute steht fest: Alle Hominidenfunde, die älter als zwei Millionen Jahre alt sind, stammen ausschließlich aus Afrika. Der Startschuss zur Menschwerdung fiel bereits vor sechs Millionen Jahren. Warum sich der Mensch ausgerechnet in Afrika entwickelt hat, diese Frage stellen sich die Wissenschaftler nicht. Sondern: Wie?

Der aufrechte Gang des Menschen (4’16”)

Afrika vor sechs Millionen Jahren

Vor etwa acht bis sechs Millionen Jahren war Afrika noch zum größten Teil von tropischem Regenwald bedeckt. Die jahreszeitlichen Wechsel waren wenig ausgeprägt und die Wassertemperaturen in den Tiefen der Ozeane waren durchschnittlich 10 Grad wärmer als heute. In dieser Zeit kam es zu einer klimatischen Veränderung. Der Regenwald wich zurück. An seinen Randgebieten änderten sich die Lebensbedingungen. Die entstehenden Baumsavannen boten eine größere Vielfalt an Lebensräumen. Hier standen die Bäume zu weit auseinander, um sich weiterhin von Ast zu Ast zu hangeln. Ein aufrechter Gang konnte in diesen Gebieten sinnvoll sein, um zu überleben. Die Entwicklung der gemeinsamen Vorfahren von Menschen und Menschenaffen spaltet sich auf, zwei eigenständige Stränge entstanden. Es war der erste Schritt zum Menschen. Der aufrechte Gang entstand also nicht, wie immer noch häufig zu hören, in der Savanne. Nach heutigem Wissensstand begann der Mensch seine Entwicklung am Rande des tropischen Regenwaldes in Afrika.

Vor 2,8 Millionen Jahren gab es eine weitere einschneidende Klimaveränderung, die die Entwicklung unserer frühesten Vorfahren nachhaltig beeinflusste. Die Ozeantemperaturen sanken ab und auf den Kontinenten brachen eisige Zeiten an.

Rekonstruktion eines Homo rudolfensis.Homo rudolfensis nutzte erstmals primitives Werkzeug

Erste primitive Werkzeuge

Auch in Afrika wurde es um einige Grad kühler. Zu den globalen kamen noch regionale Veränderungen hinzu. So entwickelte sich das Afrikanische Rift, ein Gebirge, das Auswirkungen auf das regionale Klima hatte. Am Rande des Grabenbruchs türmten sich mächtige Gebirgszüge auf. Sie bildeten eine Wetterscheide: Während an der Westseite starke Niederschläge zu Boden gingen, blieb ein großer Teil des östlichen Afrikas relativ trocken. Savannenlandschaften entstanden, die Nahrung wurde trocken und hartschalig. Nur die Frühmenschen, die mit dem veränderten Speiseplan zurechtkamen, konnten überleben. Die einen schafften es mit großen Mahlzähnen, wie der Australopithecus. Die anderen nutzten erstmals primitive Werkzeuge (Homo rudolfensis), um die Nahrung zu knacken und warfen damit ihre Konkurrenten aus dem Rennen. Ihre Linie führt zum Homo sapiens.

Unsere frühesten Vorfahren mussten sich also stets von Neuem den unterschiedlichen Lebensbedingungen anpassen. Innerhalb einer Hominiden-Art gab es zudem immer auch verschiedene geografische Varianten, die zur gleichen Zeit an unterschiedlichen, voneinander getrennten Orten gelebt haben. Alle haben sie ihre jeweiligen Überlebensstrategien entwickelt. (Eine Tatsache, die es den Wissenschaftlern die Zuordnung fossiler Hominidenfunde nicht unbedingt erleichtert.)

Rekonstruktion eines Schädels des Homo erectus.Der Homo erectus gilt als der erste Hominide, der sich aus Afrika verbreitete

Out of Africa

Neben der evolutionären Veränderung als Anpassung ist die Wanderung eine geschickte Strategie, den Lebensraum beizubehalten. Wer überall zurechtkommen will braucht zudem Hilfsmittel, mit denen er den Herausforderungen der jeweiligen Region Herr werden kann. Mit seinen Werkzeugen machte sich der Mensch zum ersten Mal unabhängig von direkten Umwelteinflüssen. Er verbreitete sich zunächst in Afrika. Im Laufe der Zeit entwickelte er zudem Jagdtechniken und lernte mit dem Feuer umzugehen.

Damit waren unsere Vorfahren bestens ausgerüstet, um nun den afrikanischen Kontinent zu verlassen. Spätestens vor zwei Millionen Jahren eroberte der Mensch neues Terrain. Wieder entwickelten sich, je nach Anforderungen ihres Lebensumfeldes, unterschiedliche Varianten innerhalb der Urmenschenfamilie, die jetzt auch in Europa und dem Nahen Osten verbreitet waren.

Ebenfalls in Afrika entstand vor einer halben Million Jahren der Erfolgreichste von ihnen, der Homo Sapiens. Und auch er ging auf Wanderschaft. Homo sapiens, der moderne Mensch, verließ vor etwa 120.000 Jahren Afrika, zog nach Indien und weiter in den nahen Osten. Seine extreme Anpassungsfähigkeit machte ihn seinen verwandten Arten überlegen. Und er besiedelte die ganze Welt.

Andrea Wengel, Stand vom 27.02.2013
Sendung: Neues von den Urmenschen!, 27.02.2013

http://www.planet-wissen.de/politik_geschichte/urzeit/afrika_wiege_der_menschheit/

http://www.planet-schule.de/sf/php/mmewin.php?id=145

Allgemeine Erklärung der Menschenrechte

PRÄAMBEL

Da die Anerkennung der angeborenen Würde und der gleichen und unveräußerlichen Rechte aller Mitglieder der Gemeinschaft der Menschen die Grundlage von Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden in der Welt bildet,

da die Nichtanerkennung und Verachtung der Menschenrechte zu Akten der Barbarei geführt haben, die das Gewissen der Menschheit mit Empörung erfüllen, und da verkündet worden ist, daß einer Welt, in der die Menschen Rede- und Glaubensfreiheit und Freiheit von Furcht und Not genießen, das höchste Streben des Menschen gilt,

da es notwendig ist, die Menschenrechte durch die Herrschaft des Rechtes zu schützen, damit der Mensch nicht gezwungen wird, als letztes Mittel zum Aufstand gegen Tyrannei und Unterdrückung zu greifen,

da es notwendig ist, die Entwicklung freundschaftlicher Beziehungen zwischen den Nationen zu fördern,

da die Völker der Vereinten Nationen in der Charta ihren Glauben an die grundlegenden Menschenrechte, an die Würde und den Wert der menschlichen Person und an die Gleichberechtigung von Mann und Frau erneut bekräftigt und beschlossen haben, den sozialen Fortschritt und bessere Lebensbedingungen in größerer Freiheit zu fördern,

da die Mitgliedstaaten sich verpflichtet haben, in Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen auf die allgemeine Achtung und Einhaltung der Menschenrechte und Grundfreiheiten hinzuwirken,

da ein gemeinsames Verständnis dieser Rechte und Freiheiten von größter Wichtigkeit für die volle Erfüllung dieser Verpflichtung ist,

verkündet die Generalversammlung

diese Allgemeine Erklärung der Menschenrechte als das von allen Völkern und Nationen zu erreichende gemeinsame Ideal, damit jeder einzelne und alle Organe der Gesellschaft sich diese Erklärung stets gegenwärtig halten und sich bemühen, durch Unterricht und Erziehung die Achtung vor diesen Rechten und Freiheiten zu fördern und durch fortschreitende nationale und internationale Maßnahmen ihre allgemeine und tatsächliche Anerkennung und Einhaltung durch die Bevölkerung der Mitgliedstaaten selbst wie auch durch die Bevölkerung der ihrer Hoheitsgewalt unterstehenden Gebiete zu gewährleisten.

Artikel 1

Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen.

Artikel 2

Jeder hat Anspruch auf alle in dieser Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten, ohne irgendeinen Unterschied, etwa nach Rasse, Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Anschauung, nationaler oder sozialer Herkunft, Vermögen, Geburt oder sonstigem Stand.

Des weiteren darf kein Unterschied gemacht werden auf Grund der politischen, rechtlichen oder internationalen Stellung des Landes oder Gebietes, dem eine Person angehört, gleichgültig ob dieses unabhängig ist, unter Treuhandschaft steht, keine Selbstregierung besitzt oder sonst in seiner Souveränität eingeschränkt ist.

Artikel 3

Jeder hat das Recht auf Leben, Freiheit und Sicherheit der Person.

http://www.un.org/depts/german/grunddok/ar217a3.html

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